1144
Wahrscheinlich fand diese Feierlichkeit am 15. Oktober
statt, zu welcher sich außer dem König udn dem Erzbischof von
Mainz viele angesehene Fürsten und Herren des Reiches eingefunden
hatten; so die Bischöfe Buco von Worms, Bernhard von paderborn und
Wiger von Brandenburg, die Äbte Wibald von Stablo, Aleholf von Fulda,
Konrad von Helmershausen und reinhard von reinhausen; Markgraf
Albrecht der Bär, Landgraf Ludwig von Thüringen als Klostervogt,
die Grafen
Hermann von Winzenburg und sein Bruder Heinrich von Asle,
Sizzo von Käfernburg, Ernst von Tanne, Gottfried und Poppo von Ziegenhagen,
Ludwig von Lara und Rudger.
Hermann von Winzenburg und sein Bruder Heinrich
von Asle waren nicht allein deshalb nach Hersfeld gekommen, um die
Angelegenheit des Klosters Reinhausen fördern zu helfen, ein viel
wichtiger Grund trieb sie dazu, den König und den Erzbischof von Mainz
aufzusuchen und ihre Gunst zu gewinnen.
Graf Siegfried von Bomeneburg, ein Enkel Ottos
von Nordheim, war am 27. April 1144 gestorben und bei seinen Ahnen
zu Nordheim beigesetzt worden. Ob seine Ehe mit Richenza,
deren Herkunft nicht bekannt ist, kinderlos blieb, läßt sich
nicht mit Sicherheit bestimmen. Die Gräfin Guda von Arnstein
kann seine Tochter oder seine Schwester gewesen sein. Sehr ansehnlich war
Siegfrieds Eigentum in Allodialgütern gewesen, von denen er
einen Teil zur Stiftung des Zisterzienserklosters Amelungsborn verwendet
hatte. Nicht weit davon lag seine Besitzung Homburg, von der er öfter
den Namen führte. Außerdem gehörten ihm noch Nordheim,
Hitfeld, Ninover in der späteren Grafschaft Dassel, Elrichshofen und
zahlreiche kleinere und größere Güter. Vom Reich trug er
die südlich von Eschwege in Hessen gelegene Bomeneburg zu Lehen sowie
die Vogtei über das Kloster Korvei, die in der Familie erblich gewesen
zu sein scheint. Andere Lehen besaß er vom Erzbistum Mainz und vom
Bistum Hildesheim.
Nach dem Erwerb nun dieser Allodialgüter und Lehen
des verstorbenen Siegfried trachteten Graf Hermann von Winzenburg
und sein Bruder Heinrich. Die Reichslehen konnte sie nur vom König
empfangen; aber auch ein Wort von ihm zu ihren Gunsten bei den übrigen
Lehnsherren sowie bei den Erben Siegfrieds mußte sehr ins
Gewicht fallen.
In der Tat zeigte sich der König ihren Wünschen
geneigt. Denn ihre Absicht erreichten sie fast vollkommen. Die Bomeneburg
allerdings kam nicht in ihre Hände, KONRAD
scheint sie vorläufig an das Reich zurückgezogen zu haben; wohl
aber gewannen die Grafen von Winzenburg und Asle die meisten übrigen
Lehen des Grafen Siegfried, insbesondere diejenigen, welche er von
Erzbistum Mainz und vom Bistum Hildesheim gehabt hatte.
Die Übertragung derselben wurde aber wohl dadurch
sehr erleichtert, daß Heinrich von Asle die Witwe des Grafen
Siegfried nicht lange nach dessen Tode heiratete [144 In der
Urkunde des Erzbischofs Heinrich von Mainz datiert: Acta sunt a.d.i.
1144, ind. 7, rgnte rege Cunrado
huius nominis III. Data in Rostorph. V. Kal. Dec. (Guden, Cod.
dipl. I, 160 ff.) heißt es: Noverint ... zuniversi ... qualiter
comite Sigfrido de Buomeneburc sine heredibus defuncto, dum beneficium
olim sibi consessum vacaret, ... tractabamus ... ut eccleise ... provideremus
... Item in loco ... quilingua vulgata Heligstat nuncupatuer, constituimus,
ubi vidua defuncti comitis cum marito nuper sibi coniuncto Heinrico
comite et Herimanno fratre ipsius de Plesse in hoc convenium,
ut investitit beneficio memorato abbatiam in Norteheim (die dem BOMENEBURGER
gehört hat, vgl. Anm. 42) et in Reinhausen Deo beatoque Martino
(das heißt Mainz) ...extenderent ... et hoc precipue ob receptum
a nobis beneficium collaudaverunt. - Hieraus folgt, daß die Ehe
zwischen Heinrich und der Witwe Siegfrieds, als deren Namen
Schrader, Dynastenst. Seite 130f., Richenza mit Wahrscheinlichkeit
nachweist, vor dem 27. November 1144 vollzogen war. Vermutlich hielt die
Witwe nur sechs Monate, also bis zum 27. Oktober (vgl. Anm. 40), Trauerzeit.]
.
Durch Kauf brachte Hernmann von Winzenburg ferner
einen bedeutenden Teil der Allodien des verstorbenen Siegfried,
darunter die Abtei Nordheim an sich [145 Nordheim hatten die WINZENBURGER
schon vor der Hochzeit Heinrichs mit der Witwe Siegfrieds
erworben. Siehe die vorige Anmerkung. Herzog
Heinrich der Löwe sagt in einer Urkunde von 1153 (Orig. Guelf.
IV, 528): Notum sit ... quod Hermannus comes, qui hereditatem
Sigfridi comitis a legitimis heredibus emptam possedit, villam quandam
... ad usus pauperum Christi tradidit. - Die legitimi heredes waren
der Abt Heinrich von Korvei, dié Äbtissin Judith
von Kemnade und Guda, die Gemahlin des Grafen Ludwig von Arnstein.
Siehe oben Anm. 7 und 40.].
Da zu den Erben, von denen Hermann die Güter
erstand, auch der Abt Heinrich von Korvei gehörte, verursachte
die Wahl des WINZENBURGERS zum Vogte dieses Klosters wohl keine
Schwierigkeit, und der König gab seine Zustimmung.
So gelangte das Geschlecht der WINZENBURGER zu
einem ungeahnten Aufschwung. Hermann und sein Bruder Heinrich
zählten durch diesen bedeutenden Machtzuwachs nunmehr zu den einflußreichsten
Männern im Herzogtum Sachsen. Indem der König ihnen so erhebliche
Förderung zuteil werden ließ, trat seine politische Absicht
klar hervor: er wollte sich in Sachsen einen zuverlässigen Anhang
schaffen.