WILHELMINER


Während der Regierungszeit Ludwigs des Deutschen brachten die WILHELMINER aus der Graman-Sippe alle Donau-Grafschaften in ihre Hand. Die Grenzgrafen Wilhelm und sein Bruder Engilschalk fanden 871 den gewaltsamen Schlachtentod, so daß scheinbar ihre Macht ausgelöscht war. Da die sechs Söhne der beiden Gefallenen noch minderjährig waren, wurde Aribo I., vermutlich ein Verwandter der GEROLDE, als deren Nachfolger eingesetzt. Nach ihrer Mündigkeit forderten sie aber die Grenzgrafschaft zurück und zwar mit Gewalt. Es ist durchaus anzunehmen, dass die WILHELMINER gerichtliche Klage erhoben und somit die Vorbedingungen zu einer echten Fehde schufen. Aribo verbündete sich mit dem Reichsgegner Swjatopluk von Mähren und besiegte offenbar mit brutaler Gewalt die WILHELMINER. Die in den Kämpfen übriggebliebenen WILHELMINER aber verbündeten sich mit Herzog Arnulf von Kärnten, Aribos Gegner, indem sie seine Lehensleute wurden. Als ARNULF 887 König wurde, konnte er die Fehde durch einen Vergleich beenden: Aribo musste zwar die östlichen Grafschaften den WILHELMINERN überlassen, wurde aber seiner übrigen Ämter nicht entsetzt. Wilhelms II. Sohn Ruodpert konnte sich mit Hilfe ARNULFS VON KÄRNTEN in Karantanien etablieren. Eine zweite Katastrophe des wilhelminischen Hauses setzte mit der Blendung des Grafen Engilschalk zu Regensburg ein. Sein Vetter Wilhelm III. wurde enthauptet, dessen Bruder Ruodpert in Mähren mit seinem Gefolge ermordet. Trotzdem konnte sich diese Familie - wahrscheinlich wäre schon die Bezeichnung "Geschlecht" zutreffend - auch von diesem Schlag erholen. Sie lebte in den JÜNGEREN WILHELMINERN fort, die im 10. Jahrhundert in Kärnten und um Salzburg greifbar waren. Freilich fiel der größte Teil der Grafschaften und der Grundherrschaft in die Hand versippter Familien, der LUITPOLDINGER, SIEGHARDINGER, der Burggrafen von Regensburg. Wie die Fuldaer Annalen zu 893 melden, raubte Engelschalk eine uneheliche Tochter ARNULFS und floh mit ihr nach Mähren. Doch versöhnte er sich bald darauf wieder mit dem Kaiser. Aber die politische Position der WILHELMINER blieb im Osten doch irgendwie erhalten. Bedeutendste Erben wurden die Grafen von Ebersberg.
Die Linie der WILHELMINER im Salzburggau wurde fortgesetzt in den Grafen von Raschenberg-Reichenhall und den Grafen von Plain-Hardegg, so dass die WILHELMINER bis ins 13. Jahrhundert biologisch und politisch im östlichen Markenraum halten konnten.
 
Störmer Wilhelm:
Seite 110,192,207,219,227,460
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Früher Adel. Studien zur politischen Führungsschicht im fränkisch-deutschen Reich vom 8. bis 11. Jahrhundert."

Natürlich wäre es sehr wichtig zu wissen, wer unser Liudolf zu Ettiching war und wie er genealogisch einzuordnen ist. Möglicherweise ist er identisch mit jenem Liutolt, der 963  als Sohn des Grafen Wilhelm in den Salzburger Traditionen erscheint und damit zu den Vorfahren der Herren Plain-Hardegg gehört. Dann hätten wir einen sehr wichtigen Anschluß gefunden für das »Stammgut« eines hochmittelalterlichen Geschlechts. Da der Aktionsraum der PLAINER vornehmlich im Salzburger Gebiet liegt, wie auch der des Handgemal-Inhabers, ist es einerseits nahehegend, in letzterem einen Vorfahren der PLAINER und damit auch einen Nachkommen der WILHELMINER zu sehen. Östlich des Liudolf'schen Handgemalsortes Ettiching hatten die frühen Wilhelminer ihr Eigenkloster Kuhbach-Rottalmünster. Freilich begegnet uns 996, also etwa zur gleichen Zeit wie Liudolf zu Ettiching ein Liudolf als Sohn des Burggrafen Papo von Regensburg. Dieser Burggrafen-Sohn trat um 996 ins Kloster St. Emmeram ein. Mit diesem scheint wiederum identisch zu sein jener Ludolf, der zusammen mit einem Papo als Vogt für einen Priester Ellinpreht 972/76 fungiert, welcher Besitz im Raume Erding, Vilsbiburz. Ebersberg vertauscht, also immerhin in einem Raume, der von Ettiching nicht allzu weit entfernt liegt. 977/994 begegnet Liudolf allein als Vogt für einen Kleriker Reginfrid im gleichen geographischen Raume. Damit muß auch im Falle des Handgemals zu Ettiching die Unsicherheit einer Zuordnung letzten Endes bleiben.
Den Typus Fehde großen Stils finden wir vornehmlich in den ausgedehnten Machtkämpfen der Grafen-Familien des bayerischen Ostens in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts, obwohl wir auch hier über die Rechtsformen der Fehde nichts aussagen können. Als Beispiel soll die große Familienfehde zwischen den WILHELMINERN und ARIBONEN [173
Darüber siehe RIEZLER, Geschichte Baierns I 1², Seite 401f, 409f; MITTERAUER, Karol. Mlarkgrafen 178 ff, 248f. Zu einzelnen Vorgängen dieser Fehde vgl. die plastische Darstellung in den Annales Fuldenses (MG SS in us. schol. ed. KURZE) zu 884 (Seite 110ff) und zu 893 (Seite 122); ferner HERRMANN, Slaw.-germ. Beziehungen, Quellenbuch 155 ff, 175f.] kurz aufgezeigt werden:
Aribo I. wurde nach dem gewaltsamen Schlachtentod der beiden Grenz-Grafen Wilhelm und Engilschalk, die Brüder waren, 871 von König Ludwig III. als deren Nachfolger eingesetzt. Die sechs Söhne der beiden gefallenen Brüder waren damals noch minderjährig. Nach ihrer Mündigkeit forderten sie aber die Grenzgrafschaften zurück, und zwar mit Gewalt. Es handelt sich also um einen typischen Fehdefall, der sich auf verletztes Recht berufen kann. Es ist durchaus anzunehmen, daß die WILHELMINER gerichtliche Klage erhoben und somit die Vorbedingung einer echten Fehde schufen [174
Zu den Vorbedingungen einer echten Fehde vgl. BRUNNER, Land und Herrschaft 49 f.].
Wenn Markgraf Aribo die Besitzungen der Grafensöhne verwüstete und diese aus ihren Herrschaftsgebieten vertrieb, so paßt das ganz in das Bild der späteren Ritterfehde, denn Raub und Brand, Gefangennahme und Tötung sind die Mittel der Fehdeführung. Dazu kommt ein weiteres, was ebenfalls in den Fehdefällen, die BRUNNER für das Spätmittelalter besonders herausstellt, eine Rolle spielt, nämlich das Bündnis mit einer »auswärtigen« Macht: Da Aribo keinen Rückhalt beim deutschen König hat, wendet er sich an den Gegner seiner Vorgänger, den Mährer-Herzog Swjatopluk, dem er zur Bündnisfestigung seinen Sohn Isanrich als Geisel stellt. Durch die Hilfe dieses Reichsgegners siegt Aribo mit offenbar brutaler Gewalt über die WILHELMINER. Die in den Kämpfen übriggebliebenen WILHELMINER aber verbündeten sich mit Herzog Arnulf von Kärnten, Aribos Gegner, indem sie seine Lehensleute wurden. Aribos Machtstellung in der Mark wurde zwar von König KARL bestätigt, da aber Herzog Arnulf sich damals eine königsgleiche Stellung im Osten aufbaute, mußte er natürlicherweise in einen Gegensatz zum Markgrafen kommen. Als ARNULF 887 König wurde, konnte er die Fehde durch einen Vergleich beenden: Aribo mußte zwar die östliche Grafschaft den WILHELMINERN überlassen, wurde aber seiner übrigen Ämter nicht entsetzt. Es kann also nicht die Rede davon sein, daß Aribo im Sinne der damaligen Zeit als Hochverräter galt. Dabei ist freilich zu bedenken, daß Aribo sich bereits eine Machtposition geschaffen hatte, die nicht einfach durch einen Rechtsbeschluß hätte beseitigt werden können.
Zunächst sei auf eine auffällige Tatsache hingewiesen. Die Inn-Salzachliuie muß als Verteidigungszentrum im 7./8. Jahrhundert eine größere Rolle gespielt haben. An der Mündung des Inn in die Donau liegt Passau, das offenbar Herzogspfalz war und später Bistum wurde, innaufwärts die später so bedeutende Pfalz (Alt-)Ötting; zwischen den beiden das Kloster Kühbach-Rotthalmünster, das in der Zeit Herzog Hugberts von einem Aristokraten Willihelm gegründet wurde [39
Trad. Pass. nr. 55.], der vermutlich der Spitzenahn der später im Traungau als Grafen fungierenden WILHELMINER ist [40 MITTERAUER, Karol. Markgrafen 115.].
Wir gehen nicht fehl, wenn wir die Burg Linz - mindestens zeitweise - als Sitz führender fränkischer Amtsträger ansehen, die sowohl die Grenze als auch den Donauverkehr und den Straßenübergang nach Norden in das slawische Waldgebiet überwachten. Es kam kein Zweifel sein, daß um dieses königliche Zentrum größeres Adelsgut massiert war; urkundlich greifbar ist es freilich nur in Einzelfällen, und zwar besonders um Linz und St. Florian. Am stärksten besitzmäßig verwurzelt scheinen im Linzer Raum die WILHELMINER gewesen zu sein. Graf Wilhelm I., als Amtsträger im Traungau Nachfolger des Grafen Graman, schenkt 826 Besitz im Linzer Raum an das Kloster Mondsee, 853 im Linzer und Weiser Gebiet und 854 zu Perschling (Nieder-Österreich) an das Kloster St. Emmeram zu Regensburg. Er erhält 854 gleichzeitig Lehensbesitz in Eskituna (St. Agatha oder Eschenau zwischen Aschach und Donaulauf), das heißt also in demselben Raum, in dem der große Graf Machelm 776 einen umfangreichen Besitzkomplex an Regensburg geschenkt hatte [108
Trad. Reg. nrr. 4, 26, 27. Über Graf Wilhelm und seinen Besitz siehe MITTERAUER, Karol. Markgrafen 104ff; ferner NEUMANN, Volksordnung 291f.]. Schließlich übergab er vor 855 das ganze Gebiet zwischen Narn, Aist, Donau und Nordwald der Domkirche Regensburg. Man beachte dabei den engen Kontakt zu Regensburg, das damals »Residenzstadt« der ostfränkischen KAROLINGER war, und zum Königskloster Mondsee. MITTERAUER [109 MITTERAUER, Karol. Markgrafen 106.] zeigt, daß Wilhelm I. mit dem Traungau-Grafen Graman, seinem Vorgänger, verwandt ist, der ebenfalls südlich von Linz begütert war, aber auch in irgendeiner Weise den Gründer des Klosters Kühbach-Rottalmünster zu seinen Vorfahren zählen muß. Dieses Rottalmünster liegt unweit des Inn zwischen den alten Pfalzen Passau und Ötting, ist in das ältere »Verteidigungssystem« (oder besser Etappensystem) der AGILOLFINGER eingeordnet. Wie bei Machelm und Graman stellen wir also auch bei den WILHELMINERN den »Sprung« in das zweite östliche Grenzsystem des Traungaus fest. Die WILHELMINER hatten ferner wie Graman Beziehungen zu Salzburg und zum Isengebiet im bayerischen Westen [110 Ebenda 107f; zu den zum Teil falschen Ergebnissen von MITIS: 111.].
Unweit von Ansfelden, wo Graman begütert war, treffen wir westlich der Traun in Hörsching um 800 einen Trogo, einen Walcho und dessen Gattin Irminpirc (vgl. Irminswint, die Tochter des Rottalmünster-Gründers Wilhelm!) [111
NEUMANN, Volksordnung 292.] Im unmittelbaren Nachbarort von Hörsching, in Trindorf (Trogindorf) findet sich wieder der Name Trogos [112 Trogo ist ein überaus seltener Name; ein Trogo ist in der Mitte des 8. Jh. Zeuge für Timo zu Thulbach (LK Freising), jenem Großen, der als Vorfahre der bayerischen Pfalzgrafen des 9. Jh. anzusprechen ist (Trad. Freis. nr. 7). Ferner ist Trogo Zeuge in Trad. Reg. nrr. 22 (für Abt Apollonius von Berg), 26 (für Graf Wilhelm I. Zeugenreihe: ... Trogo, Graman, Cunduuin). Genealogisch bleibt Trogo zunächst noch im Dunkeln. Es sei aber immerhin darauf hingewiesen, daß dieser seltene Name auch in der KAROLINGER-Sippe begegnet. Drogo ist ein Nachkomme Pippins des Mittleren und seiner Gemahlin Plektrudis. Vgl. HLAWITSCHKA, Merowengerblut bei den Karolingern? 81.].
Seite 227:
Graman, der siegreiche Heerführer gegen die Awaren und Graf im Traungau, entstammt einer bayerischen Adelssippe mit Besitzschwerpunkt im Raume Isen-Freising, doch scheint es, daß er starke alemannische und rheinisch-mainfränkische Beziehungen hatte [147 JÄNICHEN, Baar und Huntari 89f, 98f; KLINGSPORN 99; STÖRMER, Eine Adelgruppe um die Fuldaer Äbte 30ff.]. Der missus Otachar und mit ihm die ältesten OTACHARE müssen wiederum typische Reichsaristokraten aus dem Mainzer und wohl auch dem fränkisch-burgundischen Raum gewesen sein. In der Zusammensetzung der führenden Adelsschicht der ersten Periode zeigt sich also deutlich das Vorherrschen des fränkischen, aber auch des alemannischen Elements reichsaristokratischer Prägung, das sich besitzmäßig im Osten stark zu etablieren suchte und sich zum Teil nicht zuletzt durch bedeutende Klostergründungen Prestige erwarb. Trotz enger Verwandtschaftsbeziehungen kam es zunächst noch nicht zur direkten Erblichkeit der Ämter und damit auch nicht zur Dynastienbildung. »Die mangelnde Durchdringung des Landes verhinderte weitgehend eine Festsetzung der Adelsgeschlechter, wodurch für die Kontinuität der führenden Oberschicht keine günstigen Voraussetzungen gegeben waren.« Besser scheinen die Bedingungen für die Untergrafen gewesen zu sein, die stärkeren Rückhalt im bayerischen Altland hatten.
Die Zeit König Ludwigs des Deutschen, der Regensburg zu einer Art Hauptstadt machte, bedeutet für den bayerischen Osten eine stärkere Intensivierung der Königsherrschaft. Ludwig übertrug wieder einem Kreis fränkischer Großer, die vornehmlich aus den Mainlanden kommen, die wichtigsten Funktionen an der Ostgrenze seines Teilreiches. Ernst, Ratpot und Werner sind unter ihnen die maßgebenden Persönlichkeiten. Sie »hatten anfänglich weniger Beziehungen zum bayerischen Adel als die führenden Grafen der vorangegangenen Epoche«, doch dürften sie verwandtschaftliche Beziehungen zu den einheimischen Sippen geknüpft haben. Auffallend ist, daß die Familie der GEROLDE unter Ludwig dem Deutschen völlig zurücktritt, mit ihr auch das alemannische Element in der östlichen Führungsschicht.
Die neuen fränkischen Reichsaristokraten, deren sich Ludwig im Osten bediente, waren jedoch naturgemäß Gegner der Reichsteilung, was infolge
des Mißtrauens des Königs schließlich zur Strukturänderung in der Herrenschicht der Marken führte. Nachfolger des Präfekten Ratpot wurde Prinz Karlmann, der Sohn des Königs. Dieser Vorgang zeigt bereits, wie gefährlich die Großen im Grenzraum dem Herrscher werden konnten. Nun griff denn auch König Ludwig in viel stärkerem Maße auf bayerische Sippen, oder besser gesagt, besonders auf eine Großsippe zurück, nämlich die Gruppe um den ehemaligen Grafen Graman, deren Bedeutung in diesem Jahrhundert gar nicht groß genug eingeschätzt werden kann.
Die Grenzgrafen der ausgehenden KAROLINGER-Zeit (856-907) zeigen das Bild der Verfestigung der Adelsmacht und beachtlicher Ansätze zur Dynastienbildung. Es gelang dem Königtum nicht mehr, diese Großen zur Botmäßigkeit zu bringen, zumal schon Ludwigs des Deutschen Sohn Karlmann - durch seine Gattin, eine Tochter des Grafen Ernst, verwandtschaftlich gebunden und selbst in Opposition zu seinem Vater - mit jenen fränkischen Großen zusammenarbeitete, deren Macht Ludwig der Deutsche einzuschränken gedachte. Ein raffiniertes politisches Schachspiel läßt sich feststellen; Ludwig setzt wieder einen Vertreter der alemannischen GEROLD-UDALRICHINGER-Sippe, Udalrich, als Graf in Pannonien ein, 861 enthebt er den mächtigen Grafen Ernst und andere Große ihrer Ämter. Nachfolger des Grafen Werner wurden die WILHELMINER aus der Graman-Sippe, die alle Donau-Grafschaften schließlich in ihre Hand brachten. Die Katastrophe des bayerischen Heeres 871 konnte nur scheinbar die Macht der WILHELMINER auslöschen, als die Leitung der Donau-Grafschaften dem Markgrafen Arbo, der vermutlich ein Verwandter der GEROLDE war, übertragen wurde. Wilhelms II. Sohn Ruodpert konnte sich mit Hilfe ARNULFS VON KÄRNTEN in Karantanien etablieren. Eine zweite Katastrophe des wilhelminischen Hauses setzte mit der Blendung des Grafen Engilschalk zu Regensburg ein. Sein Vetter Wilhelm III. wurde enthauptet, dessen Bruder Ruodpert in Mähren mit seinem Gefolge ermordet. Trotzdem konnte sich diese Familie - wahrscheinlich wäre schon die Bezeichnung »Geschlecht« zutreffend - auch von diesem Schlag erholen. Sie lebte in den jüngeren WILHELMINERN fort, die im 10. Jahrhundert in Kärnten und und Salzburg greifbar sind. Freilich fiel der größte Teil der Grafschaften und der Grundherrschaft in die Hand versippter Familien, der LUITPOLDINGER, SIEGHARDINGER, der Burggrafen von Regensburg. Aber die politische Position der WILHELMINER blieb im Osten doch irgendwie erhalten. Bedeutendste Erben wurden die Grafen von Ebersberg. Die Linie der WILHELMINER im Salzburggau wurde fortgesetzt in den Grafen von Raschenberg-Reichenhall und den Grafen von Plain-Hardegg, so daß sich die WILHELMINER bis ins 13. Jahrhundert biologisch und politisch im östlichen Markenraum halten konnten.

Schon im späten 9. Jahrhundert konnte der König die Verwandten eines Reichsvasallen nicht ohne weiteres übergehen, auch wenn dieser des Treubruchs bezichtigt und überführt wurde. So zeigt sich im bayerischen Markengebiet bei der Katastrophe der WILHELMINER von 895 (deren Ursache im Grunde in der Unmündigkeit der Söhne der Grenz-Grafen Wilhelm und Engelschalk lag, die sich aber gegen die Ämterübertragung an den Markgrafen Arbo auflehnten, als sie großjährig geworden waren), der Empörung also einer bedeutenden Adelsfamilie, die zu ihrem Sturz, zum Verlust sämtlicher Ämter und der Konfiskation ihrer Güter führte, daß die jüngeren »WILHELMINER« die Positionen ihrer Vorfahren zum Teil wieder zurückgewinnen konnten mit Ausnahme der Grafschaften [20 MITTERAUER, Karol. Mlarkgrafen 188.]. Diese waren nämlich bezeichnenderweise im 10./11. Jahrhundert in der Hand verschiedener mit den älteren WILHELMINERN versippter Familien, unter denen vor allem die EBERSBERGER zu nennen sind. Ähnlich war es in Ost-Franken nach der Katastrophe der älteren BABENBERGER 906. Trotz der Hinrichtung der beiden babenbergischen Brüder und der Konfiskation der Güter finden wir ihre Grafschaften bald wieder in der Hand von POPPONEN, freilich wohl mit besonderer Unterstützung der ihnen verwandten OTTONEN. Ihre Nachfolgeherrschaft, nämlich die Heinrichs von Schweinfurt, konnte hundert Jahre später von Kaiser HEINRICH II. endgültig zerschlagen werden. Auch nach dem Verlust der Pfalzgrafenwürde für die ARIBONEN wegen der Beteiligung Aribos am Aufstand von 1055 kam dieses Amt nicht an irgendeinen Großen, sondern an den verwandten Rapoto von Rott-Vohburg. Hier zeigt sich also durchaus eine Sippengebundenheit und Sippemnacht, die der König bei seiner Personalpolitik in Rechnung stellen maßte.