d)
Markwarts Gattin
Liutbirg
ist
als solche urkundlich bezeugt: Nrn. 47,82. Die Eheschließung
dürfte
angesichts des Vorhandenseins
erwachsener Söhne um 1065 (Nr. 47) etwa
1045-1050 anzunehmen sein. Liutbirgs Herkunft ist nicht sicher
geklärt.
Die Forschung hat in
ihr
früher sogar eine Tochter Kaiser
HEINRICHS IV. gesehen, so - im
Anschluss an Lazius - Scholliner, De Gerbirge, 625 (m. Stammtaf.
V). Seit
Tangl, Eppenstein 2, 383 f. und 3, 287 f., hat man sich im allgemeinen
eines Urteils enthalten, so auch Jaksch, Kärnten 1, 195.
Neuere Zuweisungsversuche
haben Bracher, Laßnitztal, 83 (m. Stammtaf. S. 85), und Tyroller,
Genealogie, 112 nr. 10 und 120 nr. 11,
vorgelegt. Bracher vermutet für
Liutbirg
Zugehörigkeit zu den sog.
LURNGAUERN: Sie war eine Schwester
des von
ihm als Gatten der
bei
Nr. 52 angeführten Cuniza
angenommenen Waltchun
gewesen, also eine Tante Waldos.
Dagegen hat sich Tyroller für Abkunft
aus
der Familie von Herzog Adalberos
Gegner Wilhelm, Grafen im Sanntale
(siehe unten 87f.) ausgesprochen. Beide Thesen bedürfen
gewisser Konstruktionen.
Der erstere arbeitet überwiegend besitzgeschichtlich, doch
angesichts
der Unsicherheit, ob Erbschaften durch
Filiation oder Verwitwung angetreten
wurden, gerade deshalb wenig gewiss (vgl. die in ähnlicher
Richtung
suchenden, aber um eine ganze
Generation anders liegenden Andeutungen von
Pirchegger, Landesfürst 1, Stammtafel IV). Tyrollers mehr vom
Namengut
ausgehende
These hat immerhin für sich, dass sie den Namen Herzog
Liutolts von Kärnten, des Sohnes
Markwarts,
erklären kann: Liutbirgs
Vater
wäre demnach der UB. Sbg.
1, 268 ff. nrn. 33-34 (ca. 1002) in Gesellschaft eines Markwart als Zeuge
auftretende Salzburger Vogt
Liutolt, Bruder des 1036 getöteten Grafen
Wilhelm, gewesen. Freilich ist auch dies nicht geradezu bewiesen
(so Tyroller,
a.a.O., 116
Abs.
d), fügt sich indes in den historischen Ablauf der
Rückkehr der Adalbero-Nachkommen
nach Kärnten gut ein.
- Liutbirg starb
November 15 eines unbekannten Jahres
(etwa im letzten Viertel des Jh.; Grenzen: Nrn. 47, 82): Liupirgis
ducissa Carinthyae, mater
fundatoris zu XVII kal. dec. im
Necr. St. Lamb. B (ed. Pangerl, 213, ed. Herzberg-Fränkel, 340;
Necr.
A fehlt für die letzten 4
Kalendermonate). - Die Annahme einer früheren
Ehe Markwarts mit einer Brigida
bei Klebel, Aquileja, 403, und dems., Hohenstaufen
(Stammtaf.), dürfte
auf irriger Auffassung der in sich äußerst verworrenen
Quellen
aus Rosazzo beruhen (vgl. Nr. 20 c), doch lassen
besitzgeschichtliche Beobachtungen
die Möglichkeit einer früheren Ehe durchaus zu (siehe unten
105 f.).
e) An Kindern Markwarts kennen wir:
1.
Markwart: siehe Nr. 49 und oben Nr. 40 c;
† wohl
vor 1077, da im Zusammenhange der Erbfolge nirgends erwähnt.
Vermutungen
über den Todestag aufgrund Bernoldi chron.
(ed.
Pertz, 391 f.) von
Tangl, Eppenstein 3, 271 Anm. 147, führen nicht weiter. Vgl.
Tyroller,
Genealogie, 113 nr. 16.
2. Liutolt, Herzog von Kärnten: Siehe Nrn. 55-66.
3. Heinrich, Herzog von Kärnten: Siehe Nrn. 67-100.
4. Ulrich, Abt von St. Gallen (III.) und Patriarch von Aquileja I.: Siehe Tyroller, Genealogie, 113 f nr. 19, und unten 109 f.
5.
Hermann, kaiserlicher Gegen-Bischof von
Passau,
evt. nach Markwarts Großvater
mütterlicherseits genannt: Siehe Tyroller,
Genealogie, 114 nr. 20,
und unten 111.
Weiterhin werden als Kinder Markwarts in der Forschung angesehen:
(1.)
Eberhard, u.a. Abt von Ottobeuren und Tegernsee († 1091).
Er
wird in Tegernseer Quellen als Bruder eines Abtes Ulrich von St.
Gallen bezeichnet, woraus u.a. Lindner, Monast. Salzb. 198, 408,
und
ders., Monast. August., 89, sowie neuerdings wieder Bauerreiss,
Ottobeuren,
79f. mit Stammtaf. Seite 108, entnehmen, er sei ein Sohn
Markwarts gewesen. Gegen diese
die Quellenaussage einengende, sonst nicht zu stützende Auffassung
bereits Meyer von Knonau, Heinr.
IV.
und V. 3, 64f. mit Anm. 100. Eine Erklärung
bietet jetzt Keller, Einsiedeln, 129 Anm. 238, indem er Eberhard als den
Bruder von
Ulrichs III. von St. Gallen gleichnamigem Vorgänger
ansieht (1072-1076; vgl. Cont. cas. s. Galli, ed. Meyer von Knonau,
42ff.). Damit
ist
Eberhards Eintragung im St. Galler Necrolog ebenso
gut erklärt wie mit der namentlich von Bauerreiss mit
entsprechenden
Konsequenzen sehr sicher vorgetragenen ersteren Annahme (a.a.O., 79
Anm.
19: "Es ergibt sich folgender Stammbaum ...").
(2.)
Switger, Abt von St. Magnus: Bruder des Eberhard (1.);
seine Verknüpfung mit dem Kärntner
Markwart
(Bauerreiss, Ottobeuren,
79 f. mit Stammtafel Seite
108) fällt
mit der Ausscheidung Eberhards.
(3.)
Die noch MdC 4/II. Stammtaf. 1, Pirchegger, Steiermark
1, 123, Paschini, Friuli 1, 226 f., Wiesflecker, Reg. Görz 1
nr.174,
Gewin,
Herkunft
52 und 70, und Bauerreiss, Ottobeuren, 108 (Stammtaf.)
als Mutter des ersten Spanheimer Herzogs von Kärnten erscheinende
weitere Tochter Markwarts, Hedwig,
ist mit Tangl, Eppenstein 4, 164ff., und besonders Klebel, Spanheimer,
61, zu eliminieren; Herzog
Hermann
III. von Kärnten, Markwarts
Sohn, war nicht der Onkel (patruus), sondern der
Taufpate
(patrinus) Herzog Heinrichs IV.
aus
der neuen Dynastie der SPANHEIMER
auch Tellenbach, Reichsadel, 214 m. Anm. 102, und Tyroller, Genealogie,
109.
(4.)
Für eine Tochter
Willa (Tyroller, Genealogie, 114
nr. 21:
Gattin des Aribo, des Gründers von Weißenohe
- GP 3/III, 294 nr. 1) fehlen Belege; der Name spricht ebenso gut
für Zugehörigkeit zur
ebersbergischen Verwandtschaft. - Allgemein
gedenkt Heinrich (oben 3.) 1103 zwar ausdrücklich seiner
Brüder,
deren einer,
Ulrich,
damals
noch lebte, doch ist von den Schwestern
keine Rede (Nr. 82).
Nr. 47 [1065-1066]
Marchuuart, filius Adalberonis ducis, et uxor eius Liutpirc et filii eorum geben dem Erzbischof Gebhart von Salzburg
(1) die Zehntrechte aller ihrer Güter in episcopio Iuuauensi,
(2) in marcha autem non integre, sed tuntum de
suis et clientum suorum curtibus
stabularis,
quas vulgo stadelhof dicimus, ferner der
Salzburger
Kirche zu Händen des Erzbischofs und seines Vogtes Engelbert
(3) predium Otarniza dictum et
(4) partem quam habuerunt in ecclesia que est in castro Heingist, cum uno nobilis viri manso et
(5) partem suam de ecclesia ad Tiuina cum clerico ibidem famulante et ipsius beneficio atque manciptis;
sie erhalten dagegen an Zehnten
(1) decimas in valle Auoloniza ex toto ad ecclesiam eiusdem vallis, et
(2) ceterarum decimarum, quas tradiderunt, terciam
partem ad ecclesias
in subnotatis locis constructas: Wizinchiricha,
Grazluppa,
Treueliccha, Fiuhta, Sulca, Treuena, Mulzpuhil, Agriah,
Pibera,
Lonicha, et ad ecclesiam sancti Lamperti in silva,
et si eis aut
posteris
suis placitum fuerit ultra Moram fluvium
ecclesiam facere,
ferner an Pfarrechten für ihre Eigenkirchen
(3) (a) ecclesie sue ad Auoloniza et sacerdoti eidem
ecclesie
ministranti bannum ab episcopo et ius baptizandi
sepeliendique
et
omne
illud reginem eccklesiasticum quo post episcopum
eiusque missum
plebesani utuntur, super omnes eiusdem vallis
inhabitatores
und
dieselben Rechte für ihre Kirchen
(b) ad Pibera [...] super omnes homines suos liberos ac servos inter Primarespurch et Dietenpurch er Perenovua habitantes,
(c) ad Agriach [...] super omnes vel suos vel
aligenos qui utrimque
prope Moram fluvium inter fonten iuxta Rotinstein
quo marcha et
comitatus ad Liubana terminantur et solitudinem inferius
iuxta
Steindorf sitam habitant.
(d) ad Munstiure quod et Mulzpuhil dicitur [...]
super omnes homines
suos liberos asc servos qui in eodem predio et in
aliis locis ad
idem predium pertinentibus habitant.
(e) ad Grazluppa [...] super omnes homines suos
liberos ac servos in
predio eorum utrimque prope Moram fluvium inter
Vuigantesdorf
et
predium Fricchonis et Mulenarisdorf et
Piscoffisperch
habitentes cum his etiam qui ad
Arnoltesperch et qui ad Arpindorf
in predio
abbatiam Gossiensem pertinente habitant, lediglich
(4) homines autem eorum servi ac liberi in predico
Fricchonis et
Mulenaresdorf et Piscoffisperch et inde deorsum in
ceteris locis ad
solitudinem Friesah ve(r)gentibus habitantes ab ecclesia
episcopi
eiusque sacerdote regantur.
(5) alle ihre übrigen freien und unfreien Leute
aber, die außerhalb
jener 5 Kirchspiele (3a-e) quacumque in hac
provincia
wohnen, sollen
von diesen 5 Kirchen und denen zu Fuita, Trevena,
Sulca, Treuelicha,
Vizinchiricha, Lommicha et ab ecclesia sancti
Lamberti
in silva et
ab earundem ecclesiarum sacerdotibus baptisma solummodo
et
sepulturam haben.
(6) exceptis hominibus eorum, qui infra terminos ecclesie episcopi adscriptos continentur.
Dies und die beiderseitige Investitur bezeugen:
Fridarich, Marchuuart,
Liuttolt, Perhtolt, Meginhart, Herimann, Engilpreht, Otto, Anzo,
Volffram,
Hernust, Hartnit, Otto, Eppo, Crimolt, Ratpoto, Pezili, Heinrich.
D: UB. Stmk. 1 nr. 68 (zu ca. 1066; vgl. ebd. Erg.-Heft,
51), UB. Sbg. 2 nr. 95 (zu 1060-1076). - R: MdC 3 nr. 328 (zu
1065-1066;
vgl.
ebd.
Erg.-Heft 1, 3), Reg. Görz 1 nr. 133 (zu ca. 1060-1076).
- Übers.: Tangl, Eppenstein 2, 349ff.
Als zeitlicher Ansatz der - wie die (trotz Jaksch, Kärnten
1, 245) rechtsgeschichtlich verwandten Nrn. 45a-d - undatierten Urkunde
hat sich
"ca.
1066" eingebürgert; vgl. die Angaben bei den Druckorten
sowie Wonisch, Graslupptal, 8 Anm. 48, und Mezler-Andelberg, St.
Lambrecht,
537f.
Zur Lokalisierung der Ortsnamen: Die Zusammenstellung
von Krone, Alpenländer, 370 Anm. 153, leidet unter
Missverständnis,
da sich in
marcha (oben Abs. 2 der
Leistungen Markwarts) nur auf die Zehntrechte
bezieht. Im einzelnen (alphabetisch):
Agriah: Adriach bei
Fronleiten; Zahn, Ortsnamenbuch, 3
Arnoltesperch: Adelsberg, Dorf
nordwestlich Mariahof:
Zahn a.a.O., 2
Arpindorf: Adendorf, Dorf
nordwestlich Mariahof: Zahn
a.a.O., 2
Auoloniza: Aflenz/Stmk. Der
hiesige Markwart-Besitz dürfte
auf Nr. 32 zurückgehen. Später Propstei von St. Lambrecht.
Dietenburch: Nordöstlich
Ligist auf dem Dietenberg
(über der Kainach); Zahn, a.a.O., 132; als Burgstall heute noch im
Gelände
erkennbar: Baravalle, Burgen, 545. Vgl. zu Primaarespurch.
Fiuhta: Maria Feicht bei
Feldkirchen/Kärnten
Grazluppa: Graslab bei
Neumarkt/Stmk.; Zahn, a.a.O.,
228. Die Gegend ist altes Siedelland, der Name vermutlich
langobardischer
Herkunft: Kranzmayer: Ortsnamenbuch 1, 52 und 118. Vgl. allg. Wonisch,
Graslupptal (m. Kte. Seite 32/33).
Heingist: Hengstburg auf dem
Wildoner Schloßberg.
- Die Kirche ist nicht identisch mit St. Maragrethen apud Hengist (UB.
Sbg. 2 ,r.
305); siehe Pirchegger, Hensgstburg, 67, und ebenso Baravalle,
Burgen, 330.
s. Lampertus in silva: St.
Lambrecht/Stmk.
Lomnicha: Lobming
südwestlich Knittelfeld/Stmk.;
Zahn, a.a.O., 314.
Mulenarisdorf: Mühlen
südöstlich Neumarkt/Stmk.;
Zahn, a.a.O., 347. (Ob nicht eher Mühldorf unmittelbar
südsüdwestlich
Neumarkt?)
Mulzpuhil: Molzbichl, BH.
Spittal/Drau. - Zur Ausdehnung
der Pfarrei: Klebel, Villach, 37 Anm. 106. - Die Stätte ist
wenigstens
seit
karolingischer Zeit besiedelt,
s. zuletzt Dolenz, Molzbichl.
Otarniza: Oternitz bei St.
Florian an der Lasnitz (westlich
Leibnitz/Stmk.); Zahn, a.a.O., 366.
Perenovua: Bernau, Dorf bei
Seding; Zahn, a.a.O., 33.
Pibera: Piber, Dorf
nördlich Köflach; Zahn,
a.a.O., 38.
Piscoffisperch:
Bischof(s)berg, Gehöft nordöstlich
Neumarkt; Zahn, a.a.O., 43. Entgegen der dort durchgeführten
Trennung
der Belege ist
Identität mit der
Nennung in Nr. 5 anzunehmen.
Primarespurch: Wie Dietenpurch
(siehe oben!) eine der
frühest bezeugten Burgen in Steiermark. Die von Zahn, a.a.O., 68,
bei Pichling
südwestlich Köflach vermutete Anlage hat Ebner,
Primaresburg, anhand spezieller Geländeuntersuchung und der
erreichbaren
Quellen
einleuchtend auf den strategisch günstigen jetzigen
Franziskanerkogel
westlich Köflach (Höhe 713) lokalisiert (mit Planskizzen).
Baravalle,
Burgen, 563f., nimmt demgegenüber, ohne auf Einzelheiten
einzugehen,
die Gegend von St. Johann (ca. 1500 m nördlich des
Franziskaner-Kogels)
an.
Rotinstein fons: Quelle
Kaltenrinn südwestlich Rötelstein/nordöstlich
Fronleiten; Zahn, a.a.O., 88.
Sulca: Himmelburg nordwestlich
Feldkirchen/Kärnten
(slowenisch Sokava); Kranzmayer, a.a.O. 2, 102.
Tiuina: Tiffen bei
Feldkirchen/Kärnten; Kranzmayer,
a.a.O., 2, 222. - Der Zehnte gelangte später von Erzbischof Gebhart
an Kloster
Admont: UB. Sbg. 2 nr. 140 (Seite 213); vgl. Klebel, Zehente, 351f.
Treuena: Treffen bei
Villach/Kärnten; Kranzmayer,
a.a.O. 2, 226. - Ursprünglich Königsgut; dortiger Besitz 878
an Altötting
( D Klm.
nr. 14); 1007 von HEINRICH II.
zurückerworben: D H II nr. 133. Klebel, Villach, 33, nimmt an,
dass
die Kirche um 1050 an Markwart
gelangt war, doch ist Erbschaft nach seinem
Vater, der das Gut zur Zeit HEINRICHS II.
erlangt haben kann, wahrscheinlicher: Moro,
Originalurkunde, 226. Unabhängig
von diesem auf die curtis des
Karlmann-Diploms
zurückgehenden Güterkomplex ist auch Salzburg
selbst seit 860
in T. begütert (D LD nr. 102, dazu Posch, Lokalisierung, 256,
sowie
früher Klebel, Pfarren und Kirchen Kärntens 3, 107,
115). Zur
weiteren Besitz-Geschichte Kerkhoff, Veringen, 51-72, mit
überzeugender
Umdatierung von MdC 3. nr. 501 auf 1172 (anstatt
1096).
Treuelicha: Treffling
nordöstlich Sittal/Kärnten;
Kranzmayer, a.a.O. 2, 226.
Vuigantesdorf: Nordwestlich
Neumarkt/Stmk; Zahn, a.a.O.,
498
Wizinchiricha:
Weißkirchen bei Judenburg/Stmk;
Zahn, a.a.O., 489; vgl. Pusching, Weißkirchen.
Zur Gattin Markwarts
s. Nrn. 40 c-d; die Möglichkeit, aus dem Wechsel zwischen Singular
und Plural in der Urkunde Schlüsse auf
Liutpirgs Besitzanteil
zu ziehen, beurteilt Pirchegger, Eigenkirchen, 282, skeptisch. Die
ersten
Zeugen sind wahrscheinlich Markwarts
Vetter (Sohn
von Herzog
Adalberos Bruder Eppo;
vgl. Trotter, Abstammung Friedrichs,
615, und Tyroller, Genealogie, 112 nr. 14) und
zwei
von Markwarts
Söhnen (vgl. Nrn. 40 c und 40 e). - Siehe auch unten 99,103
ff.,120,127,130.
Nr. 54 [1076] Juni 16
Markwart stirbt. - Vgl. MdC 3 nr. 437.
Marchwardus institutor huius loci, fundator.
D: Necr. s. Lamb., ed. Pangerl, 137, ed. Herzberg-Fränkel, 328.
Anlageeintrag (ca. 1170) im auf ältere Vorlage beruhenden
St. Lambrechter Necrolog A zu XVI kal. Julii; die Worte institutor
huius
loci
stehen
über dem in Majuskeln geschriebenen Namen, fundator
ist späterer Zusatz. - Ein entsprechender, gleichfalls von
anlegender
Hand
stammender
Eintrag findet sich im Necr. s. Lamb. B (Mitte 14. Jh.;
ed. Pangerl, 137 m. Anm. 45): Marchwardus
institutor huius loci, wozu
später fundator primus 1096
gefügt wurde. - In späterer Überlieferung erscheint als
Todestag auch November 16;
siehe Wahnschaffe,
Kärnten, 65 Anm. 199.
- Von beiden Möglichkeiten unabhängig ist die übliche
Bestimmung
des in den Quellen fehlenden Todesjahres, da
1077
März-April bereits
Markwarts Sohn Liutold als
Herzog
erscheint [Nr. 57]. Trotzdem greift Pirchegger, Landesfürst 1, 13,
die ältere
Zuweisung
auf 1077 (so Scholliner, De Gerbirge, 623) wieder
auf, wofür Jaksch, Rosazzo, 237 nr. 4 = hier Nr. 48 kaum
zureichenden
Anhalt
bietet. Nur Druckfehler ist 1026: UB. Stmk., Erg.- Heft, 117. Als
Bestattungsort überliefert eine Quelle des 15. Jh. die Kirche
Greith
bei
Neumarkt/Stmk., wo er in Zisterzienserinnenkloster errichtet haben
soll: Notae s. Lamberti, ed. Hofmeister, 486; schon die zeitliche
Ungereimtheit
jener Klostergründung lässt die gesamte Stelle mit Vorsicht
aufnehmen,
doch scheint eine ausdrückliche Quelle für die von
Jaksch,
Kärnten
2, 264, behauptete Beisetzung in St. Lambrecht zu fehlen.
Trifft es zu, daß der 1061/1062 auftretende Adalbero comes der
Sohn und spätere Nachfolger
Otakars ist, so ist jener Eheschluß auf etwa 1040/1045
anzusetzen. In etwa dieselbe Zeit gehört auch die Heirat Markwarts mit Liutbirg (Nr. 40 d), in der wohl
eine Nichte des 1036 gefallenen Grafen Wilhelm zu sehen
ist [19
Außer genealogischen Erwägungen spricht dafür die
Tatsache,
daß Wilhelms Gattin Hemma
später in St. Lambrecht zur Gründerfamilie
des Klosters gezählt und dort verehrt wurde; siehe Wonisch,
Hemmakult.]. So war Markwart, der sich nicht nur gleich
nach seines Vaters Tod filius ducis Adalberonis nannte
(siehe außer Nr. 41 auch Nr. 47), und der in seinen letzten
Lebensjahren als Carinthiensis
comes erscheint (Nr. 68) [20
Auch dominus Carnotensis kommt
vor; siehe unten 109 (MdC
3 nr. 453). Der Ausdruck filius ducis
bezeichnete im späteren
Mittelalter geradezu den Thronfolger; siehe für Kärnten
Appe1t,
Landeswappen, 51 (1. H. 13. Jh.).], durch seine
eigene und seiner Schwester Ehe mit dem Lande, das sein Vater
innegehabt hatte, neuerdings verwandtschaflich eng verbunden, wobei Markwarts Ehe als ein Akt der Aussöhnung mit
Kärntner Rivalen besonders wichtig ist. Diese Verbindung im Verein
mit seinem dortigen Besitz, von dessen Umfang Nr. 47 einen Begriff
gibt, verschaffte ihm in Kärnten eine Stellung von weitgehend -
natürlich nicht rechtlich - herzogsähnlicher Machtfülle [21 In diesem
Sinne Jaksch, Kärnten 1, 189ff., und Pirchegger, Steiermark 1,
135f.].