3. GRAF GRAMAN UND SEINE SIPPE
Der eine der beiden Heerführer in der siegreichen Schlacht gegen
die Avaren am Ybbsfeld, Grahamannus,
konnte als Graf des Traungaus
wahrscheinlich gemacht werden. Wie bei manchen anderen führenden
Persönlichkeiten in den südöstlichen Grenzgebieten
vermutete man auch bei ihm schwäbische
Stammeszugehörigkeit [1 H.
Jänichen, Baar und Huntari, Vorträge und Forschungen 1
(1955), 98. G. Tellenbach, Der großfränkische Adel und die
Regierung
Italiens in der Blütezeit des Karolingerreiches, Forsch. z.
Oberrhein.
Landesgesch. 4 (1957), 59.]. Mit dem Scherra-Grafen Karaman, der von 797
bis 834 nachweisbar ist, hat er jedoch sicherlich nichts zu tun [2 Wartmann 143,176,226,230,246,351.].
Die Namensform Craaman, die sich in den Passauer Traditionen findet [3 Heuwieser
55a.], zeigt deutlich, daß Grahaman nicht mit Garoman/Karaman, sondern mit Graman/Craman gleichzusetzen ist.
Dieser Name tritt vor allem in den Salzburger und Freisinger Urkunden
auf und läßt sich hier recht gut verfolgen. Die Annahme
einer bayerischen Abstammung des
Traungau-Grafen hat daher von vornherein viel Wahrscheinlichkeit.
Zunächst begegnet Graf Graman
in den Breves Notitiae des Salzburger
Erzbischofs Arn. Seine zahlreichen Schenkungen betreffen Gut in
Tacherting (n. Trostberg), Kirchheim (sö. Tittmoning), Pietling
(sw. Fridolfing), Ansfelden (b. Linz) [4
Hauthaler 1, 44 ff. ] und vor allem in Mehring
(sw. Burghausen). Hier tritt er zusammen mit seiner Gattin Maza und einer ungenannten Schwester auf [5 Hauthaler 1, 48.], ein anderes
Mal mit seinem proximus Rihho [6 Hauthaler 1,
49, Die Bezeichnung proximus könnte auch
auf
Erzbischof Arn bezogen werden,
der, wie noch zu zeigen ist, tatsächlich
mit Graman verwandt war. In
dieser Weise wird die Stelle von O. Mitis,
Sippen im Traungau, Neues Jahrbuch der Her.-gen. Ges. Adler 1
(1945/46), 22, interpretiert. Grammatikalisch richtig müßte
es darin
aber proximus suus, nicht eius, lauten.].
Gemeinsam mit seinem Bruder Walpercht gibt
er in Tacherting [7
Hauthaler 1, 46.]. Die Familie hatte also reichen
Besitz zwischen Salzach, Alz und Waginger See. Ein anderer Schwerpunkt
der Sippe dürfte an der oberen Isen zu suchen sein. Jener Craman, der zwischen 772 und 777 in
Freisinger Urkunden begegnet, ist nämlich niemand anderer als der spätere Graf des Traungaus. Wie
noch zu zeigen ist, gehört er in einen Verwandtenkreis, für den der Name Waldperht charakteristisch
ist. So hieß aber auch der in den Salzburger Quellen
erwähnte Bruder des Graman comes. Dadurch
scheint dessen Identität mit dem Craman
der Freisinger Urkunden sichergestellt.
773 gibt Graman seinen und seines Bruders Pabo
Anteil in Dorfen (BA Erding) an Freising [8 Bitterauf 62.].
Als seine Eltern werden hier Oadalman und Perhtswint genannt. Mit Pabo zusammen bezeugt Graman 772 die Schenkung eines Hunperht in Ilmmünster [9 Graman
testes Waninc testes Papo testes (Bitterauf 46b).
Der hier genannte Waninc
erscheint später als iudex, wohl im
Traungau (Bitterauf 143b, Heuwieser 45).]. Im
selben Jahr begegnet er bei einem Traditionsakt in Isen in der
Zeugenreihe Toto Popo Graman Adalperht Ratolt Scrot
[10
Bitterauf 50.]. Zwei Tage nach seiner eigenen
Vergabung in Dorfen ist er zum zweiten Mal Zeuge für Hunperht [11 Bitterauf
63. ]. 777 bezeugt er nach Droant und Heimuni die Teilung von Besitz in
Holzen (BA Freising) und Isen (BA Erding) zwischen Toto und seinen vier Söhnen Wago, Scrot, Cundhart und Ratolt [12 Bitterauf
86.]. Nach dieser Nennung verschwindet er aus den
Freisinger Urkunden. Wahrscheinlich war ihm bei der Teilung mit seinen
Brüdern vor allem der Besitz im Salzburggau zugefallen, so
daß er sich hauptsächlich in dieser Gegend aufhielt. In
einer Passauer Urkunde aus den Jahren 788/91 wird er zum letzten Mal
genannt [13
Heuwieser 45; zur Datierung dieser Urkunde vgl. oben 2, Anm. 4.].
Der Personenkreis, mit dem Graman
in den Freisinger Urkunden begegnet, läßt bereits in
großen Zügen seine Sippenzugehörigkeit erkennen. Vor
allem helfen die Nachrichten über seinen
jüngeren Bruder Pabo weiter. Er ist schon 769 unter den
Zeugen der Schenkung von Innichen an das Kloster Scharnitz anwesend [14
Bitterauf 34; dazu E. Zöllner, Der bairische Adel und die
Gründung von Innichen, MIÖG 68 (1960), 380 ff.].
Hier tritt er in besonders vornehmer Umgebung auf, so daß man
annehmen darf, daß auch seine eigene Familie bereits in der AGILOLFINGER-Zeit
zu den angesehensten Bayerns gehörte [15 Vor ihm
werden unter anderem genannt: Otachar,
der spätere
Grenzgraf (vgl. u. 50 ff.), Hliodro,
Graf im Traungau und Crimperht,
der Sohn Wettfis, aus der Hauptlinie der genealogia
Fagana (Bitterauf
81, 17, 5). Der nach Pabo
genannte Zeuge Haripraht war
wohl der Sohn Adaluncs von Roning
(Widemann. 5, 1) und
gehörte einer sehr vornehmen Regensburger Familie an, von der noch
zu
sprechen sein wird (vgl. unten 112 f.).]. Die
Schenkung wurde von Herzog Tassilo mit dem Konsens
seiner optimates vollzogen,
zu denen also auch Pabo
zählte. Um 791 tradiert er nach dem Tode seines Sohnes Tuto mit seinem zweiten Sohn, dem Priester Friduperht, Besitz in
Kirchötting und Grüntegernbach (beide BA Erding). Hier wird
auch seine Gattin Waltila
genannt. Gleichzeitig geben Priester
Friduperht und ein Ato ihren
gesamten geistlichen und weltlichen Besitz in denselben Orten, ein Engilperht nur seinen geistlichen [16 Bitterauf
160-162; Tuto wird 791 zum
letzten Mal genannt
(Bitterauf 142). Der Schreiber der Urkunde, der Priester Heimilo,
erscheint schon seit 760 (Bitterauf 15), muß also damals schon
ziemlich
alt gewesen sein. Die Urkunde ist daher wohl kurz nach 791 anzusetzen.].
Die einzigen Laienzeugen der Schenkungsakte sind jeweils Ato und Engilperht, die auf Grund einer
weiteren gemeinsamen Nennung wohl als Brüder zu betrachten sind [17 Bitterauf
151.]. Altersmäßig gehören sie
bereits der Generation von Pabos
Söhnen an. Die Formulierung der Traditionsnotiz
hinsichtlich ihrer Miterbenschaft in Kirchötting und
Grüntegernbach macht ein nahes
Verwandtschaftsverhältnis zu Pabo wahrscheinlich. Sie waren
wohl die Söhne eines seiner
Brüder, vielleicht sogar
Graf Gramans selbst.
Während Ato in den
Freisinger Urkunden weiterhin nicht hervortritt, läßt sich Engilperht noch einige Male
nachweisen. 821 treffen wir ihn bei der Übergabe der Kirche in
Unterlaus im Kreise weiterer Sippenangehöriger [18 Bitterauf
442.]. Diese Kirche hatte ein Friduperht zusammen mit seinen Miterben Hunperht, Engilperht, Folcho, Waldperht, Hruodperht, Richelm und Sundarhart errichtet. Gleichzeitig
mit der Übergabe der Kirche an Freising schenken Hunperht und sein Sohn Richolf ihren ganzen
Besitz zu Unterlaus. Bei Friduperht,
dem Hauptbeteiligten der Schenkung, könnte an den gleichnamigen Sohn Pabos gedacht
werden. Vom geistlichen Stand des Schenkers ist allerdings hier nicht
die Rede. Wahrscheinlicher haben wir es bereits mit einem jüngeren Friduperht zu tun.
Seit 814 läßt sich nämlich auch ein Laie dieses Namens
nachweisen. Er wird einmal in einer Zeugenreihe neben einem Tuto genannt, was darauf hinweisen
könnte, daß auch er zur Sippe
Graf Gramans zu zählen ist [19
Bitterauf 338. Er hatte wahrscheinlich über einen Milo Beziehungen zu einem jüngeren Ato, der 846 als Diakon erwähnt wird (Bitterauf
685).
Eine Verfolgung dieser Sippenzusammenhänge würde jedoch hier
zu weit
führen.]. Von den übrigen Mitbesitzern
werden Sundarhart und Folcho sonst überhaupt nicht
erwähnt, Richelm
innerhalb der in Frage kommenden Zeit nur ein einziges Mal [20 Bitterauf
305. Wohl ein jüngerer Richelm
bezeugt 845 vor
Fridaperht die Schenkung des Edlen Cundpato in Grimmelbach (BA
Erding)
(Bitterauf 670). Cundpato ist
821 Spitzenzeuge in Unterlaus.].
Wesentlich besser informiert sind wir über andere der Miterben Friduperhts in Unterlaus. Der
bedeutendste unter ihnen ist zweifellos Hunperht, der Vater Richolfs. Wir sind ihm schon
zweimal im Zusammenhang mit Graman
begegnet. Er muß 821 bereits sehr alt gewesen sein, da seine
ersten Nennungen in das Jahr 772 fallen. Ein Rihperht gab damals das Erbe seiner Mutter Adalaswint in
Ilmmünster, Haimhausen, Fürholzen und Giesenbach (alle BA
Freising) [21
Bitterauf 46ab.]. Zehn Tage später tradierte
Hunperht im selben Sinne seinen
Anteil aus dem Erbe der Adalaswint.
Er war offensichtlich ebenfalls deren
Sohn, also ein Bruder Rihperhts. Rihperht trat später in den
geistlichen Stand ein und wird noch bis 816 genannt [22 clericus 778/91-808 (Bitterauf
122,139,220,278a),
prespyter 814-816 (Bitterauf 320, 356). Daß er ein Bruder Hunperhts
war, wird auch durch das Zeugenpaar
Hunperht Rihperht angedeutet
(Bitterauf 247). ]. Ein Jahr nach seiner ersten
Schenkung gibt Hunperht mit
Erlaubnis seines Herrn, des Herzogs Tassilo, seine willa Sweinpah für das
Seelenheil Tassilos
und seiner Eltern Otilo und Hildtruda [23 Bitterauf
63.]. Die Zeugenreihe wird vom Herzog selbst
angeführt. Es folgen Machelm,
einer der bedeutendsten Vasallen Tassilos, der reichen
Besitz im Traungau hatte [24 Heuwiesen 6,9,10, Widemann 4,
Hauthaler 1, 39, OÖUb 1, 1/1, 3/4, 10/16, Bitterauf 74.],
Heimuni, der Sohn Adaluncs von Roning [25 Widemann 1,
6.], Hunperhts
Bruder Rihperht, Reginolf von
Hohenbercha [26
Bitterauf 22; er hatte Besitz in Ummünster (Bitterauf 24b), Hunperht seinerseits in Hohenbercha.]
und der spätere Graf Graman.
Diese vornehmen Persönlichkeiten unter den Zeugen gestatten
Rückschlüsse auf die Abkunft des Schenkers. Die
Gedenkstiftung für die herzogliche Familie läßt sogar
an Verwandtschaft mit den AGILOLFINGERN selbst
denken. Durch den Sturz Herzog Tassilos dürfte
auch die Machtposition Hunperhts gelitten
haben. Er tritt seither kaum mehr in bevorzugter Position in
Erscheinung. Wahrscheinlich gehörte er zu den wenigen bayerischen
Adeligen, die dem letzten AGILOLFINGER-Herzog treu
geblieben waren.
792 begegnet Hunperht als
Zeuge für Heimuni in
Grüntegernbach neben einem Waldperht
[27
Bitterauf 153.]. Es handelt sich hier wohl nicht
mehr um den Bruder Graf Gramans,
der überhaupt in Freisinger Urkunden nicht mit Sicherheit
nachzuweisen ist [28
ln Frage käme eventuell ein Waldperht,
der 770/83 als erster Zeuge einer Schenkung in Frauenuhr (Pf. Dorfen,
BA Erding) erscheint (Bitterauf 40). Wie sein Bruder Graman war wohl auch er
mehr im Salzburggau begütert.], sondern um
den schon erwähnten Miterben in Unterlaus. Seit 806 erscheint ein jüngerer Hunperht, der
sicherlich nicht mit dem bis 821 genannten Vater Richolfs identisch sein kann [29 Er wird
nämlich 819 nach genannt, den wir noch als einen EnkelMahtperht des älteren Hunperht
kennenlernen werden (Bitterauf 407).]. Von diesem
Richolf erfahren wir zu seinen
Lebzeiten bloß, daß er zusammen mit einem Sicco auf seine Ansprüche auf
die Kirche in Buch am Buchrain (BA Erding) verzichtete [30 Bitterauf
288.]. Mit seinem
Sohn, dem Priester Adalperht,
machte er eine Schenkung in Airischwand (BA Freising), die sein zweiter Sohn Mahtperht 843 erweiterte und
erneuerte [31
Bitterauf 662. ]. Richolf selbst tritt 824 zum letzten
Mal in den Zeugenreihen auf [32
Bitterauf 507.]. Der Priester Adalperht, der 812 und 813
als Diakon genannt wird,
dürfte vor 837 gestorben
sein [33
Bitterauf 300,492 und 627.]. In Airischwand
schenkt jedoch schon bedeutend früher ein Priester Adalperht [34 Bitterauf
207.]. Bitterauf datiert die Tradition in die
Jahre 804-806. Auffallende Übereinstimmungen im Formular sowie die
Gleichheit der Zeugen mit einer anderen Schenkung des Priesters Adalperht [35 Bitterauf
32.] aus dem Jahre 769 beweisen jedoch, daß
diese Urkunde zur selben Zeit anzusetzen ist. Der Spitzenzeuge des älteren Adalperht ist ein Priester Wolfperht. Er hat 772 Besitz in
Altenhausen (BA Freising) [36
Bitterauf 47.]. Hier ist 883/87 ein Edler Richolf begütert, der
wohl nach Hunperhts Sohn benannt
ist. Es liegt also nahe, auch den älteren
Priester Adalperht zum Verwandtenkreis
Hunperhts zu zählen.
Daß auch Hunperht selbst
am Oberlauf der Iren, in der eigentlichen Heimat der Graman-Sippe, begütert war,
beweist der Ortsname Hampersdorf in der Nähe von Dorfen [37 Hunperhtesdorf 957/72 (Bitterauf
1200).]. Ebenso scheint nach ihm der Ort
Umbertshausen (BA Kehlheim) benannt zu sein, wo 857/64 sein Enkel Mahtperht Besitz hat [38 Hunperhteshusun (Bitterauf 808).].
Dieser war auch in Doetzkirchen, der Gründung eines Toto,
begütert [39 Totinchirihha (Bitterauf 805).].
Von den Mitbesitzern Friduperhts
in Unterlaus sind vor allem Waldperht
und Hroadperht von Bedeutung. Waldperht haben wir bereits in naher
Beziehung zu Hunperht
festgestellt. Von seinen 815 genannten Söhnen
Williperht und Chuniperht
[40
Bitterauf 350. ] empfing der erstere 814 seinen
Besitz mit dem Recht der Nutznießung für sich, seinen zweiten Bruder Antonio und den
Priester Rihperht von Freising
zu Leben [41
Bitterauf 320.]. Rihperht
war der Bruder Hunperhts. Die
Beziehungen zwischen diesen beiden Gruppen scheinen ziemlich eng
gewesen zu sein [42 Vgl. die Zeugenpaare Waldperht Mahtperht bei
einer Schenkung in Dorfen 825 (Bitterauf 513a) und Hunperht Chuniperht 821 (Bitterauf
447).]. 836 übergibt Williperht mit seinem Onkel, dem Priester Hroadperht, seinen Besitz
in Großkatzbach (Pf. Grüntegernbach) und Sneitu [43
Bitterauf 616.]. Unter den Spitzenzeugen finden
sich Toto und Mahtperht. Williperhts Onkel war wohl ein Bruder seines Vaters. In ihm
erkennen wir dessen Mitbesitzer in Unterlaus [44 Vgl. das Zeugenpaar Waldperht Hroadperht 816
(Bitterauf 361).]. Auch der Vater des Brüderpaars Waldperht
und Hroadperht tritt in den
Freisinger Urkunden auf. Trotz der Häufigkeit des Namens Hroadperht ist es wohl auf Grund
der Lage des geschenkten Gutes erlaubt, den in Großkatzbach
begüterten Priester mit dem gleichnamigen Sohn eines Egilperht zu identifizieren, der
791 in Aschau (BA Wasserburg) tradiert [45
Bitterauf 141.]. Die Spitzenzeugen der Schenkung, Heimuni und Adalo, sprechen für eine solche
Gleichsetzung. Egilperht finden
wir bloß ein zweites Mal in der Nennung Hato Agilperht von 762 [46 Bitterauf
17.]. Die Reihe Hato
Chuno Angilperht von 769 [47 Bitterauf
31.] und das Paar
Chuno Angilperht [48 Bitterauf
23.] legen jedoch den Gedanken nahe, daß Egilperht in der Urkunde von 791
bloß durch einen Schreibfehler statt Engilperht gesetzt wurde. Der Name Engilperht aber ist, wie wir
gesehen haben, in der Familie Graf
Gramans gebräuchlich. Möglicherweise war der Vater Priester Hroadperhts und Waldperhts ein weiterer Bruder Graf Gramans.
In der gleichen Generation dürfte auch die Verbindung zu der zuvor
behandelten Gruppe um Hunperht
und den Priester Rihperht anzusetzen
sein. Hier ist jedoch eher an Abstammung in weiblicher Linie zu denken.
Die Mutter der beiden Brüder,
Adalaswint, könnte eine Schwester Gramans und Pabos gewesen sein. Es ergäbe
sich dadurch die auffällige Namensvariation Perhtswint-Adalaswint-Adalperht.
Über Vermutungen ist hier jedoch nicht hinauszukommen.
Die Namen der Hroadperht-Waldperht-Gruppe
ermöglichen neuen Einblick in die Zusammenhänge der Graman-Sippe. So dürfte Chuniperht, der Sohn eines Adalperht, der 752 in
Pang (BA Rosenheim) an die Kirche zu Iren schenkt, einer früheren
Sippenschicht angehören [49
Bitterauf 6. Dieser Chuniperht
ist wohl der Chuniperht
iudex aus der
Zeugenreihe der Besitzteilung zwischen Toto
und seinen
Söhnen von 777 (Bitterauf 86). Auch der jüngere Chuniperht wird 829
auf
einer Gerichtsversammlung in Haimhausen als iudex erwähnt (Bitterauf
585a).]. Ein Priester
Chuniperht gibt 846 in
Haselbach (BA Erding) und Pfaffenkirchen (BA Mühldorf) [50 Bitterauf
686.], also in der gleichen Gegend, in der der
Schwerpunkt des Besitzes der
Graman-Sippe liegt. Sein zweiter Zeuge ist ein Friduperht, später folgt ein Engilperht. Im Ortsnamen
Pfaffenkirchen lebt außerdem ganz deutlich der Name von Gramans Bruder Pabo weiter [51Papinchirihun.].
Der seltene Name Antonio
begegnet 860/75 zusammen mit einem Hroadperht bei einer Schenkung an
der Moosach [52 Bitterauf 877.].
Auch hier wären verwandtschaftliche Zusammenhänge denkbar.
Der charakteristische Leitname der Familie dürfte Waldperht gewesen sein. Gramans Bruder trägt ihn,
ebenso sein mutmaßlicher Neffe.
Auch in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts tritt der Name wieder
in der Gegend an der oberen Iren auf, 875 ertauscht ein Graf Waldperht Besitz in Holzen und
Grüntegernbach, den alten Stammsitzen der Familie [53 Bitterauf
913. ]. Er ist zweifellos identisch mit dem Sohn
des Edlen Onhart, der 859/64 Liegenschaften in Jakobsrettenbach (Pf.
Dorfen) gegen solche zu Schwindau (BA Wasserburg) gibt [54 Bitterauf
819.]. Schon lange vorher wird Waldperht in den Freisinger
Urkunden genannt [55
Bitterauf 633,676,704,902 u. a.]. Sein Vater Onhart begegnet seit 815
in der Gegend an der oberen Isen [56
Bitterauf 345 (in Grüntegernbach), 346 (in Iren), 514 (in
Lappach), 704 (in Obergeislbach), 757 (in lsen).].
In einer Zeugenreihe dieses Jahres wird er nach Scrot und Waldperht und vor Ermperht und Cundhart genannt [57 Bitterauf
346 und 704. ]. Sein Name ist bisher in der Sippe Gramans noch nicht begegnet.
Vielleicht wurde die Verbindung durch seine Gattin hergestellt, aus
deren Verwandtenkreis dann der Name des Sohnes zu erklären ist.
Ein vierter Waldperht, der in
diesen Zusammenhang gehört, ist ein Priester, der 828 seinen Besitz zu
Pfettrach übergibt [58 Bitterauf
572.]. 830 schenkt er durch seinen Vogt Chadolho Güter in
Kollersdorf (BA Freiring), die er von dessen Eltern ererbt hatte [59 Bitterauf
597, Kollersdorf heißt hier Chadolhesdorf, ist also selbst wieder
die Gründung eines Chadolho.].
Chadolhos Vater aber
hieß selbst wieder Waldperht.
Er machte mit seinem Sohn Oato
eine Schenkung an Freising, die der andere Sohn Chadolho vor 806
bestätigte [60
Bitterauf 189, Der Name Oato dürfte
schon in einer früheren Sippenschicht vertreten gewesen sein, in
der der Namensgeber von Kirrhötting (Oatinga) zu suchen ist, wo Pabo, Friduperht, Ato und Engilperht begütert erscheinen
(vgl. oben 28).]. Als dritter Sohn ist vielleicht ein Immo hinzuzuzählen. Zwei Brüder, Oato und Immo, tradierten nämlich nach
783 an die Martinskirche in Biberbach [61
Bitterauf 234a.].
Die Schenkungsurkunde macht es wahrscheinlich, daß sie der
Gründerfamilie der Kirche angehörten. Aus einem inhaltlich
mit dieser Traditionsnotiz zusammenhängenden Stück erfahren
wir von einem Streit zwischen Bischof
Atto und den Erben der Kirchenstifter aus der Familie der MOHINGARA, der dadurch
beigelegt wurde, daß die MOHINGARA
ihre Ansprüche auf die Kirche fallen ließen und Bischof Atto sie an den Priester Rihperht weiterverlieh [62 Bitterauf
235.]. Unter den Zeugen der Urkunde erscheinen
zahlreiche Angehörige Chadolhos,
so daß mit Recht die im vorangegangenen Stück erwähnten
Söhne Waldperhts als die
Erben der Martinskirche angenommen werden dürfen [63 Erster
Zeuge vor Graf Helmui, dann Heriperht, Anno, Hrocholf, Toato, Chuniperht etc. Von ihnen wird nun
zu sprechen sein.]. Die Gegenleistung des
Bischofs für den Verzicht der MOHINGARA
dürfte die Verleihung der Kirche an ihren Verwandten, den Priester Rihperht, gewesen sein.
Damit aber wäre wahrscheinlich gemacht, daß zumindest eine
Gruppe aus dem Verwandtenkreis Graf
Gramans dem Adels-Geschlecht
der MOHINGARA angehörte, das zwar nicht eine der fünf
von der Lex Baiuvariorum erwähnten genealogiae war, jedoch zu den
ganz wenigen dem Namen nach bekannten Geschlechtern des altbayerischen
Adels zählt. Da man wohl annehmen darf, daß diese
Hochadels-Familien untereinander nahe verwandt waren, ist es nicht
unwahrscheinlich, daß eine der mit Graman versippten Gruppen,
vielleicht sogar seine eigene Familie, zu den fünf bevorzugten genealogiae des Bayernstammes
gehörte.
Chadolho, der 808 auch als Graf
erscheint [64
Bitterauf 264. ], hatte Besitz in Schwindau, wo
wir schon Graf Waldperht
begegnet sind. Hier verkauft er 813 zusammen mit Scrot Grundstücke an den Priester Ascrih und dessen Bruder Engilhard [65 Bitterauf
399b.]. In Schwindau, Grüntegernback,
Fischeröd (Pf. Grüntegernbach) und Obergeislbach (Pf.
Walpertskirchen) hatte der Priester
Ascrih auch von seinem Vater her Erbbesitz, dessen Übergabe
an Freising er 830 gemeinsam mit seinem
Bruder Toto bestätigte [66
Bitterauf 593.]. Ein
vierter Bruder Rihheri war
gemeinsam mit Toto und Ascrih in Niederthann (Pf.
Ummünster) begütert [67
Bitterauf 386b.]. Er tritt 839 mit seiner Gattin Hiltisnot in Dorfen
auf [68
Bitterauf 633.].
Die Ortsverbundenheit mit Graf Graman
und seiner Familie ist augenfällig. Aber auch in den Namen ergeben
sich Zusammenhänge. Vor allem sind Waldperht und Tuoto/Toto für die ganze Sippe
charakteristisch. Ein Toto ist
es auch, der das Bindeglied zu Graf
Graman herstellt. 775 schenkt er Land an der Amper und einen
Wald zu Airischwand, wo auch die Familie
Hunperhts begütert ist [69
Bitterauf 70, vgl. auch 207 u. 662.]. 777 bezeugt
Graman die Teilung Totos mit seinen vier Söhnen,
von denen Wago und Scrot aus Totos erster Ehe, Ratolt und Cundhart aus seiner zweiten mit einer Oaspurc stammen [70 Bitterauf
86.]. Das geteilte Gut lag in Isen und Holz, wo
ein Jahrhundert später Graf
Waldperht auftritt. 776
übergibt Totos Sohn Scrot
Land und Leibeigene an der Isen, zu Tegernbach, an der Pfettrach und ad silva [71 Bitterauf
72a. ]. Unter seinen Zeugen finden wir Cundhart und Ratolt, seine beiden jüngeren
Brüder, sowie einen Rihheri und
einen Waldperht. Gleichzeitig
schenkt Wago Besitzungen, die
wohl in derselben Gegend zu suchen sind [72 Bitterauf
72b.]. An der Pfettrach tradierte nämlich Wago 815 zusammen mit seinem Bruder-Sohn Toto Besitz zu
Nandlstadt [73
Bitterauf 333ab.]. Wenn aber Toto, der Bruder Engilhards, Ascrihs und Rihheris, ein fratruelis
Wagos war, dann müssen alle vier Enkel des älteren Toto gewesen sein.
Welcher von Totos Söhnen
ihr Vater war, läßt sich nicht eindeutig feststellen. Scrot fällt jedenfalls durch
die Verkaufsurkunde von 813 weg. Wahrscheinlich ist zwischen den jüngeren und den älteren Toto ein Sohn aus dessen zweiter Ehe mit Oaspurc einzuschieben.
Diese wird zwar in einer Bestätigungsurkunde Wagos für die Schenkungen
seiner verstorbenen Verwandten Toto,
Oaspurc und Scrot Wagos Mutter genannt [74 Bitterauf
456.], war aber nach der Besitzteilung von 777
eindeutig dessen
noverca. Besitz an der Pfettrach hatte auch der Priester Waldperht, den wir nach
allem Gesagten wohl als Enkel von
Chadolhos Vater Waldperht betrachten dürfen [75 Ein Ur-Enkel des älteren Waldperht
dürfte Graf Waldperht, der Sohn Onharts, gewesen sein.].
Auf Grund seiner Stellung in den Zeugenreihen sowie vor allem seiner
engen Ortsverbundenheit mit Scrot
und Engilhard, ist es wohl
nicht allzu gewagt, auch Chadolho
als Enkel Totos einzureihen [76 802/5 Wago clericus
erster Zeuge für Chadolho
(Bitterauf 189), 818 Chadolh Toto für
Chuniberht (Bitterauf 401b).].
Demnach wäre Chadolhos Vater
Waldperht als fünfter Sohn Totos anzunehmen.
Aus zeitlichen Erwägungen müßte man ihn den Nachkommen
der ersten Ehe zuweisen.
Totos Sohn Wago trat in den
geistlichen Stand ein. Seit 802 erscheint er als Kleriker [77 Bitterauf
189,198,208,227,280,298,352,514.], seit 806 als capellanus [78 Erstmals
Bitterauf 226.]. Nach seinem Tod im Sommer 830
wurde seinem Neffen, dem Priester Ascrih, die gleiche
Würde verliehen [79
Am 29. Mai begegnet Ascrih noch
als Priester (Bitterauf 593),
am 27. Juni wird Wago zum
letzten Mal genannt (Bitterauf 594), am 25. August erscheint Ascrih als cappellanus (Bitterauf
600).].
Außer den schon erwähnten Besitzungen Wagos erfahren wir 825 von weiteren
in Zolling, Gerlhausen und Holzen (alle BA Freising), die er von seinen
Eltern ererbt hatte [80
Bitterauf 523a]. Bei der Erneuerung der Tradition
dieser Güter finden wir als Spitzenzeugen einen Cundpald. Dieser
gibt 826 für das Seelenheil seiner Mutter Judith in Delnhausen [81 Bitterauf
529.]. Zusammen mit seinen Brüdern Drudmunt
und Diakon Chuanrat schenkt er 806 für seinen verstorbenen Vater,
den Grafen Droant, in Tuching (BA Freising) und demselben Gerlhausen,
wo auch Wago begütert ist [82
Bitterauf 226; dazu auch E. Zöllner, a.a.O., MIÖG 68 (1960).
375.]. Dieser ist nun hier seinerseits erster
Zeuge, gefolgt von seinem Neffen Engilhard. Graf Drudmunt und Cundpald
wiederum bezeugen kurz darauf die Verzichtserklärung Engilhards
gegenüber Wago [83 Bitterauf
227.]. 818 findet sich die Reihe Wago Chuniberht
Cundpald und 822 das Paar Engilhard Cundpald [84 Bitterauf
401b und 466.]. Unter den Zeugen von Cundpalds Schenkung in Delnhausen
von 826 erscheint Chadolho und
als dieser um 802/805 die Schenkung seines
Vaters Waldperht bestätigt, sind seine Spitzenzeugen Wago, Droant und Drudmunt [85 Bitterauf
189.]. Die Reihe Droant Wago Drudmunt
wird schon 794 genannt [86
Bitterauf 172.]. 776 ist Droant vor Cundhart und Ratold Zeuge für Scrots Schenkung an der Isen, an
der Pfettrach und in Holzen, 777 vor Heimuni
und Craman für die
Teilung Totos mit seinen
Söhnen [87
Bitterauf 72a und 86.]. Der erste Zeuge dieser
Urkunde nach den Bischöfen von Freising und Neuburg ist ein Cundpald, der zweifellos der 757-760
genannte iudex dieses Namens ist [88 Bitterauf
10 und 15.]. Durch die gemeinsamen Beziehungen zu
Toto sowie durch das
Zeugenpaar Cundpald
iudex Droant wird die Verbindung zwischen dem älteren und dem jüngeren Cundpald hergestellt [89 Bitterauf
10.]. Es handelt sich bei ihnen wahrscheinlich um
Großvater und Enkel, so
daß wir Graf Droant wohl als Sohn des Cundpald iudex betrachten
dürfen. Dieser wird schon 744 zum ersten Mal genannt, und zwar in
einer Tradition, die Gut in Zolling betrifft [90 Bitterauf 1.].
Hier und in der Umgebung dieses Ortes haben wir sowohl die Söhne Droants als auch Wago und Scrot reich begütert gefunden.
Vielleicht geht dieser ganze Besitz auf den älteren Cundpald zurück.
Der Erbgang wäre dann so zu erklären, daß eine seiner Töchter die erste Gattin Totos und die Mutter von Scrot, Wago und eventuell auch Waldperht, dem Vater Chadolhos, gewesen ist. Wenn
der Besitz in und um Zolling durch Wagos
Mutter in die Familie kam, erklärt sich, daß wir die
Familie Totos nur hier in
Ortsverbundenheit mit den Söhnen
Droants finden, nicht aber im eigentlichen Stammgebiet der Sippe
im Gebiet an der oberen Isen. Ebenso wird daraus klar, daß die
Ansprüche Engilhards
gegenüber Wago unberechtigt
waren, da Engilhard ja ein Enkel Totos durch einen von dessen Söhnen zweiter Ehe war.
Erst nach dem wohl kinderlosen Tode Scrots
werden seine Neffen zu Besitz in dieser Gegend gelangt sein.
Von der Familie Graf Droants
ergeben sich interessante Beziehungen zum schwäbischen und
fränkischen Raum. Die Namen seiner 826 verstorbenen Gattin Judith und seines Sohnes Chuanrat zeigen klare
Zusammenhänge mit den
ältesten WELFEN,
ohne daß wir jedoch Judith
hier genau einordnen könnten. Zu einer anderen Familie führt
der Name Drudmunt. 802 gibt
eine Reginsind für sich
und ihren Sohn Perhtold unter
Zustimmung eines Thrudmunt das
Erbe ihres Vaters Germunt in
Pappenheim, Dietfurt und Scammaha im Sualafeldgau an St. Gallen [91 Wartmann
171.]. Das Geschlecht
von Reginsinds Sohn Perhtold haben wir bereits kennengelernt. Es
ist das alemannische
Hochadels-Ggeschlecht der ALAHOLFINGER.
Daß es sich bei Reginsinds
Verwandten Thrudmunt um den Sohn
des Grafen Droant handelt, ist schon auf Grund der Seltenheit
des Namens sehr wahrscheinlich. Die schwäbischen Beziehungen seiner Mutter Judith sprechen
ebenfalls dafür. Ein hoher Grad an Wahrscheinlichkeit
läßt sich für diese Identität aus den Eintragungen
des Namens Drudmunt in den
Verbrüderungsbüchern von St. Gallen und Reichenau gewinnen.
Wiederholt begegnet er hier sowohl neben
Germunt als auch zusammen mit Angehörigen der Toto-Graman-Sippe [92 Germunt Drudmunt
(St. Gallen 88), Germunt
l. Drudmunt l.
Peratolt l. (St. Gallen 285), Kermunt Drudmunt Tuato (Reichenau
536),
Scrot Drudmunt (Reichenau 386), Trutmunt Waldport (Reichenau
135).]. Wenn nun über die Familie Graf Droants ein
Zusammenhang zwischen den ALAHOLFINGERN
und dem Kreis um Toto von Holzen besteht,
dann erklären sich auch die eigenartigen Namen von Totos Söhnen erster Ehe, die in
Bayern sonst nicht vorkommen. Wago
ist ja der Name eines Sohnes des
Grafen Perhtolt. Ein Scrot läßt sich zwar in
dessen Familie nicht nachweisen, doch ist der Name typisch alemannisch [93 Vgl. dazu
H. Jänichen, Warin, Rudhard und Scrot, Ztschr. f. württ.
Landesgesch. 14 (1955), 373 ff.]. So wie Totos Enkel Chadolho hieß aber
auch ein weiterer Sohn Graf Perhtolds
[94 94)
Über die Familie Chadalhohs vgl.
H. Jänichen, a.a.O. Stammbaum, 150, über seine Ämter, G.
Tellenbach, a.a.O., 52 ff.
In den Freisinger Urkunden finden wir zumeist die Namensform Chadolh
oder Chadol. Die
Ablativbildung Chadolone (Bitterauf
597) zeigt jedoch,
daß die Form Chadolho
zugrundeliegt. Dies entspricht den in den St.
Gallener Urkunden üblichen Formen Chadaloh,
Chadalo, Chodolo und
Chaldalo (Wattmann 434).]114.
Er war Graf in der Ostbaar und
erhielt später die Markgrafschaft
Friaul. Auf diese Weise ergibt sich eine interessante
Querverbindung vom Traungau-Ggrafen
Graman zu einem anderen bedeutsamen Amtsträger in den
südöstlichen Marken des Reiches. Außerdem zeigt sich an
diesem Beispiel deutlich, daß schon früh enge
Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den führenden Geschlechtern
des bayerischen und des alemannischen Stammesherzogtums bestanden [95 Solche
Zusammenhänge sind nicht verwunderlich, wenn die bayerische und
schwäbische Herzogs-Familie stammesgleich waren.].
Aber auch mit bedeutenden bayerischen Adelsfamilien stand die Familie Totos in Verbindung. Hier
ist vor allem das schon erwähnte Geschlecht
Adaluncs von Roning zu nennen,
das besonders am Oberlauf der beiden Labor Besitzungen hatte [96 Widemann 1,
5-8. ]. Adaluncs
zweiter Sohn Heimuni gibt
773 zusammen mit seiner Gattin
Irminswint Land und Leibeigene zu Pram (BA Mallersdorf),
Sünching und Pfatter (beide BA Regensburg) an Freising [97 Bitterauf
59.]. Im gleichen Jahr ist er unter den
Spitzenzeugen für Hunperht
[98
Bitterauf 63. ]. Hier wird bereits ein zweiter Heimuni als
Schlußzeuge genannt. 777 bezeugt er zwischen Droant und Graman die Teilung Totos mit seinen Söhnen [99 Bitterauf
86.]. Beide
Heimuni sind 791 in Grüntegernbach bei der Schenkung des Klerikers Rihperht anwesend [100 Bitterauf
139.]. Im gleichen Jahr ist ein Heimuni erster Zeuge für Egilperht und Hroadperht in Aschau [101 Bitterauf
141. ]. 792 treffen wir den jüngeren Heimuni bei einer
Schenkung in Frauenvils (Pf. Dorfen) neben Cundhart [102 Bitterauf
152. ]. Wie wir aus dem folgenden Stück
erfahren, war dieser sein Verwandter. Heimuni
schenkte nämlich Besitz in Grüntegernbach unter dem
Vorbehalt des Nutzgenusses für sich und seinen Sohn Anno [103 Bitterauf
153.]. Diesen übergab - wie die
Traditionsnotiz berichtet - nach Heimunis
Tod sein Verwandter Cundhart dem
Bischof Atto von Freising zur Erziehung. Unter den
Zeugen dieser Handlung finden sich zahlreiche Sippenangehörige, so
Adalo, Cundhart, Engilhart, Toto,
Waldperht, Hunperht und Engilperht. Nach der Schenkung von
792 wird noch mehrmals der Name
Heimuni genannt. 802 begegnen die Reihen Toto testis Helmuni
testis Cotehelm testis Immo testis [104 Bitterauf
184b.] und Toto Helmuni Wolfperht
[105 Bitterauf
184a und 186.]. Kurz vorher wird in einer in
Regensburg ausgestellten Urkunde ein Heimuni iudex erwähnt [106 Bitterauf
183.]. Vielleicht derselbe Helmuni ist 806 nach vier
Bischöfen, vier Äbten, zehn Grafen und zwei iudices Spitzenzeuge bei der
Verzichtserklärung Engilhards
und Hroccolfs gegenüber
dem Kleriker Wago, den er in
diesem Streit als Vogt vertritt [107
Bitterauf 227.]. Noch vor den Grafen bezeugt er
den Verzicht der MOHINGARA auf
die Martinskirche in Biberbach [108
Bitterauf 235.]. Bald darauf verschwindet der
Name aus den Freisinger Urkunden.
Beide Heimunis hatten enge
Kontakte zu sämtlichen Gruppen der Graman-Sippe, am stärksten wohl
zur Familie Totos, dessen Sohn Cundhart ja auch als proximus des jüngeren genannt wird. Der ältere stammte, wie wir
wissen, aus einem anderen Geschlecht. Die anfängliche Verwurzelung
in seiner ursprünglichen Heimat, das Aufgeben dieser Positionen
und das langsame Hineinwachsen in die Adelsfamilien der Freisinger
Diözese erwecken den Anschein, daß er erst durch seine
Heirat hier Fuß faßte. Nun wissen wir aber, daß er
einen Sohn Cundalperht hatte,
der noch vor dem Auftreten des Vaters in Freisinger Urkunden in
Regensburg erscheint [109
Widemann 1 und 6.]. Irminswint, die wir für die
Vermittlerin der Freisinger Beziehungen halten dürfen, war daher
wohl schon Heimunis zweite Frau.
Erst durch sie kam er in die Gegend an der oberen Isen. Sie war wohl eine Schwester Totos, dessen
Generation der ältere Heimuni
angehörte. Der jüngere
Helmuni könnte den
älteren zum Vater gehabt
haben. Eine sichere Entscheidung ist jedoch in dieser Frage nicht zu
treffen, da die beiden Helmuni fast
nicht auseinanderzuhalten sind.
Ebensowenig läßt sich die Frage klären, ob einer von
ihnen mit jenem Grafen Helmuni identisch
ist, der 793 Besitzungen im Sualafeld, die ihm von König Karl restituiert worden
waren, an Freising schenkt [110Bitterauf
166a.]. Er war mit einer Cundpiric verheiratet
und hatte einen Sohn Hadumar, der vor seinem Vater starb [111 Bitterauf
213a. Die Urkunde gehört wohl in eine spätere Zeit als
804/08, da die beiden Zeugen Managolt
und Amalker sonst erst
ab 818 genannt werden.]. Die Güter der
Familie in Frauenvils (Pf. Dorfen) deuten auf Verwandtschaft mit der Sippe Gramans.
Heimunis Spitzenzeuge in
Grüntegernbach ist ein Adalo.
Er hatte Besitz in Obergeislbach (Pf. Walpertskirchen), den er 780 an
die Benediktskirche in Mehnbach gab [112
Bitterauf 103.]. Unter seinen Zeugen findet sich
das Paar Engilperht Hroadperht. In
Obergeislbach ist aber auch Totos
Enkel, der Priester Ascrih,
begütert [113 Bitterauf
371. ] Adalo iudex ist 777 der
Schlußzeuge der Teilung Totos mit
seinen Söhnen. Zwei Adalo
bezeugen die Schenkung Egilperhts
und Hroadperhts in Aschau,
einer zwischen Helmuni und Ermperht, der zweite nach Scrot [114 Bitterauf
141. ]. 792 finden wir in Isen die Reihe Adalo Hroadperht Ato
Engilperht [115
Bitterauf 151.]. Adalo
hatte auch Besitz in Edelshausen (b. Schrobenhausen) und Schrobenhausen
[116
Bitterauf 192. ]. Hier ist 855 ein jüngerer Adalo mit seinem Vater, dem Grafen Rihho, begütert [117 Bitterauf
743.]. Dieser bezeugt 849 vor einem Toto eine Schenkung in Obergeislbach
[118 Bitterauf 704. ]
In derselben Zeugenreihe finden sich nacheinander Heimuni Onhart
Friduperht und Alius Adalo Waldperht.
Der Name Graf Rihhos begegnet
wiederum im Kreise Graf Gramans.
So heißt nämlich dessen proximus, der von ihm Besitz
zu Mehring erhalten hatte [119
Hauthaler 1, 49.]. Daß ein Rihho auch Beziehungen zum Gebiet an
der oberen Isen hatte, beweist der Ortsname Richenkirchen
(Reichenkirchen, BA Erding). Damit schließt sich der Kreis. Wenn
auch die genannten Personen nicht in einem bestimmten
Verwandtschaftsverhältnis zur Graman-Sippe
nachzuweisen sind, läßt sich doch zeigen, daß
die Träger der Namen Rihho
und Adalo dieser Gruppe
nahestehen. Möglicherweise sind nach diesen Hinweisen auch die
Grafen von Schrobenhausen zu den Nachkommen der Graman-Sippe zu rechnen [120 Ein
keineswegs in allen Filiationen gesicherter
Stammbaum dieser Familie findet sich bei C. Plank. Die Regensburger
Grafschaft im Unterinntal und Rapotonen, Veröff. d. Mus. Ferc. 31
(1951), 564.].
Ein Name, der häufig im Kreise der
Toto-Gruppe auftaucht, ist
Haholf. Zahlreiche Nennungen in Zeugenreihen zeigen die enge
Verbundenheit, so 806 Haholf Ratolt
für Wago und Engilhard [121Bitterauf
227.], 812 Anno Haholf [122 Bitterauf
300.] und Haholf Toaoo [123 Bitterauf
304.], 819 Engilhard Haholf [124 Bitterauf
414.] und Haholf
für Cundpald [125 Bitterauf
426.], 820 Haholf Toto [126 Bitterauf
436.], 821 Haholf Cundhart [127 Bitterauf
453.] und Haholf Wago [128 Bitterauf
454.], 822 Haholf Toto [129Bitterauf
459.] und Cundhart Haholf
[130
Bitterauf 482.] und 823 Engilhard Haholf
[131
Bitterauf 489.]. 827 gibt Haholf zusammen mit seiner Gattin Perhthilt und seinem Sohn Arn seinen Besitz in
Bittlbach (Pf. Walpertskirchen) [132
Bitterauf 540ab.]. Sein Spitzenzeuge ist Engilhard. Es folgen unter anderen Toto, Drudmunt, Tuto, Mahtperht, Adalperht, zwei Engilperhte, Hroadperht und Adalo. Haholfs Sohn Arn wurde Abt von Wasentegernbach. Er
erneuerte 845 in Grüntegernbach die elterliche Schenkung mit den
Spitzenzeugen Ratolt und Toto [133 Bitterauf
669.]. Ein
älterer Haholf ist der Vater
Pernolfs, der 794 in Laimbach gibt [134 Bitterauf
172.]. Die ersten Zeugen der Handlung sind Graf Droant, Wago und Drudmunt. Es folgen nebeneinander
ein jüngerer Droant und
der jüngere Haholf.
Diesem begegnet man in Zeugenreihen wiederholt neben Pernolf, so daß er
wahrscheinlich als dessen Bruder und
als Sohn des älteren Haholf anzunehmen
ist [135
Bitterauf 401c, 412,413.]. Hinsichtlich Pernolfs Beziehungen zur Toto-Gruppe wäre unter anderem
auf die Reihe Engilhard
Reginperht Pernolf Cundhart Toto Friduperht hinzuweisen [136 Bitterauf
538.]. Außerdem hatte Pernolf selbst von seiner Gattin Perhtnia einen Sohn
Tuto [137 Pepo und Tuto, Söhne der Perhtnia, geben 819
in Möschenfeld (BA München) (Bitterauf 420). Über Perhtnia, die Gattin Pernolfs, vgl. Bitterauf 496.].
Möglicherweise ist der Name durch seine Mutter von der Toto-Gruppe in die Familie der Haholfe gekommen. Ein dritter Haholf, der ebenfalls in
Bittelbach begütert ist, jedoch einer früheren Generation
angehört, hat keine besonders auffallenden Beziehungen zur Familie Totos [138 Bitterauf
11.]. Auch er ist aber, wie wir sehen werden, mit
der Sippe Graf Gramans verbunden.
Dieser älteste Haholf ist
der Vater des Salzburger Erzbischofs
Arn [139 Über
diese Familie vgl. G. Demmelbauer, Arno, der erste Erzbischof
von Salzburg 798-821, Diss. Wien (1950).].
Außer in seiner eigenen Schenkung von 758 wird er bloß 752
in der Tradition Chuniberts,
des Sohnes Adalberts, an die
Kirche von Isen erwähnt [140
Bitterauf 6. ]. Chunibert
gehörte, wie schon wahrscheinlich gemacht werden konnte, einer
älteren Generation der Sippe
Gramans an.
Neben Haholf ist in dieser
frühen Zeit auch ein Priester
Willihelm, der Sohn eines Gaio,
in Bittlbach begütert [141
Bitterauf 38.]. Dieser Willihelm wird 758 neben Cotahelm als Zeuge der Schenkung Haholfs genannt. Als Cotahelm 776/7 eine Kirche in Buch
am Buchrain tradiert, ist Haholfs
Sohn Arn erster Zeuge [142
Bitterauf 79.]. Wir finden ihn auch als Diakon
unter den Zeugen für Priester
Willihelm. Ein gleiches Maß wie Cotahelm gibt 811 in Buch am
Buchrain der Edle Rifuin, der
außerdem auch in Kirchötting begütert ist, wo Gramans Bruder Pabo und seine
Verwandten Besitz hatten [143 Bitterauf 298. ].
Die Zeugenreihe Toto
Heimuni Cotehelm von 802 zeigt einen neuen Zusammenhang auf [144 Bitterauf
184b.]. In Buch am Buchrain finden wir 809 auch Hunperhts Sohn Richolf begütert
[145Bitterauf 288.]. Auf
den gleichen Ort dürfte sich auch die Schenkung Cotahelms und seiner Schwester Gepahilt an das
Kloster Mondsee ad Poh beziehen
[146
OÖUb 1, 54/90.]. Diese Gepahilt wird 769 als Witwe eines Cundpato zusammen mit ihrem Sohn Alprih in Germerswang
(BA Bruck) genannt [147
Bitterauf 30.]. Ihr erster Zeuge nach einigen
Priestern ist Arn. Alprih wiederum ist der
Schlußzeuge Priester Willihelms
in Bittlbach. Von seiner Gattin
Willipurc hatte er einen Sohn,
der nach seinem Großvater
Cundpato hieß [148 Bitterauf
664 und 670. ]. Bei einer Tradition des jüngeren Cundpato in Grimmelbach (BA
Mühldorf) begegnen wir 845 unter den Zeugen einigen schon oft
gehörten Namen, wie Papo, Adalperht, Rihholf, Rihhelm, Fridaperht und Cotahelm [149 Bitterauf
670. ]. Cundpato
ist bei der Bestätigung der Schenkung Waldperhts und Oatos durch Chadolho anwesend [150 Bitterauf
189.]. Er wird einmal neben Engilperht und einmal neben Friduperht genannt [151 Bitterauf
551 und 251b.]. Vor allem ist er der Spitzenzeuge
für Friduperht und seine
Miterben in Unterlaus [152
Bitterauf 442. ]. Aber nicht nur in den
jüngeren Sippenschichten lassen sich Querverbindungen aufzeigen. Cotahelm selbst macht 802 eine
Schenkung in Mehring (b. Burghausen), wo Graf Graman mit Gattin, Bruder und
Verwandten auftritt [153
OÖUb 1, 52/86.]. Gleich im folgenden
Stück tradiert ein Willihelm
am selben Ort [154 OÖUb.
1, 52/87.]. Vielleicht ist er identisch mit jenem Priester Willihelm, der ein Bruder Cotahelms gewesen sein
könnte [155
Dieser Sachverhalt wird durch das Zeugenpaar
Willahelm Cotahelm
(Bitterauf 11) sowie durch den Gleichklang der zweiten Namensilbe
wahrscheinlich gemacht.]. Jedenfalls ergibt sich
mehrfache Ortsverbundenheit zur Familie
Graf Gramans sowohl im Salzburggau als auch an der oberen Isen.
Von Cotahelm und Willihelm führt der Weg zu
einem Personenkreis, in dem wir vielleicht überhaupt die Ahnen der Graman-Sippe vor uns
haben. 789/91 übergibt eine Irminswint
mit der Zustimmung ihrer Blutsverwandten, die von ihrem Vater zur Zeit Herzog Hugberts
(gest. 735) gegründete Zelle zu
Kühbach-Rotthal-münster an Bischof
Waltrich von Passau [156
Heuwieser 53.]. Irminswints
consanguinei finden
wir unter den Zeugen. An erster Stelle steht hier Rihheri, offensichtlich der spätere Graf im Mattiggau [157 Heuwieser
54-56.], nach dem wohl Totos gleichnamiger Enkel benannt
sein dürfte [158
Der ältere Rihheri ist
776 vor Waltperht Zeuge
für Scrots Schenkung an
der Isen (Bitterauf 72a). 776/80 gibt er in Berganger (BA Ebersberg)
mit den Spitzenzeugen Ratolt und
Arn. Später folgt Alprih (Bitterauf 80).].
Der nächste Zeuge ist der schon zur Genüge bekannte Cotahelm. Nach den Brüdern David und Rantolf folgen Rihhelm und Diakon Hroadperht, die wir
nebeneinander als Miterben in Unterlaus angetroffen haben. Den Namen von Irminswints Vater trägt der Sohn Gaios. Ihr eigener kehrt bei
der Gattin Heimunis, einer mutmaßlichen Schwester Totos,
wieder. Damit ist die Beziehung zu fast allen Gruppen der Graman-Sippe hergestellt. Es
besteht die Wahrscheinlichkeit, daß wir in Willihelm, dem Gründer von Rotthalmünster,
den gemeinsamen Ahnherrn
gefunden haben.
Alle bisherigen Nachrichten über die Graman-Sippe stammten mit ganz
wenigen Ausnahmen aus der Freisinger Diözese. Damit dürfte
auch im wesentlichen das vorhandene Material erschöpft sein. Einen
beachtenswerten Anhaltspunkt liefern jedoch auch die St. Gallener
Urkunden. Hier tritt nämlich eine Familie auf, in der die für
die Graman-Sippe typische
Namenskombination Waldperht-Friduperht
wiederkehrt. 874 geben vier Brüder, Meginbert, Fridibert, Waldbert und Ratfrid, ihren Besitz in Mitten (B.
Wasserburg am Bodensee) [159
Wartmann 584.]. Schon 840/41 ist ein Waldperht Spitzenzeuge für
einen Fridabert und seine Gattin Cotalind [160 Wattmann
383.]. Der Besitz in Mitten geht auf einen älteren Meginperht zurück,
der hier 839 tradiert [161
Wattmann 378. ]. In ihm haben wir wahrscheinlich
den Großvater der Brüder vor
uns. Er ist 832 der erste Zeuge der Besitzübertragung eines Wolfpert in Istighofen (Kanton
Thurgau) vor dessen Bruder Waldpert [162Wattmann
341. ]. Ebenso bezeugt er am gleichen Tag vor Wolfpert die Schenkung Waldperts in Istighofen [163 Wattmann
342.]. Wahrscheinlich war er der Bruder der beiden Schenker. Als vierter Bruder wird in Waldperts Urkunde ein Bischof Erchanpert genannt. Mit dem
gleichnamigen Bischof von Freising kann er nicht identisch sein, da
dieser erst 836 sein Amt antrat. Der Vater
Waldperts und Wolfperts
hieß Hramperht. Er
übergab 778 zusammen mit seinen Söhnen Besitz in Fischbach
(Oberamt Tettnang) an St. Gallen [164
Wartmann 84.]. Sonst begegnet er in den Urkunden
des Klosters nicht mehr. Dafür erscheint sein seltener Name
mehrfach in gleichzeitigen Freisinger Urkunden. 769 sind Wolfperht, Hramperht und Eodunc in Isen die Spitzenzeugen
für die Schenkung Priester
Adalperhts in Thanning [165
Bitterauf 32, Eodunc gehört
zum Kreis der Bittlbacher. Er ist
758 Zeuge für Haholt
(Bitterauf 11) und 776/77 vor einem Keio
für
Cotahelm (Bitterauf 79).].
Als Adalperht im selben Jahr
in Airischwand tradiert, ist sein erster Zeuge ein Priester Wolfperht [166 Bitterauf
207.]. Nach einigen anderen Priestern folgen der iudex Wolfperht, Hramperht und Eodunc. Die Schenkung von Cotahelms Schwester Gepahilt in
Germersberg bezeugt Hramperht
vor einem Hroadperht [167 Bitterauf
30.]. 776/78 finden wir das Zeugenpaar Hramperht Wolfperht
bei der Besitzübergabe Rihheris in
Berganger [168 Bitterauf
80.]. Nach 790 ist er mit Adalo, Wolfperht, Engilperht und Ermperht bei einer Schenkung in
Isen anwesend [169
Bitterauf 135.]. Der Priester Wolfperht ist der Sohn eines Erchanperht und der Bruder eines Papo [170 Bitterauf
47,112 und 67.]. Ein Wolfperht ist 791 in
Grüntegernbach erster Zeuge für den Kleriker Rihperht [171 Bitterauf
139.]. Nach Toto
und Heimuni bezeugt er den
Verzicht des HUOSIERS Reginperht auf die Schenkung seines Verwandten Keio [172 Bitterauf
186. Ebenso wie die älteren
Bittlbacher hat also
auch die Gruppe um Hramperht-Wolfperht
Beziehungen zu einer huosischen
Familie, die durch Liutpurc
von Westerholzhausen vermittelt worden sein
dürften (Bitterauf 149). Es sei bloß auf das Auftreten der Namen Erchanperht und Gaio in beiden
Familien hingewiesen. Die äußerst verwickelten
Querverbindungen hier
darzulegen würde von der Behandlung der Sippe Graf Gramans allzu weit
abführen.]. 788/91 wird er vor Meginperht und Cundhart genannt. Meginperht wiederum begegnet 792 in
Isen in der Reihe Meginperht
Adalo Hroadperht Ato Engilperht [173
Bitterauf 151.].
Trotz der großen Entfernung zwischen Freising und dem
Bodenseegebiet wird es auf Grund des gemeinsamen Auftretens der
gleichen Namen erlaubt sein, die St.
Gallener Waldperht-Gruppe von einer älteren Sippenschicht
in der Freisinger Diözese abzuleiten. Die Verbindung stellt Hramperht her, der ein Bruder des Priesters oder des
iudex Wolfperht gewesen sein mag.
Die äußerst komplizierten und oft nur schwer erkennbaren
Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Gruppen lassen vielleicht
mitunter die Gemeinsamkeiten nicht so richtig hervortreten. Die
zahlreichen urkundlichen Nachrichten, die gerade für diese Zeit
aus Freising erhalten sind, ermöglichen weitreichende
Kombinationen, die jedoch mitunter das Gesamtbild verwirren. Trotz des
reichen Materials ist es keineswegs immer möglich, die erkannten
Beziehungen durch konkrete Verwandtschaftsverhältnisse
auszudrücken. Ein kurzer Überblick über die
Gemeinsamkeiten der einzelnen Gruppen soll noch einmal die großen
Zusammenhänge veranschaulichen.
Ein Blick auf das Namengut der Graman-Sippe
zeigt, daß in dieser Zeit das Prinzip der Vornamenvererbung noch
keineswegs vollkommen ausgeprägt war. Nur wenige Namen wiederholen
sich öfters, so vor allem Waldperht
und Toto. Daneben aber
ist die ältere Erscheinung der Namensvariation in einigen
Fällen noch deutlich zu beobachten. So finden wir die
verschiedensten Zusammenstellungen mit der Silbe Rih-, wie Rihho, Rihhelm, Rihholf, Rihperht, Rihheri und Ascrih. Auf die Variation Adalswint-Perhtswint-Adalperht wurde
bereits hingewiesen. Bestimmte Endsilben sind für einzelne
Untergruppen der Sippe charakteristisch. So herrscht unter den Erben in
Unterlaus die Endsilbe -perht
vor. Priester Rihperhts Bruder
Hunperht hatte einen Adalperht
und einen Mahtperht zu Enkeln;
die Söhne Waldperhts, des
Bruders Hroadperhts, hießen Williperht und Chuniperht. Dazu kommen noch Engilperht und Friduperht. Unter den Nachkommen Totos wurde die -o-Endung bevorzugt. Er hatte einen Sohn Wago und die Enkel Toto, Oato, Immo und Chadolho. Dazu wäre aus dem
Verwandtenkreis noch Anno, Pabo, Ato, Adalo, Rihho und Gaio zu stellen. Engilhard (vgl. Engilperht!) war wohl der Sohn Cundharts. Gramans Vater hieß Oadalman. lm Verwandtenkreis der Irminswint wurde
die seltenere Endsilbe -helm verwendet.
Ihr Vater hieß Willihelm.
Unter ihren Zeugen sind Cotahelm
und Rihhelm,der Miterbe von
Unterlaus. Auf Grund ihres Namens wird man auch zwei weitere Zeugen der
Urkunde Irminswints mit ihr in
Beziehung setzen dürfen, nämlich Walthelm und Ellinhelm. Unter den wenigen
weiblichen Namen, die wir aus der Graman-Sippe
kennen, kehrt die Silbe -swint mehrfach
wieder (Adalswint, Perhtswint, Irminswint).
Viel deutlicher als durch die Namengebung zeigt sich die Verbundenheit
der einzelnen Gruppen in der Lage ihrer Besitzungen. Zunächst ist
es das Gebiet an der oberen Isen, wo sämtliche Familien der Graman-Sippe begütert
erscheinen. Nur einige besonders deutliche Beispiele der
Ortsverbundenheit seien hier herausgegriffen. In Grüntegernbach
finden wir begütert: Pabo,
Friduperht, Tuto, Ato und Engilperht, Priester Ascrih und seine Brüder Toto und Rihheri sowie Heimuni und Graf Waldperht. In
Großschwindau treffen wir Scrot,
Chadolho, Onhart, Waldperht, Priester Ascrih und den jüngeren Toto. Ähnliches
wäre für Orte wie Obergeislbach, Kirchötting, Buch am
Buchrain und andere zu sagen. Häufig treffen wir Angehörige
der Graman-Sippe im
südöstlich angrenzenden Gebiet rund um den Ebersberger Forst.
Hier ist besonders auf den gemeinsamen Besitz in Unterlaus hinzuweisen.
Große Güter, vor allem der Familie
Totos, finden sich zwischen Amper und Pfettrach. Ein weiteres
Zentrum der Sippe ist im Salzburggau anzutreffen. In Mehring finden wir
Graf Graman selbst, seine Gattin Maza, seinen Bruder Waldperht, seinen proximus
Rihho, den Edlen Cotahelm
und den Priester Willihelm.
Der Besitz Gramans im
Traungau war wohl nicht altes Familiengut, sondern spätere
Erwerbung.
Ein ähnliches Bild ergibt sich aus einer Übersicht über
die nach Angehörigen der
Graman-Sippe benannten Orte. Die meisten von ihnen liegen
wiederum am Oberlauf der Iren. In der Pfarre Dorfen findet sich ein
Hunprehtesdorf (Hampersdorf), in der Pfarre Schwindkirchen ein
Helmunasteti (Hauptmannstätt). Kirchötting ist nach einem Oato benannt. Totinchirihha
(Doetzkirchen bei Ranoldsberg) hat seinen Namen von Toto. Walpertskirchen (bei Lengdorf)
ist die Gründung eines Waldperht,
Reichenkirchen (BA Erding) die eines Rihho
und Pfaffenkirchen (BA Mühldorf) die eines Papo. Dieser Name lebt auch in
Babensham (BA Erding) weiter. Aus dem Gebiet um den Ebersberger Forst
wäre Totindorf (Dettendorf b. Lampferding) und Engilperhtesdorf
(Angelbrechung b. Poing) zu erwähnen. Nach Graman ist Grasbrunn (Pf. Zorneding)
und Gronsdorf (Pf. Trudering) benannt, nach Waldpreht Walpersdorf (BA Landshut)
und nach Hunperht
Umbertshausen (BA Kehlheim). Von Richolf
leitet sich Reichendorf (BA Miesbach) ab, von Toto Tattenhausen (BA Aibling), von Rihheri Reichertshausen (BA
Pfaffenhofen) und Reichersdorf (BA Landshut). In Helmsdorf (BA
Vilsbiburg) lebt der Name Helmunis
weiter. Im Gebiet zwischen Alz und Salzach, dem zweiten Besitzzentrum
der Sippe, sind nach ihren Angehörigen benannt: Waging (am
Waginger See) und Wagenau (an der Alz) nach Wago, Tettenhausen (b.
Kirchanschöring) nach Toto
und Gransdorf (am Grabensee) nach Graman.
Neben diesen von Angehörigen der
Sippe Gramans gegründeten Orten kennen wir auch einige
Kirchen, deren Stiftung mit Sicherheit oder doch mit großer
Wahrscheinlichkeit auf sie zurückzuführen ist. Hier ist vor
allem die alte Kirche in Biberbach zu nennen, um die es zwischen Bischof Atto und den MOHINGARA zum Streit gekommen war.
Sie hat das Patrozinium St. Martin. Denselben Titelheiligen finden wir
in Kirchötting, wo Pabo
mit seinen Söhnen auftritt, sowie in Dorfen, wo er zusammen mit seinem Bruder Graman schenkt. Alle
diese Kirchen sind Gründungen aus der AGILOLFINGER-Zeit.
Sämtliche andere Martinspatrozinien, die sich in diesem Zeitraum
in der Freisingen Diözese nachweisen lassen, haben irgendwelche
Beziehungen zu den HUOSIERN [174 Von der
Kirche in Haushausen wird dies ausdrücklich erwähnt
(Bitterauf 142). Ein Miterbe in Haushausen ist Cunzo, in dessen
Schenkung die Martinskirche von Pfettrach genannt wird (Bitterauf 60).
Ein anderer Miterbe in Haushausen,
Isangrim, beschenkt 821 die
Martinskirche in Nörting (Bitterauf 447),
an die schon früher der mit den HUOSIERN
verwandte Edle Crimheri Besitz
übergeben hatte (Bitterauf 362).]. Martin
aber und Dionys sind die beiden großen fränkischen
Reichsheiligen. Die Vorliebe der HUOSIER
für diese typisch fränkischen Titelheiligen hat man aus ihrer
Oppositionsstellung gegen die AGILOLFINGER
und ihrer Sympathie für die KAROLINGER
erklärt [175
H. Löwe, Die karolingische Reichsgründung und der
Südosten, Forsch. z. Kirchen- und Geistesgesch. 13 (1937). 24 ff.]"-.
Für eine solche Haltung der HUOSIER
sprechen ja zahlreiche Argumente. Die Häufung der
Martinspatrozinien im Zusammenhang mit der Sippe Gramans läßt einen
Analogieschluß hinsichtlich der politischen Stellung dieser
Familie zu. Wahrscheinlich war Graman selbst einer der Führer der
gegen Tassilo opponierenden Adelspartei. Nicht alle seiner Verwandten
scheinen jedoch diese Haltung geteilt zu haben. Hunperht zum Beispiel dürfte im
anderen Lager gestanden sein. Wir haben gesehen, daß er Tassilo sehr
nahestand und nach dessen Sturz sichtlich an Bedeutung und Ansehen
verlor. Den umgekehrten Prozeß können wir bei Graman verfolgen. Ihm wird nach dem
Ende der AGILOLFINGER-Herrschaft
die wichtige Grenz-Grafschaft im
Traungau übertragen. Gerade in dieser Zeit, in der die
Auseinandersetzung mit dem östlichen Nachbarn, den Avaren,
unvermeidbar wurde, konnte dieses Amt nur einem Mann verliehen werden,
der das volle Vertrauen des Königs genoß. Die Konspirationen
Tassilos
mit den Avaren hatten ja deutlich die Gefahren gezeigt, die sich hier
ergeben konnten. Es wäre verständlich gewesen, wenn König KARL diese wichtige
Grenz-Grafschaft einem seiner fränkischen Großen anvertraut
hätte. Daß er sie dem bayerischen
Adeligen Graman gab, beweist dessen Zuverlässigkeit in
besonderem Maße. Die wertvollen Dienste, die er KARL im
Kampfe gegen die Avaren leistete, rechtfertigten dieses Vertrauen voll
und ganz. Sicher gehörte Graf
Graman auch weiterhin zusammen mit seinem Verwandten, dem Salzburger Erzbischof Arn, zu den
verläßlichsten Stützen des Königs innerhalb des
bayerischen Hochadels.
Willihelm
v. 735
Gründer
v. Kühhach-Rottalmünster
Adalperht
Verwandtschaft mit
der
---
---
Sippe Erzb.
Arn
Gaio
Irminswint
Oadalman
Chuniperht
† v. 769
† 791
† v. 773
752
oo
Perhtswint
--------------------- --------------------------------
---------+-------------------------------------------------------------------------------------
Irminswint Toto
Cotahelm Kepahilt Willihelm Rihho
Graman
Papo Waldperht
E(n)gilperht Adalaswinta Adalperht
†
771 -777 758-802 769
Priester v. 788 772-
um 790 769-n.791 v.788
762-791
†
v. 773 Priester
758-769
Gf. im Traungau
missus
oo Hel- 1. oo Tochter Graf oo
Cundpato
oo Maza
oo Waltila
muni Cundpalds
773-791 2. oo Oaspurg
---
---
---------+-------
------+------------ -------+--------
----+-------------
vgl. unten
Alprih
Rihhelm
Engilperht Ato
Friduperht Tuto Waldperht
Hroadperht Hunperht Rihperht
Seite 124 768-791
791-821 791-821
† n. 791
Priester † n. 807 792-821
Priester 772-821
Priester
783-822
780-836
772-816
---
-----------------------+------------
--+--
Cundpato
Williperht Chuniperht
Antonio Richolf
819-845
815-836
815
814-829 791-824
vgl. unten
Seite 77
-----------------+-------------
Chunipert
Mahtperht
Adalperht
Priester
804-857
Priester
846
812-v.837