3. GRAF GRAMAN UND SEINE SIPPE

Der eine der beiden Heerführer in der siegreichen Schlacht gegen die Avaren am Ybbsfeld, Grahamannus, konnte als Graf des Traungaus wahrscheinlich gemacht werden. Wie bei manchen anderen führenden Persönlichkeiten in den südöstlichen Grenzgebieten vermutete man auch bei ihm schwäbische Stammeszugehörigkeit [1
H. Jänichen, Baar und Huntari, Vorträge und Forschungen 1 (1955), 98. G. Tellenbach, Der großfränkische Adel und die Regierung Italiens in der Blütezeit des Karolingerreiches, Forsch. z. Oberrhein. Landesgesch. 4 (1957), 59.]. Mit dem Scherra-Grafen Karaman, der von 797 bis 834 nachweisbar ist, hat er jedoch sicherlich nichts zu tun [2 Wartmann 143,176,226,230,246,351.]. Die Namensform Craaman, die sich in den Passauer Traditionen findet [3 Heuwieser 55a.], zeigt deutlich, daß Grahaman nicht mit Garoman/Karaman, sondern mit Graman/Craman gleichzusetzen ist. Dieser Name tritt vor allem in den Salzburger und Freisinger Urkunden auf und läßt sich hier recht gut verfolgen. Die Annahme einer bayerischen Abstammung des Traungau-Grafen hat daher von vornherein viel Wahrscheinlichkeit.
Zunächst begegnet Graf Graman in den Breves Notitiae des Salzburger Erzbischofs Arn. Seine zahlreichen Schenkungen betreffen Gut in Tacherting (n. Trostberg), Kirchheim (sö. Tittmoning), Pietling (sw. Fridolfing), Ansfelden (b. Linz) [4
Hauthaler 1, 44 ff. ] und vor allem in Mehring (sw. Burghausen). Hier tritt er zusammen mit seiner Gattin Maza und einer ungenannten Schwester auf [5 Hauthaler 1, 48.], ein anderes Mal mit seinem proximus Rihho [6 Hauthaler 1, 49, Die Bezeichnung proximus könnte auch auf Erzbischof Arn bezogen werden, der, wie noch zu zeigen ist, tatsächlich mit Graman verwandt war. In dieser Weise wird die Stelle von O. Mitis, Sippen im Traungau, Neues Jahrbuch der Her.-gen. Ges. Adler 1 (1945/46), 22, interpretiert. Grammatikalisch richtig müßte es darin aber proximus suus, nicht eius, lauten.]. Gemeinsam mit seinem Bruder Walpercht gibt er in Tacherting [7 Hauthaler 1, 46.]. Die Familie hatte also reichen Besitz zwischen Salzach, Alz und Waginger See. Ein anderer Schwerpunkt der Sippe dürfte an der oberen Isen zu suchen sein. Jener Craman, der zwischen 772 und 777 in Freisinger Urkunden begegnet, ist nämlich niemand anderer als der spätere Graf des Traungaus. Wie noch zu zeigen ist, gehört er in einen Verwandtenkreis, für den der Name Waldperht charakteristisch ist. So hieß aber auch der in den Salzburger Quellen erwähnte Bruder des Graman comes. Dadurch scheint dessen Identität mit dem Craman der Freisinger Urkunden sichergestellt.
773 gibt Graman seinen und seines Bruders Pabo Anteil in Dorfen (BA Erding) an Freising [8
Bitterauf 62.]. Als seine Eltern werden hier Oadalman und Perhtswint genannt. Mit Pabo zusammen bezeugt Graman 772 die Schenkung eines Hunperht in Ilmmünster [9 Graman testes Waninc testes Papo testes (Bitterauf 46b). Der hier genannte Waninc erscheint später als iudex, wohl im Traungau (Bitterauf 143b, Heuwieser 45).]. Im selben Jahr begegnet er bei einem Traditionsakt in Isen in der Zeugenreihe Toto Popo Graman Adalperht Ratolt Scrot [10 Bitterauf 50.]. Zwei Tage nach seiner eigenen Vergabung in Dorfen ist er zum zweiten Mal Zeuge für Hunperht [11 Bitterauf 63. ]. 777 bezeugt er nach Droant und Heimuni die Teilung von Besitz in Holzen (BA Freising) und Isen (BA Erding) zwischen Toto und seinen vier Söhnen Wago, Scrot, Cundhart und Ratolt [12 Bitterauf 86.]. Nach dieser Nennung verschwindet er aus den Freisinger Urkunden. Wahrscheinlich war ihm bei der Teilung mit seinen Brüdern vor allem der Besitz im Salzburggau zugefallen, so daß er sich hauptsächlich in dieser Gegend aufhielt. In einer Passauer Urkunde aus den Jahren 788/91 wird er zum letzten Mal genannt [13 Heuwieser 45; zur Datierung dieser Urkunde vgl. oben 2, Anm. 4.].
Der Personenkreis, mit dem Graman in den Freisinger Urkunden begegnet, läßt bereits in großen Zügen seine Sippenzugehörigkeit erkennen. Vor allem helfen die Nachrichten über seinen jüngeren Bruder Pabo weiter. Er ist schon 769 unter den Zeugen der Schenkung von Innichen an das Kloster Scharnitz anwesend [14
Bitterauf  34; dazu E. Zöllner, Der bairische Adel und die Gründung von Innichen, MIÖG 68 (1960), 380 ff.]. Hier tritt er in besonders vornehmer Umgebung auf, so daß man annehmen darf, daß auch seine eigene Familie bereits in der AGILOLFINGER-Zeit zu den angesehensten Bayerns gehörte [15 Vor ihm werden unter anderem genannt: Otachar, der spätere Grenzgraf (vgl. u. 50 ff.), Hliodro, Graf im Traungau und Crimperht, der Sohn Wettfis, aus der Hauptlinie der genealogia Fagana (Bitterauf 81, 17, 5). Der nach Pabo genannte Zeuge Haripraht war wohl der Sohn Adaluncs von Roning (Widemann. 5, 1) und gehörte einer sehr vornehmen Regensburger Familie an, von der noch zu sprechen sein wird (vgl. unten 112 f.).]. Die Schenkung wurde von Herzog Tassilo mit dem Konsens seiner optimates vollzogen, zu denen also auch Pabo zählte. Um 791 tradiert er nach dem Tode seines Sohnes Tuto mit seinem zweiten Sohn, dem Priester Friduperht, Besitz in Kirchötting und Grüntegernbach (beide BA Erding). Hier wird auch seine Gattin Waltila genannt. Gleichzeitig geben Priester Friduperht und ein Ato ihren gesamten geistlichen und weltlichen Besitz in denselben Orten, ein Engilperht nur seinen geistlichen [16 Bitterauf 160-162; Tuto wird 791 zum letzten Mal genannt (Bitterauf 142). Der Schreiber der Urkunde, der Priester Heimilo, erscheint schon seit 760 (Bitterauf 15), muß also damals schon ziemlich alt gewesen sein. Die Urkunde ist daher wohl kurz nach 791 anzusetzen.]. Die einzigen Laienzeugen der Schenkungsakte sind jeweils Ato und Engilperht, die auf Grund einer weiteren gemeinsamen Nennung wohl als Brüder zu betrachten sind [17 Bitterauf 151.]. Altersmäßig gehören sie bereits der Generation von Pabos Söhnen an. Die Formulierung der Traditionsnotiz hinsichtlich ihrer Miterbenschaft in Kirchötting und Grüntegernbach macht ein nahes Verwandtschaftsverhältnis zu Pabo wahrscheinlich. Sie waren wohl die Söhne eines seiner Brüder, vielleicht sogar Graf Gramans selbst.
Während Ato in den Freisinger Urkunden weiterhin nicht hervortritt, läßt sich Engilperht noch einige Male nachweisen. 821 treffen wir ihn bei der Übergabe der Kirche in Unterlaus im Kreise weiterer Sippenangehöriger [18
Bitterauf 442.]. Diese Kirche hatte ein Friduperht zusammen mit seinen Miterben Hunperht, Engilperht, Folcho, Waldperht, Hruodperht, Richelm und Sundarhart errichtet. Gleichzeitig mit der Übergabe der Kirche an Freising schenken Hunperht und sein Sohn Richolf ihren ganzen Besitz zu Unterlaus. Bei Friduperht, dem Hauptbeteiligten der Schenkung, könnte an den gleichnamigen Sohn Pabos gedacht werden. Vom geistlichen Stand des Schenkers ist allerdings hier nicht die Rede. Wahrscheinlicher haben wir es bereits mit einem jüngeren Friduperht zu tun. Seit 814 läßt sich nämlich auch ein Laie dieses Namens nachweisen. Er wird einmal in einer Zeugenreihe neben einem Tuto genannt, was darauf hinweisen könnte, daß auch er zur Sippe Graf Gramans zu zählen ist [19 Bitterauf 338. Er hatte wahrscheinlich über einen Milo Beziehungen zu einem jüngeren Ato, der 846 als Diakon erwähnt wird (Bitterauf 685). Eine Verfolgung dieser Sippenzusammenhänge würde jedoch hier zu weit führen.]. Von den übrigen Mitbesitzern werden Sundarhart und Folcho sonst überhaupt nicht erwähnt, Richelm innerhalb der in Frage kommenden Zeit nur ein einziges Mal [20 Bitterauf 305. Wohl ein jüngerer Richelm bezeugt 845 vor Fridaperht die Schenkung des Edlen Cundpato in Grimmelbach (BA Erding) (Bitterauf 670). Cundpato ist 821 Spitzenzeuge in Unterlaus.].
Wesentlich besser informiert sind wir über andere der Miterben Friduperhts in Unterlaus. Der bedeutendste unter ihnen ist zweifellos Hunperht, der Vater Richolfs. Wir sind ihm schon zweimal im Zusammenhang mit Graman begegnet. Er muß 821 bereits sehr alt gewesen sein, da seine ersten Nennungen in das Jahr 772 fallen. Ein Rihperht gab damals das Erbe seiner Mutter Adalaswint in Ilmmünster, Haimhausen, Fürholzen und Giesenbach (alle BA Freising) [21
Bitterauf 46ab.]. Zehn Tage später tradierte Hunperht im selben Sinne seinen Anteil aus dem Erbe der Adalaswint. Er war offensichtlich ebenfalls deren Sohn, also ein Bruder Rihperhts. Rihperht trat später in den geistlichen Stand ein und wird noch bis 816 genannt [22 clericus 778/91-808 (Bitterauf 122,139,220,278a), prespyter 814-816 (Bitterauf 320, 356). Daß er ein Bruder Hunperhts war, wird auch durch das Zeugenpaar Hunperht Rihperht angedeutet (Bitterauf 247). ]. Ein Jahr nach seiner ersten Schenkung gibt Hunperht mit Erlaubnis seines Herrn, des Herzogs Tassilo, seine willa Sweinpah für das Seelenheil Tassilos und seiner Eltern Otilo und Hildtruda [23 Bitterauf 63.]. Die Zeugenreihe wird vom Herzog selbst angeführt. Es folgen Machelm, einer der bedeutendsten Vasallen Tassilos, der reichen Besitz im Traungau hatte [24 Heuwiesen 6,9,10, Widemann 4, Hauthaler 1, 39, OÖUb 1, 1/1, 3/4, 10/16, Bitterauf 74.], Heimuni, der Sohn Adaluncs von Roning [25 Widemann 1, 6.], Hunperhts Bruder Rihperht, Reginolf von Hohenbercha [26 Bitterauf 22; er hatte Besitz in Ummünster (Bitterauf 24b), Hunperht seinerseits in Hohenbercha.] und der spätere Graf Graman. Diese vornehmen Persönlichkeiten unter den Zeugen gestatten Rückschlüsse auf die Abkunft des Schenkers. Die Gedenkstiftung für die herzogliche Familie läßt sogar an Verwandtschaft mit den AGILOLFINGERN selbst denken. Durch den Sturz Herzog Tassilos dürfte auch die Machtposition Hunperhts gelitten haben. Er tritt seither kaum mehr in bevorzugter Position in Erscheinung. Wahrscheinlich gehörte er zu den wenigen bayerischen Adeligen, die dem letzten AGILOLFINGER-Herzog treu geblieben waren.
792 begegnet Hunperht als Zeuge für Heimuni in Grüntegernbach neben einem Waldperht [27
Bitterauf 153.]. Es handelt sich hier wohl nicht mehr um den Bruder Graf Gramans, der überhaupt in Freisinger Urkunden nicht mit Sicherheit nachzuweisen ist [28 ln Frage käme eventuell ein Waldperht, der 770/83 als erster Zeuge einer Schenkung in Frauenuhr (Pf. Dorfen, BA Erding) erscheint (Bitterauf 40). Wie sein Bruder Graman war wohl auch er mehr im Salzburggau begütert.], sondern um den schon erwähnten Miterben in Unterlaus. Seit 806 erscheint ein jüngerer Hunperht, der sicherlich nicht mit dem bis 821 genannten Vater Richolfs identisch sein kann [29 Er wird nämlich 819 nach genannt, den wir noch als einen EnkelMahtperht des älteren Hunperht kennenlernen werden (Bitterauf 407).]. Von diesem Richolf erfahren wir zu seinen Lebzeiten bloß, daß er zusammen mit einem Sicco auf seine Ansprüche auf die Kirche in Buch am Buchrain (BA Erding) verzichtete [30 Bitterauf 288.]. Mit seinem Sohn, dem Priester Adalperht, machte er eine Schenkung in Airischwand (BA Freising), die sein zweiter Sohn Mahtperht 843 erweiterte und erneuerte [31 Bitterauf 662. ]. Richolf selbst tritt 824 zum letzten Mal in den Zeugenreihen auf [32 Bitterauf 507.]. Der Priester Adalperht, der 812 und 813 als Diakon genannt wird, dürfte vor 837 gestorben sein [33 Bitterauf 300,492 und 627.]. In Airischwand schenkt jedoch schon bedeutend früher ein Priester Adalperht [34 Bitterauf 207.]. Bitterauf datiert die Tradition in die Jahre 804-806. Auffallende Übereinstimmungen im Formular sowie die Gleichheit der Zeugen mit einer anderen Schenkung des Priesters Adalperht [35 Bitterauf 32.] aus dem Jahre 769 beweisen jedoch, daß diese Urkunde zur selben Zeit anzusetzen ist. Der Spitzenzeuge des älteren Adalperht ist ein Priester Wolfperht. Er hat 772 Besitz in Altenhausen (BA Freising) [36 Bitterauf 47.]. Hier ist 883/87 ein Edler Richolf begütert, der wohl nach Hunperhts Sohn benannt ist. Es liegt also nahe, auch den älteren Priester Adalperht zum Verwandtenkreis Hunperhts zu zählen.
Daß auch Hunperht selbst am Oberlauf der Iren, in der eigentlichen Heimat der Graman-Sippe, begütert war, beweist der Ortsname Hampersdorf in der Nähe von Dorfen [37
Hunperhtesdorf 957/72 (Bitterauf 1200).]. Ebenso scheint nach ihm der Ort Umbertshausen (BA Kehlheim) benannt zu sein, wo 857/64 sein Enkel Mahtperht Besitz hat [38 Hunperhteshusun (Bitterauf 808).]. Dieser war auch in Doetzkirchen, der Gründung eines Toto, begütert [39 Totinchirihha (Bitterauf 805).].
Von den Mitbesitzern Friduperhts in Unterlaus sind vor allem Waldperht und Hroadperht von Bedeutung. Waldperht haben wir bereits in naher Beziehung zu Hunperht festgestellt. Von seinen 815 genannten Söhnen Williperht und Chuniperht [40
Bitterauf 350. ] empfing der erstere 814 seinen Besitz mit dem Recht der Nutznießung für sich, seinen zweiten Bruder Antonio und den Priester Rihperht von Freising zu Leben [41 Bitterauf 320.]. Rihperht war der Bruder Hunperhts. Die Beziehungen zwischen diesen beiden Gruppen scheinen ziemlich eng gewesen zu sein [42 Vgl. die Zeugenpaare Waldperht Mahtperht bei einer Schenkung in Dorfen 825 (Bitterauf 513a) und Hunperht Chuniperht 821 (Bitterauf 447).]. 836 übergibt Williperht mit seinem Onkel, dem Priester Hroadperht, seinen Besitz in Großkatzbach (Pf. Grüntegernbach) und Sneitu [43 Bitterauf 616.]. Unter den Spitzenzeugen finden sich Toto und Mahtperht. Williperhts Onkel war wohl ein Bruder seines Vaters. In ihm erkennen wir dessen Mitbesitzer in Unterlaus [44 Vgl. das Zeugenpaar Waldperht Hroadperht 816 (Bitterauf 361).]. Auch der Vater des Brüderpaars Waldperht und Hroadperht tritt in den Freisinger Urkunden auf. Trotz der Häufigkeit des Namens Hroadperht ist es wohl auf Grund der Lage des geschenkten Gutes erlaubt, den in Großkatzbach begüterten Priester mit dem gleichnamigen Sohn eines Egilperht zu identifizieren, der 791 in Aschau (BA Wasserburg) tradiert [45 Bitterauf 141.]. Die Spitzenzeugen der Schenkung, Heimuni und Adalo, sprechen für eine solche Gleichsetzung. Egilperht finden wir bloß ein zweites Mal in der Nennung Hato Agilperht von 762 [46 Bitterauf 17.]. Die Reihe Hato Chuno Angilperht von 769 [47 Bitterauf 31.] und das Paar Chuno Angilperht [48 Bitterauf 23.] legen jedoch den Gedanken nahe, daß Egilperht in der Urkunde von 791 bloß durch einen Schreibfehler statt Engilperht gesetzt wurde. Der Name Engilperht aber ist, wie wir gesehen haben, in der Familie Graf Gramans gebräuchlich. Möglicherweise war der Vater Priester Hroadperhts und Waldperhts ein weiterer Bruder Graf Gramans.
In der gleichen Generation dürfte auch die Verbindung zu der zuvor behandelten Gruppe um Hunperht und den Priester Rihperht anzusetzen sein. Hier ist jedoch eher an Abstammung in weiblicher Linie zu denken. Die Mutter der beiden Brüder, Adalaswint, könnte eine Schwester Gramans und Pabos gewesen sein. Es ergäbe sich dadurch die auffällige Namensvariation Perhtswint-Adalaswint-Adalperht. Über Vermutungen ist hier jedoch nicht hinauszukommen.
Die Namen der Hroadperht-Waldperht-Gruppe ermöglichen neuen Einblick in die Zusammenhänge der Graman-Sippe. So dürfte Chuniperht, der Sohn eines Adalperht, der 752 in Pang (BA Rosenheim) an die Kirche zu Iren schenkt, einer früheren Sippenschicht angehören [49
Bitterauf 6. Dieser Chuniperht ist wohl der Chuniperht iudex aus der Zeugenreihe der Besitzteilung zwischen Toto und seinen Söhnen von 777 (Bitterauf 86). Auch der jüngere Chuniperht wird 829 auf einer Gerichtsversammlung in Haimhausen als iudex erwähnt (Bitterauf 585a).]. Ein Priester Chuniperht gibt 846 in Haselbach (BA Erding) und Pfaffenkirchen (BA Mühldorf) [50 Bitterauf 686.], also in der gleichen Gegend, in der der Schwerpunkt des Besitzes der Graman-Sippe liegt. Sein zweiter Zeuge ist ein Friduperht, später folgt ein Engilperht. Im Ortsnamen Pfaffenkirchen lebt außerdem ganz deutlich der Name von Gramans Bruder Pabo weiter [51Papinchirihun.]. Der seltene Name Antonio begegnet 860/75 zusammen mit einem Hroadperht bei einer Schenkung an der Moosach [52 Bitterauf 877.]. Auch hier wären verwandtschaftliche Zusammenhänge denkbar.
Der charakteristische Leitname der Familie dürfte Waldperht gewesen sein. Gramans Bruder trägt ihn, ebenso sein mutmaßlicher Neffe. Auch in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts tritt der Name wieder in der Gegend an der oberen Iren auf, 875 ertauscht ein Graf Waldperht Besitz in Holzen und Grüntegernbach, den alten Stammsitzen der Familie [53
Bitterauf 913. ]. Er ist zweifellos identisch mit dem Sohn des Edlen Onhart, der 859/64 Liegenschaften in Jakobsrettenbach (Pf. Dorfen) gegen solche zu Schwindau (BA Wasserburg) gibt [54 Bitterauf 819.]. Schon lange vorher wird Waldperht in den Freisinger Urkunden genannt [55 Bitterauf 633,676,704,902 u. a.]. Sein Vater Onhart begegnet seit 815 in der Gegend an der oberen Isen [56 Bitterauf 345 (in Grüntegernbach), 346 (in Iren), 514 (in Lappach), 704 (in Obergeislbach), 757 (in lsen).]. In einer Zeugenreihe dieses Jahres wird er nach Scrot und Waldperht und vor Ermperht und Cundhart genannt [57 Bitterauf 346 und 704. ]. Sein Name ist bisher in der Sippe Gramans noch nicht begegnet. Vielleicht wurde die Verbindung durch seine Gattin hergestellt, aus deren Verwandtenkreis dann der Name des Sohnes zu erklären ist.
Ein vierter Waldperht, der in diesen Zusammenhang gehört, ist ein Priester, der 828 seinen Besitz zu Pfettrach übergibt [58
Bitterauf 572.]. 830 schenkt er durch seinen Vogt Chadolho Güter in Kollersdorf (BA Freiring), die er von dessen Eltern ererbt hatte [59 Bitterauf 597, Kollersdorf heißt hier Chadolhesdorf, ist also selbst wieder die Gründung eines Chadolho.]. Chadolhos Vater aber hieß selbst wieder Waldperht. Er machte mit seinem Sohn Oato eine Schenkung an Freising, die der andere Sohn Chadolho vor 806 bestätigte [60 Bitterauf 189, Der Name Oato dürfte schon in einer früheren Sippenschicht vertreten gewesen sein, in der der Namensgeber von Kirrhötting (Oatinga) zu suchen ist, wo Pabo, Friduperht, Ato und Engilperht begütert erscheinen (vgl. oben 28).]. Als dritter Sohn ist vielleicht ein Immo hinzuzuzählen. Zwei Brüder, Oato und Immo, tradierten nämlich nach 783 an die Martinskirche in Biberbach [61 Bitterauf 234a.]. Die Schenkungsurkunde macht es wahrscheinlich, daß sie der Gründerfamilie der Kirche angehörten. Aus einem inhaltlich mit dieser Traditionsnotiz zusammenhängenden Stück erfahren wir von einem Streit zwischen Bischof Atto und den Erben der Kirchenstifter aus der Familie der MOHINGARA, der dadurch beigelegt wurde, daß die MOHINGARA ihre Ansprüche auf die Kirche fallen ließen und Bischof Atto sie an den Priester Rihperht weiterverlieh [62 Bitterauf 235.]. Unter den Zeugen der Urkunde erscheinen zahlreiche Angehörige Chadolhos, so daß mit Recht die im vorangegangenen Stück erwähnten Söhne Waldperhts als die Erben der Martinskirche angenommen werden dürfen [63 Erster Zeuge vor Graf Helmui, dann Heriperht, Anno, Hrocholf, Toato, Chuniperht etc. Von ihnen wird nun zu sprechen sein.]. Die Gegenleistung des Bischofs für den Verzicht der MOHINGARA dürfte die Verleihung der Kirche an ihren Verwandten, den Priester Rihperht, gewesen sein. Damit aber wäre wahrscheinlich gemacht, daß zumindest eine Gruppe aus dem Verwandtenkreis Graf Gramans dem Adels-Geschlecht der MOHINGARA angehörte, das zwar nicht eine der fünf von der Lex Baiuvariorum erwähnten genealogiae war, jedoch zu den ganz wenigen dem Namen nach bekannten Geschlechtern des altbayerischen Adels zählt. Da man wohl annehmen darf, daß diese Hochadels-Familien untereinander nahe verwandt waren, ist es nicht unwahrscheinlich, daß eine der mit Graman versippten Gruppen, vielleicht sogar seine eigene Familie, zu den fünf bevorzugten genealogiae des Bayernstammes gehörte.
Chadolho, der 808 auch als Graf erscheint [64
Bitterauf 264. ], hatte Besitz in Schwindau, wo wir schon Graf Waldperht begegnet sind. Hier verkauft er 813 zusammen mit Scrot Grundstücke an den Priester Ascrih und dessen Bruder Engilhard [65 Bitterauf 399b.]. In Schwindau, Grüntegernback, Fischeröd (Pf. Grüntegernbach) und Obergeislbach (Pf. Walpertskirchen) hatte der Priester Ascrih auch von seinem Vater her Erbbesitz, dessen Übergabe an Freising er 830 gemeinsam mit seinem Bruder Toto bestätigte [66 Bitterauf 593.]. Ein vierter Bruder Rihheri war gemeinsam mit Toto und Ascrih in Niederthann (Pf. Ummünster) begütert [67 Bitterauf 386b.]. Er tritt 839 mit seiner Gattin Hiltisnot in Dorfen auf [68 Bitterauf 633.].
Die Ortsverbundenheit mit Graf Graman und seiner Familie ist augenfällig. Aber auch in den Namen ergeben sich Zusammenhänge. Vor allem sind Waldperht und Tuoto/Toto für die ganze Sippe charakteristisch. Ein Toto ist es auch, der das Bindeglied zu Graf Graman herstellt. 775 schenkt er Land an der Amper und einen Wald zu Airischwand, wo auch die Familie Hunperhts begütert ist [69
Bitterauf 70, vgl. auch 207 u. 662.]. 777 bezeugt Graman die Teilung Totos mit seinen vier Söhnen, von denen Wago und Scrot aus Totos erster Ehe, Ratolt und Cundhart aus seiner zweiten mit einer Oaspurc stammen [70 Bitterauf 86.]. Das geteilte Gut lag in Isen und Holz, wo ein Jahrhundert später Graf Waldperht auftritt. 776 übergibt Totos Sohn Scrot Land und Leibeigene an der Isen, zu Tegernbach, an der Pfettrach und ad silva [71 Bitterauf 72a. ]. Unter seinen Zeugen finden wir Cundhart und Ratolt, seine beiden jüngeren Brüder, sowie einen Rihheri und einen Waldperht. Gleichzeitig schenkt Wago Besitzungen, die wohl in derselben Gegend zu suchen sind [72 Bitterauf 72b.]. An der Pfettrach tradierte nämlich Wago 815 zusammen mit seinem Bruder-Sohn Toto Besitz zu Nandlstadt [73 Bitterauf 333ab.]. Wenn aber Toto, der Bruder Engilhards, Ascrihs und Rihheris, ein fratruelis Wagos war, dann müssen alle vier Enkel des älteren Toto gewesen sein. Welcher von Totos Söhnen ihr Vater war, läßt sich nicht eindeutig feststellen. Scrot fällt jedenfalls durch die Verkaufsurkunde von 813 weg. Wahrscheinlich ist zwischen den jüngeren und den älteren Toto ein Sohn aus dessen zweiter Ehe mit Oaspurc einzuschieben. Diese wird zwar in einer Bestätigungsurkunde Wagos für die Schenkungen seiner verstorbenen Verwandten Toto, Oaspurc und Scrot Wagos Mutter genannt [74 Bitterauf 456.], war aber nach der Besitzteilung von 777 eindeutig dessen noverca. Besitz an der Pfettrach hatte auch der Priester Waldperht, den wir nach allem Gesagten wohl als Enkel von Chadolhos Vater Waldperht betrachten dürfen [75 Ein Ur-Enkel des älteren Waldperht dürfte Graf Waldperht, der Sohn Onharts, gewesen sein.]. Auf Grund seiner Stellung in den Zeugenreihen sowie vor allem seiner engen Ortsverbundenheit mit Scrot und Engilhard, ist es wohl nicht allzu gewagt, auch Chadolho als Enkel Totos einzureihen [76 802/5 Wago clericus erster Zeuge für Chadolho (Bitterauf 189), 818 Chadolh Toto für Chuniberht (Bitterauf 401b).]. Demnach wäre Chadolhos Vater Waldperht als fünfter Sohn Totos anzunehmen. Aus zeitlichen Erwägungen müßte man ihn den Nachkommen der ersten Ehe zuweisen.
Totos Sohn Wago trat in den geistlichen Stand ein. Seit 802 erscheint er als Kleriker [77
Bitterauf 189,198,208,227,280,298,352,514.], seit 806 als capellanus [78 Erstmals Bitterauf 226.]. Nach seinem Tod im Sommer 830 wurde seinem Neffen, dem Priester Ascrih, die gleiche Würde verliehen [79 Am 29. Mai begegnet Ascrih noch als Priester (Bitterauf 593), am 27. Juni wird Wago zum letzten Mal genannt (Bitterauf 594), am 25. August erscheint Ascrih als cappellanus (Bitterauf 600).].
Außer den schon erwähnten Besitzungen Wagos erfahren wir 825 von weiteren in Zolling, Gerlhausen und Holzen (alle BA Freising), die er von seinen Eltern ererbt hatte [80
Bitterauf 523a]. Bei der Erneuerung der Tradition dieser Güter finden wir als Spitzenzeugen einen Cundpald. Dieser gibt 826 für das Seelenheil seiner Mutter Judith in Delnhausen [81 Bitterauf 529.]. Zusammen mit seinen Brüdern Drudmunt und Diakon Chuanrat schenkt er 806 für seinen verstorbenen Vater, den Grafen Droant, in Tuching (BA Freising) und demselben Gerlhausen, wo auch Wago begütert ist [82 Bitterauf 226; dazu auch E. Zöllner, a.a.O., MIÖG 68 (1960). 375.]. Dieser ist nun hier seinerseits erster Zeuge, gefolgt von seinem Neffen Engilhard. Graf Drudmunt und Cundpald wiederum bezeugen kurz darauf die Verzichtserklärung Engilhards gegenüber Wago [83 Bitterauf 227.]. 818 findet sich die Reihe Wago Chuniberht Cundpald und 822 das Paar Engilhard Cundpald [84 Bitterauf 401b und 466.]. Unter den Zeugen von Cundpalds Schenkung in Delnhausen von 826 erscheint Chadolho und als dieser um 802/805 die Schenkung seines Vaters Waldperht bestätigt, sind seine Spitzenzeugen Wago, Droant und Drudmunt [85 Bitterauf 189.]. Die Reihe Droant Wago Drudmunt wird schon 794 genannt [86 Bitterauf 172.]. 776 ist Droant vor Cundhart und Ratold Zeuge für Scrots Schenkung an der Isen, an der Pfettrach und in Holzen, 777 vor Heimuni und Craman für die Teilung Totos mit seinen Söhnen [87 Bitterauf 72a und 86.]. Der erste Zeuge dieser Urkunde nach den Bischöfen von Freising und Neuburg ist ein Cundpald, der zweifellos der 757-760 genannte iudex dieses Namens ist [88 Bitterauf 10 und 15.]. Durch die gemeinsamen Beziehungen zu Toto sowie durch das Zeugenpaar Cundpald iudex Droant wird die Verbindung zwischen dem älteren und dem jüngeren Cundpald hergestellt [89 Bitterauf 10.]. Es handelt sich bei ihnen wahrscheinlich um Großvater und Enkel, so daß wir Graf Droant wohl als Sohn des Cundpald iudex betrachten dürfen. Dieser wird schon 744 zum ersten Mal genannt, und zwar in einer Tradition, die Gut in Zolling betrifft [90 Bitterauf 1.]. Hier und in der Umgebung dieses Ortes haben wir sowohl die Söhne Droants als auch Wago und Scrot reich begütert gefunden. Vielleicht geht dieser ganze Besitz auf den älteren Cundpald zurück. Der Erbgang wäre dann so zu erklären, daß eine seiner Töchter die erste Gattin Totos und die Mutter von Scrot, Wago und eventuell auch Waldperht, dem Vater Chadolhos, gewesen ist. Wenn der Besitz in und um Zolling durch Wagos Mutter in die Familie kam, erklärt sich, daß wir die Familie Totos nur hier in Ortsverbundenheit mit den Söhnen Droants finden, nicht aber im eigentlichen Stammgebiet der Sippe im Gebiet an der oberen Isen. Ebenso wird daraus klar, daß die Ansprüche Engilhards gegenüber Wago unberechtigt waren, da Engilhard ja ein Enkel Totos durch einen von dessen Söhnen zweiter Ehe war. Erst nach dem wohl kinderlosen Tode Scrots werden seine Neffen zu Besitz in dieser Gegend gelangt sein.
Von der Familie Graf Droants ergeben sich interessante Beziehungen zum schwäbischen und fränkischen Raum. Die Namen seiner 826 verstorbenen Gattin Judith und seines Sohnes Chuanrat zeigen klare Zusammenhänge mit den ältesten WELFEN, ohne daß wir jedoch Judith hier genau einordnen könnten. Zu einer anderen Familie führt der Name Drudmunt. 802 gibt eine Reginsind für sich und ihren Sohn Perhtold unter Zustimmung eines Thrudmunt das Erbe ihres Vaters Germunt in Pappenheim, Dietfurt und Scammaha im Sualafeldgau an St. Gallen [91
Wartmann 171.]. Das Geschlecht von Reginsinds Sohn Perhtold haben wir bereits kennengelernt. Es ist das alemannische Hochadels-Ggeschlecht der ALAHOLFINGER. Daß es sich bei Reginsinds Verwandten Thrudmunt um den Sohn des Grafen Droant handelt, ist schon auf Grund der Seltenheit des Namens sehr wahrscheinlich. Die schwäbischen Beziehungen seiner Mutter Judith sprechen ebenfalls dafür. Ein hoher Grad an Wahrscheinlichkeit läßt sich für diese Identität aus den Eintragungen des Namens Drudmunt in den Verbrüderungsbüchern von St. Gallen und Reichenau gewinnen. Wiederholt begegnet er hier sowohl neben Germunt als auch zusammen mit Angehörigen der Toto-Graman-Sippe [92 Germunt Drudmunt (St. Gallen 88), Germunt l. Drudmunt l. Peratolt l. (St. Gallen 285), Kermunt Drudmunt Tuato (Reichenau 536), Scrot Drudmunt (Reichenau 386), Trutmunt Waldport (Reichenau 135).]. Wenn nun über die Familie Graf Droants ein Zusammenhang zwischen den ALAHOLFINGERN und dem Kreis um Toto von Holzen besteht, dann erklären sich auch die eigenartigen Namen von Totos Söhnen erster Ehe, die in Bayern sonst nicht vorkommen. Wago ist ja der Name eines Sohnes des Grafen Perhtolt. Ein Scrot läßt sich zwar in dessen Familie nicht nachweisen, doch ist der Name typisch alemannisch [93 Vgl. dazu H. Jänichen, Warin, Rudhard und Scrot, Ztschr. f. württ. Landesgesch. 14 (1955), 373 ff.]. So wie Totos Enkel Chadolho hieß aber auch ein weiterer Sohn Graf Perhtolds [94 94) Über die Familie Chadalhohs vgl. H. Jänichen, a.a.O. Stammbaum, 150, über seine Ämter, G. Tellenbach, a.a.O., 52 ff.
In den Freisinger Urkunden finden wir zumeist die Namensform Chadolh oder Chadol. Die Ablativbildung Chadolone (Bitterauf 597) zeigt jedoch, daß die Form Chadolho zugrundeliegt. Dies entspricht den in den St. Gallener Urkunden üblichen Formen Chadaloh, Chadalo, Chodolo und Chaldalo (Wattmann 434).
]114. Er war Graf in der Ostbaar und erhielt später die Markgrafschaft Friaul. Auf diese Weise ergibt sich eine interessante Querverbindung vom Traungau-Ggrafen Graman zu einem anderen bedeutsamen Amtsträger in den südöstlichen Marken des Reiches. Außerdem zeigt sich an diesem Beispiel deutlich, daß schon früh enge Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den führenden Geschlechtern des bayerischen und des alemannischen Stammesherzogtums bestanden [95 Solche Zusammenhänge sind nicht verwunderlich, wenn die bayerische und schwäbische Herzogs-Familie stammesgleich waren.].
Aber auch mit bedeutenden bayerischen Adelsfamilien stand die Familie Totos in Verbindung. Hier ist vor allem das schon erwähnte Geschlecht Adaluncs von Roning zu nennen, das besonders am Oberlauf der beiden Labor Besitzungen hatte [96
Widemann 1, 5-8. ]. Adaluncs zweiter Sohn Heimuni gibt 773 zusammen mit seiner Gattin Irminswint Land und Leibeigene zu Pram (BA Mallersdorf), Sünching und Pfatter (beide BA Regensburg) an Freising [97 Bitterauf 59.]. Im gleichen Jahr ist er unter den Spitzenzeugen für Hunperht [98 Bitterauf 63. ]. Hier wird bereits ein zweiter Heimuni als Schlußzeuge genannt. 777 bezeugt er zwischen Droant und Graman die Teilung Totos mit seinen Söhnen [99 Bitterauf 86.]. Beide Heimuni sind 791 in Grüntegernbach bei der Schenkung des Klerikers Rihperht anwesend [100 Bitterauf 139.]. Im gleichen Jahr ist ein Heimuni erster Zeuge für Egilperht und Hroadperht in Aschau [101 Bitterauf 141. ]. 792 treffen wir den jüngeren Heimuni bei einer Schenkung in Frauenvils (Pf. Dorfen) neben Cundhart [102 Bitterauf 152. ]. Wie wir aus dem folgenden Stück erfahren, war dieser sein Verwandter. Heimuni schenkte nämlich Besitz in Grüntegernbach unter dem Vorbehalt des Nutzgenusses für sich und seinen Sohn Anno [103 Bitterauf 153.]. Diesen übergab - wie die Traditionsnotiz berichtet - nach Heimunis Tod sein Verwandter Cundhart dem Bischof Atto von Freising zur Erziehung. Unter den Zeugen dieser Handlung finden sich zahlreiche Sippenangehörige, so Adalo, Cundhart, Engilhart, Toto,
Waldperht, Hunperht und Engilperht. Nach der Schenkung von 792 wird noch mehrmals der Name Heimuni genannt. 802 begegnen die Reihen Toto testis Helmuni testis Cotehelm testis Immo testis [104
Bitterauf 184b.] und Toto Helmuni Wolfperht [105 Bitterauf 184a und 186.]. Kurz vorher wird in einer in Regensburg ausgestellten Urkunde ein Heimuni iudex erwähnt [106 Bitterauf 183.]. Vielleicht derselbe Helmuni ist 806 nach vier Bischöfen, vier Äbten, zehn Grafen und zwei iudices Spitzenzeuge bei der Verzichtserklärung Engilhards und Hroccolfs gegenüber dem Kleriker Wago, den er in diesem Streit als Vogt vertritt [107 Bitterauf 227.]. Noch vor den Grafen bezeugt er den Verzicht der MOHINGARA auf die Martinskirche in Biberbach [108 Bitterauf 235.]. Bald darauf verschwindet der Name aus den Freisinger Urkunden.
Beide Heimunis hatten enge Kontakte zu sämtlichen Gruppen der Graman-Sippe, am stärksten wohl zur Familie Totos, dessen Sohn Cundhart ja auch als proximus des jüngeren genannt wird. Der ältere stammte, wie wir wissen, aus einem anderen Geschlecht. Die anfängliche Verwurzelung in seiner ursprünglichen Heimat, das Aufgeben dieser Positionen und das langsame Hineinwachsen in die Adelsfamilien der Freisinger Diözese erwecken den Anschein, daß er erst durch seine Heirat hier Fuß faßte. Nun wissen wir aber, daß er einen Sohn Cundalperht hatte, der noch vor dem Auftreten des Vaters in Freisinger Urkunden in Regensburg erscheint [109
Widemann 1 und 6.]. Irminswint, die wir für die Vermittlerin der Freisinger Beziehungen halten dürfen, war daher wohl schon Heimunis zweite Frau. Erst durch sie kam er in die Gegend an der oberen Isen. Sie war wohl eine Schwester Totos, dessen Generation der ältere Heimuni angehörte. Der jüngere Helmuni könnte den älteren zum Vater gehabt haben. Eine sichere Entscheidung ist jedoch in dieser Frage nicht zu treffen, da die beiden Helmuni fast nicht auseinanderzuhalten sind.
Ebensowenig läßt sich die Frage klären, ob einer von ihnen mit jenem Grafen Helmuni identisch ist, der 793 Besitzungen im Sualafeld, die ihm von König Karl restituiert worden waren, an Freising schenkt [110
Bitterauf 166a.]. Er war mit einer Cundpiric verheiratet und hatte einen Sohn Hadumar, der vor seinem Vater starb [111 Bitterauf 213a. Die Urkunde gehört wohl in eine spätere Zeit als 804/08, da die beiden Zeugen Managolt und Amalker sonst erst ab 818 genannt werden.]. Die Güter der Familie in Frauenvils (Pf. Dorfen) deuten auf Verwandtschaft mit der Sippe Gramans.
Heimunis Spitzenzeuge in Grüntegernbach ist ein Adalo. Er hatte Besitz in Obergeislbach (Pf. Walpertskirchen), den er 780 an die Benediktskirche in Mehnbach gab [112
Bitterauf 103.]. Unter seinen Zeugen findet sich das Paar Engilperht Hroadperht. In Obergeislbach ist aber auch Totos Enkel, der Priester Ascrih, begütert [113 Bitterauf 371. ] Adalo iudex ist 777 der Schlußzeuge der Teilung Totos mit seinen Söhnen. Zwei Adalo bezeugen die Schenkung Egilperhts und Hroadperhts in Aschau, einer zwischen Helmuni und Ermperht, der zweite nach Scrot [114 Bitterauf 141. ]. 792 finden wir in Isen die Reihe Adalo Hroadperht Ato Engilperht [115 Bitterauf 151.]. Adalo hatte auch Besitz in Edelshausen (b. Schrobenhausen) und Schrobenhausen [116 Bitterauf 192. ]. Hier ist 855 ein jüngerer Adalo mit seinem Vater, dem Grafen Rihho, begütert [117 Bitterauf 743.]. Dieser bezeugt 849 vor einem Toto eine Schenkung in Obergeislbach [118 Bitterauf 704. ] In derselben Zeugenreihe finden sich nacheinander Heimuni Onhart Friduperht und Alius Adalo Waldperht. Der Name Graf Rihhos begegnet wiederum im Kreise Graf Gramans. So heißt nämlich dessen proximus, der von ihm Besitz zu Mehring erhalten hatte [119 Hauthaler 1, 49.]. Daß ein Rihho auch Beziehungen zum Gebiet an der oberen Isen hatte, beweist der Ortsname Richenkirchen (Reichenkirchen, BA Erding). Damit schließt sich der Kreis. Wenn auch die genannten Personen nicht in einem bestimmten Verwandtschaftsverhältnis zur Graman-Sippe nachzuweisen sind, läßt sich doch zeigen, daß die Träger der Namen Rihho und Adalo dieser Gruppe nahestehen. Möglicherweise sind nach diesen Hinweisen auch die Grafen von Schrobenhausen zu den Nachkommen der Graman-Sippe zu rechnen [120 Ein keineswegs in allen Filiationen gesicherter Stammbaum dieser Familie findet sich bei C. Plank. Die Regensburger Grafschaft im Unterinntal und Rapotonen, Veröff. d. Mus. Ferc. 31 (1951), 564.].
Ein Name, der häufig im Kreise der Toto-Gruppe auftaucht, ist Haholf. Zahlreiche Nennungen in Zeugenreihen zeigen die enge Verbundenheit, so 806 Haholf Ratolt für Wago und Engilhard [121
Bitterauf 227.], 812 Anno Haholf [122 Bitterauf 300.] und Haholf Toaoo [123 Bitterauf 304.], 819 Engilhard Haholf [124 Bitterauf 414.] und Haholf für Cundpald [125 Bitterauf 426.], 820 Haholf Toto [126 Bitterauf 436.], 821 Haholf Cundhart [127 Bitterauf 453.] und Haholf Wago [128 Bitterauf 454.], 822 Haholf Toto [129Bitterauf 459.] und Cundhart Haholf  [130 Bitterauf 482.] und 823 Engilhard Haholf  [131 Bitterauf 489.]. 827 gibt Haholf zusammen mit seiner Gattin Perhthilt und seinem Sohn Arn seinen Besitz in Bittlbach (Pf. Walpertskirchen) [132 Bitterauf 540ab.]. Sein Spitzenzeuge ist Engilhard. Es folgen unter anderen Toto, Drudmunt, Tuto, Mahtperht, Adalperht, zwei Engilperhte, Hroadperht und Adalo. Haholfs Sohn Arn wurde Abt von Wasentegernbach. Er erneuerte 845 in Grüntegernbach die elterliche Schenkung mit den Spitzenzeugen Ratolt und Toto [133 Bitterauf 669.]. Ein älterer Haholf ist der Vater Pernolfs, der 794 in Laimbach gibt [134 Bitterauf 172.]. Die ersten Zeugen der Handlung sind Graf Droant, Wago und Drudmunt. Es folgen nebeneinander ein jüngerer Droant und der jüngere Haholf. Diesem begegnet man in Zeugenreihen wiederholt neben Pernolf, so daß er wahrscheinlich als dessen Bruder und als Sohn des älteren Haholf anzunehmen ist [135 Bitterauf 401c, 412,413.]. Hinsichtlich Pernolfs Beziehungen zur Toto-Gruppe wäre unter anderem auf die Reihe Engilhard Reginperht Pernolf Cundhart Toto Friduperht hinzuweisen [136 Bitterauf 538.]. Außerdem hatte Pernolf selbst von seiner Gattin Perhtnia einen Sohn Tuto [137 Pepo und Tuto, Söhne der Perhtnia, geben 819 in Möschenfeld (BA München) (Bitterauf 420). Über Perhtnia, die Gattin Pernolfs, vgl. Bitterauf 496.]. Möglicherweise ist der Name durch seine Mutter von der Toto-Gruppe in die Familie der Haholfe gekommen. Ein dritter Haholf, der ebenfalls in Bittelbach begütert ist, jedoch einer früheren Generation angehört, hat keine besonders auffallenden Beziehungen zur Familie Totos [138 Bitterauf 11.]. Auch er ist aber, wie wir sehen werden, mit der Sippe Graf Gramans verbunden.
Dieser älteste Haholf ist der Vater des Salzburger Erzbischofs Arn [139
Über diese Familie vgl. G. Demmelbauer, Arno, der erste Erzbischof
von Salzburg 798-821, Diss. Wien (1950).
]. Außer in seiner eigenen Schenkung von 758 wird er bloß 752 in der Tradition Chuniberts, des Sohnes Adalberts, an die Kirche von Isen erwähnt [140 Bitterauf 6. ]. Chunibert gehörte, wie schon wahrscheinlich gemacht werden konnte, einer älteren Generation der Sippe Gramans an.
Neben Haholf ist in dieser frühen Zeit auch ein Priester Willihelm, der Sohn eines Gaio, in Bittlbach begütert [141
Bitterauf 38.]. Dieser Willihelm wird 758 neben Cotahelm als Zeuge der Schenkung Haholfs genannt. Als Cotahelm 776/7 eine Kirche in Buch am Buchrain tradiert, ist Haholfs Sohn Arn erster Zeuge [142 Bitterauf 79.]. Wir finden ihn auch als Diakon unter den Zeugen für Priester Willihelm. Ein gleiches Maß wie Cotahelm gibt 811 in Buch am Buchrain der Edle Rifuin, der außerdem auch in Kirchötting begütert ist, wo Gramans Bruder Pabo und seine Verwandten Besitz hatten [143 Bitterauf 298. ]. Die Zeugenreihe Toto Heimuni Cotehelm von 802 zeigt einen neuen Zusammenhang auf [144 Bitterauf 184b.]. In Buch am Buchrain finden wir 809 auch Hunperhts Sohn Richolf begütert [145Bitterauf 288.]. Auf den gleichen Ort dürfte sich auch die Schenkung Cotahelms und seiner Schwester Gepahilt an das Kloster Mondsee ad Poh beziehen [146 OÖUb 1, 54/90.]. Diese Gepahilt wird 769 als Witwe eines Cundpato zusammen mit ihrem Sohn Alprih in Germerswang (BA Bruck) genannt [147 Bitterauf 30.]. Ihr erster Zeuge nach einigen Priestern ist Arn. Alprih wiederum ist der Schlußzeuge Priester Willihelms in Bittlbach. Von seiner Gattin Willipurc hatte er einen Sohn, der nach seinem Großvater Cundpato hieß [148 Bitterauf 664 und 670. ]. Bei einer Tradition des jüngeren Cundpato in Grimmelbach (BA Mühldorf) begegnen wir 845 unter den Zeugen einigen schon oft gehörten Namen, wie Papo, Adalperht, Rihholf, Rihhelm, Fridaperht und Cotahelm [149 Bitterauf 670. ]. Cundpato ist bei der Bestätigung der Schenkung Waldperhts und Oatos durch Chadolho anwesend [150 Bitterauf 189.]. Er wird einmal neben Engilperht und einmal neben Friduperht genannt [151 Bitterauf 551 und 251b.]. Vor allem ist er der Spitzenzeuge für Friduperht und seine Miterben in Unterlaus [152 Bitterauf 442. ]. Aber nicht nur in den jüngeren Sippenschichten lassen sich Querverbindungen aufzeigen. Cotahelm selbst macht 802 eine Schenkung in Mehring (b. Burghausen), wo Graf Graman mit Gattin, Bruder und Verwandten auftritt [153 OÖUb 1, 52/86.]. Gleich im folgenden Stück tradiert ein Willihelm am selben Ort [154 OÖUb. 1, 52/87.]. Vielleicht ist er identisch mit jenem Priester Willihelm, der ein Bruder Cotahelms gewesen sein könnte [155 Dieser Sachverhalt wird durch das Zeugenpaar Willahelm Cotahelm (Bitterauf 11) sowie durch den Gleichklang der zweiten Namensilbe wahrscheinlich gemacht.]. Jedenfalls ergibt sich mehrfache Ortsverbundenheit zur Familie Graf Gramans sowohl im Salzburggau als auch an der oberen Isen.
Von Cotahelm und Willihelm führt der Weg zu einem Personenkreis, in dem wir vielleicht überhaupt die Ahnen der Graman-Sippe vor uns haben. 789/91 übergibt eine Irminswint mit der Zustimmung ihrer Blutsverwandten, die von ihrem Vater zur Zeit Herzog Hugberts (gest. 735) gegründete Zelle zu Kühbach-Rotthal-münster an Bischof Waltrich von Passau [156
Heuwieser 53.]. Irminswints consanguinei finden wir unter den Zeugen. An erster Stelle steht hier Rihheri, offensichtlich der spätere Graf im Mattiggau [157 Heuwieser 54-56.], nach dem wohl Totos gleichnamiger Enkel benannt sein dürfte [158 Der ältere Rihheri ist 776 vor Waltperht Zeuge für Scrots Schenkung an der Isen (Bitterauf 72a). 776/80 gibt er in Berganger (BA Ebersberg) mit den Spitzenzeugen Ratolt und Arn. Später folgt Alprih (Bitterauf 80).]. Der nächste Zeuge ist der schon zur Genüge bekannte Cotahelm. Nach den Brüdern David und Rantolf folgen Rihhelm und Diakon Hroadperht, die wir nebeneinander als Miterben in Unterlaus angetroffen haben. Den Namen von Irminswints Vater trägt der Sohn Gaios. Ihr eigener kehrt bei der Gattin Heimunis, einer mutmaßlichen Schwester Totos, wieder. Damit ist die Beziehung zu fast allen Gruppen der Graman-Sippe hergestellt. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, daß wir in Willihelm, dem Gründer von Rotthalmünster, den gemeinsamen Ahnherrn gefunden haben.
Alle bisherigen Nachrichten über die Graman-Sippe stammten mit ganz wenigen Ausnahmen aus der Freisinger Diözese. Damit dürfte auch im wesentlichen das vorhandene Material erschöpft sein. Einen beachtenswerten Anhaltspunkt liefern jedoch auch die St. Gallener Urkunden. Hier tritt nämlich eine Familie auf, in der die für die Graman-Sippe typische Namenskombination Waldperht-Friduperht wiederkehrt. 874 geben vier Brüder, Meginbert, Fridibert, Waldbert und Ratfrid, ihren Besitz in Mitten (B. Wasserburg am Bodensee) [159
Wartmann 584.]. Schon 840/41 ist ein Waldperht Spitzenzeuge für einen Fridabert und seine Gattin Cotalind [160 Wattmann 383.]. Der Besitz in Mitten geht auf einen älteren Meginperht zurück, der hier 839 tradiert [161 Wattmann 378. ]. In ihm haben wir wahrscheinlich den Großvater der Brüder vor uns. Er ist 832 der erste Zeuge der Besitzübertragung eines Wolfpert in Istighofen (Kanton Thurgau) vor dessen Bruder Waldpert [162Wattmann 341. ]. Ebenso bezeugt er am gleichen Tag vor Wolfpert die Schenkung Waldperts in Istighofen [163 Wattmann 342.]. Wahrscheinlich war er der Bruder der beiden Schenker. Als vierter Bruder wird in Waldperts Urkunde ein Bischof Erchanpert genannt. Mit dem gleichnamigen Bischof von Freising kann er nicht identisch sein, da dieser erst 836 sein Amt antrat. Der Vater Waldperts und Wolfperts hieß Hramperht. Er übergab 778 zusammen mit seinen Söhnen Besitz in Fischbach (Oberamt Tettnang) an St. Gallen [164 Wartmann 84.]. Sonst begegnet er in den Urkunden des Klosters nicht mehr. Dafür erscheint sein seltener Name mehrfach in gleichzeitigen Freisinger Urkunden. 769 sind Wolfperht, Hramperht und Eodunc in Isen die Spitzenzeugen für die Schenkung Priester Adalperhts in Thanning [165 Bitterauf 32, Eodunc gehört zum Kreis der Bittlbacher. Er ist 758 Zeuge für Haholt (Bitterauf 11) und 776/77 vor einem Keio für Cotahelm (Bitterauf 79).]. Als Adalperht im selben Jahr in Airischwand tradiert, ist sein erster Zeuge ein Priester Wolfperht [166 Bitterauf 207.]. Nach einigen anderen Priestern folgen der iudex Wolfperht, Hramperht und Eodunc. Die Schenkung von Cotahelms Schwester Gepahilt in Germersberg bezeugt Hramperht vor einem Hroadperht [167 Bitterauf 30.]. 776/78 finden wir das Zeugenpaar Hramperht Wolfperht bei der Besitzübergabe Rihheris in Berganger [168 Bitterauf 80.]. Nach 790 ist er mit Adalo, Wolfperht, Engilperht und Ermperht bei einer Schenkung in Isen anwesend [169 Bitterauf 135.]. Der Priester Wolfperht ist der Sohn eines Erchanperht und der Bruder eines Papo [170 Bitterauf 47,112 und 67.]. Ein Wolfperht ist 791 in Grüntegernbach erster Zeuge für den Kleriker Rihperht [171 Bitterauf 139.]. Nach Toto und Heimuni bezeugt er den Verzicht des HUOSIERS Reginperht auf die Schenkung seines Verwandten Keio [172 Bitterauf 186. Ebenso wie die älteren Bittlbacher hat also auch die Gruppe um Hramperht-Wolfperht Beziehungen zu einer huosischen Familie, die durch Liutpurc von Westerholzhausen vermittelt worden sein dürften (Bitterauf 149). Es sei bloß auf das Auftreten der Namen Erchanperht und Gaio in beiden Familien hingewiesen. Die äußerst verwickelten Querverbindungen hier darzulegen würde von der Behandlung der Sippe Graf Gramans allzu weit abführen.]. 788/91 wird er vor Meginperht und Cundhart genannt. Meginperht wiederum begegnet 792 in Isen in der Reihe Meginperht Adalo Hroadperht Ato Engilperht [173 Bitterauf 151.].
Trotz der großen Entfernung zwischen Freising und dem Bodenseegebiet wird es auf Grund des gemeinsamen Auftretens der gleichen Namen erlaubt sein, die St. Gallener Waldperht-Gruppe von einer älteren Sippenschicht in der Freisinger Diözese abzuleiten. Die Verbindung stellt Hramperht her, der ein Bruder des Priesters oder des iudex Wolfperht gewesen sein mag.
Die äußerst komplizierten und oft nur schwer erkennbaren Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Gruppen lassen vielleicht mitunter die Gemeinsamkeiten nicht so richtig hervortreten. Die zahlreichen urkundlichen Nachrichten, die gerade für diese Zeit aus Freising erhalten sind, ermöglichen weitreichende Kombinationen, die jedoch mitunter das Gesamtbild verwirren. Trotz des reichen Materials ist es keineswegs immer möglich, die erkannten Beziehungen durch konkrete Verwandtschaftsverhältnisse auszudrücken. Ein kurzer Überblick über die Gemeinsamkeiten der einzelnen Gruppen soll noch einmal die großen Zusammenhänge veranschaulichen.
Ein Blick auf das Namengut der Graman-Sippe zeigt, daß in dieser Zeit das Prinzip der Vornamenvererbung noch keineswegs vollkommen ausgeprägt war. Nur wenige Namen wiederholen sich öfters, so vor allem Waldperht und Toto. Daneben aber ist die ältere Erscheinung der Namensvariation in einigen Fällen noch deutlich zu beobachten. So finden wir die verschiedensten Zusammenstellungen mit der Silbe Rih-, wie Rihho, Rihhelm, Rihholf, Rihperht, Rihheri und Ascrih. Auf die Variation Adalswint-Perhtswint-Adalperht wurde bereits hingewiesen. Bestimmte Endsilben sind für einzelne Untergruppen der Sippe charakteristisch. So herrscht unter den Erben in Unterlaus die Endsilbe -perht vor. Priester Rihperhts Bruder Hunperht hatte einen Adalperht und einen Mahtperht zu Enkeln; die Söhne Waldperhts, des Bruders Hroadperhts, hießen Williperht und Chuniperht. Dazu kommen noch Engilperht und Friduperht. Unter den Nachkommen Totos wurde die -o-Endung bevorzugt. Er hatte einen Sohn Wago und die Enkel Toto, Oato, Immo und Chadolho. Dazu wäre aus dem Verwandtenkreis noch Anno, Pabo, Ato, Adalo, Rihho und Gaio zu stellen. Engilhard (vgl. Engilperht!) war wohl der Sohn Cundharts. Gramans Vater hieß Oadalman. lm Verwandtenkreis der Irminswint wurde die seltenere Endsilbe -helm verwendet. Ihr Vater hieß Willihelm. Unter ihren Zeugen sind Cotahelm und Rihhelm,der Miterbe von Unterlaus. Auf Grund ihres Namens wird man auch zwei weitere Zeugen der Urkunde Irminswints mit ihr in Beziehung setzen dürfen, nämlich Walthelm und Ellinhelm. Unter den wenigen weiblichen Namen, die wir aus der Graman-Sippe kennen, kehrt die Silbe -swint mehrfach wieder (Adalswint, Perhtswint, Irminswint).
Viel deutlicher als durch die Namengebung zeigt sich die Verbundenheit der einzelnen Gruppen in der Lage ihrer Besitzungen. Zunächst ist es das Gebiet an der oberen Isen, wo sämtliche Familien der Graman-Sippe begütert erscheinen. Nur einige besonders deutliche Beispiele der Ortsverbundenheit seien hier herausgegriffen. In Grüntegernbach finden wir begütert: Pabo, Friduperht, Tuto, Ato und Engilperht, Priester Ascrih und seine Brüder Toto und Rihheri sowie Heimuni und Graf Waldperht. In Großschwindau treffen wir Scrot, Chadolho, Onhart, Waldperht, Priester Ascrih und den jüngeren Toto. Ähnliches wäre für Orte wie Obergeislbach, Kirchötting, Buch am Buchrain und andere zu sagen. Häufig treffen wir Angehörige der Graman-Sippe im südöstlich angrenzenden Gebiet rund um den Ebersberger Forst. Hier ist besonders auf den gemeinsamen Besitz in Unterlaus hinzuweisen. Große Güter, vor allem der Familie Totos, finden sich zwischen Amper und Pfettrach. Ein weiteres Zentrum der Sippe ist im Salzburggau anzutreffen. In Mehring finden wir Graf Graman selbst, seine Gattin Maza, seinen Bruder Waldperht, seinen proximus Rihho, den Edlen Cotahelm und den Priester Willihelm. Der Besitz Gramans im Traungau war wohl nicht altes Familiengut, sondern spätere Erwerbung.
Ein ähnliches Bild ergibt sich aus einer Übersicht über die nach Angehörigen der Graman-Sippe benannten Orte. Die meisten von ihnen liegen wiederum am Oberlauf der Iren. In der Pfarre Dorfen findet sich ein Hunprehtesdorf (Hampersdorf), in der Pfarre Schwindkirchen ein Helmunasteti (Hauptmannstätt). Kirchötting ist nach einem Oato benannt. Totinchirihha (Doetzkirchen bei Ranoldsberg) hat seinen Namen von Toto. Walpertskirchen (bei Lengdorf) ist die Gründung eines Waldperht, Reichenkirchen (BA Erding) die eines Rihho und Pfaffenkirchen (BA Mühldorf) die eines Papo. Dieser Name lebt auch in Babensham (BA Erding) weiter. Aus dem Gebiet um den Ebersberger Forst wäre Totindorf (Dettendorf b. Lampferding) und Engilperhtesdorf (Angelbrechung b. Poing) zu erwähnen. Nach Graman ist Grasbrunn (Pf. Zorneding) und Gronsdorf (Pf. Trudering) benannt, nach Waldpreht Walpersdorf (BA Landshut) und nach Hunperht Umbertshausen (BA Kehlheim). Von Richolf leitet sich Reichendorf (BA Miesbach) ab, von Toto Tattenhausen (BA Aibling), von Rihheri Reichertshausen (BA Pfaffenhofen) und Reichersdorf (BA Landshut). In Helmsdorf (BA Vilsbiburg) lebt der Name Helmunis weiter. Im Gebiet zwischen Alz und Salzach, dem zweiten Besitzzentrum der Sippe, sind nach ihren Angehörigen benannt: Waging (am Waginger See) und Wagenau (an der Alz) nach Wago, Tettenhausen (b. Kirchanschöring) nach Toto und Gransdorf (am Grabensee) nach Graman.
Neben diesen von Angehörigen der Sippe Gramans gegründeten Orten kennen wir auch einige Kirchen, deren Stiftung mit Sicherheit oder doch mit großer Wahrscheinlichkeit auf sie zurückzuführen ist. Hier ist vor allem die alte Kirche in Biberbach zu nennen, um die es zwischen Bischof Atto und den MOHINGARA zum Streit gekommen war. Sie hat das Patrozinium St. Martin. Denselben Titelheiligen finden wir in Kirchötting, wo Pabo mit seinen Söhnen auftritt, sowie in Dorfen, wo er zusammen mit seinem Bruder Graman schenkt. Alle diese Kirchen sind Gründungen aus der AGILOLFINGER-Zeit. Sämtliche andere Martinspatrozinien, die sich in diesem Zeitraum in der Freisingen Diözese nachweisen lassen, haben irgendwelche Beziehungen zu den HUOSIERN [174
Von der Kirche in Haushausen wird dies ausdrücklich erwähnt (Bitterauf 142). Ein Miterbe in Haushausen ist Cunzo, in dessen Schenkung die Martinskirche von Pfettrach genannt wird (Bitterauf 60). Ein anderer Miterbe in Haushausen,
Isangrim, beschenkt 821 die Martinskirche in Nörting (Bitterauf 447), an die schon früher der mit den HUOSIERN verwandte Edle Crimheri Besitz übergeben hatte (Bitterauf 362).
]. Martin aber und Dionys sind die beiden großen fränkischen Reichsheiligen. Die Vorliebe der HUOSIER für diese typisch fränkischen Titelheiligen hat man aus ihrer Oppositionsstellung gegen die AGILOLFINGER und ihrer Sympathie für die KAROLINGER erklärt [175 H. Löwe, Die karolingische Reichsgründung und der Südosten, Forsch. z. Kirchen- und Geistesgesch. 13 (1937). 24 ff.]"-. Für eine solche Haltung der HUOSIER sprechen ja zahlreiche Argumente. Die Häufung der Martinspatrozinien im Zusammenhang mit der Sippe Gramans läßt einen Analogieschluß hinsichtlich der politischen Stellung dieser Familie zu. Wahrscheinlich war Graman selbst einer der Führer der gegen Tassilo opponierenden Adelspartei. Nicht alle seiner Verwandten scheinen jedoch diese Haltung geteilt zu haben. Hunperht zum Beispiel dürfte im anderen Lager gestanden sein. Wir haben gesehen, daß er Tassilo sehr nahestand und nach dessen Sturz sichtlich an Bedeutung und Ansehen verlor. Den umgekehrten Prozeß können wir bei Graman verfolgen. Ihm wird nach dem Ende der AGILOLFINGER-Herrschaft die wichtige Grenz-Grafschaft im Traungau übertragen. Gerade in dieser Zeit, in der die Auseinandersetzung mit dem östlichen Nachbarn, den Avaren, unvermeidbar wurde, konnte dieses Amt nur einem Mann verliehen werden, der das volle Vertrauen des Königs genoß. Die Konspirationen Tassilos mit den Avaren hatten ja deutlich die Gefahren gezeigt, die sich hier ergeben konnten. Es wäre verständlich gewesen, wenn König KARL diese wichtige Grenz-Grafschaft einem seiner fränkischen Großen anvertraut hätte. Daß er sie dem bayerischen Adeligen Graman gab, beweist dessen Zuverlässigkeit in besonderem Maße. Die wertvollen Dienste, die er KARL im Kampfe gegen die Avaren leistete, rechtfertigten dieses Vertrauen voll und ganz. Sicher gehörte Graf Graman auch weiterhin zusammen mit seinem Verwandten, dem Salzburger Erzbischof Arn, zu den verläßlichsten Stützen des Königs innerhalb des bayerischen Hochadels.

                                                                                             Willihelm               
                                                                       v. 735 Gründer               
                                                                    v. Kühhach-
Rottalmünster               Adalperht               
         
 
                       
    Verwandtschaft mit der                                 ---                                                      ---
     Sippe Erzb. Arn                Gaio                 Irminswint          Oadalman             Chuniperht                
                                                 
v. 769               791                           v. 773                      752       

                                                                                                 oo Perhtswint   

--------------------- --------------------------------                        ---------+-------------------------------------------------------------------------------------       
Irminswint      Toto     Cotahelm Kepahilt Willihelm    Rihho    Graman               Papo    Waldperht    E(n)gilperht    Adalaswinta    Adalperht
     
             771 -777 758-802     769      Priester      v. 788    772- um 790     769-n.791 v.788          762-791               v. 773     Priester  
                                                                    758-769                  Gf. im Traungau
                                                                                                       missus

oo Hel-     1. oo Tochter Graf     oo Cundpato                            oo Maza            oo Waltila                
     muni    Cundpalds           
 773-791   2. oo Oaspurg


                        ---                          ---                                 ---------+-------         ------+------------        -------+--------             ----+-------------
                    vgl. unten             Alprih           Rihhelm    Engilperht  Ato          Friduperht Tuto    Waldperht  Hroadperht  Hunperht    Rihperht   
                   Seite 124            768-791         791-821    791-821         
n. 791 Priester        n. 807 792-821 Priester      772-821       Priester 
                                                                                                                           783-822                                   780-836                         772-816
           


                                                 ---                                                                          -----------------------+------------                   --+--
                                         Cundpato                                                                 Williperht       Chuniperht     Antonio       Richolf
                                          819-845                                                                    815-836               815          814-829        791-824
                                      vgl. unten
                                       Seite 77
                                                                                                                                                                             -----------------+-------------
                                                                                                                Chunipert                                   Mahtperht                         Adalperht
                                                                                                                 Priester                                      804-857                             Priester
                                                                                                                    846                                                                                     812-v.837