Dümmler, Ernst: Seite 47
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"Die
südöstlichen
Marken der Reiches unter den Karolingern (795-907)"
§ XI
Die Regierung der Söhne Ludwigs
II. und des Königs Arnolf
Als Ludwig der
Deutsche am 28. August 876 nach einer langen und, im Ganzen
glücklichen Regierung zu Frankfurt gestorben war, folgte ihm im
Königreich Baiern sein
ältester Sohn Karlmann
nach. Damals, wenn es nicht, wie oben bemerkt, früher der
Fall wer, erhielt ARNULF die
Leitung von Kärnthen [1 Regino, 880, „Hludowicus...Comessit Arnolfo Carantanum,
quod ei pater jam pridem concesserat." Bei Pez, thes. anecd. I,
3, 217 macht der Diakon Kundbato
eine Schenkung „domino suo Arnolfo filio
regelt permittente,"
also bei Lebzeiten Karlmanns von
Gütern, die in Pannonien gelegen
waren, und wiederholt dieselbe später (ib. p. 257) „In praesentia
Arnulfi
Ducis."] und Pannonien [2 Ann. Fuld.
Pars V, 884 »Arnulfi...qui tunc Pannoniam tenuit." Pannonien wird
ebenda regnum Arnolfi genannt.], ohne jedoch
zugleich über die Ostmark zu gebieten. Mit den Mährern wurde
seit dem Jahre 874 Friede gehalten - denn ein Kampf mit den „Winidern",
von welchem Hinkmar zum Jahre
876 redet, ist wohl auf irgend einen anderen slavischen Volksstamm zu
beziehen - so dass Karlmann 877
mit bairischen und kärnthnerischen Truppen einen Zug nach Italien
unternehmen konnte, der eine sehr gefährliche Seuche zur Folge
hatte. Nach seiner Heimkehr wurde der König im Jahre 879 so vom
Schlage gelähmt, dass er zu den Regierungsgeschäften fortan
fast untauglich ward und dieselben grösstentheils seinem einzigen
Sohne überlassen musste. Als ein Versuch ARNULFS, sich
die väterliche Herrschaft au sichern, durch die Bemühungen
einer Gegenpartei in Baiern selbst misslungen war, folgte 880 Ludwig III.
seinem älteren Bruder nach und nöthigte den Neffen, der wegen
seiner unehelichen Geburt keine Erbansprüche erheben durfte, sich
nach wie vor mit Kärnthen zu begnügen. Im Anfange des Jahres
882 vereinigte endlich KARL DER DICKE
ganz Ostfranken unter seinem Scepter und unternahm im darauf folgenden
Sommer mit den Kräften des gesammten Reiches einen Feldzug gegen
die Normannen zu Haslack an der Maass, an welchem ARNULF an
der Spitze des bairischen Heerbannes sich betheiligte [3 Ib. 882 „Bajoarii cum principe eorum Arnulfo."] und durch seine eigene Tapferkeit die Schwäche des
Kaisers in um so ungünstigerem Lichte erscheinen liess.
Ungefähr um dieselbe Zeit erhoben sich in der Ostmark die nunmehr
wehrhaft gewordenen Söhne der
Markgrafen Wilhelm und Engilskalk [4 Ib. 884.] und drohten dem Aribo,
falls er nicht freiwillig zurückträte, auf Tod und Leben mit
ihm um die väterliche Würde zu kämpfen. Während
dieser hierauf ein Bündnis mit Suatopluk
schloss und ihm sogar seinen Sohn
Isanrich [5 Vgl. 898, 899.] zur Geissel gab,
vertrieben jene, von ihren Verwandten und mehreren bairischen Grossen
unterstützt, ihn mit Heeresmacht aus seiner Grafschaft. KARL DER DICKE,
vor dessen Regierungsantritt sich dies ereignet hatte, gab die Ostmark
dem Aribo zurück, zu
gleicher Zeit kam demselben auch sein Bundesgenosse, der
Mährer-Herzog zu Hülfe, nahm am linken Donauufer den Werinhar, Engilskalks zweiten Sohn, und den Grafen Vezzilo gefangen und liess
beide, ebenso wie mehrere ihrer Leute grausam
verstümmeln; ihre Besitzungen auf beiden Seiten des Stromes
wurden der Verwüstung preisgegeben. In diesen Drangsalen wandten
sich die Grafen-Söhne an
ihren Nachbar ARNULF,
der begierig die Gelegenheit ergriff, dem Willen des Kaisers entgegen
zu handeln, und erhielten gegen Leistung des Lebenseides seinen
Beistand zugesichert. Auf die Kunde hiervon drohte ihm Suatopluk mit
einem Angriff, indem er zugleich die Forderung an ihn stellte, er
möge beschwören, dass er an einem Einfall der Bulgaren in das
mährische Reich, der im vorhergehenden Jahre stattgefunden, keinen
Antheil gehabthabe. Wie ARNULF sieh
dessen weigerte und seine Vasallen nicht aufgeben wollte [1 A. a. O. „ait
illi: Inimicos meos sustentas; si eos non dimiseris, nec me tecum
pacificatum habebis. Alteram vero occasionem adversus eum protulit: Tui
homines in vitam meam, nec minus in regnum meum, dolose cum Bulgaris
conciliaverunt - qui priori anno suum regnum vastavere; hoc volo mihi
cum juramento verum non esse contestari: quorum neutrum umquam se
facturum Arnulfus
renuntiat."], verwüstete der Herzog
im Jahre 883 Pannonien mit einem grossen Heere und kehrte 884 mit noch
zahlreicheren Truppen wieder, welche 12 Tage lang mit Feuer und Schwert
wütheten. Als er nach seinem Abzuge einen Theil seiner Armee am
rechten Donauufer zurückgelassen hatte, machten Megingoz und Papo, die beiden ältesten von den Söhnen des
Wilhelm und Engilskalk mit den Pannoniern einen unbedachten
Angriff auf denselben und erlitten eine völlige Niederlage.
Während viele der ihrigen in Gefangenschaft geriethen, fanden sie
selbst fliehend ihren Tod in den
Wellen der Raab. Alle diese unheilvollen Kämpfe, welche den
Wohlstand von Ober-Pannonien vernichteten, liess Kaiser KARL III. ruhig geschehen
und erst nachdem der Krieg zwei und ein halbes Jahr gedauert hatte,
begab er sich endlich im Herbst 884 selbst in die Ostmark und hielt in
der Nähe von Königsstätten eine Zusammenkunft mit dem Herzog Suatopluk, worin dieser
ihn als seinen Lehensherrn anerkannte [2 Ib. „homo sicut mos est,
per manus imperatoris efficitur contestatus illi fidelitatem juramento."] und einen Eid darauf ablegte, bei des Kaisers Lebzeiten
nicht wieder in sein Reich einzufallen.
Ohne Zweifel wurde damals, wie zuerst Hansiz [3 Germania
sacra I, 165 „Pannonia Sventibaldo
permissa, quae inde dicta Moravia magna."
Diese Behauptung stützt sich theils darauf, dass Constantin (de
adm.
imp. c. 40) das Reich des Suatopluk bei
Sirmium seinen Anfang nehmen
lässt, theils auf den Umstand, dass im Jahre 892 Gesandte ARNULFS an
die Bulgaren „propter insidias Zuentibaldi
ducis terrestre iter non valentes habere,''
zu Schiffe auf der Odra, Kulpa und Sau hinreisen mussten (Ann. Fuld.,
892). Dobner (ann. Bohemor. Hageki III, 221) glaubte fälschlich in
den
Worten der Ann. Fuld. „Vituperarunt
autem pacem, qua conservata Pannonia conservata est, qua vero vitiata,
per spacium tantum isto continuatim tertio anno dimidio instanti
Pannonia de Hraba flumine ad Orientem tota deleta est," jene
Abtretung angedeutet zu finden; es ist jedoch hier nur von der
Verwüstung Ober-Pannoniens die Rede, welches nie an Mähren
kam, wie
ausser dem Briefe des Theotmar
auch eine Urkunde vom Jahre 904 lehrt
(Mon. Boic. XXVIII, 2, 200), in der der Passauer Kirche eine Schenkung
ultra montem Comagenum gemacht
wird.] richtig erkannte, Unter-Pannonien bis zur
Drau mit Ausschluss der Grafschaft Dudleipa [1 Vgl.
Kleinmayrn, Anh. 116; Ann. Fuld. 896, wo unter
„Pannoniam cum urbe Paludarum,"
wahrscheinlich jener Rest von
Unter-Pannonien mit der Mosaburg zu verstehen ist, nach Hormayr's
Herzog Luitpold, p. 88.]; mit Mähren
völlig vereinigt, mit dem es schon vorher in kirchlicher Beziehung
verbunden war. Konstantin [2 De adm. imp. c. 40.] nannte deshalb
und wegen der überwiegend slawischen Bevölkerung das ganze
Land südlich von der Donau Grossmähren, ein Name, den man oft
fälschlich, indem man ihm eine viel zu grosse Wichtigkeit
beilegte, auf das gesamte mährische Reich ausgedehnt hat. Zugleich
mit Suatopluk
erschien auch Brazlawo,
der Herzog des Landes zwischen Sau
und Drau, also ein Nachfolger des Liudewit,
keineswegs aber wie einige glaubten, des Kozel, und
huldigte dem Kaiser als sein Vasall [3 Ann. Fuld., 884 „Postea
veniente Brazlowoni duce, qui in id tempus regnum inter Dravum et Savum
flumine tenuit, suaeque miliciae subditus adjungitur.'']. ARNULF,
der sich durch jene Abtretung in seinen Rechten
gekränkt sah, beschwor den Frieden erst im folgenden Jahre [4 Ib., 885.].
Einzelne Gaugrafen, die unter Aribo
in der Ostmark oder unter ARNULF in
Pannonien und Kärnthen gewaltet hätten, lassen sich in dem
eben
geschilderten Zeitraume nicht mit Sicherheit nachweisen; wir finden
einen Grafen Vezzilo
erwähnt, einen Verwandten der
Söhne
Engilskalk's, der gegen Aribo kämpft und von Suatopluk gefangen
genommen wird, ferner einen Grafen
Berthold, dessen Bruder den
Mührern 884 in die Hände fällt [5
A. a. O.]). In einer Urkunde über eine
Schenkung in Unterpannonien [6 Pez, thesaur.
anecdot. I, 2, 257; vgl. 233. ]) erscheint
endlich als Zeuge ein Graf Gundram
und sein Sohn Megengoz.
Als es ARNULF
gelungen war im Dezember 887 seinen Oheim vom Throne zu
stossen, wobei die bairischen und kärnthnerischen Truppen, welche
er
um sich versammelte, nicht wenig zur Entscheidung beitrugen [7 Ann. Fuld.
P. IV, 887.]), trat an
der Südostgrenze des Reiches eine wichtige Veränderung ein,
indem fortan die Oberleitung der Marken durch einen Prinzen des
königlichen Hauses gänzlich aufhörte. Aribo, der
frühere Feind des neuen Herrschers, wurde, da kein
gesetzmässiger Grund zur Absetzung vorhanden war, in seiner
Würde als Graf der Ostmark
belassen [8
Aribo erscheint als Graf im Traungau: Mon. Boic.
XXVIII, 1, 87; XXXI, 118,120,126; im Grunzwitigau: Kleinmayrn, Anh.
118; zu Melk: ib., 117 und in den Ann. Fuld., 898 wird er marchio
genannt.]) , daneben aber die Söhne seiner
Vorgänger durch anderweitige Grafschaften entschädigt.
Engilskalk, der jüngste Sohn des gleichnamigen Grafen,
erhielt
wahrscheinlich Ober-Pannonien [9 Ann. Fuld. 893. Im Jahre 889 stellte ARNULF eine
Urkunde
aus „per quorumdam procerum nostrorum
Engilscalci videlicet et Iringi interventum"
(Miraei opp. diplomatica I, 650); dem Reginhard
machte er eine
Schenkung „rogatu Asperti episcopi et Engilscalci comitis
fidelium
nostrorum." (Kleinmayrn, Anh. 110). Archiv X. Während die Ann. Fuld. ihn marcensis in Oriente nennen, macht
Herimann, Augiens., 893 ihn zum Grafen von Pannonien, indem er freilich
nur jene als Quelle vor sich hatte.], sein
Vetter Rudpert [1 Dieser Vetter wird in den Ann. Fuld. nicht genannt,
nach Ussermann's Vermuthung (Pertz SS. 1, 53, n. 3) wäre er jedoch
der
Ann. Alamann. 893 erwähnte Ruodpertus
und derselbe, der in einer
Urkunde vom Jahre 889 (Mon. Boic. XXVIII, 1, 90), dilectus comes
terminalis noster heisst und dessen Grafschaft nach einer
anderen Urkunde (Kleinmayrn, Anh. 110) in regno Caraniano juxta flumen Gurka gelegen
war. Auch im Verbrüderungsbuche von St. Peter findet sich
derselbe: ed. v. Karajan 108, 6.] Kärnthen,
wir wissen nicht ob ganz oder nur zum Theil. Im Jahre 888 feierte der
König auf der Rückkehr von Friaul das Weihnachtsfest in
Kärnthen auf dem Hofe Karantanum [2 Ann. Fuld., 888; Kleinmayrn, Anh. 107,108.]), woselbst er auf die Bitte
seines Kämmerers Dietrich der Miltrude, der Gemahlin seines Mundschenken Heimo
zwei Schenkungen machte; dem letzteren hatte er zuvor schon die
Erlauhnias ertheilt, auf seinem Besitzthume im Gau Grunzwiti unter Aribo's Mitwirkung eine befestigte Burg
anzulegen, die zugleich als Zufluchtsort für die Bewohner der
Umgegend dienen könnte [3 Ib. 118. Dass diese Urkunde nicht in das Jahr 898
gehöre, wie man gewöhnlich annahm, hätte schon die
Unterschrift des 893
verstorbenen Kanzlers Aspert lehren
können. Sie ist nicht in der I.
Indiction, sondern im 1. Jahre der Regierung ARNULFS
ausgestellt. Die
verschiedenen Vermuthungen über die Lage der voll Heimo erbauten Stadt
sind sämmtlich unerweislich.].
In der Fastenzeit des Jahres 890 begab sich ARNULF nach
Omuntesberg in Pannonien und hielt dort mit dem Herzog Suatopluk eine Zusammenkunft [4 Ann. Fuld.
890. Die Nachrichten, welche Regino siehe
auch 890 über die Abtretung von Böhmen, sowie den Ausbruch
und die
Beendigung des Krieges im Jahre 890 gibt, stehen im völligen
Widersprurh mit den Ann. Fuld., die ihn erst 892 beginnen lassen und
werden auch durch das Schweigen der Ann. Alam. widerlegt. Regino fasst
nach seiner Weise die Summe der Begebenheiten unter ein beliebig
gewähltes Jahr zusammen und lässt sich obendrein noch durch
falsche
Nachrichten täuschen.], in Folge deren
zwischen beiden Reichen von Neuem ein feindliches Verhältnis
eintrat, das nach mehreren erfolglosen Unterhandlungen [5 Ann. Fuld.,
891.] bald zum offenen Kriege führte. Denn
als Suatopluk
892 zu einer Unterredung zu kommen sieh weigerte, beschloss der
König einen Feldzug gegen ihn zu unternehmen [6 Ib. 892.], an welchem auch der Herzog
Brazlawo, mit dem er
zuvor zu Hengstfeld in Kärnthen [7 Nach Kopitar's Vermuthung jetzt Hengstberg bei Wildon
(Glagol. Clozian., p. LXXII).] Verabredungen
traf, mit seinen Streitkräften sieh betheiligte. Nach Beendigung
dieses Zuges schickte Arnulf im September auch eine Gesandtschaft an Wladimir, den
ältesten Sohn und Nachfolger des
bulgarischen Fürsten Michael
[1 „Ad Bulgarios et regem eorum Leodomur"; vgl. Vita
St. Clementis c. 19; Constantin de adm. imp. c. 32, wo er
wahrscheinlich durch ein Versehen des Schreibers, der ihn mit dem
serbischen Fürsten dieses Namens verwechselte, Vlastimir
heisst. Die
Erzählung bei Regino, 868 von den Söhnen des Michael wird
schon dadurch
hinlänglich widerlegt, dass Johann
VIII. in den Jahren 879-880 noch
Briefe an den König Michael richtete.], um den Tullner Frieden vom Jahre 892 mit ihm zu erneuern
und das Gesuch an ihn zu richten, dass er in Zukunft die Salzeinfuhr
von Bulgarien nach Mähren verbieten möge. Die Gesandtschaft
reiste durch das Gebiet des Brazlawo und
kehrte im Mai 893 nach ehrenvollem Empfange mit Geschenken
zürück. Es ist dies für lange Zeit das letzte Mal, dass
ein unmittelbarer Verkehr zwischen dem ostfränkischen Reiche und
den Bulgaren erwähnt wird. Der Krieg mit den Mährern wurde
indessen mit wenig Glück fortgesetzt und endlich im Herbste des
Jahres 894 nach Suatapluk's Tode durch einen
Frieden mit dessen Söhnen Moimir und Suatopluk
beendigt, dessen Bedingungen wir nicht kennen [2 Ann. Fuld.,
894.].
Ein Jahr vor dem Abschlusse dieses Vertrages traf die letzten
Sprösslinge aus dem Hause
Wilhelms und der Engilrada
[3 Der
Deutlichkeit wegen füge ich einen Stammbaum bei:
Wilhelm
Engilrada
† c. 855
---
---
Wilhelm
Engilskalk
†
871
† 871
----------------------------
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Megingoz Wilhelm Ruodpert
Papo
Werinher Engilskalk
†
884 †
893 †
893 †
884
†
†
zur Vergeltung des einst von ihnen
angestifteten Unheils ein plötzliches und schmachvolles Ende. Engilskalk, der durch die
Entführung von ARNULFS unehelicher Tochter
zuerst dessen Unwillen erregt, später aber seine Gunst sich
erworben hatte, zog sich durch sein keckes und eigenmächtiges
Verfahren so sehr die Abneigung der bairischen Grossen zu, dass er in
der königlichen Pfalz zu Regensburg, wo er unvorsichtig in ihrer
Mitte erschien, nach ihrem Urtheilssproch geblendet wurde. Sein Vetter Wilhelm, der hiernach
für seine Sicherheit besorgt, Boten an den Herzog Suatopluk
geschickt hatte, erlitt deswegen den Tod
als Hochverräther. Der Bruder
des letzteren, Graf Radport
von Kärnthen, suchte eine Zuflucht in Mähren, ward
aber daselbst auf Befehl des Suatopluk mit
allen seinen Begleitern meuchlings
ermordet [4 Ann. Fuld., 893; Ann. Alamann, 893.].
Ihre sämmtlichen Besitzungen auf beiden Seiten der Donau wurden
eingezogen und an das Kloster Kremsmünster übergeben [5
Urkundenbuch von Kremsmünster. p. 23: „quasdam res
juris nostri, ob quorundam infidelitatis contra nos perpetratae reatum,
in nostram publice ditionem redactas."],
dessen Abt Snelpero beim
Könige damals sehr beliebt war und mehrfache Schenkungen von ihm
empfing [6 Ib. p. 16-23.]. Der
Untergang der Familie Wilhelms
und Engilskalks bahnte einem
neuen Geschlechte den Weg zu Macht und Ehren, dessen Aufkommen als eine
der wichtigsten Folgen der Regierung ARNULFS zu
betrachten ist. Liutbold, ein Blutsverwandter des Königs,
wahrscheinlich durch dessen Mutter
Liutswinde, erhielt im Jahre 895 nach der Absetzung des
mächtigen Grafen Engildeo
die böhmische Mark und zwei Grafschaften im Donau- und Solanzgau,
gleichzeitig finden wir ihn auch zum ersten Mal in Karnthen
erwähnt, doch lässt sich wohl mit ziemlicher Sicherheit
annehmen, dass ihm dies bereits 893 nach Rudpert's Tod zugefallen sei.
Gewöhnlich glaubt man, er wäre auch Graf der Ostmark gewesen,
weil er in den Urkunden und in den Jahrbüchern von Fulda marchio
heisst, allein diesen Titel konnte er sowohl als Graf von
Kärnthen, wie von der böhmischen Mark führen und da
allem Anscheine nach Aribo die
ganze Ostmark verwaltete, so dürfte nur Ober-Pannonien, das
frühere Gebiet des Engilskalk
unter seiner Leitung gestanden haben.