Thietmar von Merseburg: Seite 175,338
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"Chronik"
 

Buch IV

Kapitel 37

 
Im Jahre des Herrn 992, im zehnten Regierungsjahre Otto's III, am 25. Mai, ging der schon bejahrte Miseco von einem Fieber ergriffen aus diesem Pilgerleben in seine wahre Heimath hinüber, indem er sein Reich sehr vielen zur Theilung hinterließ. Indeß zog sein Sohn Bolizlav, indem er seine  Stiefmutter und seine Brüder vertrieb, und seine Verwandten Odilienus und Pribuwoi blendete, wie ein listiger Fuchs dasselbe nachher wieder in eins zusammen. Er setzte, um nur allein zu herrschen,
alles Recht und Gesetz aus den Augen. Er heirathete eine Tochter des Markgrafen Rigdag, entließ sie jedoch nachher wieder; darauf nahm er eine Ungarin zur Frau, von der er einen Sohn, Namens Besprim erhielt, die er aber auch wieder fortwies. Die dritte hieß Emnildis; sie war eine Tochter des ehrwürdigen Herrn Dobremir. Diese, eine gläubige Christin, lenkte den unbeständigen Geist ihres Gemahls zu allem Guten und ließ nicht ab, durch reiche Almosen und Enthaltsamkeit ihre und ihres Gemahls Sündenmakel zu sühnen. Sie gebar zwei Söhne, den Miseco und einen andern, dem der Vater den Namen seines geliebten Lehnsherrn gab; außerdem drei Töchter, von denen die eine Aebtissin ist; die zweite heirathete den Grafen Herimann [von Meißen], und die dritte einen Sohn des Königs Wlodemir [von Rußland], wie ich weiter unten erzählen werde.
 

BUCH VI

Kapitel 55

 
In den nächstfolgenden Fasten kam der König nach Werlu, wo er lange von der Kolik zu leiden hatte, während welcher Krankheit ihm vieles durch Traumgesichte offenbart wurde. Als er zuletzt durch die Thränen und das Gebet so mancher wieder gesundete, feierte er, weil die Zeit zu kurz war, um an den
beabsichtigten Ort zu gelangen, das Osterfest bei seinem Freunde, dem Bischof Meinwerk zu Pathebrunnan [Paderborn] mit  gebührender Ehrfurcht; das Pfingstfest aber bei uns. Am selbigen
Pfingstabend kam Herzog Bolizlav, nachdem ihm zu seiner Sicherheit Geiseln gestellt waren, die er also bei sich daheim zurückließ, zu Merseburg an, und ward auf das beste empfangen. Am heiligen Pfingsttage ward er durch Einfügung der Hände des Königs Vasall und folgte, nachdem er den gehörigen Eid geleistet, dem Könige, als derselbe im Herrscherschmuck die Kirche betrat, als dessen Waffenträger. Am Montage suchte er durch große, dem Könige von ihm und seiner Gemahlin dargebrachte Geschenke das Wohlgefallen desselben zu erregen, worauf er durch des Königs Freigebigkeit mit viel größeren und zahlreicheren Geschenken und besonders auch mit dem von ihm so lange ersehnten Lehen begnadigt ward. Die ihm gestellten Geiseln sandte er in Ehren und Freuden zurück. Darnach zog er, von uns unterstützt, nach Rußland, verheerte einen großen Theil jenes Landes und ließ, als unter den Seinen und ihren Gastfreunden, den Pezineigern [Petschenegern] Zwietracht ausbrach, diese, obwohl sie ihm behülflich gewesen waren, sämmtlich niederhauen.