DOHNA
 

Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 1166
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Dohna
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Ehemalige Burggrafschaft und Stadt in Sachsen (Bezirk Dresden, Kreis Pirna). An der Straße aus dem Dresdener Elbtal nach Böhmen wurde wohl schon im 10. Jh. auf slavischen Grundlagen die 1040 beim Annalista Saxo genannte deutsche Burg Donin in Spornlage errichtet. Am Rande des Gaues Nisan gelegen, gelangte sie mit diesem 1086 unter böhmische Hoheit an Graf Wiprecht von Groitzsch, befand sich um 1113 vorübergehend unter königlicher Herrschaft in den Händen eines Burggrafen Erkenbert, fiel 1135 als erledigtes Lehen an Böhmen und 1152 an das Reich. Bald darauf wurde der 1143 zuerst genannte Edelfreie Heinrich von Röda (bei Altenburg, nicht Rötha!) als Burggraf eingesetzt, dessen Geschlecht sich fortan nach Dohna nannte. Als Hauptburg des Gaues Nisan ist Dohna sehr wahrscheinlich mit der Nennung dieses Namens im Tafelgüterverzeichnis des deutschen Königs gemeint. Im Zuge der Kolonisation gelang den Burggrafen ein Ansatz zur Territorialbildung, wobei sie die Spannungen zwischen Böhmen und den Markgrafen und den Bischöfen von Meißen zur Aufrechterhaltung ihrer Reichsunmittelbarkeit nutzten. 1402 vertrieben die Markgrafen in einer Privatfehde die Burggrafen und verleibten deren Besitz der Markgrafschaft ein. Vor der Burg wuchs im späten Mittelalter die 1445 erstmals genannte kleine Stadt im Anschluß an die Burgwardkirche heran. Ein 1390 bezeugter Schöppenstuhl war bis ins 16. Jh. als Lehngericht mit adligen Besitzern weit über Sachsen hinaus tätig. Die Hauptlinie der Familie von Dohna erlosch 1415; Seitenlinien wurden in Schlesien und - aufgrund bedeutender Tätigkeit im Deutschen Orden - in Ostpreußen ansässig.

Literatur:
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ADB V, 299-310 - NDB IV, 43 - Hist. Stätten Dtl. VIII, 63-65 - S. Gf. zu Dohna, Die Donins, 1876 - G. Schlauch, Der Schöppenstuhl zu D., NASG 26, 209-239 - A. Meiche, Hist.-topograph. Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna, 1927, 38-56 - H. Helbig, Der wettin. Ständestaat, 1980, 185, 207, 219.