Brunos Buch vom Sächsischen Kriege:
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Kapitel 2.
 

Zu dieser Zeit lebte der Erzbischof von Bremen, Adalbert, welcher so sehr von Stolz und Hochmut aufgeblasen  war, daß er niemanden für seines Gleichen achtete, weder an Adel vor der Welt, noch an Heiligkeit des Wandels. Einmal, als er an einem hogen Fest die Messe vor dem König feierte, und der Sitte gemäß die Kanzel bestieg, um dem Volk Gottes Wort zu verkünnden, sagte er unter anderem, als ob er wehklage, daß die Guten und Adeligen auf dieser Erde ausgegangen seien, nur er allein und der König (sich nämlich nannte er vor dem König) seien von dem alten Adel übrig, während doch seine zwei Brüder, derselben Eltern Söhne, anwesend waren; und sagte er ferner, obschon er nicht den Namen seines Bruders, des Apostelfürsten Petrus trage, so habe er doch dieselbe Gewalt wie Petrus, oder auch eine noch größere, weil er niemals wie Petrus den Herrn verleugnet habe.

              
Kapitel 13.
 

Ich weiß aber einen von den Vertrauten des Königs, der eines Tages vom Hof zu seinem Bruder kam - der Bruder aber war jener Bischof [1 Nämlich Adalbert. Der Sächsische Annalist, welcher fast das ganze Werk Brunos in seine Annalen aufgenommen hat, nennt hier  geradezu den Pfalzgrafen Friedrich von Sachsen. Doch hat er dies vielleicht nur aus Brunos Worten geschlossen, welche möglicherweise auch übersetzt werden könnnen: "Jener Bruder aber war ein Bischof." Dann wäre es eine verstecktere, uns unverständliche Andeutung. Es fällt nämlich auf, daß Pfalzgraf Friedrich unten, Kap. 26, diese Geschichte nicht berührt.] - und als ob er sich dessen rühmen wollte, diesem seinem Bruder erzählte, daß am ganzen Hof niemand sei, welcher mehr als er sich der Gunst des Königs erfreue. Da nun sein Bruder, der Bischof, dieses gerne hörte und ihn fleißig ermahnte, daß er die Gunst des Königs in aller Weise sich zu bewahren suchen möge, weil solches für ihn selber ehrenvoll und seiner ganzen Verwandtschaft nützlich sei, da erwiderte er: "Ich würde es wohl tun, wenn ich nur zugleich mit der Gunst des irdischen Königs auch die des himmlischen Königs mir bewahren könnte. Aber in Wahrheit", sagte er, "habe ich erkannt, daß, wer das Vertrauen und die Gunst dieses Königs besitzt, das ewige Leben nicht wird erlangen können."

 
Kapitel 23.

 
Hierauf nun, als das Fest der Apostelfürsten, nämlich des Petrus und Paulus [1 Der 29. Juni, also lange vor des Herzogs Befreiung. Die zuverlässigere Darstellung Lamberts weicht hier von Brunos Erzählung gänzlich ab.], nahe bevorstand, verordnete der König, daß die gesamte Menge der sächsischen Fürsten in Goslar sich versammeln solle, damit, wenn etwas der Rede wertes von allgemeinen Reichsangelegenheiten auftauche, er dieses mit dem gemeinsamen Rat der Fürsten verhandeln könne. Alle eilten freudig dahin, weil sie hofften, daß jetzt die Leiden, welche Sachsen schon so lange zu erdulden hatte, endlich einmal ein Ende finden würden. Nachdem nun also die Feier des Festes gebührend begangen und der für die Geschäfte festgesetzte Tag herangekommen war, versammelten sich die Bischöfe, Herzöge, Grafen und die übrigen Fürsten an der Pfalz bei Tagesanbruch, und dort sitzend, erwarten sie vergeblich, daß der König zu ihnen herauskomme oder sie zu sich eintreten heiße. Denn er hatte die Türen seiner Kammer verschlossen und trieb darinnen mit seinen Gesellen Würfelspiel oder andere unnütze Dinge, unbekümmert darum, daß er so viele angesehene Männer wie die niedrigsten Knechte vor seiner Tür warten ließ.  So verging der ganze Tag, ohne daß er oder ein Bote, der die Wahrheit berichtet hätte, zu ihnen herauskam. Als aber die Nacht schon angebrochen war, kam einer von seinen Höflingen heraus und fragte die Fürsten in höhnischer Weise, wie lange sie dort noch zu warten gedächten, da der König schon durch eine andere Tür die Pfalz verlassen habe und in schnellem Trabe nach seiner Burg eile. Da gerieten sie alle, welche von des Königs Hochmut so schmähliche Behandlung erfahren hatten, in Zorn, daß sie ihm zu derselben Stunde ohne alle Scheu die Treue offen aufgekündigt hätten, wenn nicht der Markgraf Dedi [1 Von der Ostmark oder Lausitz.] noch durch seine Klugheit ihre Wut gebändigt hätte. Von diesem Tag und aus dieser Ursache hat der Krieg zuerst begonnen; dieser Tag war der Anfang alller folgenden Übel. Denn in derselben Nacht kamen die Fürsten alle, nachdem sie ein wenig Speise genossen hatten, jeder mit seinem zuverlässigsten Rate, während alle übrigen schon schliefen, verabredeter Weise in einer Kirche zusammen: und hier erklärten sie, nachdem sie vorher nicht wenig Tränen vergossen hatten, daß sie selbst den bittersten Tod lieber leiden, als mit solchher Unbill und Schmach ferner leben wollten. Sie setzten daher Tag und Ort fest, wo sie alle mit dem gesammten Sachsenvolke sich versammeln und gemeinsam ratschlagen wollten, über die gemeinsame Freiheit, von der sie sahen, daß man sie ihnen nehmen wollte; dann kehrten sie einzeln in ihre Heimar zurück, mit der Absicht, nie wieder dem Ruf zu des Königs Dienst zu folgen.
    

Kapitel 26.
 

Demgemäß erklärte Erzbischof Werinher von Magdeburg, seine Stadt sei vom König zweimal mit Mord und Raub heimgesucht; außerdem aber versicherte er, daß er über das allen zugefügte Unrecht nicht weniger Schmerz empfinde, als über sein eignes, und gelobte dem entgegenzutreten,, als ob er selbst allein das alles erduldet hätte. Bischof Burchard von Halberstadt klagte, daß der König ihm das Erbgut eines Edelmannes, Namens Bodo, welches von Rechts wegen seiner Kirche zukomme, gewaltsam entrissen habe. Herzog Otto erhob Klage, daß ihm das Herzogtum in Bayern, welches er lange mit vollem Recht besessen, ohne daß irgendeine Beschuldigung gegen ihn erwiesen wäre, vom König durch einen hinterlistigen Anschlag wider Recht genommen sei [1 Siehe oben Kapitel 19; nach dem Altaicher Annaliisten war die Beschuldigung begründet, und wurde Otto, da er sich nicht stellte, durch das Fürstengericht sein Herzogtum abgesprochen.]. Markgraf Dedi [2 Von der Ostmark.] klagte, daß einige von Rechts wegen ihm gehörige Güter ungerechter Weise ihm entzogen wären. Graf Herimann erzählte, was kürzlich ggeschehen war, daß nämlich der König ihm die von seinen Vätern ererbte Festungg Lüneburg listig überfallen hatte, und, hätte er sie nur behaupten könnnen, jenes ganze Land, des Grafen rechtes Erbgut, nicht nach königlichem Recht, sondern mit Unrecht in Besitz nehmen wollte. Pfalzgraf Friderich beklagte sich, daß ihm ein großes Lehen, welches er von der Abtei Herolfesfeld [3 Hersfeld.] gehabt habe, durch einen ungerechten Befehl des Königs genommen sei, und er vergeblich versucht habe, es mit hundert Hufen Land vom König einzulösen. Friderich vom Berge und Willehalm, genannt der König, von denen Heinrich dem einen die Freiheit, dem zweiten sein Erbgut zu nehmen versuchte, brachten beide ihre Klage vor, und diese erregte noch mehr als die übrigen Klagen die Teilnahme aller Anwesenden, weil sie daran ermaßen, was er allen insgesamt anzutun gedenke; nämlich, daß er darauf sinne, wenn es ihm möglich sei, ihnen allen Freiheit und Erbe ungleich zu nehmen. Darauf trug nunn jeder das Unrecht vor, welches er erlitten hatte; aber weder der Raum dieser Schrift, noch das menschliche Gedächtnis reichen hin, um das alles zu fassen. Die ganze Versammlung also - es war aber eine gewaltige Heeresmmacht dort zusammengekommen - schwur einen feierlichen Eid, den jeder einzeln ablegte, die Bischöfe nämlich, daß sie, soweit sie es ohne Schaden ihres Standes vermöchten, die Freiheit ihrer Kirchen und ganz Sachsens gegen jedermann aus allen Kräften verteidigen wollten; die Laien aber, daß sie bis an ihren Tod ihre Freiheit nicht preisgeben und ihr Land fernerhin von niemand mit Gewalt ausplündern lassen wollen.

    
Kapitel 45.
 

Als die Sachsen das vernommen hatten, da sandten sie erst zahlreiche Botschaften an den König und seinne Fürsten, mit flehenden Bitten, doch nicht ganz ohne ihr Verschulden sie mit dem Schwerte anzugreifen; denn  wenn man sie in irgend einem Punkte des Verbrechens der beleidigten Majestät des Königs überfühhre, so seien sie ja bereit, nach dem Ermessen des Fürsten selber dafür Buße zu leisten. Da entbot der König dem Erzbischof von Magdeburg nebst einigen anderen seine Gnade, und zeigte ihnen an, daß seine Freunde ihm den Rat gegeben hätten, nicht das ganze Volk ohne sein Verschulden zu verderben; auf deren Rat, sagte er, wolle er hören, wenn jene sich von seinen Feinden trennen, und ihm den Bischof Burchard von Halberstadt, den Herzog Otto, den Pfalzgrafen Friderich, nebst den übrigen, die er sonst noch fordern würde, überliefern wollten. Auf diese Botschaft wurde mit Zustimmung derjenigen, deren Auslieferung er verlangte, erwidert, daß ihm diese unter der Bedingung vorgeführt werden sollten, daß sie vor ein Gericht von Fürsten beiderlei Standes gestellt würden, damit deren Spruch sie entweder, falls sie überführt würden, verurteile, oder wenn sie unschuldig erfunden würden, ihnen, nebst dem ganzen Sachsenvolk, die Gnade des Königs wiedergewinne. Aber Willehalm mit dem Beinamen der König, und Friderich vom Berge vergaßen, als sie sahen, daß der Krieg bereits offen begonnen habe, des Eides, den sie mit den übrigen Sachsen geschworen hatten, und der vielfachen Unbill, welche sie selbst erduldet hatten, so wie sie selbst ein Hauptanlaß gewesen waren, den Krieg zu beginnen, verließen treulos ihr Vaterland, und gingen mit noch ärgerer Untreue bei nächtlicher Weile hinüber zu dem König, dem Feind ihres Vaterlandes. Denn nachher trauten ihnen weder ihre Landsleute noch die Feinde, und die beiden verächtlich und ehrlos lebten sie in Schande und Elend.
 

Kapitel 99.
 

Willehalm, des Grafen Gero Sohn [1 Graf von Kamburg, Brudersohn des früher erwähnten Markgrafen Dedi, aus dem Hause Buzizi, aus welchem auch das noch blühende Haus Wettin stammt.], wurde, da er sorglos mit wenigen Begleitern umherstreifte, von Everhard, den man nach seinem großen Barte nannte [2 Graf von Nellenburg.], unversehens gefangen genommen, und von dessen Rittern fortgeführt, um ihn als ein Hauptstück der Siegesbeute ihrem Herrn Heinrich darzubringen. Everhard selbst aber folgte in geringer Entfernung, um Acht zu gaben, daß er nicht von seinen Landsleuten befreit würde. Und siehe! da kommen von der Seite überlegene Sachsenscharen auf ihn zu, und hauen ihn ohne großen Widerstand nieder; die aber, welche Willeham fortführten, vergaßen seiner als sie sahen, und eilten ihrem Herrn zu Hilfe. Willehalm jedoch vergaß seiner selbst nicht, sondern kehrte, so rasch er vermochte, zu seinen Landsleuten zurück.
 

Kapitel 117.

 
Im folgenden Jahre aber, dem 1080sten nach der Menschwerdung des Herrn, im Monat Januar, sammelte Heinrich wieder eine nicht geringe Heeresmacht und gedachte in Sachsen einzufallen, weil er meinte, die Sachsen, als Leute die im Frieden die Ruhe lieben, würden zur Winterszeit nicht  zahlreich ins Feld kommen. Aber die Sachsen waren bereits durch viele Anstrengungen abgehärtet und durch viele Unruhe vom Schlummer der Trägheit erweckt; mit ihrer ganzen Kraft  machten sie sich auf, ihm zu begegnen und seinen Angriff von den Grenzen ihres Landes abzuschlagen. Er aber hatte mit seiner gewohnten Listigkeit die Sachsen mit vielen Versprechungen von einander getrennt, so daß nicht lange vor dem Tage der Schlacht Widekin, Wiprecht und Theoderich, Geros Sohn, mit vielen anderen von den Sachsen zum Feinde übergingen, und Markgraf Ekkibert mit seiner Schaar sich für keinen von beiden erklärte, sondern zögernd in der Nähe der Walstatt verweilte, um den Ausgang des Kampfes abzuwarten, und dem Sieger mit Glückwünschen sich anzuschließen. So trafen denn beide
Heere bei Flarcheim auf einander und lagerten sich so, daß zwischen ihnen ein nicht gar breiter, aber tiefer Bach floß. Die Unsrigen also stellten sich zur Vertheidigung ihrer Seite des Ufers auf, und erwarteten die Ankunft der Gegner auf der Höhe des Abhangs, um abwärts dringend die aufsteigenden Feinde um so leichter zurückwerfen zu können. Dann gaben sie Herzog Otto den Auftrag, zuerst die Schlacht zu beginnen. Während nun also die Unsern in solcher Aufstellung die Ankunft der Feinde erwarten, wenden sich diese, wie es immer ihre Art war, zu einer Kriegslist, und umgehen unversehens die Unsrigen, welche ihrem Angriff von vorne entgegen sahen, und nun, rückwärts schauend, plötzlich die Feinde hinter ihrem Rücken erblicken. Da entsandte König Rudolf einen eiligen Boten an Herzog Otto und beschwor ihn bei Gott, daß er, seiner alten Tapferkeit gedenkend, sich nicht scheuen möge, nach der früheren Anordnung zuerst das Treffen zu beginnen. Darauf erwiederte Herzog Otto, wenn die Feinde, wie man erwartet hatte, ihm zuerst gekommen wären, so würde er sich  keineswegs vor ihrem stürmischen Angriff fürchten; jetzt aber könne er seine Schlachtordnung nicht umwenden; und deshalb bat er, daß die, gegen welche der Feind zuerst gekommen wäre, ihn auch mit ganzer Kraft empfangen möchten; sobald er könne, versprach er ihnen zu Hülfe zu kommen. Kurz, das Treffen
begann ganz anders, als man beabsichtigt hatte; denn die letzten wurden die ersten, und die ersten die letzten. Mit großer Heftigkeit wurde von beiden Seiten gestritten, doch war der Kampf in kurzer Zeit entschieden. Denn die Sachsen wandten sich rasch um, und zeigten den Feinden, welche ihnen in den Rücken gefallen waren, ihr furchtbares Antlitz, und sie ruhten nicht eher als bis sie den Feind in die Flucht geschlagen und  gezwungen hatten, ihnen den Rücken zu zeigen. So kehrten also die Sachsen als Sieger heim, und brachten, wie es sich  gebührte, dem Geber aller guten Gabe Lob und Dank. Von
unserer Seite aber fiel in jenem Treffen Meginfrid, der Burggraf von Magdeburg, von der anderen Folkmar und der Burggraf von Prag, und mit ihnen eine nicht geringe Anzahl von böhmischem und anderem Kriegsvolk. Heinrich aber, der sich bald nach dem Beginn der Schlacht auf die Flucht begab, wurde von Lothowig auf verborgenen Pfaden durch den Wald geleitet. Sein Heer, welches nicht lange nachher gezwungen wurde, gleichfalls in der Flucht sein Heil zu suchen, lagerte sich ermattet bei einer Burg Namens Wartberg, und machte dort Halt um die müden Glieder durch Speise und Ruhe zu
erfrischen. Die Unsrigen aber, welche die Burg besetzt hielten, warfen sich mit plötzlichem Angriff auf jene, jagten sie in die  Flucht, und plünderten fast ihre ganze Habe, Pferde, Waffen, goldenes und silbernes Geschirr, Pfeffer und andere Gewürze, kostbare Stoffe und reiche Gewänder. Denn in dieser  Gesellschaft befand sich der Patriarch (von Aquileja) und andere Fürsten aus jenen Gegenden, welche ungeheuere Reichthümer mit sich gebracht hatten. Dieses dritte Treffen aber begab sich im Jahre des Herrn 1080, am 27. Januar, an einem Montage.
 

Kapitel 121.

 
In demselben Jahre, nämlich im Monat Oktober, brachte Heinrich, in aller Anstrengung des Krieges  unermüdlich, wiederum ein Heer zusammen, um in das Sachsenreich einzufallen. Die Sachsen aber kamen ihm mit einer unzähligen Menge entgegen an einem Orte Namens Cancul, und schlugen dort ihr Lager auf, um mit Gottes Hülfe ihre Grenzen gegen den feindlichen Einfall zu schützen. Und als jenem durch seine Späher unsere Heeresmacht kund ward, der er mit seiner Macht zu begegnen sich nicht getraute, da wandte er sich zu den Künsten seiner Bosheit, und zerstreute mit listiger Schlauheit unser Heer nach zwei Seiten, damit er dasselbe, welchem er ungetheilt, seiner Kraft mißtrauend, nicht zu nahen wagte, aufgelöst im Nothfall auch anzugreifen sich nicht zu fürchten brauchte. Während er nämlich, einem Treffen ausweichend, mit seinem ganzen Heere gen Erfurt zog, entsandte er die schnellsten seiner Reiter rückwärts auf Goslar zu, um einige Dörfer in Brand zu stecken und dann schleunigst zu ihm zurück zu kehren. Die Sachsen aber, welche durch ihre Späher seine Richtung auf
Erfurt erfahren hatten und ihn leicht hätten einholen oder gar ihm zuvor kommen können, sahen kaum den Rauch hinter ihrem Rücken, als sie sammt und sonders dorthin eilten, um ihn von Goslar und jenen Gegenden Sachsens fern zu halten. Jener aber vollendete den begonnenen Marsch auf Erfurt, und hatte bereits die Stadt geplündert und verbrannt, als unser Heer seiner Täuschung inne ward, und mit Zurücklassung eines großen Haufens von Fußvolk und Reitern ihm nachsetzte. Als nun die Unsern ihm schon nahe kamen, und wahrnahmen, daß er das Bisthum Naumburg zu verheeren gedachte, da kamen sie ihm mit Eilmärschen durchs Gebirge zuvor, und beschirmten die Stadt mannhaft vor Verwüstung. Solches erfahrend, setzte er seinen Weg, alles mit Feuer und Schwert vertilgend, fort, und gelangte bis an die Elster, deren große Tiefe ihn wider seinen Willen nöthigte, hier sein Lager aufzuschlagen. Doch ist es mir bei dieser Gelegenheit begegnet, von verschiedenen  Gewährsmännern entgegengesetzte Ansichten zu erfahren, und ich habe nicht ergründen können, welche mit der Wahrheit übereinstimme. Einige sagten nämlich, weil er schon zweimal  besiegt aus dem Treffen entwichen sei, habe er das Glück der Schlacht nicht noch einmal versuchen wollen, sondern nur die
Unsern mit seinen Listen täuschen, einen großen Theil des Landes verwüsten, und dann ohne Treffen, aber scheinbar mit Siegesruhm gekrönt, in seine Lande entweichen; unvermuthet aber sei er auf das tiefe Bette dieses Flusses gerathen, und habe so wider Willen, weil er den Uebergang nicht leicht ins Werk richten konnte, die Schlacht annehmen müssen. Andere aber glaubten, daß er aus absichtlicher Bosheit diesen Ort zur Walstatt ausgesucht habe, wo seine Leute, denen er nicht recht traute, entweder tapfer kämpfen mußten, oder als Lohn für die schimpfliche Flucht auch noch der Gefahr des Ertrinkens sich auszusetzen hatten. Noch andere aber waren der Meinung, daß er deshalb sich nach jenen Gegenden gewandt habe, weil er von den Meißnern oder den Böhmen, zu welchen er Boten gesandt hatte, auf Hülfe hoffte; hätten diese sich, wie er erwartete, mit ihm vereinigt, so gedachte er dann über Merseburg und  Magdeburg, und durch ganz Sachsen mit überlegener Macht einher ziehend, alles verwüsten und auf immer seiner Herrschaft  unterwerfen zu können.