Hermann I.                                      Graf von Werl
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um 950-   985/88
 

Sohn des Grafen N.N. (Konrad?)
Nach Paul Leidinger eventuell Sohn des 957-955 bezeugten Grafen Heinrich
 

Brandenburg Erich: Seite 10, Tafel 5
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

VIII. 61. GERBERGE
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*ca. 965/70, + wohl nach 1016

Gemahl:
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a)
HERMANN, Graf von Werl
        + nach 985

b) ca. 988
HERMANN II. Herzog von Schwaben (siehe VIII. 13.)
        + 1003 4. V.

Anmerkungen: Seite 128
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VIII. 61. Gerberge

vgl. Brandenburg, Probleme um die Kaiserin Gisela Seite 8ff., Bollnow, Grafen von Werl 8f. und 28f., 44f.
Die Geburtszeit läßt sich nur ungefähr bestimmen; es ist auch nicht ganz sicher, ob Bertha oder Gerberge die ältere Schwester war. Die Zeit der Vermählung mit Hermann von Schwaben ergibt sich ungefähr aus der Geburtszeit der Kinder und Enkel. Ob sie vorher mit einem Grafen von Werl vermählt war, muß zweifelhaft bleiben; mir scheint nach wie vor (trotz der Ausführungen Bollnows) diese Annahme wahrscheinlich, da sich die zweifellos vorhandene Verwandtschaft der Grafen von Werl mit dem salischen Kaiserhause nicht anders erklären läßt. Gerberge kommt zuletzt 1016 vor (Thietmar 9, 26), doch läßt sich aus der Stelle nicht mit Sicherheit schließen, ob sie damals noch lebte.
Urkundlich erscheint sie zuletzt 1000 18. V., Diplomata 2, 2 n. 363. Ich bringe die Nachkommen aus der nicht völlig gesicherten ersten Ehe im Teil II [VIII 86].

Ergänzungen (Wolf): zu 61 a: Kinder siehe IX 80
                               zu 61 b: Kinder siehe IX 16-20



Schölkopf Ruth:
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"Die sächsischen Grafen 919-1024 "

Friedrich von Klocke schaltete sowohl den 978 erwähnten als auch den 985 bezeugten Grafen Hermann als Stammvater der WERLER Grafen aus. Als gesichert ließ er nur gelten, dass der von Thietmar genannte und in der Stiftungsurkunde aufgeführte Hermann Gerbergas Sohn war.
Gerberga war vermutlich in 1. Ehe mit einem ungenannten Grafen von Werl verheiratet, den Bollnow vorsichtigerweise nicht namhaft macht.
Ebenso strittig ist die Beantwortung der Frage nach Gerbergas Gatten. Bollnow wich ihr aus. Er begnügte sich mit der allgemeinen Feststellung, dass er ein Graf von Werl war.
In Frage käme ein Graf Hermann, der zur gleichen Zeit auftrat. Nach Auslage einer Urkunde sprach er im Ort Böllinghausen (bei Erwitte) im Gau Engern Recht, der in den Besitz des Klosters Meschede überging. Dieses Gebiet liegt in der Nähe von Werl, dem Stammsitz der Familie. Es schließt sich organisch an die Grafschaft des Grafen Hermann im Locdorpgau an. Zeitliche Bedenken erheben sich ebenfalls nicht. Vor allem spricht eine Erwähnung bei Thietmar dafür, ihn als Mitglied des WERLER Grafenhauses zu betrachten. Die Textstelle besagt, dass 984 der Streit zwischen Heinrich von Bayern und seinem Sohn - dem späteren König - Herimanni comitis consilio geschlichtet wurde. Was konnte einen westfälischen Grafen veranlassen, sich in Sachen des bayerischen Herzogshauses zu verwenden. Die Antwort lautet: hier sprachen verwandtschaftliche Verpflichtungen mit. Gerbergas Halbschwester und somit Hermanns vermutliche Schwägerin war Gisela, die Gattin des Bayern-Herzogs Heinrich des Zänkers, der sich 984 mit seinem Sohn auseinandersetzte. Von hier aus gesehen erhellt sich die schon erwähnte Bezeichnung der Annalen consobrini imperatoris für die Söhne Hermanns von Werl. Hömberg hielt den 978 erwähnten Grafen Hermann für Gerbergas Schwiegervater, und zwar auf Grund der Tatsache, dass ihr Sohn wiederum den Namen Hermann trug. Da nur eine einzige Erwähnung vorliegt, können aus seinen Amtsdaten auch nicht annähernd gesicherte Angaben über das Alter des genannten Grafen gemacht werden. Alle anderen Kombinationen - wie Gatte oder Schwager - haben darum genau so viel Wahrscheinlichkeit für sich. Vielleicht war er mit dem Grafen Hermann identisch, der nach dem Fuldaer Totenbuch am 13. Juli 995 starb, zu welchem Tage auch das Merseburger Totenbuch das Ableben eines Grafen Hermann verzeichnete.

Hlawitschka, Eduard: Seite 57-59,82
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"Konradiner-Genealogie, unstatthafte Verwandtenehen und spätottonisch-frühsalische Thronbesetzungspraxis. Ein Rückblick auf 25 Jahre Forschungsdisput."

So blieb noch das Argument 4. Dies allein vermittelte aber insofern keine hinreichende Überzeugungskraft, als nicht nur Herzog Konrad von Schwaben einen Sohn Hermann haben konnte, sondern auch andere Konrade der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts, von denen wir die Nachkommen nur unvollständig kennen: - so etwa einer der Ufgau-Ortenau-Grafen dieses Namens, oder der 950 auf einem Hoftag in Worms recht unrühmlich hervorgetretene Konrad [114 Er brüstete sich, mit einer neptis des Königs Beischlaf gehabt zu haben; vgl. Contin. Reginonis ad 950, Seite 164.]; bzw. es könnte der unbekannte Vater des ca. 985 verstorbenen Grafen Hermann von Werl, für den bezeichnenderweise wiederum ein Enkel Konrad bezeugt ist [115 Vgl. Leidinger, Grafen von Werl, Paderborn 1965, Seite 71ff., 108f. und zwei Stammtafeln am Bandende. Auf Seite 71 betont Leidinger, daß die nur bruchstückhaft erkennbaren Vorfahren des seit den 70-er/80-er Jahren des 10. Jahrhunderts faßbaren Werler Grafenhauses "in naher, wahrscheinlich verwandtschaftlicher Beziehung zu den KONRADINERN gestanden" haben; und die Beziehungen nach dem Süden sind durch die um 978/80 zustande gekommene Heirat Graf Hermanns I. mit der burgundischen Prinzessin erkennbar.], wegen der bekannten Namensweitergabe in einer Sippe durchaus Konrad geheißen haben.
Zudem war Gerberga vor ihrer Ehe mit Hermann II. von Schwaben bereits einmal mit Graf Hermann von Werl verheiratet, dem sie drei Söhne geschenkt hatte [122 Vgl. Leidinger, Grafen von Werl Seite 51ff., besonders Seite 73-87.]; und es hätten, wäre Marchtal ihr Erbe gewesen, diese drei Kinder Erbansprüche an Marchtal gehabt, was aber nicht zu beobachten ist, weshalb Marchtal als Erbteil Gerbergas sogar ganz ausscheidet.
Bestes Beispiel für die räumliche Zuordnung einer Person zu einer anderen Ehe eines Elternteils ist wohl die Bezeichnung der Kaiserin Gisela als de Werla beim Annalista Saxo, obwohl sie erst aus der zweiten Ehe ihrer Mutter Gerberga mit Herzog Hermann II. von Schwaben hervorging, nicht aus Gerbergas erster Ehe mit Hermann von Werl [22 Annalista Saxo ad 1026 und 1082, MGH SS 6 Seite 676 und 720: de loco qui dicitur Werla. - Zur Benennung von Halbbrüdern etwa durch König KONRAD III. - noch dazu zu deren Lebenszeiten - vgl. MGH D K III (Register: Bischof Otto von Freising oder Markgraf Liupold); beide heißen germanus oder frater des Königs (genauso wie sein Vollbruder Herzog Friedrich von Schwaben).].
 
 
 
 
 

 oo 1. Gerberga von Burgund, Tochter des Königs Konrad
          965/66-7.7.1018/19
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Hermann II.
  ca 980-14.5. nach 1024

  Rudolf (-Ludolf)
  ca 982/86-12.7. um 1044

  Bernhard II. Graf von Hoevel
  ca 982/86- um 1059
 
 
 
 

Literatur:
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Annalen von Quedlinburg ad a. 1019 - Bollnow, Hermann: Die Grafen von Werl. Genealogische Untersuchungen zur Geschichte des 10. bis 12. Jahrhunderts. Dissertation Stettin 1930 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 5 Seite 10 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 300,321 - Hlawitschka, Eduard: Konradiner-Genealogie, unstatthafte Verwandtenehen und spätottonisch-frühsalische Thronbesetzungspraxis. Ein Rückblick auf 25 Jahre Forschungsdisput. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2003 Seite 57-59,82 - Hlawitschka, Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987 Seite 52,138,152 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 287 - Klocke, Rudolf Freiherr von: Die Grafen von Werl und die Kaiserin Gisela. Untersuchungen zur Geschichte des 10. und 11. Jahrhunderts mit einem Exkurs über Mittelaltergenealogie, in: Westfälische Zeitschrift 98/99, 1949, I. Abteilung, Seite 67-111 - Leidinger, Paul: Untersuchungen zur Geschichte der Grafen von Werl. Ein Beitrag zur Geschichte des Hochmittelalters. Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens Abteilung Paderborn 1965 Seite 73-83 - Schölkopf, Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024, Göttingen 1957 Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens - Thietmar von Merseburg: Chronik. Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 Seite 123 -