Kurowski Franz: Seite 279-281,283
**************
"Schwertgenossen Sahsnotas"

Der Feldzug gegen die Friesen fand nicht statt, weil aus dem Westen des Reiches die Nachricht von einer Verschwörung des Kölner Erzbischofs Friedrich gegen seinen kaiserlichen Herrn gemeldet wurde. HEINRICH V. ließ das Heer kehrt machen und stürmte den Aufständischen entgegen. Gemeinsam mit Herzog Lothar wurde diese rheinisch-westfälische Gruppe bei Deutz belagert. Doch sie konnte nicht überwunden werden. Graf Friedrich von Arnsberg und sein Bruder Heinrich von Rietberg stoppten den Kaiser im Rheintal zwischen Bonn und Andernach und zwangen ihn zum Rückzug.
Im Herbst 1114 tauchte HEINRICH V. mit einem neuen, stärkeren Heer im Westen auf. Doch Köln, das die Kaiserlichen zu erobern trachteten, hielt sich. Diesmal war Lothar von Süpplingenburg nicht dabei. Er hatte im Raume Walbeck eine Reihe ostsächsischer Fürsten versammelt und stellte sich nun offen auf die Seite der Westfalen. HEINRICH mußte den westlichen Kampfraum wieder verlassen. Obgleich er im Gebiet des Grafen von Arnsberg eine Burg mit einer starken Besatzung zurückgelassen hatte, folgten ihm die Westfalen. Lothar hatte in Creuzburg an der Werra die niederrheinisch-westfälisch-sächsische Kampfgemeinschaft ins Leben gerufen. Kaiser HEINRICH V., der inzwischen in die vorübergehend eingerichtete Reichsvogtei nach Goslar zurückgekehrt war, befahl die Aufständischen vor sein Gericht zu Goslar. Doch diese, im befestigten Walbeck sitzend, ignorierten den Befehl. Kaiser HEINRICH V. erließ einen Rechtsspruch gegen die von ihm Abgefallenen und befahl die Rüstung des Reichsheeres zum 10. Februar 1115. Noch bevor das Heer versammelt war, zog HEINRICH eine große Gruppe seiner engsten Umgebung und der besten Truppen zusammen und marschierte damit gegen Braunschweig, um "ad iniuriam Lotharii ducis Saxonum" vorzugehen und diesen zur Raison zu bringen. Auch in Thüringen gingen die Verschwörer gegen die kaiserlichen Truppen vor. Sie belagerten Orlamünde. Dies war für Lothar das Zeichen zum Eingreifen. Er und die mit ihm verbündeten Fürsten hatten ein großes Heer sächsischer Krieger aufgeboten. Hinzu kamen die rheinisch-westfälischen Kontingente seiner Verbündeten, der Grafen von Arnsberg, Rietberg und Calvelage. Am 11. Februar 1115 trafen die beiden Heere bei Gerbstedt an der Ostseite des Harzes am Welfesholz aufeinander. Mit Lothar im Bunde waren neben den genannten westfälischen Grafen Erzbischof Adelgoz von Magdeburg, Bischof Reinhard von Halberstadt, Pfalzgraf Friedrich von Sommerschenburg, Markgraf Rudolf, Wiprecht der Jüngere von Groitzsch und Otto von Ballenstedt. Erzbischof Friedrich von Köln vertrat mit seinen Truppen die rheinische Seite; Heinrich von Limburg kam noch hinzu. Die Kaiserlichen wurden geschlagen und zogen sich in Eilmärschen zurück. Damit war Lothar von Süpplingenburg unumschränkter Herr von O-Sachsen und Engern, deren Herzog er ja war.
Nach einem klugen Plan wurden nun die weiteren Operationen gegen den Kaiser eingeleitet. Die Heimburg und die Quedlinburg des Kaisers im N-Harz wurden von Reinhard von Halberstadt, Markgraf Rudolf und Pfalzgraf Friedrich in Besitz genommen. Erzbischof Friedrich von Köln griff die kaiserlichen Truppenkontingente im Raume Cleve-Lüdenscheid an. Lothar aber wandte sich mit seinen Gefolgsmännern Friedrich von Arnsberg, Heinrich von Rietberg, Hermann von Calvelage und Heinrich von Limburg nach Westen. Ihr Ziel war Dortmund, eine soeben erst befestigte Stadt, in die der Kaiser eine starke Besatzung gelegt hatte. Nach der Eroberung dieser Stadt und der Zerstörung ihrer Befestigungen zog Lothar gegen Münster. Die Bürger dieser Stadt unterwarfen sich ihm. Von Corvey aus wandte sich Lothar kurz darauf dem Harz zu. Er eroberte die Festungen Falkenstein und Wallhausen und zerstörte sie, damit der Kaiser sie nicht mehr als Stützpunkte gegen die Sachsen benutzen konnte, wie er dies ja mit Wallhausen im Februar 1115 praktiziert hatte.
Inzwischen hatte sich Graf Friedrich von Arnsberg die Sache anders überlegt. Er griff 1115 die Eresburg an und zerstörte sie. Danach setzte er sich in den Besitz der Grafschaft des Grafen von Padberg und nahm nach dem Tode seines Bruders auch die Grafschaft Rietberg an sich, ohne sich um das Erbrecht seiner Nichte, der Gattin Egilmars II. von Oldenburg, zu kümmern. Die Burgen Rietberg und die Wevelsburg baute er als Zwingburgen gegen den Bischof von Paderborn aus. Als Kaiser HEINRICH V. aus Italien zurückkehrte, lief der Graf von Arnsberg mit fliegenden Fahnen zu ihm über und versuchte in den nächsten Jahren (mit Schwerpunkt 1119) ganz Westfalen für den Kaiser zu erobern. Doch er hatte die Rechnung ohne Lothar gemacht, der bereits 1116 gegen die Burg Bentheim gezogen war, diese nach kurzer Belagerung eroberte und anschließend zerstörte.
Als Friedrich "der Streitbare" von Arnsberg 1124 starb, erlosch der westfälische Widerstand gegen Lothar. Die Wevelsburg und die Rietburg wurden auf Befehl Lothars zerstört; damit gab es keine Zwingburgen der ARNSBERGER mehr. Die Vogtei Paderborn und die Grafschaften des Alme- und Diemelgebietes wurden dem Grafen von Schwalenberg übertragen. Der Graf von Oldenburg übernahm Rietberg, während die Erben des Grafen von Arnsberg lediglich ihre Besitzungen im Sauerland und am Hellweg behielten.