Bernhard I.                                      Graf von Werl
--------------                                     Vogt von Meschede, Paderborn, Werden und Liesborn
    - um 985
 

Eventuell Sohn eines Grafen Hermann von Werl
Es hat den Anschein, als werden Hermann I. und Bernhard I. von den verschiedenen Forschern verwechselt
 

Thiele Andreas: Tafel 411
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 2 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser II

BERNHARD I. VON WERL
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    + um 985

Wohl Sohn eines Grafen Hermann I. von Werl

Seine Abstammung ist etwas unsicher; als unmittelbarer Vorfahr (? Großvater) gilt ein um 910 genannter Graf Hermann in Westfalen; Verschwägerung mit dem BILLUNGERN wird angenommen. Die Ansicht mancher Forscher, Hermann von Schwaben, ein Sohn Burchards II. von Schwaben, sei Vater Bernhards, ist unwahrscheinlicher. Bernhard war mächtigster Graf im westfälischen Sachsen, sein Herrschaftsbereich umfaßte mit vielen Vogteien und Komitaten fast ganz Westfalen und große Teile von Friesland, die Vorfahren konkurrierten mit OTTONEN und BILLUNGERN um die Herzogswürde. Er besaß eine herzogsähnliche Stellung, erschien als Anhänger der OTTONEN, hielt alle herzoglichen Ansprüche der OTTONEN und BILLUNGER über Westfalen fern und besaß unter anderem die Vogteien von Meschede, Paderborn, Werden und Liesborn, woher viel Streit um Rechts- und Besitzfragen mit diesen geistlichen Gewalten rührte, besonders mit dem Bischof von Münster. Er ist quellenmäßig nur wenig greifbar. Er begründete auf jeden Fall mit der Erbteilung unter die Söhne den Beginn des Niederganges seines Hauses in Westfalen, eine Entwicklung, die der berühmte Graf Friedrich I. von Werl-Arnsberg nicht mehr korrigieren konnte. Auch seine Ehe spricht für vornehmste Herkunft des Hauses.

  oo um 978
      GERBERGA WELF, Tochter des Königs Konrad III. von Arelat-Burgund

(Auch diese Ehe spricht für vornehmste Herkunft des Hauses).
Sie heiratet in 2. Ehe Herzog Hermann II. von Schwaben und wird damit Mutter von Kaiserin Gisela (Frau Kaiser KONRADS II.). Sie wird nochmals 1016 erwähnt als sie nach nicht ganz klarer Quellenlage im Streit mit dem Erzbischof von Köln von diesem gefangengesetzt wird (wohl wegen der 3. Heirat von Gisela)



Schölkopf Ruth
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"Die sächsischen Grafen 919-1024"

Ebenso strittig ist die Beantwortung der Frage nach Gerbergas Gatten. Bollnow wich ihr aus. Er begnügte sich mit der allgemeinen Feststellung, dass er ein Graf von Werl war. Hömberg machte Graf Bernhard als Gatten der Gerberga namhaft. Dieser Bernhard ist durch zwei Urkunden belegbar. Sie wurden zu einer Zeit ausgefertigt, als er nach zeitlichen Erwägungen durchaus ihr Gatte hätte sein können. Die Urkunden datieren aus dem Jahr 980. OTTO II. sprach der erzbischöflichen Kirche in Magdeburg urkundlich den Besitz des Ortes Brackel (bei Dortmund) in pago Westfalon... in comitatu Bernhardi comitis situm zu. Die andere Urkunde wurde zugunsten des Klosters Memleben ausgestellt, das das Kloster Wildeshausen mit Landbesitz in comitatibus Bernhardi comitis et Eilhardi in pagis quoque Leri, Dersiburg et Ammeri tradiert erhielt. Es ist allerdings zu erwägen, dass Graf Hermann später ebenfalls im Lerigau bezeugt ist. Für Hömberg war ausschlaggebend, dass dieses Gebiet in den folgenden Generationen nachweisbar den Grafen von Werl unterstand. Er verwarf entschieden die Möglichkeit, dass auch ein anderer Graf als Gerbergas Gatte in Betracht kommen könnte.
Der zuvor erwähnte Graf Bernhard, den Hömberg als Gatten der Gerberga annahm, verwaltete nach seinen Aussagen, "im letzten Viertel des 10. Jahrhunderts eine Grafschaft, die aus wenigstens 15 Einzelkomitaten bestand". Hömberg blieb den Beweis dieser These schuldig. In einer Anmerkung machte er allerdings eine Einschränkung: "Eine genaue Bestimmung der Zahl der Comitate, die um 990 im Besitz der Grafen von Werl waren, ist nicht möglich... Ausdrücklich ist bezeugt als Besitz dieses Geschlechts in dieser Zeit nur die Grafschaft im Leri- und Dersigau; da jedoch im Bistum Osnabrück schon seit dem 10. Jahrhundert nur noch eine Grafschaft erkennbar ist, darf angenommen werden, dass die ganze Diözese zu ihrem Machtbereich gehört hat".
Vielleicht gelingt es, noch eine weitere Generation in diese Familie einzubeziehen. Als Vorgänger der beiden Grafen Hermann und Bernhard kommt ein Graf Heinrich in Frage, der an Hand von zwei Urkunden in Westfalen nachweisbar ist.
 
 
 
 

ca 980
  oo 1. Gerberga von Burgund, Tochter des Königs Konrad
          965/66-7.7.1018/19
 
 
 
 

Kinder:

  Hermann II.
  ca 980-14.5. nach 1024

  Rudolf
  ca 982/86-12.7. um 1044

  Bernhard II.
  ca 982/86- um 1059
 
 
 
 

Literatur:
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Bollnow, Hermann: Die Grafen von Werl. Genealogische Untersuchungen zur Geschichte des 10. bis 12. Jahrhunderts. Dissertation Stettin 1930 - Schölkopf, Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024, Göttingen 1957 Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 2, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 411-