Wenzel I. der Heilige                      Herzog von Böhmen (921-929/35)
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911-28.9.929/35 ermordet
      Altbunzlau

Begraben: Prag, St. Veitsdom

Ältester Sohn des Herzogs Vratislav I. von Böhmen und der Drahomira von Stodor (Heveller-Fürstentochter)
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 2185
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Wenzel (Vaclav) I. der Heilige, Fürst von Böhmen seit 921
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* ca. 907, + 28. September 929/35 ermordet

Begraben: Prag, St. Veitsdom

Ältester Sohn von Fürst Vratislav I. und Drahomir, Tochter eines Fürsten der Heveller

[1] LEBEN

Die erste biographische Nachricht bezieht sich auf die Haarschur durch Bischof Nother II. von Verona im Jahre 921. Wenzels Gattin ist unbekannt, in den Quellen wird der Sohn Zderad erwähnt. Wenzel I. wurde am Prager Fürstenhof erzogen. Er erhielt eine einfache literarische lateinische Ausbildung, so daß er Bücher und den Psalter lesen konnte, sowie auch eine christliche Erziehung. Die Angabe einer späteren russischen Bearbeitung der ersten kirchenslavischen Legenden über seine Kenntnis der slavischen Schrift ist unsicher. Nach dem Tode Vratislavs I. 920/21 wurde Wenzel I. als Herrscher anerkannt, konnte jedoch wegen seiner Unmündigkeit die Regierung nicht übernehmen. Diese wurde Vratislavs Witwe Drahomir übertragen.Wenzel I. wurde zusammen mit seinem Bruder Boleslav I. der Großmutter Ludmila zur christlichen Erziehung anvertraut. Unter der Vormundschaftsregierung Drahomirs steigerten sich die Auseinandersetzungen zwischen den Parteien einzelner Großer, wobei wahrscheinlich eine das Christentum ablehnende Partei die Oberhand gewann, auf deren Seite auch Drahomir stand. Der Konflikt, in dem u.a. die christliche Erziehung des künftigen Fürsten, wahrscheinlich auch materielle Güter ein Rolle spielten, gipfelten in der Ermordung Ludmilas, die die christlichen Strömungen in Böhmen repräsentierte. Wenzel I. verteidigte 922 Böhmen gegen Herzog Arnulf von Bayern. Wohl 923/24 trat er die Regierung an. Nach der Internierung Drahomirs in Budec konnte er die Lage im Land beruhigen. Er rief die nach der Ermordung Ludmilas des Landes verwiesenen Priester zurück und ließ Ludmilas Überreste nach Prag überführen. Nach den dürftigen Legenden-Berichten strebte Wenzel I. eine Gerichtsreform an und wollte das Christentum durchsetzen; außerdem sorgte er für Disziplin und Kampfkraft des Heeres sowie für die Verteidigung des Landes. Der "Denar des heiligen Wenzel" ist jedoch eine Fälschung. Nach dem Einfall König HEINRICHS I. im Jahre 929 erkannte Wenzel I. die Oberhoheit des sächsisch-deutschen Königs an (Veitspatrozinium des Prager Doms) und verpflichtete sich zur regelmäßigen Zahlung eines tributum pacis. Dieses Ereignis, verbunden mit der tiefen Frömmigkeit des Fürsten, steigerte offenbar die Unzufriedenheit und stärkte die Opposition mit Wenzels Bruder Boleslav an der Spitze, die sich zum offenen Widerstand ausweitete.Wenzel I. wurde zur Taufe von Boleslavs Sohn nach Altbunzlau (Stara Boleslav) eingeladen und dort ermordet. Seine Anhänger wurden verfolgt und erschlagen, die ihm ergebenen Priester aus dem Lande vertrieben.



Wenzel I. der Heiligevereinigte die meisten böhmischen Stämme unter seiner Herrschaft und stand besonders gegen Bayern, das Hoheitsansprüche verfocht. 929 wurde er von HEINRICH I. gezwungen, Vasall des Deutschen Reiches zu werden. Er förderte entschieden die Christianisierung und geriet mit seinen mönchischen Neigungen in Gegensatz zum Volk, dem sich der Bruder anschloß. Er gründete das Kloster Prag und wurde von der Adelsopposition unter der Führung seines Bruders Boleslav in Altenbunzlau ermordet.
 
 
 

  oo N.N.
              -
 
 
 
 

Kinder:

  Zderad
        -
 
 
 
 

Literatur:
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Ludat, Herbert: An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar Köln Wien 1995, Seite 14,35,51,82,265, 372,381,398,432 - Rogge, Helmuth: Das Verbrechen des Mordes begangen an weltlichen deutschen Fürsten in der Zeit von 911 bis 1056. Dissertation Berlin 1918, Seite 23-26 -