Geschichte der Welfen des Mönches von Weingarten
*******************************************

Kapitel 15. Von Herzog Heinrich, der ein Mönch wurde.

Sein Bruder Heinrich erlangte das Herzogthum und Alles, was ihm gehört hatte, und hielt es kräftig in Gehorsam. Dieser hatte sich schon früher, als sein Bruder noch lebte, eine Gemahlin Namens
Wulfhild aus Sachsen geholt, die Tochter des Herzogs Magino und der Sophia, der Schwester des Ungarkönigs Colomann [1 Sophia war die Tochter König Belas und wird daher vom Sächsischen Annalisten die Schwester des Königs Ladizlaus genannt. König Colomann war ihr Neffe. Sie war in erster Ehe mit Ulrich von Weimar, Markgraf von Krain und Istrien vermählt.].
Diese Sophia hatte aber vorher einen Gemahl aus Kärnthen gehabt, welchem sie den Markgrafen Popo gebar, der seine beiden Töchter, eine mit Bertholf, Grafen von Andechs, die andere mit Albert Grafen von Bogen vermählte. Die Schwester dieser Sophia heirathete der König der Griechen. Mit einer andern Schwester derselben vermählte sich ein gewisser Graf,  nachdem er sie aus einem Nonnenkloster entführt, und erzeugte mit ihr Friderich, den Vogt von Regensburg. Sophia selbst aber gebar dem Herzog Magino vier Töchter [3 Sämtliche sächsische Geschichtschreiber kennen nur zwei Töchter des Herzogs Magnus von Sachsen, nämlich Wulfhild und Ailigka, indessen darf angenommen werden, daß Sophia noch zwei weitere Töchter besaß, welche aus erster Ehe stammten. (s. Walderdorf in Forsch. z. deutsch. Gesch. XIII., S. 591 ff.) ]; unsere Wulfhild, Ailigka, die Mutter Adelberts, des Markgrafen von Sachsen, die dritte heirathete der Herzog von Mähren, die vierte  entführte Egehard, Graf  von Scirin, aus einem Nonnenkloster in Regensburg, nahm sie zur Gemahlin und zeugte mit ihr den Pfalzgrafen Otto. Herzog Heinrich nun hatte von Wulfhild drei Söhne außer jenen, welche das himmlische Vaterland in den Kinderjahren in seinen Schoß aufgenommen, nämlich Counrad, Heinrich und Welf, und vier Töchter, Judith, Sophia, Mahtilde und Wulfhild. Judith heiratete Friderich, der Herzog von Schwaben, und sie gebar ihm unseren Kaiser Friderich und die Gemahlin des Herzogs Matheus von Lotharingen. Sophia nahm Berthold, Herzog von Zäringen, und nach dessen Tod Leopald, Markgraf von Steier, zur Gemahlin. Mahtilde vermählte sich zuerst mit Theopald, dem Sohne Theopalds, Markgrafen von Voheburch,  und nach seinem Tode mit Gebehard von Sulzbach, Wulfhild heirathete Roudolf, Graf von Bregenz. Counrad wurde zum Kleriker bestimmt und wurde, nachdem er in seinen Kinderjahren zu Hause in den Wissenschaften unterrichtet war, in reiferem Alter dem Erzbischof von Köln übergeben, damit er in höherer Gelehrsamkeit und klösterlicher Zucht erzogen würde. Daselbst machte er in beidem solche Fortschritte und zeichnete sich auch durch andere Tugenden und Vermeidung des Bösen so aus, daß er vom gesammten Klerus und Volk geliebt und der höchsten Ehren für würdig gehalten wurde. Er selbst aber floh Ehren, Reichthümer und Menschenlob, gesellte sich zu einigen Mönchen, begab sich mit ihnen, ohne daß Jemand der Seinigen darum wußte, in das Kloster Clairvaux und ließ sich daselbst einkleiden. Im Verlaufe der Zeit ging er dann nach Jerusalem, wo er sich bei einem in der Einöde lebenden Diener Gottes aufhielt und demselben in aller schuldiger Demuth diente. Endlich fühlte er sich krank und dachte auf seine Heimkehr; er bestieg also ein Schiff und kam nach Bari, in die  Stadt des heiligen Nicolaus. Hier beschloß er in seligem Tod seine Tage, wurde ehrenvoll zur Erde bestattet und ruht daselbst.  Um dieselbe Zeit starben auch seine Mutter und sein Vater, welcher vor seinem Ende das Klostergelübde abgelegt hatte - dieser auf der Burg Ravensburg, die Mutter sechzehn Tage nach ihrem Gemahl in Altdorf - und wurden im Kloster des heiligen Martin begraben.