Mathilde (Richenza) von Sachsen    Gräfin von Perche
----------------------------------------    Gräfin von Coucy
1172-   1209
 

Älteste Tochter des Herzogs Heinrich XII. der Löwe von Bayern-Sachsen aus dem Hause der WELFEN aus seiner 2. Ehe mit der Mathilde von England, Tochter von König Heinrich II.
 

Brandenburg Erich: Tafel 22 Seite 45
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIII. 349 b. GERTRUD
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* 1172, + 1208/09

Gemahl:
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a) 1189
Gottfried II. Graf von Perche (siehe XIV 99)
        + 1202 IV.

b) 1204
Engelram III. Herr von Coucy (siehe XIV)
       + 1242/43



Schwennicke Detlev: Tafel 18
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

RICHENZA - 1182 MATHILDE
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* 1172, + 13.I. 1209-1210

Gründet 1204 abbaye des Clairets

  1. oo Rouen 1189
           GEOFFROI Comte du Perche
                     + 5.IV. 1202

  2. oo 1204
           ENGUERRAND III. Sire de Coucy (BOVES)
                     + 1242



Thiele, Andreas: Tafel 31
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

MATHILDE
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    + 1209

  1. oo 1189
           GOTTFRIED II. GRAF VON PERCHE
                    + um 1203

  2. oo 1204
           ENGUERRAND III. GRAF VON COUCY
                     + 1243



Slavenchronik des Arnold von Lübeck
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1. Von der Pilgerfahrt des Herzogs Heinrich.
 

Nachdem also, wie gesagt, der Friede im Lande der Slaven befestigt war, nahm die Macht des Herzogs über alle Bewohner des Landes mehr und mehr zu, und die inneren Kriege zwischen dem Herzog und den Fürsten des Ostens wurden durch Vermittelung der Majestät des Kaisers  beigelegt. Pribizlaw aber, der Bruder Wertizlaw's, wurde aus einem Feinde des Herzogs dessen eifrigster Freund, da er einsah, daß alle seine Anstrengungen gegen denselben zu nichts führten, auch die Größe des Helden bewunderte, und daß er, wohin er sich wendete, überall vom Glücke begünstigt durchdrang.

Nachdem nun der Herzog so großer Ruhe theilhaftig geworden und so mannigfach drohenden Gefahren entronnen war, hielt er es für ein seiner Seele Heil bringendes letztes Unternemen, zur Buße seiner Sünden das heilige Grab zu besuchen, um den Herrn an dem Orte, wo seine Füße wandelten, anzubeten. Nachdem er demnach seine Angelegenheiten geordnet hatte, begann er an die Reise nach Jerusalem ernstlicher zu denken. Er übertrug die Obhut seines Landes dem Erzbischof Wichmann von Magdeburg, und nahm die Edleren des Landes zu Reisegefährten, nämlich den Bischof Konrad von Lubeke, den Abt Heinrich von Bruneswich, den Abt Bertold von Luneburg und den erwähnten Pribizlaw, den Fürsten der Obotriten; ferner den Grafen Guncelin von Zwerin und den Grafen Sifrid von Blankeneburg, nebst vielen anderen aus der Zahl sowohl seiner freien Vasallen, als seiner  Dienstmannen. Und es blieb von den angesehenen Leuten keiner zurück, außer Ecbert von Wulselesbotele, welchen der Herzog über sein ganzes Gesinde setzte; insbesondere aber wurde er zum Dienste der Frau Herzogin Mechtildis bestimmt, der sehr frommen Fürstin, welche bei Gott und Menschen in gutem Andenken steht. Sie, eine Tochter des Königs von England, gab ihrer hohen Geburt, welche auf eine lange Reihe königlicher Ahnen zurückwies, die Weihe frommer Werke, und den Thaten der Menschenliebe sich widmend, verherrlichte sie diese durch den Schmuck der Religion. Denn sie besaß die höchste Frömmigkeit, fühlte mit Bedrängten auf bewunderungswürdige Weise Mitleid, spendete Almosen mit freigebiger Hand, war eifrig im Gebet und eine höchst andächtige Besucherin der Messen, die sie in großer Menge lesen ließ. Die eheliche Treue bewahrte sie rein, und entweihte nie ihr Ehebett durch Buhlschaft. Sie blieb, so lange der Herzog in der Ferne war, in Bruneswich, weil sie damals gesegneten Leibes war, und gebahr eine Tochter Namens Rikenza. Auch Söhne erzeugte sie mit ihm nach seiner Heimkehr, nämlich Heinrich, Luder, Otto und Willehelm, welche sie, wie man das vom heiligen Tobias liest, "Gottesfurcht von Jugend auf lehrte". Ihr dienten Heinrich von Luneburg  und der erwähnte Ecbert, weil er vor allen Angehörigen des herzoglichen Hauses für treu und wohlberufen galt. Indeß fiel die Sache anders aus; denn er selbst befleckte seinen Ruhm und lud den Vorwurf des Treubruches auf sich. Dafür wurde er schwer bestraft. Doch das wollen wir jetzt unberührt lassen, da wir zu Anderem hineilen müssen.

Jordan Karl: Seite 179,214,217
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"Heinrich der Löwe"

Zu Beginn des nächsten Jahres zog er nach Sachsen und begab sich nach Braunschweig, wo während seiner Abwesenheit seine Tochter Richenza geboren worden war.
Gegen Ende Juli des Jahres 1182 trat Heinrich der Löwe von Braunschweig aus die Fahrt in die Verbannung zu seinem Schwiegervater Heinrich II. von England an. In seiner Begleitung befand sich seine Tochter Richenza, die in England den Namen ihrer Mutter Mathilde erhielt, und Heinrich und OTTO, der erste und dritte Sohn. Der zweite Sohn Lothar blieb aus uns nicht bekannten Gründen in Sachsen zurück, obwohl er noch ein Knabe von 7 oder 8 Jahren war.
Erst im Herbst 1185 kehrten Heinrich der Löwe und seine Gemahlin Mathilde nach Deutschland zurück. Auffälligerweise blieb aber der noch nicht 1-jährige Wilhelm in England zurück und wurde hier auf Kosten seines Großvaters erzogen. Auch Mathilde, die Tochter des Herzogspaares, blieb in der Umgebung des Königs. Während ihres Aufenthaltes am englischen Königshof wurden mehrere Versuche gemacht, sie in standesgemäßer Weise zu verheiraten. Bereits im Jahre 1184 bat König Wilhelm von Schottland den englischen König, seinen Lehnsherrn, um die Hand seiner Enkelin. Dieser Heirat stand allerdings eine zu enge Verwandtschaft zwischen beiden entgegen. Die Gesandten des englischen Königs, die damals zu Papst Lucius gingen, sollten diesen um Ehedispens bitten. Da der Papst dies ablehnte, kam diese Ehe nicht zustande.
Zwei Jahre später warb König Bela III. von Ungarn durch Gesandte beim englischen König um die Hand der Prinzessin. Heinrich II. zögerte aber seine Antwort, wie es nach den Worten eines englischen Chronisten seine Gewohnheit war, von Tag zu Tag hinaus. Wenige Jahre später wurde Mathilde dann 1189 mit Gottfried, dem Erben der wichtigen im Süden der Normandie gelegenen Grafschaft Perche, vermählt.

Appleby John T.: Seite 302,315,316
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"Heinrich II. König von England. Die Zeit des Thomas Becket."

William, der König der Schotten, der zu diesem Zeitpunkt 41 Jahre alt war, bat den König, ihm Matilda, die Tochter des Herzogs und der Herzogin von Sachsen, zur Frau zu geben. In Anbetracht dessen, daß die Eltern des Mädchens ohne einen Pfennig im Exil lebten, konnte Williams einziges Motiv der Wunsch sein, sich noch enger mit denm König zu verbinden. William und Matilda waren jedoch innerhalb des verbotenen Grades miteinander verwandt, da sie seine Kusine zweiten Grades im zweiten Gliede war, und es war nötig, eine Dispens des Papstes einzuholen. Heinrich gab seine Einwilligung zu der Ehe, vorausgesetzt, daß es gelingen würde, die päpstliche Genehmigung dafür zu bekommen.
Ihre Enkeltochter Matilda segelte mit ihnen. Ihrem Vater, dem Herzog von Sachsen, war es durch Heinrichs Vermittlung gelungen, den Kaiser zur Aufhebung seines Verbannungsurteils zu bewegen. Er war im vergangenen Herbst nach Deutschland zurückgekehrt, hatte aber seine Gemahlin und die Kinder zurückgelassen.
Ungefähr zu diesem Zeitpunkt kamen Boten Belas III., des Königs von Ungarn, zu Heinrich, mit einem Heiratsantrag ihres Herrn für Heinrichs Enkeltochter Matilda. Sie war schon mit William, dem König der Schotten, vorausgesetzt, daß eine päpstliche Dispens erreicht werden konnte, und außerden hatte Heinrich nicht den Wunsch, das Mädchen in so ein entferntes Gebiet zu schicken, damit es irgendeinen unbekannten König heirate. Der Papst hatte sich inzwischen geweigert, eine Dispens für die Ehe Matildas mit König William zu gewähren.

Barz Paul: Seite 331,342
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"Heinrich der Löwe. Ein Welfe bewegt die Geschichte."

Die Herzogin wird ihn begleiten, auch seine Tochter Mathilde, auch die beiden ältesten Söhne Heinrich und OTTO, während der jüngste, Lothar, wohl als eine Art Geisel zurückbleibt.
Große Pläne spinnen sich um Heinrichs Enkelin Mathilde. Erste Bewerber um ihre Hand stellen sich ein: Wilhelm von Schottland, gleichfalls "der Löwe" genannt, dann Bela von Ungarn. Doch all diese Pläne zerschlagen sich wieder, und schließlich macht Mathilde eine mehr durchschnittliche Partie, als sei 1189 einen nicht weiter wichtigen Grafen von Perche heiratet.

Pernoud Regine: Seite 76
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"Der Abenteurer auf dem Thron. Richard Löwenherz König von England."

Diese erste Zeremonie war für den neuen Herzog Anlaß, verschiedene Geschenke zu machen. Die junge Mathilde, seine Nichte und Tochter des Herzogs und der Herzogin von Sachsen, vermählte er mit Gottfried, dem Sohn Rotrou du Perches, eines der höchsten Adeligen der Normandie.

Ehlers Joachim: Seite 117
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"Heinrich der Löwe"

Anders als die beiden Söhne findet sich Heinrichs des Löwen Tochter Mathilde häufig in Begleitung ihres Großvaters, der sie zu längeren Aufenthalten in die Normandie mitnahm und auch feste Pläne für seine Allianzpolitik verfolgte: 1184 wäre Mathilde mit König Wilhelm von Schottland verheiratet worden, wenn sich Papst Lucius III. nicht geweigert hätte, das Hindernis naher Verwandtschaft durch Dispens zu beseitigen. 1186 warb König Bela III. von Ungarn, wurde aber vom englischen König so lange hingehalten, daß er sich schließlich mit besserem Erfolg um die Schwester König Philipps II. von Frankreich bemühte. Im folgenden Jahr setzte Mathilde mit Gefolge auf drei Schiffen an die normannische Küste über, möglicherweise in der Vorphase eines weiteren Heiratsprojektes. Heinrich II. hatte jedenfalls Gesandte zu König Alfons IX. von Kastilien geschickt, und im Herbst 1187 erschienen zwei Boten aus Spanien, die bis Anfang Februar 1188 in England blieben. Gleichzeitig entstanden erhebliche Kosten für Kleider und Schmuck, Koffer und Kisten, mit denen Mathilde zu einer Spanienreise ausgerüstet wurde. Deren Zweck ist nirgendwo überliefert, so daß entweder ein neues Heiratsprojekt oder ebensogut ein Besuch bei der Königin von Kastilien angenommen werden kann, bei Mathildes Tante Eleonore, einer Tochter Heinrichs II. 1189 heiratete Mathilde schließlich den Grafen Gottfried von Perche, dessen Herrschaftsgebiet im Süden an die Normandie grenzte.

Ahlers Jens: Seite 113,134-137
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"Die Welfen und die englischen Könige 1165-1235."

Demgegenüber rücken die Kinder Heinrichs bei ihrer Ankunft in der Normandie schlagartig ins Blickfeld der Chronisten. Die unmündigen Söhne des Herzogspaares und auch ihre Tochter Richenza, die man in England auf den dort üblichen Namen Mathilde umtaufte [530 Jordan, Heinrich der Löwe und seine Familie, Seite 128f.], wurden aufmerksam beobachtet, gerade so, als habe man ihnen von englischer Seite bereits damals eine besondere Rolle zugedacht.
Nach dem Tod Heinrichs II. schloß sich der Herzog seinem Schwager Richard an, der am 3. September 1189 in Westminster zum neuen König gekrönt wurde. Als ihn die Nachricht vom Tode seiner Gattin Mathilde erreichte, schickte er seinen Sohn Heinrich nach Sachsen voraus und folgte selbst eilig nach Seine Kinder Mathilde, OTTO und Wilhelm ließ der Herzog zurück. Für die jungen WELFEN war England längst zur neuen Heimat geworden. Heinrichs Tochter Mathilde und drei seiner Söhne, die später als Heinrich von Braunschweig, Kaiser OTTO IV. und Wilhelm von Lüneburg bekannt wurden, hatten seit 1182 fast ununterbrochen am Hof der ANGEVINEN gelebt. Nur der zweitälteste Sohn Lothar, war aus nicht überlieferten Gründen nicht mit ins Exil gegangen. Die Tochter des Herzogspaares war bei ihrer Ankunft in der Normandie bereits 10 Jahre alt und heiratsfähig, wie Radulf von Dieto ausdrücklich bemerkt [631 Raduf von Diceto, II, Seite 13; Arnold von Lübeck, I 1, Seite 12 gibt an, Mathilde sei im Jahre 1172, als ihr Vater auf Pilgerfahrt war, zur Welt gekommen.]. Sie hat ihr Geburtsland auch nie wiedergesehen, sondern wurde durch verschiedene Heiratsprojekte vollständig in angevinische Bündnispläne einbezogen [632 Zum Itinerar Mathildes vor ihrer Verheiratung siehe Poole, Die Welfen in der Verbannung, Seite 131,132,137,139-141.]. Eine im Jahre 1184 anvisierte Verbindung mit König Wilhelm von Schottland scheiterte am Einspruch der Kurie wegen zu naher Verwandtschaft [633 Gesta regis Henrici sec. I, Seite 313f., 322; zum Verwandtschaftsgrad siehe die Stammtafel im Anhang.]. Zwei Jahre darauf warb Bela III. von Ungarn um Mathilde, heiratete dann allerdings eine Schwester des französischen Königs, nachdem Heinrich II. die ungarischen Gesandten zu lang hingehalten hatte [634 Ebd., I, Seite 346; der Ehevertrag mit Frankreich kam im August 1184 zustande (Rigord, c. 43, in: CEuvres, ed. H.F. Delaborde, Seite 66).]. Auch ein spanisches Eheprojekt, für das der englische Regent umfangreiche finanzielle Aufwendungen machte, zerschlug sich [635 Poole, Die Welfen in der Verbannung, Seite 140f.]. Schließlich verheiratete Richard Löwenherz seine Nichte nur 14 Tage nach dem Tod seines Vaters mit Gottfried von Perche [636 Gesta reg. Henrici sec., II, Seite 73; Roger von Howden, III, Seite 3.]. Durch diese Allianz sollte der angevinische Einfluß auf eine strategisch wichtige Region, das Einfallstor in die Grafschaft Maine und die südliche Normandie verstärkt werden [637 Gilligham, Richard the Lionheart, Seite 126; schon Gottfrieds Großvater Rotrut war durch eine Ehebündnis mit Mathilde, einer natürlichen Tochter des anglo-normannischen Königs Heinrichs I., an die englische Krone gebunden worden (C. W. Hollister und K. Keefe, The making of the Angevin Empire, Journal of British Studies 12 ,[1973] Seite 5.).].
Am weitesten aber wurde ihre Schwester Mathilde durch die Heiratsprojekte in den Bereich angevinischer Bündnispolitik integriert. Ihre Heirat mit dem Grafen von Perche hat die welfische Hausmacht in keiner Weise gestärkt, sondern allenfalls die englische Position auf dem Kontinent gesichert.
 
 
 
 

    1189
  1. oo Gottfried II. Graf von Perche
                 - um 1203

    1204
  2. oo 2. Enguerrand III. Graf von Coucy
      x       um 1175-   1243
 
 
 
 

Literatur:
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Ahlers Jens: Die Welfen und die englischen Könige 1165-1235. Verlag August Lax Hildesheim 1987 Seite 113,134-137,256 - Appleby John T.: Heinrich II. König von England. Die Zeit des Thomas Becket. Dr. Riederer-Verlag Stutgart 1962 Seite 286,302,315,316 - Barz Paul: Heinrich der Löwe. Ein Welfe bewegt die Geschichte. Keil Verlag Bonn 1978 Seite 331,342 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 22 Seite 45 - Ehlers Joachim: Heinrich der Löwe. Verlag Muster-Schmidt Göttingen- Zürich 1997 Seite 117 - Hechberger Werner: Staufer und Welfen 1125-1190. Zur Verwendung von Theorien in der Geschichtswissenschaft Böhlau Verlag-Köln-Weimar Wien 1996 Seite 122 - Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag 1993 Seite 179,214,217 - Pernoud Regine: Der Abenteurer auf dem Thron. Richard Löwenherz König von England. Diedrichs Verlag München 1994 Seite 76 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 36,234 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 18 - Slavenchronik des Arnold von Lübeck Buch I Kapitel 1 Seite 12 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 31 -