Irmingard                                        Königin von Burgund
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um 990-27.8. nach 1057
 

Tochter des Grafen N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 1087
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Burgund, Königreich

Mit Unterstützung Graf Humberts I. von Savoyen und der Witwe Rudolfs III., Irmgard, konnte sich KONRAD, der am 2. Februar 1033 im ottonisch-rudolfingischen Kloster Payerne (Peterlingen) gewählt und gekrönt wurde, gegen Odo von Blois, der eine große Anhängerschaft im burgundischen weltlichen Adel besaß, behaupten.



Diener, Ernst: Seite 76
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"Könige von Burgund aus dem Hause der Welfen"
in: Genealogisches Handbuch zur Schweizer Geschichte I. Band: Hoher Adel Zürich 1900-1908

14. RUDOLF III., König von Burgund 993-1032
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Sohn Konrads und der Mathilde (Tab. geneal. ex cod. Steynvelt. SS III 215; Flodoardi ann. SS III 966; Hugonis Flavin. chron. SS VIII 364; Chronica Albrici monachi Trium Fontium SS 23,773,782; Annal. Lausann. SS IX 497; Chron. Suevic. univers. SS 13, 69; ignavus regulus: Herm. Contr. 1. c. 121; regulus: Ann. Sangall. maior ed. Henking in St. Galler Mitteil. 19 p. 300; mollis et effeminatus: Annalista Saxo SS VI 669).
Verheiratet mit 1. Agaldrudis 994 I. 12. (Orig. Guelf. II. Probat. p. 154). - 1009 VI. 16. (Archivio storico italiano, IV a seria, X 316).
2. Ermengardis 1011 IV. 24. sponsa (Matile, Monum. hist. de Neuchatel II 1037), 1011 VIII. 25. coniux (Gallia christ. XV INstr. col. 136).
+ VIII. 27. laut ihrer Grabschrift in Vienne: Chorier, Antiquitez de Vienne, Lyon 1659, p. 218 f.; am 25. VIII. nach dem Necrol. von Talloires, (ed. Bresslau, Neues Archiv f. ält. deutsche Geschke. 11, 102) nach 1057 VIII. 24. (Arch. stor. ital. IVa serie II 251). -
Rudolf hinterließ bei seinem Tode 1032 IX. 6 (Annal. Augustani SS III 125; Ann. Ottenbur. SS V 26; Herm. Contract. SS V 121; Moedrn. regum Francor. actus SS IX 384; Ann. Mellic. SS IX 498; Auctarium Zwetlense SS IX 539; Wipo SS 11, 269; Ann. necrol. Fuld. SS 13, 211; Catalogi abbat. s. Eugendi Jurensis SS 13, 745; Ann. Laus. 24, 780; Ann. Sangall. maiores, in St. Galler Mitteil. 19,312; IX. 6.: Grabschrift der Königin Ermengardis, Chorier. 1. c.; IX. 6.: Rodulphus rex pius filius Conradi regis, im Necrol. Laus. MDSR 20, 181; IX. 5.: Necrol. v. Talloires, Neues Archiv f. ält. d. Geschkde. 11, 103) keine rechtmäßigen Kinder (regi Rodulfo ... non erat proles ulla, quae foret regni hers, sagt Rodulfus Glaber SS VII 64; sine liberis: Chron. s. Benigni Divion. SS VII 236; absque liberis: Hugonis Flaviniac. chron. SS VIII 364, 401), nur einen illegitimen Sohn Hugo (s. 23), während Thietmari chron. SS III 845 von filii duo der 2. Gattin, welche privigni des Königs seien, spricht; ebenso Annalista Saxo SS VI 673: Rodolfus Burgundionum rex ... cum uxore sua et privignis. Gisi (s. 8) macht aus ihnen Stiefsöhne Ermengards, Söhne Herzog Rudolfs von Burgund und wahrscheinlich einer Angehörigen des Genfergaus, die angeblichen Stammväter der Häuser RHEINFELDEN und SAVOYEN, die durch eine spätere Heirat Rudolfs mit Ermengard deren Stiefsöhne geworden sein sollen.

Siegel: RODVLFVS PIVS REX (Anz. f. Schw. u. Altkde 1858, p. 49ff. und Tafel V 5).



Irmingard gehörte ihrer Herkunft oder 1. Ehe nach dem provencalischen Grafenhaus an, brachte zwei Söhne mit in die Ehe und wünschte deren Versorgung mit Grafschaften, was die Opposition der weltlichen Großen gegen den König noch weiter verschärfte.
Im Jahre 1033 huldigte die Königin-Witwe Irmgard KONRAD II. und dessem Sohn HEINRICH III. in Zürich.

Schneidmüller Bernd: Seite 94,97-101
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"Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung."

Vom Regierungshandeln durch urkundliche Verfügungen profitierten Rudolfs Gattin, die Königin Irmingard, die Familie der WIGONEN, die mit Humbert und Mallenus zwei Bischöfe von Grenoble stellte, und Empfänger in den welfischen Kernlanden (Lausanne, Romainmotier, Vienne).
Neben den Bischöfen trat in Rudolfs Herrschaft in ganz besonderer Weise seine zweite Gemahlin hervor. Auch das war im damaligen Europa nicht einzigartig. Blieb die Persönlichkeit Agiltruds (erwähnt von 994-1011), der ersten Gemahlin Rudolfs III., noch blaß, so trat seine zweite Gattin um so kräftiger in die Überlieferung und in die Politik ein. Über die Herkunft der Königin Irmingard - vielleicht aus dem provencalischen Grafenhaus - wissen wir wenig. Aus einer ersten Ehe brachte sie zwei Söhne mit, Wilhelm und Hugo. Beide bewegten sich in der Umgebung des burgundischen Hofs. Schon seiner Verlobten stellte Rudolf III. 1011 zwei erstaunliche Urkunden aus. Am 24. April 1011 schenkte er ihr die Stadt Vienne mit der Burg Pipet, die Grafschaften Vienne und Sermorens und allerlei Besitzungen zwischen Vienne und dem Genfer See bis in das Gebiet um Neuenburg. Die ungewöhnliche Übertragung könnte im Zusammenhang mit früheren Verfügungen ottonischer Herrscher zur Ausstattung der Ehefrau mit einem späteren Witwengut gesehen werden, ist aber wegen der Übertragung von Grafschaften und damit von Herrschaftsrechten ungewöhnlich genug. Auch nach der Hochzeit am 28. Juni 1011 wurde Irmingard mit weiteren Schenkungen bedacht. Ein Diplom stellte sie gemeinsam mit dem König aus, in mehreren Konsensakten wird ihr Name genannt, zahlreiche Urkunden stammen von ihr allein. Nach dem Tod ihres Mannes hielt Irmingard bis 1057 seine Erinnerung in frommen Stiftungen wach. Schon zu seinen Lebzeiten kanalisierte sie die Meinungsbildung bei Hof und verwandte sich für die Ausstellung zahlreicher Urkunden, vor allem für Empfänger an der mittleren Rhone. Die Ehe blieb indes, wie bereits Rudolfs erste Verbindung mit Agiltrud, kinderlos. Daß sein Haus im Mannesstamm damit vor dem biologischen Ende stand, könnte Rudolf III. spätestens seit 1016 gewußt haben.
Als im Februar 1011 die erste Gemahlin Agiltrud kinderlos starb und dem WELFEN eine neue Ehe winkte, zu der er sich in "ehelicher Liebe" hinziehen und von den Großen seines Reiches ermahnen ließ, mochte zwischenzeitlich die Hoffnung auf Nachkommen aufkeimen. Doch fünf kinderlose Jahre später nötigte eine Streit um die Einsetzung des Erzbischofs von Besancon mit dem expandierenden Grafen Otto-Wilhelm von Burgund den König zu einem Herrschertreffen mit HEINRICH II. in Straßburg. Es ist gewiß kein Zufall, daß Königin Irmingard gerade dort Güterschenkungen ihres Gatten erhielt und ihre Söhne aus erster Ehe dem Schutz Kaiser HEINRICHS II. unterstellte, denn hier wurde in einem Freundschaftbündnis der Könige die Zukunft der Familie wie des Königreichs verabredet.

Weinfurter, Stefan: Seite 221
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"Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten."

Bei einem weiteren Treffen in Straßburg im Mai 1016 wurde dieses Lehns- und Schutzverhältnis bestätigt. Hier war auch König Rudolfs Gemahlin, Irmingard, anwesend, die ihre beiden Söhne aus erster Ehe dem Schutz des Kaisers anvertraute. Ihnen, seinen "geliebten Vasallen" (dilectus sibi militibus), übertrug der Kaiser bei dieser Gelegenheit die Lehen des Grafen Otto-Wilhelm von Burgund (gestorben 1027). Nun sollten Irmingards Söhne mithelfen, ihn mit vereinten Kräften niederzuringen. Doch es war, wie sich rasch herausstellte, ein vergebliches Unterfangen, das der Kaiser schon nach kurzer Zeit "mit Betrübnis" abbrach.

Erkens Franz-Reiner: Seite 162
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"Konrad II. Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers"

KONRAD jedenfalls floh den Unbilden der Natur und zog sich ins (damals) schwäbische Zürich zurück, wo er die Königin-Witwe Ermengard empfing und die Huldigung weiterer burgundsicher Großer entgegennahm.

Trillmich Werner: Seite 283,288
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Am 6.9.1032 verstarb Rudolf III. im Alter von etwa 60 Jahren, Burgunds letzter König aus welfischem Hause. Sein Bastardsohn, Bischof Hugo (1018-1037), bestattete den Vater in der Kathedrale von Lausanne zur letzten Ruhe. Dann sorgte er als Graf des Waadtlandes zusammen mit der Königin-Witwe, der etwa 40-jährigen Ermengard, für die vertragsmäßig ereinbarte Übergabe der Krone und Mauritiuslanze an Kaiser KONRAD. Für die ständige Bindung an Deutschland trat außer Ermengard und ihrem Vogt Humbert, dem Grafen von Aosta, Maurienne, Savoyen und Belley, wohl noch der im Graisivaudun begüterte Graf Wigo ein, der Rudolf zur Kaiserkrönung nach Rom begleitet hatte.
Währenddessen fanden sich kaisertreue Burgunder aus Gauen südlich vom Genfer See in der Pfalz Zürich ein, an ihrer Spitze die Königin-Witwe Ermenagrd und Humbert von Savoyen, mächtigere und wichtigere Herrschaften als in Payerne zusammengekommen waren. Da ihnen die Straßen nach Norden versperrt waren, hatten sie mitten im Winter den Mont Cenis überschritten und einen mühsamen Umweg über Turin, Chiavenna, Graubündener Pässe und Walensee auf sich genommen. Ihre unerwartete Huldigung vervollständigte den vorausgegangenen Wahlakt in willkommener Weise.
 
 
 
 

  1. oo N.N.
                 -

  25.8.1011
  2. oo 2. Rudolf III. König von Burgund
      x      966-6.9.1032
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Hugo
        -

  Wilhelm
        -
 
 
 

Literatur:
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Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 69 - Erkens Franz-Reiner: Konrad II. Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1998 Seite 162 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 301 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 434 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 94, 97-101- Thietmar von Merseburg: Chronik. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Seite 382,384,446 - Trillmich Werner: Kaiser Konrad II. und seine Zeit. Europa Union Verlag Bonn 1991 Seite 283,288 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1999, Seite 221 - Wolfram Herwig: Kaiser Konrad II. Kaiser dreier Reiche. Verlag C.H. Beck München 2000 -