"Geschichte Thüringens" 1967
In Innerthüringen behaupteten die Grafen von Weimar
den Vorrang. Der seit 949 auftretende Wilhelm I. hatte Grafenrechte
im Altgau und im Gau Husitin zwischen Weimar, Apolda und Jena, aber auch
im Helmegau. Erst der seit 963 bezeugte Wilhelm II. wird von Thietmar
von Merseburg zum Jahre 984 mit Weimar in Verbindung gebracht. Der namengebende
Sitz des Geschlechts dürfte die an der Stelle des Schlosses gelegene
Altenburg gewesen sein. Wilhelm I. wird zusammen mit dem im Hochseegau
gebietenden Dadanus als Inhaber der potestas prefechtoria bezeichnet, er
besaß also eine Art markgräflicher Gewalt. Im zweiten der beiden
Aufstände gegen
OTTO DEN GROSSEN,
die beide ihren Ausgang in Saalfeld nahmen, stellten sich Dedi (von Wettin)
und Wilhelm von Weimar gegen den König. Auf den ersten Weimarer
Grafen folgte 963 Wilhelm II., wohl sein Sohn. Dieser, den Thietmar
als "den damals mächtigsten der Thüringer" bezeichnete,
erkannte gemeinsam mit den thüringischen Großen im Jahre 1002
Heinrich
von Bayern
als König an, der bei dieser Gelegenheit den
Thüringern den Schweinezins erließ. Die Belagerung Wilhelms
II. von Weimar durch Ekkehards I. Sohn Hermann deutet auf Rivalität
der beiden mächtigen, benachbarten Geschlechter.
Wilhelm III. (1009-1039)
besaß Grafenrechte im Eichsfeld; er wird als Thuringorum pretor bezeichnet.
Nach dem Tode Ekkehards II. gab Kaiser
HEINRICH III. offenbar nur einen Teil der Mark an Wilhelm
IV., Markgrafen von Meißen aus dem Hause WEIMAR, heraus.
Als dieser auf der Reise nach Ungarn, wo er Belas
Tochter
Sophie
als Braut Ulrichs I. heimholen wollte, starb, ging die
Mark auf seinen Bruder Otto von Weimar über; er besaß
1062 die Kirche St. Pankratius in Orlamünde. Burg und Kirche Orlamünde,
zu der 22 Dörfer - bis auf zwei links der Saale gelegen - gehörten,
könnten schon in der Zeit des Markgrafen Poppo am Ende des 9. Jahrhunderts
angelegt worden sein.