Das Jahr 977.
Heinrich mit dem Zunamen der Jüngere [3 Dieser
Zuname kommt nicht ihm, sondern dem Herzoge Heinrich von Kärnten zu,
dem Sohne des Herzogs Berthold von Baiern.], welcher später Markgraf
in Baiern war [4 Im Nordgau, später von Schweinfurt gennant.
Berthold war ein Bruder des ersten Markgrafen Liupold von Österreich.],
hatte folgende Abstammung. Nachdem Lothar der Aeltere, Graf von
Walbike, wie oben gesagt ist [5 Zum Jahre 943 nach Thietmar.],
den Kaiser Otto zu tödten versucht
hatte, war er gefangen, nach Baiern geschickt und dem Grafen Berthold übergeben
worden; als ihn dann der Kaiser wieder zu Gnaden angenommen hatte, gab
er demselben Bertold seine Tochter Eila zur Gattin, welche demselben
diesen Heinrich gebar. -
Dem Kaiser Otto und
der Kaiserin Theophanu wurde eine Tochter
geboren, welche er mit dem Namen seiner kaiserlichen Mutter bezeichnete.
Das Jahr 979.
Athela, die Tochter [des hingerichteten Grafen
Gero von Alesleve], heirathete Sigefrid, den Sohn des Grafen
Heinrich von Stathen, welcher mit ihr den Grafen Liutger und
die Aebtissinnen von Alesleve, Irmingard und Berta
zeugte. Die Gräfin Athela selbst übertrug Land an die Magdaburger
Kirche, um den Kopf ihres Vaters auszulösen. Dazu gab sie den beiden
Klöstern, welche sich in Alesleve und Hersevelden befinden, das Gut,
das in Trebenezi ist.
Das Jahr 983.
[Der Kaiser hielt in Verona einen Reichstag und Heinrich
der Jüngere, Bertolds Sohn, wurde von der Verbannung befreit
und zum Herzoge von Baiern eingesetzt [1 Aus Thietmar III, 12.],]
während Heinrich, des Kaisers
Vetter, noch in Gefangenschaft blieb. [Des Kaisers Sohn Otto
III wird von allen zum Herrn erwählt.] Nachdem nun auch
der Reichstag und die Zusammenkunft mit den Sachsen, Sueven, Lothariern,
Baiern und Italienern und die Begegnung mit anderen durch Abstammung, Sprache
und Kleidung sehr verschiedenen Völkern zu Verona ruhmreichst abgehalten
worden, kehrt derselbe erhabene Kaiser nach Rom zurück und setzte
mit geziemender Ehre einen Herrn Papst über die römische Kirche
[2 Johann XIV. Vgl. die Magdeburger Jahrbücher.]. - Der
Paderborner Bischof Folkmar starb.
Dedo [3 Vgl. unten 1009,1070,1103.], der Sohn
Teoderichs, eines Mannes von besonderer Freiheit [4 egregie
libertatis, das heißt der keines Anderen Lehnesmann ist. Vgl.
unten zu 1126.], hatte einen Bruder Friderich, einen sehr klugen Menschen.
- Seine Nachkommen waren unter den Fürsten Sachsens, wie im Einzelnen
später erzählt werden soll, edle Blüthen. Jetzt wollen wir
zu unserer Aufgabe zurückkehren. -
Wegen der Zerstörung der Kirchen in Brandenburg
und Havelberg verlor der Herzog und Markgraf Teoderich, welcher der Vertheidiger
jener Gebiete war, seine Würde und Lothar von Waldbike empfing
vom Kaiser die Mark [5 Ebenso bemerkt der Autor zu 998: "Das ist
der Luthar, welcher dem Herzoge und Markgrafen Theoderich folgte,
als er seine Würde verlor, nachdem die Slaven die Kirchen in Brandenburg
und Havelberg zerstört hatten und ins Heidentum wieder zurückgefallen
waren." Vgl. auch zum Jahr 1010.]. [Als der Kaiser nach Rom gekommen war,
während seine ehrwürdige Mutter in der Stadt Papia zurückblieb,
wird er schwer krank und wie er sein Ende nahen fühlte, theilte er
all sein Geld in vier Theile, einen für die Kirchen, den zweiten für
die Armen,
den dritten [1 Aus Thietmar III, 14.]] für
seine Mutter und seine einzige Schwester zum Beweise der Liebe, welche
er ihnen schuldete, den vierten für die Ritter, welche Leben und Heimat
der Liebe zu ihm und dem Gehorsam nachgesetzt hatten [2 Vgl. die
Magdeburger Jahrbücher.].
Als diesen [Otto II]
sein Oheim, der Kölner Erzbischof Bruno,
welcher ihn von der ersten Kindheit an erzog, mit großer Strenge
im Zaume hielt, hat der Knabe etwas gar nicht Knabenhaftes vollführt.
Denn während der Bischof in einer Nacht die nächtlichen Horen
hielt, legte jener einen in der Stadt gestorbenen Knaben in sein eigenes
Bett und bedeckte ihn mit seinem eigenen Kleide, als sei er selbst gestorben;
dann ging er fort und machte sich aus dem Staube. Wie nun der Bischof bei
der Rückkehr nach dem Bette seines Neffen sah und den Leichnam fand,
glaubte er, daß jener heimgegangen sei,
und verfiel vor übergroßem Schmerze in Hüftweh.
Inzwischen kommt der Knabe, den Alle beweinten, lebendig herbei und antwortete
auf die Frage des Bischofs, warum er ihn so getäuscht habe:
"Nicht besser konnte ich mich für die zu große Schmach der Schläge
rächen."[3 Dieselbe Erzählung findet sich, aber mit der
irrigen Beziehung auf Otto III., in
den Pöhlder Jahrbüchern zum Jahr 983.]
Das Jahr 998.
[Gräfin Kunigund, die Gemahlin Sigefrids
von Waldbike, starb am 13. Juli in der Stadt Germersleve.] Diese war
die Schwester Heinrichs, Sigefrids und Udos, welche
im Kampfe gegen die Seeräuber besiegt worden waren [4 Seeräuber
sind Normannen. Siehe Quedlinburger Jahrbücher 994.]. Sie gebar ihrem
Manne fünf Söhne: Thietmar, Sigefrid, Bruno,
Heinrich und Friderich, von denen drei Bischöfe wurden;
Heinrich erhielt die Grafschaft des Vaters, Friderich verwaltete
die Burggrafschaft in Magdaburg [5 Mit denselben Worten in
den Magdeburger Jahrbüchern zu 968. Vgl. unten 1049.].
Das Jahr 1009.
[Der heilige Bruno, auch Bonifacius genannt, Erzbischof
der Heiden, zuerst Canonicus von Sankt Mauricius in Magdaburh, ging am
14. Februar als berühmter Märtyrer zum Himmel ein.] Sein Vater
hieß Bruno, die Mutter Ida und sein Bruder Gebehard. Gebehard
zeugte Burchard und Ida, Burchard
zeugte Gebehard, des Magadaburger Erzbischofs Konrad
[3 1134-1142 Vgl. unten 1040.] Vater. Ida [4
Ihr Mann hieß Lothar.] gebar Gebehard,
den Vater des Kaisers Lothar [5
1125-1137. Dieselbe Stelle findet sich nochmals zum Jahr 1106 und in
den Magdeburger Jahrbüchern zum Jahr 1009.]. Also war der selige Märtyrer
Bruno von erlauchtem Geschlechte entstammt, aber durch Gottes Erbarmen
vor seinen übrigen Verwandten unter den Kindern Gottes ausgezeichnet.
-
Der Vater [des Grafen Dedo vom Stamme Butzieci], Namens
Theoderich, lebte zur Zeit Ottos I als
ein Mann von besonderer Freiheit und er zeugte diese Brüder, die Grafen
Dedo und Friderich [1 Vgl. zum Jahr 983.]. Dedo diente von Kindheit
an dem Markgrafen Ricdag und seinem Sohne Karl. -
[Viele Brände entstanden, so daß in einem
Flecken selbst Menschen im Feuer umkamen. Auch das Mainzer Münster,]
welches vom Erzbischof Willigis mit dem größten Streben nach
Pracht zur Ehre des heiligen Martin erbaut war, [wird mit allen dazu gehörigen
Baulichkeiten, so daß allein die alte Kirche
übrig blieb, elendiglich vom Feuer verzehrt] am
30. August [2 Die Quedlinburger Jahrbücher, aus welchem diese
Nachricht genommen ist, haben den richtigen Tag: 29. August.] im achten
Jahre des Königthums Heinrichs II.
[Donner und Blitzen geschah oft in der Zeit des Winters.] Unter demselben
Heinrich soll die Stadt Goslar in folgender
Weise gegründet worden sein [3 Die Gründung ist oben schon
bei dem Jahr 922, also unter Heinrich I.
erwähnt.]. Heinrich II pflegte
die Gegend häufig der Jagd wegen zu besuchen, denn sie war waldreich
und ausgezeichnet durch die Jagd auf Bären, Hirsche und Rehe. An demselben
Orte lebte ein armer Mann, ein Bauer, Namens Gundelkarl, und in seine Hütte
pflegte der König nach der Jagd einzutreten und jener ihm in der Hoffnung
größeren Lohns Heerd und Tisch zuzurüsten, die Speisen
zu kochen und nach der Arbeit ihm darzubringen. Denn in solchem Falle verschmähen
auch die Könige nicht den Dienst der Knechte und Bauersleute. Als
er nun, da er dies oft that, sein bischen Vermögen ausgegeben
hatte, erinnerte er den König daran, daß er seines Dienstes
gedenken und ihm etwas zuwenden möge, womit er sein armes Leben
erhalten könne, doch so viel als der königlichen Freigebigkeit
gezieme. Da sagte der König: "Du wirst für deinen Dienst Lohn
bekommen, wenn es mir gelegen sein wird." Aber, wie es so geht, die Erinnerung
an den Armen verschwand sehr schnell aus dem Herzen des Mächtigen.
Als der König darnach wiederum in diese Gegend kam, trat er nach seiner
Gewohnheit in das Haus des Bauers und der wandte für ihn den aufgespeicherten
Unterhalt eines ganzen Jahres auf. Weil er dies nun öfters gethan
und nichts von ihm bekommen hatte, warf er sich eines Tags dem Könige
zu Füßen und bat, ihm etwas Lohn zu gewähren. Dieser gab
ihm die Erlaubniß zu bitten, was er wollte. Der Bauer sagte, er wolle
nichts anderes, als daß ihm der benachbarte Berg, welcher Rammesberch
heißt, zu Lehen gegeben würde. Da hieß der sehr gnädige
König ihn um etwas bitten, was ihm mehr nütze, aber jener blieb
dabei, daß er nichts anderes wolle, da er vielleicht recht gut wußte,
welchen Nutzen jener Berg ihm bringen konnte. Endlich verlieh ihm der König,
durch das Drängen des Mannes besiegt, den Berg, sagte jedoch, er hätte
gewünscht, jener möchte um etwas Nützlicheres gebeten haben.
Ohne Verzug ging der genannte Mann nach Franconien, denn er war selbst
ein Franke, brachte mehrere Stammesgenossen mit und begann den Ort Goslar
zu bauen, und fand daselbst zuerst Erzadern mit Silber, Kupfer und Blei.
Was soll ich mich noch bei vielem aufhalten? Jener Mann wurde mit
den Seinen übermäßig reich und viele Menschen begannen
sich in der Gegend anzusiedeln und ihre Sachen zum Verkauf dorthin zu bringen.
Auf diese Weise entstand der so sehr berühmte Markt. Wie es aber zu
geschehen pflegt, mit dem Reichthum wuchs jenen auch ihr Uebermuth und
sie verachteten die von allen Seiten Hinzukommenden und thaten diesen viel
Unrecht. Das wurde den Fürsten Sachsens gemeldet. Diese lassen ihnen
durch Boten sagen: wenn sie ein friedliches und ruhiges Leben führen
wollten, sollten sie aufhören, die dorthin Kommenden ungerechter Weise
zu belästigen. Da sie aber auf ihren Reichthum zu sehr vertrauten,
thaten sie, wie sie es gewohnt waren, den Ankommenden Schimpf an. Darüber
waren die Fürsten Sachsens erzürnt, schickten ihre Leute dorthin
und tödteten ihrer Viele; andere sind kaum den Händen der Wüthenden
entgangen. So fiel jener Platz, der früher von Fremden bewohnt war,
den Sachsen zu. Daß es also zugegangen, habe ich von denen, die damals
lebten, gehört; ob es aber feststeht oder ob das Gegentheil der Fall
ist, weiß ich nicht sicher. Denn man sagt auch, daß der Berg
von den ersten Einwohnern jener Gegend Frankenesberch genannt worden sei.
Das Jahr 1032.
[Sigefrid, Bischof der Mimigardevorder Kirche
[1 Münster.]], der Sohn des Grafen Sigefrid von Waldbike
und der Judith, der Tochter Heinrichs des Kahlen von Stadhen,
[ist am 27. November gestorben]. Seine Brüder waren die Bischöfe
Thietmar von Mersburg und Bruno von Farden [2 Verden.]
und Graf Heinrich und der Magdaburger Burggraf Friderich.
[Ihm folgte im Bisthum Herimann, Probst von Köln [3 Aus den
Hildesheimer Jahrbüchern.].]
Das Jahr 1049.
Der Magadaburger Erzbischof Hunfrid weihte am 15. Juli
die Krypta der Hauptkirche zur Ehre der heiligen Maria, des heiligen Evangelisten
Johannes und des heiligen Kilian und seiner Gefährten, wobei ihn seine
Mitbrüder Bischof Godescalc [3 von Havelberg.] und Bischof
Hunold von Mersburg unterstützten.
Der Bischof Bruno von Farden [4 Verden.],
Sohn des Grafen Sigefrid von Waldbike und der Gräfin
Juditha, der Tochter Heinrichs des Kahlen von Stadhen, ein
Bruder des Magadaburger Grafen Friderich [1 Vgl. oben 998,
wo jedoch die Mutter Kunigunde genannt wird.], schied aus dem Leben
und ihm folgte Sigibert. Sein Bruder Friderich aber zeugte mit der
Gräfin Thietberga den Magedaburger Grafen Konrad. Als Friderich
todt war, nahm seine Witwe Thietberga ein Edler von den Ersten
der Hessen zur Ehe und sie gebar ihm den Meinfrid, welcher seinem
genannten Bruder Konrad in der Grafschaft nachfolgte, da dieser
keinen Sohn hatte. Der erwähnte Konrad hatte aber eine Frau
aus Baiern heimgeführt, Namens Adelheid, welche ihm eine Tochter
Namens Machtild gebar, welche Graf Theoderich von Plozeke
[2 Vgl. 1117, 1118.] heirathete, und er bekam mit ihr das ganze
Erbgut desselben und zeugte mit ihr Konrad, den Grafen Hilprich und zwei
Töchter, Irmingard und Adelheid. Konrad ist, wie man sagt, als reiner
Junggesell gestorben [3 Vgl. 1133.], und sein Bruder Hilprich
führte die Witwe des Grafen Theoderich von Katalenburg, Adela [4
Siehe 1103.], heim, welche ihm zwei Söhne gebar, den Grafen Bernhard
und den Markgrafen Konrad. Hilprichs Schwester Adelheid nahm Graf Otto
von Regensburg zur Frau. Die andere, Irmingard, heirathete den Markgrafen
Udo [5 von Stade.], und die ganze Erbschaft ihres Großvaters,
des Grafen Konrad, fiel ihm zu, und sie gebar ihm den Markgrafen
Heinrich und zwei Töchter. Des oben genannten Sigefrid von Waldbike
Tochter, Namens Oda, nahm aber ein Vornehmer Namens Gozwin von
Valkenberg und sie gebar ihm die Grafen Gerhard und Gozwin. Graf Gerhard
führte die Markgräfin Irmingard heim, des Markgrafen Udo Witwe;
diese beiden aber hatte sie ungesetzlich geheirathet, da sie beider blutsverwandte
Nichte war.
Das Jahr 1118.
Die Fürsten Sachsens belagern die sehr feste Burg
Kusese [3 Kyffhausen.], welche unter Friderich dem jüngern
von Sumersenburg [4 Irrig für Putelendorf.], dem Sohne des
Pfalzgrafen Friderich, stand, weil er die umliegende Gegend mit Plünderungen
und vielen Unbequemlichkeiten belästigte. Ermüdet durch die große
Arbeit der langen Belagerung nehmen sie es endlich ein. Der Havelberger
Bischof Bernhard starb und ihm folgte Hemmo. Priester Bernhard, ein Einsiedler
vom Sankt Michaelsstein, starb in Christo. Ferner starb Graf Helprich von
Ploceke [5 Vgl. Magdeburger Jahrbücher. - Das Folgende steht
ziemlich wörtlich schon zum Jahr 1049.]. Sein Vater Theoderich, Sohn
des Grafen Bernhard und der Irmingardis, welche aus Baiern war, heirathete
Machtild, des Magedaburger Grafen Konrad Tochter, mit der
er zwei Söhne Konrad und diesen Heinrich und zwei Töchter Irmingardis
und Adelheid zeugte; von diesen heirathete Irmingardis den Markgrafen Udo
und die ganze Erbschaft ihres Großvaters Konrad, des Magedaburger
Grafen, fiel ihr zu. Adelheid nahm der Regensburger Graf Otto zur Frau.
Konrad ist, wie man sagt, als reiner Junggesell gestorben [6 Siehe
inten 1133.] und sein Bruder Helprich führte die Witwe des Grafen
Theoderich von Katelenburg Namens Adela heim, welche ihm zwei Söhne
gebar, Bernhard und den Markgrafen Konrad, mit welchem eine Tochter des
Herzogs der Polanen verlobt wurde. Sein Bruder Bernhard nahm eine Frau
aus Baiern und beide starben kinderlos. Ferner starb in diesem Jahre der
Magedaburger Graf Heremann, für welchen Wikbert zum Grafen erwählt
wurde. In ganz Europa war große Wassersnoth.