Tochter des Grafen Wilhelm von Tenda
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1741
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Beatrice (Beatrice di Tenda), Herzogin von Mailand
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+ 13./14. September 1418
Die lange vertretene Auffassung, nach der Beatriceder
Familie LASCARIS (Tochter des Pietro Balbo, Signore von Tanda,
oder eines seiner Verwandten) angehörte, ist höchstwahrscheinlich
zu modifizieren. Es ist vielmehr anzunehmen, dass sie die Tochter des Ruggiero
Cane war, eines Condottiere, der mit John Hawkwood und Bernabo
Visconti in Verbindung stand. Beatriceheiratete
zwischen 1395 und 1398 den Condottiere Facino Cane, mit dem sie
möglicherweise, über ihren Vater, verwandt war. Nach dem Tod
ihres Mannes (26. Mai 1412) ehelichte sie - vielleicht bereits 40-jährig
- den neuen, damals 20-jährigen Herzog
Filippo Maria Visconti (Juni 1412). Diese Heirat ermöglichte
es Beatrice,
die ihr von ihrem Gatten hinterlassenen Güter zu behalten; der VISCONTI
seinerseits
konnte über die Truppen verfügen, die bereits im Dienste des
Facino
Cane standen (darunter jene des Carmagnola), um seine Herrschaft zurückzugewinnen;
dazu kam die hohe Mitgift der Braut (400.000 Dukaten) und die Signorie
über einige Städte, dieBeatrice
gehörten. Dem Urteil ihrer Zeitgenossen nach war
Beatriceliebenswürdig, geistvoll
und tüchtig. Ihr erster Mann, der sie schätzte, beteiligte
sie an seinen politischen Entscheidungen. Eine Zeitlang übte sie auch
auf ihren zweiten Gatten, der ihr anfangs zahlreiche Städte, Besitzungen
und Burgen unmittelbar unterstellte, Einfluß aus. Beider Beziehungen
verschlechterten sich jedoch 1418, wie aus den oft widersprüchlichen
zeitgenössischen Quellen hervorgeht; auf dem Höhepunkt der Krise
wurde Beatrice unter der Anklage
des Ehebruchs mit Michele Orombelli verhaftet und in der Burg Binasco
enthauptet. Die näheren Umstände liegen im Dunkeln. Einige
Historiker sind der Ansicht, dass sich hinter der Anklage des Ehebruchs
die Beschuldigung verbarg, Beatrice
habe heimlich Verhandlungen mit einem Gesandten König
SIGISMUNDS im Zusammenhang mit der Bestätigung des
Herzogtitels für den
VISCONTI geführt. Ihre Persönlichkeit
und ihr geheimnisvoller Tod faszinierten zahlreiche Künstler und Dichter
des frühen 19. Jahrhunderts, die Beatrice
zur Heldin ihrer Werke machten.
PHILIPP MARIA
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* 1392, + 1447
1. oo BEATRIX LASKARIS-DI VENTIMIGLIA
+ 1418
Tochter des Grafen Wilhelm von Tenda, Witwe des mailändischen Regenten Graf Facine Cane von Biandrate (+ 1412)
Beatrice war wesentlich
älter, habgierig, intrigant und eitel; Filippo Maria
ließ sie 1418 wegen angeblichen Ehebruchs hinrichten
und viele ihrer Anhänger aus Rache für erlittene Unbill unter
ihren ersten Mann grausam liquidieren.
8. KAPITEL
Ohne alle Hoffnung und ohne einen Ausweg zu wissen, nahm Filippo auf den Rat seiner Freunde Beatrice [de Tenda], Facinos Witwe, zur Gattin, obwohl sie hinsichtlich des Alters von ihm verschieden und infolge des Geschlechtes ihrer Vorfahren seiner Erlauchtheit nicht ebenbürtig war. Mit Hilfe ihres Vermögens [3 Beatrice brachte nach Corio ihrem neuen Gatten 400.000 Dukaten und sämtliche Schlösser und Städte Facinos. Dafür war sie aber schon über 40 Jahre alt, Filippo Maria dagegen nur zwanzig.] erwarb er sich nicht bloß Pavia, sondern auch Tortona, Alessandria, Novara und andere Städte.
38. KAPITEL
Nach der Ermordung seines Bruders, als er in völliger
Not an sein Fortkommen zweifeln mußte, ehelichte er auf den Rat seiner
Freunde Beatrice, die Witwe Facinos. Stifter dieser Ehe war
vor allem der Erzbischof Bartolomeo della Capra von Mailand und Filippos
Absicht war dabei, mit Beatrice nicht nur Facinos Truppen,
sondern auch die von ihm eroberten Städte zu gewinnen.
Als nun Facino in der Burg von Pavia einer langwierigen
Krankheit erlag, machte sich Filippo die Gunst der Zeiten zunutze und nahm
Beatrice zur Gattin. Im ersten Kriege mit Venedig sah er sich dann
durch eine neue Notlage gezwungen, Maria,
die Tochter des Herzogs von Savoyen, zu heiraten. Keine dieser Frauen schenkte
ihm Kinder.
39. KAPITEL
Seine Gattin Beatrice, die von Natur etwas habgierig
und geizig war, ertrug er einige Zeit mit geduld; er führte sogar
gemeinsames Schlafgemach mit ihr, saß gern Speisen, die sie selbst
bereitete und ließ sie als Genossin seines Tisches zu, sozusagen
als Truchsessin. Bald aber ließ er sie, als des Ehebruchs
überwiesen, nach einem durch die Folter erreichten Geständnisses
köpfen [2 Beatrice wurde im September 1418 hingerichtet. Ihre
Schuld ist nicht weniger als bewiesen; ein gewisser Michele Orembelli,
ihr angeblicher Komplice, gestand zwar auf der Folter und nach Corli soll
auch Beatrice in derselben Lage bekannt, nachher aber vor ihrem
Beichtvater wieder alles gelehnt haben.].
1395
1. oo Facine Cane, Graf von Biandrate
-26.5.1412
1412
2. oo 1. Filippo Maria Herzog von Mailand
x
1391-13.8.1447
Literatur:
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Decembrio, Piercandido: Leben des Filippo Maria
Visconti und Taten des Francesco Sforza. Verlag Eugen Diederichs Jena Seite
6,23 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln
zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-,
Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 442 -