Dieses bedeutende Haus erhielt seinen Namen von der modernen
Forschung von einem Großen am Hofe KARLS,
Unrocus,
Unruocus
[1 Annales regni Francorum, a.a. 811, hrsg. von F.
Kurze, MG SS. rer. Germ. 1895, S. 134, nennen an der Spitze der fränkischen
Großen, die den Vertrag mit den Dänen an der Eider schließen:
Waldach
comes filius Bernhardi, Burchardus comes, Unrocus comes... In
Einhards Vita Karoli c.33 ist das Testament KARLS
DES GROSSEN überliefert. Unter den Grafen, die bezeugten,
stehen an vorderster Stelle: Walah, Meginheri, Otulfus, Stephanus, Unruocus,
Burchardus ... (hrsg. von O. Holder-Egger, MG. SS. rer. Germ., 1911, Seite
41; hrsg. von L. Halphen, Eginhard, Vie de Charlemagne, 3. Aufl. Paris
1947, Seite 100)]. Sein Sohn Eberhard, dux von Friaul und Schwiegersohn
LUDWIGS
DES FROMMEN, ist der VaterBERENGARS
I., der vom marchio KARLS III.
für
das regnum Italiae zum König von Italien und Kaiser
aufstieg [2 Vgl. P. Hirsch, Die Erhebung Berengars I. von Friaul
zum König von Italien, Dissertation Straßburg 1910, mit ausführlicher
Einleitung zum Hause der UNRUOCHINGER. Vgl. dazu ferner E. Favre,
La famillie d'Evrard, marquis de Frioul, dans le royaume france de l'Ouest
(in: Etudes d'histoire du Moyen
Age dedieces a G. Monod, Paris 1896), und Ph. Grierson,
La famille d'Evrar de Frioul (Revue du Nord 24, 1938), Seite 241-266. Zuletzt
Artikel "Eberhard von Friaul" in: E. Hlwitschka, Franken, Alemannen, Baiern
und Burgunder in Oberitalien (774-962), Freiburg 1960, Seite 169-172, der
Unroch
irreführend den "Ahn" Eberhards nennt; vgl. demgegenüber
E. Dümmler (wie unten Anm. 8) 1,2. Auflage, Leipzig 1887, Seite 119.].
Neuerdings hat Gerd Tellenbach Erkenntnisse beigesteuert, durch die neues
Licht auf alemannisch-italienische Besitzungen und Ämter des weitverzweigten
Hauses fiel. Zugleich wurde das gesicherte Namengut des Geschlechts vermehrt
um den Namen Haltcherius/Alcherius/Alpicharius/Albgar [3 G.
Tellenbach, Der großfränkische Adel und die Regierung Italiens
in der Blütezeit des Karolingerreiches (in: Studien und Vorarbeiten
zur Geschichte des großfränkischen und frühdeutschen Adels,
Freiburg 1957, Seite 40ff.), Seite 57ff. In einer dort Seite 58 zitierten
Urkunde wird Alcherius/Haltcherius genannt et Alamannorum
genere. Das führt Hlawitschka (wie Anm. 2), Seite 121, zu der
irrigen Auffassung, Alcherius und sein im Linzgau nachweisbarere
Vater Autcherius/Audachar müßten "Alemannen" sein und
könnten schon darum nicht im Mannesstamm mit den fränkischen
UNRUOCHINGERN
verwandt sein. Wesentlich vorsichtiger meint Tellenbach, Seite 60: "Trotzdem
soll nicht behauptet werden, daß die UNRUOCHINGER alemannischer
Herkunft sein müßten und ihre bedeutenden flämischen und
nordfranzösischen Besitzungen erst Eberhards Heirat mit der
karolingischen
Prinzessin verdankten." Die folgenden Ausführungen werden zeigen,
was von der "alemannischen" Herkunft des Alcherius zu halten ist,
und damit erneut unterstreichen, daß solche Angaben keine Volkstumsbezeichnungen
sind, sondern die Herkunft im Sinne des Tätigkeitsfeldes des betreffenden
Großen bzw. seines Vaters angeben.], dessen Wurzel Adalcharius
ist. Wenn jener Altchar,
Unruochi nepos, karolingischer
dux
in Kärnten war, einem Gebiet, das bis 829 zur Mark Friaul gehört,
das heißt ihrem Befehlshaber unterstellt war, dann wird wieder einmal
greifbar, wie gut "vorbereitet" durch Verwandtschaft die Ernennung Eberhards,
des Unruoch-Sohnes, zum dux und Markgraf in Friaul gewesen ist.
Es handelt sich hier eben um eine jener Familien, aus denen man die duces
und Markpräfekten des Reiches entnahm: So war Unruochs Sohn
Berengar, der Bruder Eberhards,
dux
und Präfekt
in der gotisch-spanischen Mark [4 Berengarbegegnet zu 819 in
den Reichsannalen als Graf von Toulouse, verband aber später mit diesem
alten und wichtigen Dukat den von Septimanien/Narbonne, vgl. J. Dhondt,
Etudes sur la naissance des principautes territoriales en France, IX-X
siecle, Brügge, 1948, Seite 176f. Und zwar erhielt er letzteren, als
Bernhard von Septimanien beim Kaiser in Ungnade fiel. Als Bernhard dann
seines honores wiedererhielt, verweigerte Berengar
die Herausgabe
Septimaniens und fiel im Kampf gegen Bernhard 837, vgl. Dhondt Seite
182f.].
Tellenbachs wichtiger Hinweis ermöglicht es uns,
einige Schritte weiter in der Kenntnis der Verflechtungen des UNRUOCHINGER-Hauses
zu gelangen. Anzuknüpfen ist an den Umstand, daß sowohl der
Vater als auch der Bruder jenes Alcherius/Adalchar Audachar (Audachar
= Otger, Odakar) hieß. Von hier aus ergibt sich die Assoziation
des großen dux Audachar, der der Witwe von KARLS
Bruder
Karlmann
771 die Treue hielt [5 Tellenbach (wie Anm. 3) Seite 59 zu Vater
und Bruder von Alcherius. Der dux Audachar, den die Überlieferung
mit Saint-Faron bei Meaux in Verbindung bringt und der in der Sage als
Ogier le Danois weiterlebt, hatte Weta, die Schwester von Pippins
Schwiegervater
Charibert von Laon, also eine Großtante
KARLS
DES GROSSEN und Karlmanns,
zur Frau, vgl. E. Ewig, Trier im Merowingerreich, Trier 1954, Seite 138
Anm. 156, der diesen wichtigen Nachweis aus einer von Beyer, Mittelrheinisches
Urkundenbuch 1, Coblenz 1860, Nr. 14, verkannten Form aut Carius (statt
Autcarius)
für den Gemahl der Weta führt. Zu Charibert begegnet aber
auch der Verwandtenname Bernarius (Berengar), vgl. Exkurs 2, Anm.
28.], aber auch die Nähe jener Odacher/Adalbert-Gruppe der
"Mainzer Großen", von denen schon die Rede war [6 Dazu Schmid
Seite 129f. (Die Gründung des Klosters cum licentia Herzog
Tassilos besagt an sich noch nichts über die Nähe der Stifter
zum Herzogshaus). Schmid scheint mir die Dinge nicht richtig zu sehen,
wenn er Seite 131, im Zusammehnag mit Wikterp (dessen Stellung im
bairischen Episkopat des 8. Jh. und, politisch, auf der Seite Tassilos,
er vorzüglich klärt),
Erlolf, Hariolf, Waltrich und Petto
von "bairischen, wohl alemannisch und fränkisch versippten Adelskreisen"
spricht. Abgesehen von der von uns als westfränkisch nachgewiesenen
Namensform Gauz-
bei dem Verwandten des Hariolf von Langres weist
auch der Name Franco
nicht gerade auf bairische Herkunft. Das Problem,
inwieweit der bairische Adel schon in der MEROWINGER-Zeit
fränkischer Herkunft war, ist vielschichtig, doch lassen sich einige
Fixpunkte gewinnen: Neben dem Herzogshause selbst ist eine Adelsgruppe,
die in den Quellen den "HUOSI" also einem der ebenfalls, wie die AGILOLFINGER,
in der Lex Baiuuariorum privilegierten fünf Geschlechter, zugerechnet
werde, zweifelsfrei fränkisch. Für das Bruderpaar Adalbert
und
Audachar,
die Gründer von Tegernsee, hat das schon H. Löwe, Die karolingische
Reichsgründung und der Südosten, Stuttgart 1937, Seite 27ff.,
meines Erachtens zwingend dargetan. Zusammenhänge zum fränkischen
Adel im Rheingebiet haben O. Mitis (Mitteilungen des Instituts für
österreichische Geschichtsforschung 58, 1950, Seite 545f.) und E.
Zöllner (Neues Jahrbuch "Adler" 1945/46 Seite 18) schon bemerkt. Man
wird vor allem unter den "Mainzer Grßen" des 8. Jh., die sich in
den Fuldaer Urkunden greifen lassen, eine Audachar-Adalbert-Gruppe
beachten müssen. Auf Mainz weist aber auch die für das Jahr 774
schon bezeugte St.-Quirin-Kirche (vgl. H. Büttner (wie Anm. 87), Seite
51), des Heiligen der Tegernseer Gründung].
Die letztere läßt aich als Faktum sichern.
In der Abtei Cormery, die gegründet worden war für die Benediktiner,
die aus Saint-Martin de Tours an der Wende zum 9. Jahrhundert weichen mußten
und in der Folge den Kanonikern von Saint-Martin unterstellt blieb, begegnet
um die Mitte des 9. Jahrhunderts ein Abt Audachar. In einer Urkunde
für Cormery von 859 heißt der erste Laienzeuge, der also Kloster
und Abt am nächsten stand, Alcherius. Wir treffen hier also
die gleiche Namenskombination Audachar-Alcherius wie in der Familie
des Unruochi nepos [7 859 Mai 19, Erzbischof
Herard von Tours für Cormery, hrsg. von J. Delaville le Roulx, Bibliotheque
de l'Ecole des Chartes 41, 1879, Seite 10-16, 1. Laienzeuge: Signum
Altcharii.
Zu Audachar von Cormery vgl. Gallia Christiana 14, Seite 254ff., und Loup
de Ferriers, Correspondance, hrsg. von L. Levillan, 2 Bände, Paris
1927-1935, dort 1, Seite 166ff. (Nr. 39). Vgl. ferner K.F. Werner, Untersuchungen
zur Frühzeit des ranzösischen Fürstentums (Die Welt als
Geschichte 18-20, 1959-1960), dort 19, 1959, Seite 160f. Zu den Nachkommen
des Alcharius unter den ROBERTINER-Vasallen
an der Loire ebda. Seite 171.]. Hinzu kommt, daß sich die politische
Parteistellung ermitteln läßt: Audachar verdankt die
Abtei einem mächtigen Gönner, dem Seneschall Adalhard,
der zeitweise (Laien-)Abt von Saint-Martin de Tours war. Mit dem
politischen Schicksal Adalhards und seiner Partei erweist sich aber
ein schon gesicherter UNRUOCHINGER, der auch den Namen Adalhard
trägt,
als so eng verknüpft, daß er seine Abtei Saint-Bertin verliert,
als Adalhards Partei im Westreich gestürzt wird, und sie im
gleichen Augenblick wiedererhält, in dem auch Adalhard
wieder
eine führende Stellung im Reich einnimmt [8 Zum "Seneschall"
Adalhard siehe Werner (wie Anm.) 18, 1958, Seite 274f.; 19, 1959, Seite
155f.,163f. - Restitution des Adalhard von Saint-Bertin in den Besitz
seiner Abtei gleichzeitig mit dem Wiederantritt der Macht im Westreich
861 durch Adalhard "den Seneschall" und seinen Anhang:
E. Dümmler, Geschichte des ostfränkischen Reiches 2, 2. Aufl.,Leipzig
1887, Seite 22 Hunrocus der Vater des Adalhard von Saint-Bertin:
Favre (wie Anm. 2), Seite 156 Anm. 7, wo Vf. auch auf die vermuetete, wenn
auch nicht bewiesene Verwandtschaft beider Adalharde hinweist. Vgl. dazu
Hirsch (wie Anm. 2), Seite 36 und 87. Es ergäbe sich hier eine Beziehung
der UNRUOCHINGER zum Haus der Grafen von Paris, vgl. oben Seite
116.]. Durch solche Bezüge wird man aufmerksam auf den Umstand, daß
die Verwandten des Seneschalls Adalhard, die 861 wie er die Feindschaft
Ludwigs
des Deutschen zu spüren bekommen und durch Adalhard bedeutende
Funktionen im Westreich erhalten, die Namen Berengar und Uodo
(=
Kurzform der Namen der Aud-gruppe,
Audacher, Audoin. entspricht
"Otto") tragen, also zwei auch im Namengut der UNRUOCHINGER
vorkommende
Namen [9 Annales Bertiani, hrsg. von Grat-Vielliard-Clemencet-Levillain,
Paris 1964; Seite 85 und 124, hrsg. von Waitz, MG SS rer. Germ., 1883,
Seite 55 und 80.].
Andererseits habe ich schon an anderer Stelle auf die
Verbindung jenes
Abtes Audacher von Cormery mit Mainz und
seinem Adel hingewiesen. Der Abt nahm sich nämlich, wie wir aus den
Briefen des Lupus von Ferrieres wissen, zweier Mönche aus Fulda an
und gewährte ihnen ein Darlehen. Deren Aufenthalt im Westreich ist
aber in Zusammenhang zu sehen mit dem Tod es bei Angouleme 844 gefallenen
Grafen Hraban. Dieser Hraban, der wie ich zeigte, zusammen mit Robert dem
Tapferen das Rheingebiet verließ und mit ih zusammen in Reimser Kirchenbesitz
nachgewiesen werden kann, war engster Verwandter des großen Hrabanaus
Maurus, den wir als Sohn des Mainzer Großen Waldramnus (= Wald-rhabanus)
und der Waldrada kennen. Eben jene Waldrada aber war, durch ihre Mutter
Geilrata, Enkelin des Mainzer Großen Odacar/Audachar,
der mit unserem Abt von Cormery gleichen Namens ist [10 Werner (wie
Anm. 7) 19, 1959, Seite 160f., nebst Anm. 60,61,62.Zu Waldrad und ihrer
Mutter Geilrata vgl. Urkundenbuch des Klosters Fulda, hrsg. von E.E. Stengel,
1,1, Marburg 1958, Nr. 177,178,190,279 und Register.].
Interessieren die Beziehungen des Audacher von Cormery
zum Mainzer Adel hier nur am Rande, so sind sie doch der Anstoß gewesen,
das dortige Namensgut zu überprüfen auf Beziehungen zu den UNRUOCHINGERN.
Dabei zeigte sich sehr bald, daß wir deren Namensgut unter den Mainzer
Großen fast vollständig begegnen. Der erwähnte Otachar
schenkte
Fulda gemeinsam mit einen Oudalcharius, einem Mane also der den
gleichen Namen Adalchar/Altchar/Alcherius trägt, von dem wir
ausgegangen waren: Diese Namensgruppe begegnet uns nach Alemannien und
Cormery jetzt auch in Mainz, und dort zuerst [11 Stengel (wie Anm.
10), Nr. 193.]. 785/94 ist Otachar, inzwischen Mönch geworden,
erster Zeuge in der Schenkung eines Bernachar,
in der dieser den
Anteil seines Vaters, des Grafen Eburachar, an die St.- Martins-Kirche
in Wackernheim schenkt, in einem Ort, in dem auch
Otachar
und
Adalbert begütert sind und in dem Bernachar
und sein Bruder
Theudacher,
die Söhne Ebrachars, als Grundstücksnachbarn erscheinen
[12 Stengel, Nr. 182. Daß Eburacher Graf war, ergibt sich
ebd. Nr. 210.]. Endlich schenken 802 die Geschwister Liutswind und Adalbert
für das Seelenheil dieses Bernachar, der inzwischen in der
Namensform Bernharius erscheint [13 Stengel, Nr. 284.].
Die Lösung wir derst offenkundig, wenn man sich
klarmacht, daß Bernacharius/Bernharius derselbe Name wie Beren-charius/Berengar
ist,
ja, daß nur die abweichende Schreibung der späteren karolingischen
Periode die Ursache dafür ist, daß wir im 9. Jahrhundert so
viele Berengare im Hochadel antreffen, im 8. Jahrhundert dagegen nicht.
Das Namensgut der "UNRUOCHINGER"
erscheint damit ekennzeichnet durch
die Verbindung der Namensteile
Bern-, Adal- und Eber- einerseits
mit den Namensteilen -charius/gar
und -hard andererseits. Die Leitnamen
sind demnach Adalgar (Alatgar), Berengar, Eberchar, Bernhard, Adalhard,
Eberhard.
Der fast lückenlose Nachweis des UNRUOCHINGER-Namensgutes
in einer zusammengehörenden Gruppe der Mainzer Großen, die damit
als "unruochingisch" gesichert ist, läßt sich abrunden,
wenn wir von dem Namen des Unrocus ausgehen, der dem Haus für
die moderne Forschung den Namen gab [13a Ein in Ostfranken begüterter
Unruoch
begegnet 837 in einer Urkude LUDWIGS DES FROMMEN,
ein gleichnamiger Mönch 844 in S. Bertin, Hirsch Seite 34 und MG.
SS. 13, Seite 618 ]. Hun- und bruoc sind die zugrunde liegenden
Namensteile. Auf das Vorkommen sehr alter Adelsnamen (6.-8. Jahrhundert)
mit den Formen
Rocco, Hrocco, Hroccolenus haben wir schon früher
hingewiesen [14 Oben Seite 118.]. In der Zeit des Unrocus
selbst
begegnet (817) ein Graf Hruoculfus von Tournai. Er ist gearde in
dem Gebiet Graf, in dem sich die flämischen Besitzungen des UNRUOCHINGER-Hauses
befinden [15 Diplom LUDWIGS DES FROMMEN,
Recueil des Historiens de France 6, Seite 74. Der Zusammenhang weist den
comes Hruoculfus klar als Graf in der Civitas Tournai aus. Zum dortigen
Besitz der UNRUOCHINGER vor allem Grierson (wie Anm 2).]. Nun schenkt
in einer Fuldaer Urkunde von 796 ein Adalhart
sein ganzes Erbgut
in Dienheim mit 38 Unfreien an Fulda. Unter den zeugen steht neben +
Bernheri, jenem Bernharius/Berengar, den wir schon als UNRUOCHINGER
kennen,
+
Hroccholf [16 Stengel, Nr. 237.].
Ebenso wie die ROBERTINER,
die KONRADINER und die HATTONEN gehören
also auch die UNRUOCHINGER zu jenen fränkischen Adelshäusern,
de wir auch und gerade in Mainz ud im mittelrheinischen Raume nachweisen
können und die in der Verwaltung der östlichen Gebiete des Frankrenreichs,
unter ihnen gerade auch Alemanniens, eine bedeutende Rolle gespielt haben.
Vom Namensgut der Geschlechts bleibt nur noch die Einrodnung des Namensteils
Hun-
für
Hunruocus/Unrocus
offen. Man wird hier erinnert an Hunfred/Hunfrid,
jenen Großen, dem Rätien übertragen wurde, als die KAROLINGER
es der bis dahin herrschenden Präses/Bischofsdynastie der VICTORIDEN
wegnahmen. Nach ihm benennt die Forschung die HUNDRIDINGER, in deren Namensgut,
zweifellos durch vornehme Einheirat, der Leitname Burchard eindrang und
die bekanntlich das "Herzogtum Schwaben", jenes im 9. Jahrhundert aus den
drei merowingischen Dukaten Rätien,
Alemannien und Elsaß zusammengefügte regnum, im 10. Jahrhundert
an sich brachten [17 Zu den HUNFRIDINGERN, vgl. Tellenbach (wie
Anm. 3), Seite 55f.]. Wie die UNRUOCHINGER haben auch die HUNFRIDINGER
einen Präfekten der südgallischen Markenverwaltung gestellt,
wie sie haben sie honres und Besitz in Aleannien (Thurgau), und als Beziehung
im Bereich der Namen bieten sich die Adal-Udal-Namen der HUNFRIDINGER
an [18 Tellenbach ebd. zu "Markgraf Hunfrid von Toulouse",
der in den 40-er Jahren des 9. Jahrhunderts im Besitz von Toulouse erscheint,
das bis 837 dem UNRUOCHINGER Berengar gehört hatte! Ebd. auch
Diskussion der Träger der Leitnamen Adalbert
und
Odolricus/Ulrich,
von
denen der letztere auf die UDALRICHINGER/GEROLDE weist. Zum Eindringen
des Namens Burchard beachte, das Unrocus in seinen beiden Nennungen
zur Zeit KARLS DES GROSSEN
neben
Burchardus,
dem comes stabuli KARLS, steht
(siehe oben Anm. 1.)]. Es ist dies nur eine Möglichkeit, der nachgegangen
werden sollte. Trifft sie zu, so bestätigt sie die Verflechtung von
Familien, die wir oft zufällig nach einem bestimmten Namensträger
trennen.
Als gesichertes Ergebnis können wir jedoch festhalten,
daß zu den nordfranzösischen, flämischen und italienischen
Nachweisen der UNRUOCHINGER durch Tellenbach solche aus Alemannien,
durch die hier gegebenen Ausführungen solche aus der Touraine und
dem Mainzer Raum getreten sind. Zugleich wurde gezeigt, daß der "Alemanne"
Alpger/Altger,
bei
dessen Zuweisung zum Mannesstamm der UNRUOCHINGER Tellenbach noch
zögern mußte, mit dem Leitnamen seines Vaters und Bruders,
Audacher,
in
das geschlossene Namengut des UNRUOCHINGER-Hauses, wie es sich am
vollständigsten im Bereich der Mainter Großen nachweisen läßt,
hineingehört. Der Nachweis des UNRUOCHINGERS Hruoculfus in
Tournai und eines Verwandten Hroccolf in Mainz läßt schließlich
darauf aufmerksam werden, daß eine Variante von
Audacher/Autger
und
Hrruoculfus/Audulfus/Otulf wäre: Der Seneschall KARL
DES GROSSEN dieses Namens, der einen Feldzug gegen die Bretonen
befehligte und dann Präfekt in Bayern wurde, nachdem er zuvor als
Graf im Taubergau nachweisbar war, könnte also in Beziehung zu unserem
Geschlecht gebracht werden [19 Vgl. zu Audulf H. Schreibmüller,
Audulf, der frühest bezeugte Graf im Taubergau (Mainfränkisches
Jahrbuch für Geschichte und Kunst 3, 1951), Seite 53-69. Vgl. o. Anm.
1: Otulf und Unruocus, zwischen ihren Graf Stephan von Paris aus
dem Haus des Seneschalls Adalhard.]. Die Spannweite eines eng mit den KAROLINGERN
verküpften Adelshauses wird in unseren Ermittlungen deutlich. Ohne
daß hier noch den Vorstufen des Namensgutes in der Zeit vor KARL
DEM GROSSEN nachgegangen werden müßte, wird einleuchten,
daß die Größe dieses Hauses nicht erst mit Unrucos
noch
etwa mit der Ehe Eberhards von Friaul mit der Tochter LUDWIGS
DES FROMMEN begann.