Chronik von St. Peter zu Erfurt
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Das Jahr 1129.
 

Otto, Bischof von Halberstadt, wird von Kanonikern, welche auch Regulierte genannt werden, zu Rom, wie Vielen schien, mit Unrecht, der Simonie angeklagt und von Papst Honorius abgesetzt.

Die Stadt Speyer wird von König Lothar nach unausgesetzter neunmonatlicher Belagerung eingenommen. Herzog Gotefrid von Brabant wird vom König abgesetzt und Paginus anstatt seiner als Herzog aufgestellt. Als dieser Paginus, um seiner herzoglichen Pflichten zu warten, hinabzieht, stellt sich ihm Gotefrid mit einer Menge Bewaffneter entgegen; nachdem aber der Kampf eröffnet war, ergriff derselbe Gotefrid die Flucht. Paginus aber behielt als Sieger das Herzogthum vom Rhein bis
zum Fluße Getus. Im Bisthum Halberstadt werden durch die Uneinigkeit der Domherren und der Regulierten zwei Bischöfe aufgestellt, beide aber vom König und Bischof Adelbert verworfen.

Heinrich, Markgraf von Stade, starb.

Uto, ein sächsischer Graf, wird getödtet.
 

Das Jahr 1132.
 

Der heilige Gotehard wird im hundert und ersten Jahre nach seinem Entschlafen, und zwar am letzten Tage dieses Jahres, am 4. Mai in Hildesheim aus dem Grabe erhoben; ganz Deutschland erfreute sich, erleuchtet durch die wunderbare Größe seiner Zeichen.

König Lothar zieht mit der Königin Richiza nach Rom, um das italische Reich zu besuchen und seiner Herrschaft zu unterwerfen, den Papst Innocenz wieder auf den apostolischen Stuhl zu setzen und den kaiserlichen Segen zu empfangen, wobei er zwar wegen der Schwierigkeit der Lage nur ein mäßig starkes Heer führt, nämlich nur eintausendfünfhundert Bewaffnete, aber in Allem auf Gott vertraut; was auch der Erfolg der Dinge rechtfertigt.

Die Stadt Augsburg wird vom Heere des Königs zerstört, mit Feuer verbrannt, sehr viele Bürger gefangen fortgeführt, und zwar heimgesucht mit wohlverdienter Strafe für das begangene Verbrechen, indem sie es nämlich gewagt, den König, der friedlich zu ihnen gekommen und sich nichts dergleichen versehen, feindlich anzugreifen. Hierauf übersteigt der König das Gebirg und unterwirft ganz Italien seiner Botmäßigkeit, indem nur die Veroneser und Mailänder Widerstand leisten. Auf dieser Heerfahrt
wird Heinrich, Markgraf von Stade, getödtet, aber von seinen Leuten nach Sachsen, woher er stammte, zur Beerdigung zurückgebracht.
 

Die Jahre 1140-1146.
 

 1140. Landgraf Ludewig starb am 12. Januar. Herzog Udalrich von Böhmen und Pfalzgraf Willehelm starben. König Cunrad hatte um Mariä Reinigung seinen Hof zu Worms; daselbst erlangte Ludewig, der Sohn des Landgrafen Ludewig, noch ein Knabe, durch die Gunst des Königs und der Fürsten  Thüringens, die Herrschaft.
 1141. Die Kaiserin Richiza starb.

Adelbert, Erzbischof von Mainz, starb am 17. Juli; ihm folgte Markolf, Propst zu Aschaffenburg.

 1142. In Erfurt wurde am 29. August heftig gestritten zwischen den Bürgern und den Rittern des Erzbischofs. Denn Einige wurden getödtet, Viele von beiden Seiten aber verwundet.

In diesem Jahre kehrten auf dem zu Frankfurt am 10. Mai abgehaltenen königlichen Hoftage der König und die Sachsen, welche bisher wegen der Ränke Einiger über Vieles uneinig waren, zu Frieden und Eintracht zurück, und nachdem Alles nach Wunsch geordnet war, schieden sie sämmtlich vergnügt von einander. Am 9. Mai wurde nach dem verborgenen Rathschlusse Gottes ein großer Theil der Stadt Erfurt vom Feuer verzehrt; auch die Münster des heiligen Petrus und des heiligen Severus und andere
Kirchen der Heiligen wurden ein Raub der Flammen. Markolf, Erzbischof von Mainz, seligen Angedenkens starb am 11. Juli. Für ihn wird Heinrich, Propst an der Hauptkirche, eingesetzt.

Rudiger, Abt zu Erfurt, starb; ihm folgte Wernher, ein Mönch desselben Klosters.

 1143. Ekeleib, Bischof von Merseburg, starb. Ein langer und schneereicher Winter. Papst Innocenz, auch Gregor genannt, starb; für ihn Celestin, auch Gwido genannt.

 1144. Papst Celestin starb; für ihn wird Lucius, auch Gerhard genannt, gesetzt. Markgraf Rudolf wird ermordet. Sigefrid, Graf von Bomeneburg, starb. Eine große Wasserfluth war in Erfurt am 26. Mai.

 1145. Papst Lucius starb; für ihn Eugen, auch Bernhard genannt.

 1146. König Cunrad zog mit einem Heere gegen die Polen.