Sohn des Grafen N.N.
Dr. L. Schmid: Seite 25 1853
************
"Geschichte des Pfalzgrafen von Tübingen"
Ein Glied des TÜBINGER
Grafenhauses im 11. Jahrhundert sehen wir ferner in dem Grafen
Anselm, der gegenüber von Herzog Ernst von Schwaben im
Jahre 1027 auf dem Reichstage zu Ulm - somit also schwäbischer Graf
- mit einem anderen Grafen Friedrich, der wohl ein ZOLLER war, eine so
kräftige Sprache führte. - Als nämlich der unglückliche
Herzog Ernst II. von Schwaben von seinem Stiefvater, dem
Kaiser KONRAD II. auf dem Reichstag nach Ulm vorgeladen, mit
einem zahlreichen Gefolge von Vasallen und Dienstleuten dort erscheinen
war, und in einer an sie gerichteten Rede die Erwartung aussprach, sie
werden ihm, ihren Herrn, auch selbst gegen den Kaiser treu bleiben, ergriffen
Anselm und Friedrich, zugleich im Namen
der übrigen Schwaben, sich ihrer Stellung zum Reichsoberhaupt wohl
bewußt, feurig das Wort und erklärten: "Wir wollen nicht leugnen,
dass wir Euch Treue geschworen haben, gegen Jedermänniglich nur nicht
gegen den, durch welchen wir Euch untergeben worden sind. Wären wir
Knechte unseres Königs und Kaisers gewesen und von ihm an Euch zu
eigen überlassen worden, dürften wir uns freilich nicht von Euch
lossagen. Da wir aber freie Männer sind, und in dieser unserer Freiheit
den höchsten Schirmherrn an dem König und Kaiser selbst haben,
so gehen wir, wenn wir diesen verlassen, der Freiheit verlustig, welche
ein Mann von Ehre nur mit dem Leben aufgibt. Deshalb wollen wir Euch in
jeder ehrlichen und gerechten Sache, wo ihr unseren Dienst verlangt, gehorsam
sein, begehrt ihr aber etwas anderes, so werden wir frei dahin zurückkehren,
woher wir zu Euch nur bedingungsweise gekommen sind". Auf diese Stimmung
seines Gefolges hin ergab sich Herzog Ernst ohne Bedingung an den Kaiser,
der ihn auf die Feste Gibiechenstein bei Halle in Sachsen in Haft bringen
ließ.