Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 879
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Torres
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Judikat, der den nordwestlichen Teil Sardiniens umfaßte
und vom Coghinasfluß begrenzt wurde; seine Hauptstadt Ardara lag
in der Kuratorie Meilogu, einem der 19 Verwaltungsbezirke, in die das regnum
unterteilt war. Der Judikat Torres
war Sitz einer Erzdiözese und von 7 Suffraganbistümern. Seit
dem 10. Jh. hatten mindestens 10 Generationen von Herrschern aus dem Haus
LACON-GUNALE den Thron inne, die letzten beiden stammten aus
der Familie VISCONTI bzw. dem staufischen
Kaiserhaus.
- Ardara war um die Jahrtausendwende zur Hauptstadt des Judikats erhoben
worden, wahrscheinlich nach den Einfällen der Araber, die Torresentvölkert
hatten. Gleichwohl blieb die Funktion der Stadt Torres (Porto Torres) als
Landeplatz weiter bestehen. Gegen Ende des 11. Jh. wurde dort die bedeutende
Basilika S. Giovanni erbaut. Im 12. Jh. erlebte die Stadt eine neue Blüte
und entwickelte sich zu einem für den Mittelmeerhandel sehr wichtigen
Hafen. Direkte Nachrichten über den Judikat sind erst seit der Mitte
des 11. Jh. erhalten. Besondere Bedeutung hatten die Herrscher Mariano
I. (1065-1112?) und sein Sohn Costantino I. (1082-1124), die
ihr Land den religiösen Kräften aus dem Ausland öffneten
und eine rege Außenpolitik betrieben. Während ihrer Herrschaft
ließen sich die Benediktiner von Montecassino, die Kamaldulenser
und die Vallombrosaner im Judikat nieder, zahlreiche Klöster wurden
gegründet und neue Kirchen errichtet. Ferner knüpften beide Herrscher
enge Beziehungen mit den Kommunen Pisa uns Genua an. Costantino I.
sandte 1113 ein Kontingent, das sich im Hafen von Torres mit der pisanischen
Flotte vereinigte, um die Balearen von der arabischen Besetzung zu befreien.
Sein Sohn Gon(n)ario (1116-1153) mußte in den Wirren der Nachfolgekämpfe
nach Pisa fliehen und kehrte 1130, begleitet von pisanischen Galeeren und
von seinem Schwiegervater Ugo Ebriaci, zurück, mit deren Hilfe er
die Macht wiedererlangte. Er regierte unter dem Schutz der Pisaner, denen
er dafür Konzessionen und Privilegien in seinem Reich überließ.
Nach einer Reise in das Heilige Land und einer Begegnung mit dem heiligen
Bernhard von Clairvaux dankte er ab, zog sich nach Clairvaux zurück
und hinterließ den Thron seinem Sohn Barisone II. (1147-ca. 1191).
Die letzte Judicissa Adelasdia (1219-1259), Tochter Marianos
II., stand nach dem Tod ihres Gatten Ubaldo Visconti (+ 1238)
im Zentrum zahlreicher Heiratsprojekte (des Papstes, des Kaisers, Genuas
und Pisas), die darauf abzielten, das sardische Königreich dem guelfischen
und ghibellinischen Einfluß zu unterstellen. Die Verhandlungen führten
schließlich zur Eheschließung der Judicissa mit dem Sohn FRIEDRICHS
II., Enzio. Weniger als
ein Jahr nach der Heirat verließ Enzio 1239
seine Residenz Sassari, um seinen Vater im Kampf gegen die guelfischen
Kommunen zu unterstützen. Vor ihrem Tod (1259) setzte Adelasia
den Heiligen Stuhl als Erben ein. Das Logudoro wurde Schauplatz erbitterter
Kämpfe zwischen den DORIA, den Judices von Arborea, die sich die meisten
Kuratorien des Königreiches teilten, während Sassari sich mit
den Kuratorien Romangia und Flumenargia als Kommune konstituierte.