Hlawitschka, Eduard: Seite 185
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"Die Widonen im Dukat von Spoleto"
 in Stirps Regia von Eduard Hlawitschka

Kaiser LUDWIG II. hatte sich seit Beginn seiner Heerfahrt gegen die Sarazenen im Frühjahr 866 nicht mehr aus Mezzogiorno fortbewegt; er war fest entschlossen, die S-Italien- und Sarazenenfrage mit einem "Endsieg" zu lösen, und sprach schon von "unserem Beneventanischen Reich". Im Februar 871 war ihm schließlich die Einnahme Baris gelungen. Nur noch an kleinen Plätzen hielten sich verstreut die Sarazenenreste. Pläne zur Vertreibung der Sarazenen aus Sizilien wurden bereits geschmiedet. LUDWIG II. stand auf der Höhe seiner Erfolge. Die süditalienischen Kleinfürsten von Benevent, Salerno, Neapel usw. begannen deshalb zu fürchten, daß ihre Eigenstaatlichkeit mit der Sarazenengefahr ein jähes Ende finden könnte. Mißtrauen gegenüber den kaiserlichen Zukunftsplänen keimte auf. Verdacht und Beschuldigungen richteten sich vornehmlich gegen die Kaiserin Angilberga, die in den letzten Jahren in rigorosem Besitzstreben eine ganze Serie von Schenkungen in Ober- und Mittelitalien von ihrem Gemahl zugesprochen bekommen hatte [Vgl. BM² nr. 1183 (Morgengabe von 860, nicht 851; zur Datierung vgl. G. v. Pölnitz-Kehr [wie Anm. 95] Seite 433), und dann ab 864 nrn.: 1226,1227,1235,1236,1240,1241,1244,1245. Interessant ist dabei, daß LUDWIG II. die letzten vier Schenkungen schon durch "die Zustimmung der Großen" absichern ließ, was anzeigt, daß mit Widerständen gegen die Verwirklichung gerechnet wurde. Dazu vgl. auch J. Fischer, Königtum (wie Anm. 75) Seite 37.] und die auf die Entscheidungen des Kaisers zusehends Einfluß gewann [Sie wird zum Beispiel in die Behandlung der Eheangelegenheit Lothars II. eingeschaltet, vgl. BM² nr. 1222 i, 1241 b; sie wird auch 871 nach Ravenna zur Vorbereitung der Reichsversammlung und zur Vorverhandlung mit den Großen vorausgesandt, vgl. BM² nr. 1251 d. Nach dem Chron. Salernit. c. 109, MG SS III Seite 527, soll vor allem sie die Beneventaner gequält bzw. verfolgt haben, was von Erchempert, Hist. c. 34, Seite 247, allgemein den Galli angelastet wird. Bei der Gefangensetzung durch Adelgis soll LUDWIG II. sie zornig vieler Ungerechtigkeiten beschuldigt haben. Symptomatisch für die offenbar Angilberga anzulastenden Mißgriffe ist vor allem die Entladung der Spannungen 872 gleich nach der Eidlösung des Kaisers durch den Papst und seiner Neukrönung.]. Der Herzog Adelgis von Benevent, den Angilberga - wie gemunkelt wurde - ins Exil schicken lassen wollte, handelte daraufhin als erster. Er setzte in nächtlicher Aktion den gerade bei  ihm weilenden Kaiser LUDWIG samt seiner Familie und Begleitmannschaft am 13. August 871 gefangen. Erst nachdem LUDWIG, seine Frau und sein Gefolge geschworen hatten, niemals diese Aktion zu rächen und nie wieder in feindlicher Absicht beneventanischen Boden zu betreten, durften sie (am 17. September 871) abziehen.