SPONHEIM (SPANHEIM) Grafen von
Leben:
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Namengebend sind Burgsponheim und Sponheim westlich von Bad
Kreuznach. Erster Träger des Namens ist Stephan (1075), von dem die rheinischen Linie des Hauses abstammt.
Ein naher Verwandter war Siegfried
(† 1065), MARKGRAF der
UNGARN-MARK STAMMVATER der HERZÖGE von KÄRNTEN (SPANHEIMER) und der noch
blühenden Grafen von
Ortenburg.
Kinder von Stephans
gleichnamigem Sohn waren Jutta († 1136), Lehrerin der Hildegard von Bingen, der in
der Herrschaft folgende Meinhard
(belegt 1124–1132) sowie Hugo († 1137), ERZBISCHOF von
KÖLN. Meinhard
gewann durch die Ehe mit der Erb-Tochter des Grafen Adalbert von Mörsberg Anteil am Erbe
der Grafen von Nellenburg und nahm nach dem
Tod des Schwieger-Vaters den Grafentitel an. In den nächsten
Jahrzehnten treten (zwei oder drei) Grafen namens Gottfried auf, daneben Simon, der 1184 Kaiser FRIEDRICH
I. nach Italien begleitete und 1189 auf dem Weg ins Heilige
Land in Adrianopel (Edirne) starb, sowie Albert, ein enger Vertrauter
Kaiser HEINRICHS
VI.
Gottfried, in dessen Hand
sich zu Beginn des 13. Jahrhunderts
der gesamte Besitz des Hauses befand, hatte aus seiner Ehe mit Adelheid von Sayn mehrere Söhne,
von denen drei zunächst das väterliche, auf dem Hunsrück
(zwischen Nahe und Mosel) gelegene Territorium, nach dem Tod des
Mutter-Bruders Graf Heinrich von Sayn auch dessen Erbe
(Schwerpunkte im Westerwald und am rechten Rheinufer unterhalb Koblenz)
teilten.
Nach einem internen Tausch besaß Johann († 1266) ein Drittel der
Grafschaft Sponheim und die Grafschaft Sayn; seine Nachkommen waren die
Grafen von Sponheim-Starkenburg
(Hintere Grafschaft).
Von Simon I. († 1264), der die beiden
übrigen Drittel der Grafschaft Sponheim erhielt, stammen die Grafen von Sponheim-Kreuznach (Vordere Grafschaft).
Heinrich, dem die saynischen
Besitzungen am Niederrhein zufielen, ist der Stammvater der 1469
erloschenen Herren von Heinsberg
und Löwenberg.
Johann I. von Sponheim-Starkenburg hatte aus der Ehe
mit einer Dame aus dem Hause ISENBERG-LIMBURG zwei
Söhne, von denen Heinrich († 1289) den Anteil an der
Grafschaft Sponheim erhielt, Gottfried
die Grafschaft Sayn. Er ist der STAMMVATER der noch blühenden
Grafen und Fürsten von Sayn(-Wittgenstein). Heinrich war mit Blancheflor von Jülich verheiratet.
Sein Sohn Johann II. († 1324) folgte in der
Herrschaft; der jüngere
Heinrich († um 1344) war
unter anderem PROPST des AACHENER MARIENSTIFTS. Aus der Ehe Johanns II. mit Katharina von Ochsenstein,
einer Nichte König RUDOLFS, gingen die Söhne Heinrich und Pantaleon hervor.
Heinrich, verheiratet mit
Loretta von Salm, starb
kurz vor dem Vater. Seine junge Witwe, REGENTIN für ihre
Söhne, hatte sich mit ihrem Schwager Pantaleon, vor allem aber mit dem Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg
auseinanderzusetzen, den sie im Juni 1328 gefangen nehmen ließ.
Ihr in der Regierung folgender Johann III. († 1398) wurde mit Mechtild, Schwester der
Pfalzgrafen Rudolf und Ruprecht, Enkelin des
Königs ADOLF VON NASSAU verheiratet.
Aus der Ehe gingen ein Sohn und zwei Töchter hervor.
Johann IV. († 1413/14) heiratete eine
Verwandte aus der Kreuznacher
Linie, für die Töchter stiftete der Oheim Pfalzgraf Ruprecht
Ehen mit dem Markgrafen von Baden und dem Grafen von Veldenz. Aus der
Ehe des Grafen Johann IV. ging
nur der Sohn Johann V. (†
1437) hervor, der 1417 große Teile der Vorderen
Grafschaft Sponheim erbte und mit dem das Haus im Oktober 1437 erlosch.
Simon I., STAMMVATER der
Linie Kreuznach, war mit
einer Dame aus dem Hause HEIMBACH
(Grafen von Jülich) verheiratet.
Ihm folgte der älteste Sohn Johann
I.; seine Brüder gründeten Nebenlinien:
Heinrich,
verheiratet mit einer Dame aus dem Hause
BOLANDEN, konnte aus
deren Erbteil um Kirchheimbolanden (Pfalz) eine eigene Herrschaft
aufbauen, die vom Sohn Philipp († 1337/38) und vom Enkel Heinrich († 1393) regiert wurde und
1393 an die Grafen von Nassau-Saarbrücken fiel. Eberhard wurde mit Sohren auf
dem Hunsrück und Neef an der Mosel abgefunden. Seine Söhne
führten nicht den Grafentitel; nach deren Tod fiel Neef an einen
Enkel Eberhards aus dem Haus SCHARFENECK.
Die aus der Ehe Johanns von
Sponheim-Kreuznach († 1290) mit Adelheid von Leiningen
hervorgegangenen Söhne und
Simon II. († 1337)und
Johann II. († 1340) teilten 1301 das
Territorium. Da Johann unverheiratet
blieb, konnte der aus der Ehe Simons
mit Elisabeth von
Valkenburg hervorgegangene Sohn Walram
(† 1380) 1337 bzw. 1340 die Nachfolge von
Vater und Oheim antreten. Er hatte aus der Ehe mit die waren Elisabeth von Katzenelnbogen
den Sohn Simon III. (†
1414), dessen Ehefrau Maria
die GRAFSCHAFT VIANDEN und
zugehörige Herrschaften im heutigen Belgien erbte.
Da der einzige Sohn aus dieser Ehe vor dem Vater starb, fielen die
Grafschaften Sponheim und Vianden an die Tochter Elisabeth (†
1417), die zunächst mit Graf Engelbert von der Mark, dann
mit Ruprecht,
ältestem Sohn des Pfalzgrafen und späteren Königs RUPRECHT verheiratet war. Die
kinderlose Witwe, die auch während ihrer Regentschaft zeitweise am
kurpfälzischen Hof in Heidelberg lebte, vermachte im Februar 1416 testamentarisch ihrem Schwager
Kurfürst Ludwig ein Fünftel an
bestimmten Städten und Ämtern der Vorderen Grafschaft
Sponheim. Nach ihrem Tod fielen die übrigen vier Fünftel und
der von der Schenkung nicht betroffene Besitz (Kastellaun, Winterburg
und Dill) an den Vetter Johann
aus der Linie Starkenburg.
Die Grafschaft Vianden mit zugehörigen Herrschaften kam an das
Haus NASSAu, das so
seine Besitzungen in den Niederlanden ausbaute.
1425 verfügte Johann V.,
daß sein Erbe ungeteilt in den Händen der Nachkommen der
beiden Schwestern seines Vaters aus den Häusern BADEN und VELDENZ bleiben sollte. Die
Hintere Grafschaft (HG) mit den Ämtern Allenbach, Birkenfeld,
Dill, Herrstein, Trarbach und Winterburg sowie dem Anteil am
„Kröver Reich“ (Kondominium mit Kurtrier) blieb daher je zur
Hälfte im ungeteilten Besitz der Markgrafen von Baden und der von
der Erb-Tochter des Grafen von Veldenz abstammenden Pfalzgrafen bei
Rhein (Linien Simmern, Birkenfeld und Zweibrücken).
Literatur:
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L J. G. Lehmann, Die Gfsch.
u. d. Grafen v.
Spanheim d. beiden Linien Kreuznach u. Starkenburg bis zu ihrem
Erlöschen im 15. Jh., 1869, Neudr. 1973; H. Witte,
Über d. ältesten Grafen v. Spanheim u. verwandte Geschl.,
in: ZGORh NF 11, 1896, S. 161–229; H.
Disselnkötter, Auf d. ältesten Spuren d. Spanheimer Grafenfam.
an der Mosel, in: Rhein. Vj.bll. 6, 1936, S. 1–27; ders.,
Gfn.
Loretta v.
Spanheim geb.
v. Salm,
1940; A. Naumann-Humbeck, Studien z. Gesch.
d. Grafen v.
S.
vom 11. bis 13. Jh., 1983; J. Mötsch, Geneal.
d. Grafen v.
S.,
in: Jb.
f. Westdt. Landesgesch. 13, 1987, S.
63–179; ders.,
Sponheim, Loretta Gfn. v.S., in: Rhein. Lb.
12, 1991, S.
91–110; ders.,
Die Grafschaften Sponheim, in: Geschichtl. Atlas d. Rheinlande, hg.
v. F.
Irsigler u. G. Löffler, Beih. V / 4, 1992; ders., in: W. Paravicini (Hg.),
Höfe u. Residenzen im spätma. Reich, Grafen u. Herren
(Residenzenforsch. 15 / IV) (L; in Vorbereitung), Vorabdr. in: Mitt.
d. Residenzen-Komm. d. Ak. d. Wiss. zu
Göttingen 16, 2006, Nr. 1, S. 28–48; LexMA.
Autor:
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Johannes Mötsch