Flohrschütz
Günther: Seite 57-62,96-124
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"Der Adel des ebersbergischen Raumes im Hochmittelalter."
7. Die Grafen von Ebersberg als Inhaber von Reichsämtern
Seit die EBERSBERGER in den
Quellen auftauchen, sind sie Grafen, ja in ihrem Hauskloster sind sie
einfach „die Grafen"; andere Hochadlige werden im Kartular vor 1050 nur
selten - fast möchte man sagen ungern - mit dem Grafentitel
ausgezeichnet [1 Nur E 1 37 (Grafen von Rott), 44 (Graf Guntbold).
Bezeichnend ist, daß weder die von Rott (E 1 7, 24) noch die von
Viehbach (E 1 36, 37) als Grafen bezeichnet werden.]. Schon ihr Stammvater
Sighart, ein Nicht-Bayer,
heißt in der Chronik „Praeses";
wahrscheinlich hat er nach seiner Übersiedlung nach Sempt vom König ARNULF in Bayern eine
Grafschaft erhalten. Wir wollen im folgenden zusammenstellen, was wir
über die Reichsämter der Ebersberger in Erfahrung bringen
können.
1. Die Markgrafschaft Krain.
Die Ebersberger Chronik berichtet, daß Kaiser
ARNULF dem Sohn dieses
Sighart namens Ratold die Mark in Karantanien - also seine
eigene Mark - übertragen habe [2 E Chr 1039.]. Diese Angabe ist nicht
genau; die Mark Ratolds
dürfte südlich der karantanischen Mark gelegen haben. Graf Eberhart, der Gründer des Klosters Geisenfeld,
wird in der deutschen Übersetzung einer gefälschten Urkunde
als Graf von Murach (Mureck südöstlich Gras an der
jugoslawischen Grenze) bezeichnet [2a MB 14, 271 f.]. Dort lag also wohl
eines der Machtzentren, die spätere Mark Krain aber lag weiter
westlich an der Save. Im Jahr 1004 kam sie an den Grafen Ulrich von Sempt-Ebersberg [3 Franz
Schmudi, Die Herren v. Krain u. d. Windfischen
Mark. Versuch einer urkundlichen Studie über die Verwaltungsgesch.
Krains bis zur Vereinigung unter dem Haus Habsburg (Archiv f.
Heimatkunde (Laibach) 1) 1882/83, 97-168, bes. 116 ff. 1011, 22.5.
liegt Veldes in pago Creina in
Comitatu Oudalrici (MG DD 3, nr. 228).]; im Jahr 1040 er scheint sie erstmals als
selbständiges Gebiet unter einem Grafen
Eberhart [4 Urkunde HEINRICHS III. vom
16.1.1040, nr. 22, Seite 29.], des mit Eberhart II., dem oben genannten Gründer Geisenfelds, identisch
sein dürfte. Mehr wissen wir nicht über EBERSBERGER als Besitzer der Mark
Krain, doch ver mute ich, daß schon Graf Adalbero I. (928/34-965/96) dort tätig
gewesen ist. Die Chronik berichtet nämlich, der sterbende Graf Eberhart, der Gründer des Klosters Ebersberg,
habe Boten zu ihm gesandt, Graf
Adalbero aber habe die Reise hinausgezögert [5 E Chr 1214.]; er war also jedenfalls weit von seinem Bruder entfernt.
Außerdem wäre es merkwürdig, wenn Ratold und sein Enkel Ulrich, nicht aber ein
Sohn Ratolds im Südosten
gewirkt hätten. Es ist vielmehr damit zu rechnen, daß die EBERSBERGER fast eineinhalb
Jahrhunderte ohne größere Unterbrechungen eine Mark dort
besessen haben. In dieser Zeit muß allerlei an Besitz und Rechten
zusammengekommen sein und einen spürbaren Machtfaktor gebildet
haben: Hadamuot, Enkelin des Grafen Ulrich von Ebersberg,
heiratet den Grafen Poppo von
Weimar-Orlamünde; ihrem
Sohn Ulrich gelingt es, die Mark Krain zu gewinnen [6 K. Reindel, Bayern im Dienste des Reiches, in HBG I, 245.].
2. Die Grafschaft Persenbeug.
Störmer ist der Auffassung, daß die EBERSBERGER ihre neue Burg nach der Königsburg „Eparesburg" nannten, die wiederun
mit Ybbs gegenüber von Persenbeug identisch sein könnte [7
Störmer, Adelsgruppen, 170. Möglicherweise handelt es sich
aber um Ebelsberg nah, der Ennsmündung.].
Demnach wäre die Herrschaft der Grafen im Raum Persenbeug
älter als die im Raum Sempt Ebersberg. Die erste Spur für
diese Herrschaft im Osten finden wir im EBERSBERGER Kartular aber erst zum
Jahr 970: Als erster Zeuge für die Schenkung des Grafen Ulrich zu Reisen wird hier Otachar von Persenbeug genannt [8 E I 11.]. Damals war Herzog Heinrich II., später „der Zänker"
genannt, gerade mündig
geworden und hatte sogleich mit einer aggressiven Politik gegen die
Ungarn begonnen. In diesem Zusammenhang werden im Osten einige Marken
erstmals erwähnt [9 Reindel, wie Anm. 9, 221.];
vielleicht ist damals auch die Grafschaft Persenbeug geschaffen worden.
1045, im Jahr, als das Grafenhaus erlosch, befand sich die „comicia"
Persenbeug in den Händen der EBERSBERGER
[10 E
Chr 1440.]. Um zu ermitteln, seit wann sie diese
Grafschaft besaßen, müssen wir zunächst versuchen, das
Verhältnis der Grafen zu Otachar
von Persenbeug zu klären. Dieser ist im EBERSBERGER Kartular im Zeitraum
970-1040/45 sechsmal beurkundet. Der lange Zeitraum spricht dafür,
daß es sich um zwei Personen handelt etwa um Vater und Sohn oder,
wie Tyroller annimmt [11 Tyroller, Adel, Tafel 4, nr. 3, 6.],
um Großvater und Enkel. Viermal steht Otachar an der Spitze der
Zeugenreihe [12 E I 11, 27,28,35.], zweimal weiter
hinten [13
E I 17,34.]. Dafür wird er aber in der
unmittelbar folgenden Urkunde zusammen mit seinem Vasallen Wernher
aufgeführt, während uns in der Grafenzeit sonst nie Vasallen
der Zeugen genannt werden. Dies könnte darauf hinweisen, daß
er in Bezug auf die Grafen von Ebersberg als gleichrangig betrachtet
wurde. Dazu kommt, daß bei den Schenkungen der Grafen außer
Otachar kein Zeuge aus der
Gegend um Persenbeug erwähnt wird. Es ist nach allem nicht mit
Sicherheit zu entscheiden, ob dieser Mann zum Hochadel gehört hat
- etwa zu den OTACHAREN, die
1055 die Steiermark erhalten haben [11 Tyroller,
Adel, Tafel 4, nr. 3,6.] - oder ob es sich nur
um einen besonders mächtigen und angesehenen Vasallen der EBERSBERGER gehandelt hat.
Jedenfalls sind diese OTACHARE
als eigentliche Inhaber der Grafschaft Persenbeug zu betrachten;
wahrscheinlich waren sie damit von den Grafen von Ebersberg belehnt.
1045 aber ist vom jüngeren
Otachar anläßlich der Verhandlungen auf Persenbeug
nicht die Rede; ob er damals dieses Lehen verloren hatte oder ob seine
Stellung durch das Aussterben der EBERSBERGER
nicht berührt wurde, ist nicht zu entscheiden. Wir müssen uns
mit der Annahme behelfen, daß die Grafen von Ebersberg die
Grafschaft Persenbeug seit etwa 970 als Reichslehen innehatten,
daß aber die eigentlichen Herren dort ihre Lehensleute mit dem Leitnamen Otachar gewesen sind.
3. Die Grafschaft
Oxing-Steinhöring. Folgende Urkunden sind hier
einschlägig:
a) 950 [14
MG DD Otto I. nr. 126. ]: König OTTO widmet dem Kloster
Emmeram in Regensburg den Königshof Neuthing (südlich
Erding), der „in pago Hehsinga"
(Öxing, in Mkt. Grafing aufgegangen) in der Grafschaft des Grafen Eberhart liegt.
b) 951 [15
Ebendort nr. 135.]: Derselbe gibt dem Markwart, Vasall seines Bruders Heinrich, Besitz zu
„Izhzelinga" (Itzling östlich Wartenberg) in der Grafschaft des Adalbero zurück, der diesem Markwart durch Gerichtsurteil
entzogen worden war.
c) 1027 [16 F 1624.]: Auf Ersuchen König KONRADS (II.) verkündet Graf Adalbero, daß die Abtei
St. Castulus in Moosburg, die in seiner Grafschaft liege, ein
bischöfliches Eigenkloster sei.
d) 1034 [17 F 1438 a.]: Bischof Egilbert von Freising
tauscht mit dem Grafen Adalbero,
dem Sohn des Ulrich, „regula iustitiae Noricae comitatum
provinciae gubernantem" seine Kirche zu Oberndorf (bei
Ebersberg) gegen die zu (Grün-)Tegernbach (bei Dorfen). Zum
Ausgleich dieses Tausches werden auch Grundstücke an anderen Orten
herangezogen. (Die entsprechende Urkunde im EBERSBERGER Kartular [18 E II 7.] ist ganz anders formuliert.)
e) 1040 [19 Urkunde HEINRICHS III.
nr. 347, MB 29 a, 58.]: König HEINRICH (III.) bestätigt die
Gründung des Klosters St. Sebastian, in der Grafschaft
Steinhöring gelegen, durch den Grafen
Adalbero, und verleiht ihm gewisse Rechte.
Da die Zahl der Belegstellen gering ist, können wir nur wenige
Aussagen über diese Grafschaft der EBERSBERGER machen. Die Formulierung
der Urkunde von 1034 - „der Graf verwaltet seine Grafschaft nach der
Norm des bayerischen Rechts« - weist auf die gräfliche
Zuständigkeit hin. Demnach fallen außer Neuching, Itzling
und Moosburg auch Oberndorf bei Ebersberg und Grüntegernbach an
der Isen in die Zuständigkeit der Grafen. Es dürfte sich um
eine einzige Grafschaft handeln, die sich vom Süden des EBERSBERGER Forstes bis zur Isar in
der Gegend von Moosburg erstreckte und nach Osten der mittleren Isen
entlang etwa bis Grüntegernbach gereicht hat. Dabei
läßt sich erkennen, daß sich dieses Gebiet mit
Ausnahme des Umfeldes von Moosburg weitgehend mit dem Machtbereich der
Grafen von Ebersberg deckt. Da Öxing und Steinhöring keine
bedeutenden Stützpunkte der Grafen gewesen sind, haben wir es wohl
mit Malstätten zu tun. Eine weitere Thingstätte in dieser
Grafschaft dürfte „Morsfuorte" (Furtarn bei Lengdorf an der Isen)
gewesen sein, die im Falkensteiner Kodex
erwähnt wird [20 CF 3 (1166).].
Da Graf Eberhart im Jahr 951
noch gelebt hat (gest. 959),
scheint er also die Grafschaft zusammen mit seinem Bruder Adalbero I. verwaltet
zu haben. Ulrich von Ebersberg
ist, wohl zufälligerweise, nicht als Graf dieser Grafschaft
bezeugt - er war ja zugleich Markgraf
von Krain. Doch weist die Urkunde Bischof Egilberts, wo Adalbero als Sohn Ulrichs bezeichnet wird,
darauf hin, daß vermutlich auch Ulrich
hier Graf gewesen ist. Von ihm übernahm die Grafschaft sein Sohn Adalbero II., der ja auch
der „Dominns" des Klosters Ebersberg gewesen ist, während sein Bruder Eberhart II. damals die Mark
Krain verwaltet haben dürfte. Wahrscheinlich haben also die EBERSBERGER in drei
aufeinanderfolgenden Generationen die Grafschaft Oxing-Steinhöring
besessen [20a 940 hatte dort noch ein Abraham
die gräfliche
Amtsgewalt inne (MG DD 1, 29: siehe Trotter, Grafen von Ebersberg
a.a.O., 8. 1039/40 (E Ukn 8/1) liegt Landersdort (nordwestl. Dorfen) in
der Grafschaft eines Fridrich.
Er war meines Erachtens ein EPPENSTEINER
und Verwandter der EBERSBERGER,
nicht ein Graf von Dießen, wie Tyroller
meint (Adel, Tafel 10, nr. 9). Hier zeichnet sich der Rückzug der
Grafen aus den Reichsämtern ab, die ihre Grafschaft einem
Verwandten
zukommen ließen.]. Doch fehlt es an
Angaben, aus denen wir Aussagen über die Beschaffenheit und die
Grenzen dieser Grafschaft gewinnen könnten. Allenfalls könnte
man der Vermutung Raum geben, daß die Vasallen der EBERSBERGER die ja recht zahlreich
in dieser Gegend hausten, zu dieser Grafschaft gehörten, daß
sie als Bestandteil dieser Grafschaft galten. Damit würde der
Raum, den diese Grafschaft einnahm, um ein gutes Stück deutlicher
hervortreten. Zwischen Isen und Isar scheint die Grenze dieser
Grafschaft ziemlich genau der Nordostgrenze des Bistums Freising zu
entsprechen.
Außer den in-comitatu-Nennungen gibt es noch eine andere
Möglichkeit, den Inhaber einer Grafschaft zu bestimmen. Wenn
nämlich ein Graf als erster Zeuge einer Rechtshandlung
aufgeführt wird, so kann es sich bei ihm um den für die in
diesem Rechtsakt erwähnten Personen oder Orte zuständigen
Grafen handeln. So könnte 956 der an erster Stelle bezeugte Graf Eberhart der für
Günzenhausen (bei Mainburg) und Hadersdorf (nordöstlich
Moosburg) zuständige Graf sein [21 F 1148.], zumal Moosburg
ausdrücklich als innerhalb der Grafschaft Adalberos (II.) gelegen bezeichnet wird. Ebenso
ist Graf Adalbero (I.) 957/72 erster Zeuge bei einem
Tausch Bischof Abrahams mit dem Edlen
Reginold, der Güter zu „Vioht" betrifft [22 F 1165.]. Bitterauf denkt an (Großen- oder Klein-)Viecht
nordöstlich Freising; es könnte aber auch Viecht
nordöstlich Moosburg gemeint sein. Letzterer Ort liegt im
Machtraum der EBERSBERGER;
hier wäre also „gräfliche Zuständigkeit" sehr
wahrscheinlich. Mit ihr kann um so eher gerechnet werden, wenn der Graf
mehrmals Rechtsakte bezeugt, die von der gleichen Person vorgenommen
werden oder den gleichen Ort betreffen oder wenn auf ihn besonders
verwiesen wird. Fälle dieser Art werden uns im folgenden
beschäftigen.
4. Die Grafschaft an Amper und Glonn
ist vermutlich identisch mit der Grafschaft
Hartwigs von Grögling, in der 1130 Indersdorf liegt [23 Idf 2.]. Sie spielt in der Geschichte der Grafen von Ebersberg
eine bedeutende Rolle. Eigengüter, Vasallen und
(Vasallen-)Güter, die einst dem Kloster Tegernsee gehörten,
zeigen an, daß sich hier ein Machtraum der Grafen befand.
Wahrscheinlich ist es die nämliche Grafschaft, welche sich 837-855
in Händen des Ratold, des
mutmaßlichen Schwiegervaters des
Grafen Sighart von Sempt-Ebersberg, befand [24 Siehe
Seite 99 f.]. Tyroller ist der Meinung,
daß sie an den Schwager des
Grafen Sighart, den Grafen
Gotschalk, überging, der sie 860-899 verwaltete [25 Tyroller,
Adel, Tafel 2. ]. Folgende Urkunden sprechen
dafür, daß sie sich auch einige Jahrzehnte in Händen
der Brüder Eberharts I.
und Adalberos I. von Ebersberg
befand:
a) 930/50 [26 F 1063,1095,1135.]: Graf Eberhart ist dreimal
Spitzenzeuge für den Edlen
Isanhart, der mit dem Bischof von Freising Hörige tauscht.
b) 957/72 [27 F 1164.]: Graf Eberhart ist Spitzenzeuge
für Güter zu Prittlbach und Deutenhausen, wo der Edle Aribo mit dem Bischof tauscht;
beide Orte liegen nordöstlich Dachau.
c) 957/72 [28 F 1201.]: „imprimis" Graf Adalbero ist Spitzenzeuge
für ein Rechtsgeschäft, das Güter in Moosach (in
München nordwestlich vom Stadtzentrum) und Allershausen (am
Zusammenfluß von Amper und Glonn) betrifft.
Dieses „imprimis" der zuletzt
zitierten Urkunde weist eindeutig auf gräfliche Zuständigkeit
hin, desgleichen die Lage der Orte im vorhergehenden Stück.
Hingegen muß die Beziehung Isenharts
zum Raum Amper-Glonn noch erläutert werden. Dieser Edle
gehörte nicht zu den Vasallen der EBERSBERGER,
sonst hätte er sich sicher in Ebersberg neben anderen Vasallen der
Grafen aus diesem Raum - aus Marbach-(Amper-)Moching, Pellheim, Roth,
Kammerberg, Oberhausen (-Schleißheim), Nöbach - sehen
lassen. Graf Eberhart war
also nicht sein Lebensherr, sondern als Graf für ihn
zuständig. Wir kennen den Besitz dieses Isanhart aus anderen Freiringer
Urkunden: Er gibt 948/57 Grundstücke zu Halsberg, Biberbach,
Raderstetten und erhält ein gleiches Maß zu Mammendorf. Bald
darauf tauscht er gegen Eigen zu Halsberg (Kirche!), Gartelshausen,
Roggendorf, (? Langen-)Bach, Bergbauren, Jedenhofen und „Alpoldeshofen"
ein gleiches Maß in Straßbach bei Indersdorf [29 F
1133,1134.]. Die Mehrzahl der genannten Orte
liegt in der Nähe der Amper und nördlich davon in Richtung
Abensquellen. Vermutlich war Isanhart
ein Vasall des Bischofs von Freising; er begegnet nämlich 937/48
fast in jeder Urkunde. Sein Name ist selten und im späten 11.
Jahrhundert bei den Edlen dieser Gegend nicht mehr im Gebrauch. Als
einziger trägt ihn um diese Zeit ein Freisinger Dienstmann aus
einem häufig bezeugten und bedeutenden Geschlecht, das sich nach
(Grandl- oder Zinkl-)Miltach nennt [30
Flohrschütz, Freising unter Miltach.]. Nun liegt auch dieses Miltach im Raum zwischen Amper und
Glonn; darüber hinaus befand sich dort ein dem Kloster Tegernsee
enteignetes Gut, das an die Grafen von Ebersberg gefallen war [31 Siehe
Seite 34.]. Wenn wir also auch die Beziehung
dieses älteren Iranhart
zu den Grafen von Ebersberg nicht genau rekonstruieren können, so
steht doch außer Zweifel, daß es da Zusammenhänge
gegeben hat.
Im Zeitraum zwischen 930 und 969 scheint also diese Grafschaft in
Händen der EBERSBERGER
gewesen zu sein, und zwar erscheinen auch hier die beiden Brüder Eberhart und Adalbero nacheinander in ihrer
Funktion als Grafen. Später wird kein Angehöriger des Hauses EBERSBERG hier als Graf
beurkundet; die Familie scheint also diese Grafschaft nach dem Tod Adalberos II. verloren zu haben.
Den Grund dafür kennen wir nicht, doch fällt auf, daß
schon 970 Persenbeug eine Grafschaft der EBEERSBERGER gewesen sein
könnte. Möglicherweise fand hier also ein Tausch statt,
über dessen Hintergründe wir freilich im dunkeln tappen.
Jedenfalls zeigt sich auch hier, daß „Machtraum" und Grafschaft
ungefähr zusammenfallen.
Zusammenfassung: Als Amtsträger der deutschen Könige
besaßen die EBERSBERGER
jeweils für mindestens drei Generationen drei Distrikte: 1. Die Mark
Südkarantanien-Krain
2. die Grafschaft
Oxing-Steinhöring und
3. zuerst die Grafschaft an
Amper und Glonn, dann die Grafschaft Persenbeug.
Unsere Beobachtungen lassen darauf schließen, daß diese
Ämter schon seit dem 10. Jahrhundert erblich gewesen sind. In den
Räumen Sempt-Isen und Amper-Glonn konnte außerdem gezeigt
werden, daß sich „Machtraum" und Grafschaft überlagern, sich
vielleicht sogar gegenseitig bedingen.
10. Die Anfänge der Grafen von Ebersberg
„Zur Zeit des Kaisers Karlmann gab es in Bayern
einen Grafen namens
Sighart, der einen Königsmarkt an den Ufern der Sempt
besaß
...". Mit diesem Satz beginnt die EBERSBERGER
Chronik. Das
Gedächtnis der damaligen Zeit verknüpft also anscheinend den
Erwerb dieses Krongutes mit König
Karlmann, der von
867 bis 880
regierte, aber durch einen Schlaganfall schon 878 gelähmt und
praktisch regierungsunfähig war. Mit dem Namen Karlmann
verknüpft auch die Forschung die Anfänge der Grafen von
Ebersberg in Bayern. 856 hatte König
Ludwig der Deutsche
die
Ostmark seinem Sohn Karlmann übertragen.
Dieser erwies sich aber
keineswegs als Stütze seines Vaters, versuchte vielmehr sogleich,
sich in dem ihm übertragenen Raum eine eigene Herrschaft
aufzubauen. Durch eine Reihe konspirativer Maßnahmen, welche der
Politik des Königs direkt zuwiderliefen, bemühte er sich,
anstelle der Mitarbeiter seines Vaters seine eigenen Verbündeten
zu setzen. Erst 863 vermochte sich Ludwig gegen Karlmann
durchzusetzen
und ihn zur Unterwerfung zu zwingen. Dem Sohn verzieh der König,
aber dessen Helfer wurden abgesetzt, darunter auch ein gewisser Graf
Sighart vom Kraichgau am Oberrhein. Dieser Graf ist nach Camillo
Trotter identisch mit dem Stammvater
der EBERSBERGER [1 C. Trotter,
Die Grafen von Ebersberg und die Ahnen der
Grafen von Götz, in: Zeitschr. des Hist. Vereins Steiermark 25
(1929),
11-61.]; Mitterauer, Tyroller und G. Mayr haben
sich im großen ganzen seiner Ansicht angeschlossen [2 M.
Mitterauer, Karolingische Markgrafen im Südosten.
Fränkische Reichsaristokratie und bayerischer Stammesadel im
österreichischen Raum, in: Arch. f. österr. Gesch. 123, Wien
1963. - F.
Tyroller, Adel, Tafel 2. - G. Mayr, Ebersberger, 116 f. Ähnlich
Störmer, Adelsgruppen 167.]. Durch die
Schenkung des Marktes Sempt hat also möglicherweise Karlmann, als
er König geworden war, seinem getreuen Anhänger gedankt.
Gegen die von Trotter postulierte
fränkische Abkunft der
EBERSBERGER, an der auch
Tyroller festhält [2a Tyroller,
Adel, Tafel 2 nr. 1.], sind jedoch Bedenken
anzumelden. Weit mehr spricht für eine Herkunft aus Alamannien.
Daß die Namen der Grafen im Nekrolog des Klosters Einsiedeln
erscheinen [3 Nach H. Keller, Das Kloster Einsiedeln im ottonischen
Schwaben (Forschungen zur Oberrhein. Landesgesch. XIII (1964)) war der
Mönch in Einsiedeln Eticho
ein Verwandter der EBERSBERGER.
Siehe E
Chr
154.], daß Graf Ulrich in St. Gallen
erzogen wurde [4 E Chr 1223], daß die
EBERSBERGER mit den schwäbischen Geschlechtern der Welfen
und
vielleicht auch der Grafen von
Dillingen verwandt sind
[5
Verwandtschaft mit den Grafen von Dillingen vermuten
Tyroller und Störmer, weil der spätere Graf Ulrich vom hl.
Ulrich,
Bischof von Augsburg, getauft
wurde: E Chr 1219.],
daß ihr erster Kaplan Hunfrid
hieß - ein in Rätien
bekannter Name [6 W. Prinz von Isenburg, Die Ahnen der deutschen Kaiser,
Könige und ihrer Gemahlinnen, Görlitz 1932, Tafel 45/53:
Hunfrid von
Rätien ist Ahnherr einer hochadeligen Familie.], das ließe sich noch mit späteren Beziehungen
der Grafen zu Schwaben erklären. Nicht möglich ist dies aber
bei den beiden Geistlichen, die im Anfang der Chronik genannt werden.
Die Erinnerung an den Kleriker Konrad
von Höwen und den Klausner
Gebhart bei Straßburg [7 Chr 1021, 39.] gehören zum
ältesten Überlieferungsgut in Ebersberg; beide gehören
aber eindeutig nach Alamannien. Es ist nicht recht einzusehen, warum
ein fränkischer Graf Botschaften schwäbischer Geistlicher,
die in hohem Ansehen standen, entgegennahm, zumal er sich sehr
wahrscheinlich selbst an diese beiden gewandt hat. Sicherlich war also
der Stammvater der EBERSBERGER
im alamannischen Herzogtum mächtig,
war vielleicht gebürtiger Schwabe
[7a
Mitterauer (wie Anm. 2) weist auf eine Familie im
Elsaß
hin, bei der die Namen Sighart und
Eberhart vorkommen. Diese
Beobachtung paßt zum Bericht der Chronik. Es ist deshalb zu
bedenken,
ob mit „Opinpurc'- Willehalm v. O. 934 (E 1 2) unter Zeugen für
Graf
Eberhart - nicht Offenburg in Baden gemeint ist. Die Grafen
waren noch
kein Menschenalter in Bayern; möglicherweise bestanden damals noch
vasallische Bindungen aus der alten Heimat.].
Wenn er hier nicht faßbar wird, so spricht das nicht gegen unsere
Schlußfolgerung, sondern zeigt nur, wie lückenhaft die
Quellen des 9. Jahrhunderts sind. Weil Graf
Sighart aber wohl zur karolingischen
„Reichsaristokratie"
gehört [8 Grundlegend: Gerd Tellenbach, Vom karolingischen Reichsadel
zum deutschen Reichsfürstenstand, in: Th. Mayer, Adel und Bauern
im Staat des deutschen Mittelalters, Leipzig 1943, 22-73.], ist es allerdings möglich, daß er auch
andrerorts, zum Beispiel im benachbarten Süd-Franken, über
gewisse
Machtpositionen verfügt hat.
Von „auswärtigem" Besitz der EBERSBERGER
besitzen wir freilich
keinerlei Nachricht, weder schwäbischem noch fränkischen,
wenn wir von der Schenkung Kaiser ARNULFS an der Schutter [9 E Ukn 3.] absehen. Sie haben also wohl ihre Güter dort verloren
oder abgestoßen. Möglicherweise gab es damals auch eine
Linie der Grafen in Schwaben [9a Auf diese
Linie beziehen sich vielleicht die Einträge
im Nekrolog des Klosters Einsiedeln. Zu ihr gehören Eticho (E Chr
15)
und der Abt Eberhart von Tegernsee,
der 1003 resignierte (A. M.
Zimmermann, Die Familia sancti Quirini im Mittelalter, in StMBO 60,
(1949) 191 ff., nr. 15).]. Daß aber die
Beziehung des Grafen Sighart
zum König Karlman, wie sie in der
EBERSBERGER Chronik zum
Ausdruck kommt, der geschichtlichen Wahrheit
entspricht, ersehen wir auch in der Folgezeit. Im Jahr 887 setzte
ARNULF VON
KÄRNTEN, der natürliche
Sohn Karlmanns,
mittels
eines Staatsstreichs seinen Oheim KARL III. ("DEN DICKEN") ab und
machte sich selbst zum König. Schon ein Jahr später schenkte
er dem Grafen Sighart die Kapelle „Pergon" (? Berg bei Sempt) [10 E Ukn 1.], möglicherweise das letzte und entscheidene
Stück des Marktes Sempt, was auch eine indirekte Bestätigung
der Sempter Schenkung durch seinen
Vater Karlmann in
sich schließen könnte. ARNULF
nennt Graf Sighart seinen Verwandten;
vermutlich geht diese
Verwandtschaft über die Mutter ARNULFS Liutsuuinta [10a K.
Trotter hat auf die Erforschung der Vorfahren des
Grafen Sighart viel Mühe verwendet (a. a. O. 6 ff.), bezieht sich
aber
fast nur auf fränkische Quellen.]. Die
Schenkung ARNULFS
schon ein Jahr nach seinem Regierungsantritt erfolgte
aber wohl nicht nur aus Gründen der Verwandtschaft; sie spricht
meines
Erachtens auch dafür, daß der Graf dem engsten
Anhängerkreis
des Königs angehörte, welcher ihn bei seinem Staatsstreich
unterstützt hatte. Jedenfalls gehörte Graf Sighart zeitlebens
zu den engsten Freunden ARNULFS; dafür
zeugen nicht nur die
Schenkungen des Kaisers kurz vor seinem Tod [11 E Ukn 3, 4.], sondern auch die Nachricht, daß dieser dem Sohn
Sigharts sein eigenes Land, die Mark Karantanien, anvertraut hat
[12 E
Chr 1030.].
Die Erwerbung von Sempt bedeutete für den Grafen Sighart einen
großen Gewinn. Es handelte sich ja hier nicht um ein vereinzeltes
Königsgut; dieser Ort war vielmehr durch seine Funktion als Markt
mit vielen umliegenden Siedlungen, die wie der Königsforst
ebenfalls zum Krongut gehörten, verklammert. Das war also nicht
ein Stützpunkt, sondern ein Herrschaftsraum. Vervollständigt
wurde dieser Komplex, als Sighart
auch die Kapelle in Berg („Pergon")
anstelle von Lehen als Eigengut erhielt. Sempt besaß außer
dem bäuerlichen Grundstock auch Mühlen, vermutlich sogar
Handwerker - eine Vorform dessen, was man heute als Stadt bezeichnet.
Sempt war ferner Knotenpunkt: Hier kreuzten sich damals zwei wichtige
Straßen, die einstige Römerstraße, die von Augsburg
zum Inn, und eine andere, die von Regensburg nach „Isinica", dem
heutigen Helfendorf, führte. Später trat die Salzstraße
Reichenhall-Wasserburg-Freising in den Vordergrund, die als „halwec" um
1040/45 erwähnt wird [13 E I 35.]. Darüber hinaus
besaß der Raum um Sempt auch eine gewichtige strategische
Position: Jeder, der von Nordosten her in die Münchner Ebene
wollte, mußte die natürliche Enge zwischen Erdfinger Moos
und EBERSBERGER Forst
passieren, die an ihrer schmalsten Stelle kaum
sechs km breit ist. Noch heute führen die Straßen
München-Haag, München-Erding sowie die Bahnlinie
München-Dorfen durch diese „Gasse". Sie war leicht zu
überwachen und gegebenenfalls zu sperren.
Sempts Vergangenheit reicht weit zurück bis in die Bronzezeit.
Schon die Kelten hatten sich hier niedergelassen; bei Berg fand man die
Überreste eines römischen Landhauses [14 Der
Landkreis Ebersberg, 1960, 81.]. Die nahe
Römerstraße hat bewirkt, daß sich hier eine Siedlung
bildete. Die „Romani proseliti",
die Barschalken, welche gelegentlich
im EBERSBERGER Kartular
erwähnt werden [15 E I
79,108.], gehörten vielleicht
ursprünglich zu dieser Siedlung. Sogar vom Namensbestand der
Römer scheint sich einiges erhalten zu haben: „Lauf" - ein „vir
Tiber Lovf" um 1047, ein jüngerer Mann dieses Namens ca. 1050-1076
[16 E I
50,55,77,111,II 17.] - entspricht lautlich
völlig dem lateinischen „lupus";
auch „Milo" scheint kein
germanischer Name zu sein [17 Zu Milo findet sich im Register der Freisinger Traditionen
kein Vollname.]; bei den Römern hingegen
ist er geläufig. Sempt war also möglicherweise keine
Gründung der Baiuwaren, sondern reicht weiter zurück in die
Römer-, vielleicht sogar in die Keltenzeit.
Der Sohn des Grafen Sighart,
welchem Kaiser ARNULF wegen seiner
Tüchtigkeit die Mark Karantanien anvertraute, hieß Ratold.
Das ist ein Name, welcher im Urkundenbestand der Freisinger Traditionen
schon sehr früh begegnet, und nicht wenige Belegstellen weisen auf
Gegenden hin, wo später die EBERSBERGER
mächtig waren [18
Zusammenstellung bei Störmer, Adelsgruppen 165 f.]. Zum Jahr 839 berichtet eine Freisinger Urkunde mit
seltener Ausführlichkeit, wie der Edle
Ratold seinen Herrenhof in
Daglfing, dazu Güter in Gronsdorf und „Hupphinheim" (? Hipflham,
Weiler bei Kirchanschöring) der Freisinger Kirche darbringt [19 F 634.
Vielleicht ist dieser Ratold
identisch mit dem „laicus"
Ratold, der 813
ein Gut zu Zorneding gibt (F 308).]. Sein
ältester Sohn, der dies alles einmal hätte erben
sollen, ist
vermutlich vor dem Vater gestorben, ohne Nachkommen zu hinterlassen.
Erwähnt wird in dieser Schenkung außer einem Bruder des
Ratold namens Adalgoß ein Sohn Kunihoch, der als Bischof
bezeichnet wird - sein Bistum muß außerhalb Bayerns
gelegen
haben oder er war Chorbischof. Dieser Bischof
Kunihoch widmete 850 der
Freisinger Kirche ebenfalls Besitz zu Daglfing und Gronsdorf, ferner zu
Eggelburg - also dicht bei Ebersberg, den er von seinen Eltern geerbt
hat [20
F 721 a,b.].
Schon zwei Jahre vor der Schenkung des Ratold
„von Daglfing" hören
wir von einem gleichnamigen Grafen,
der anscheinend für Orte
zwischen Amper und Glonn zuständig ist; er wird bis 855
erwähnt [21 F 626 a, 694,741,745. Siehe dazu Tyroller, Adel, Tafel 2.], erscheint aber möglicherweise schon 825/26 unter den
Edelfreien, die für Güter in der gleichen Gegend Zeugenschaft
leisten [22 F 515, 538 a,539.]. Störmer
hält diesen Grafen Ratold für identisch mit
Ratold „von Daglfing" [23 Störmer, Adelsgruppen 166.].
Dagegen sprechen aber einige gewichtige Argumente: Ratold von Daglfing führt nicht
den Grafentitel; sein Sohn ist bereits Bischof; in der gleichen Urkunde
trifft er auch Vorsorge für einen unebenbürtigen
Sprößling. Dieses Dokument trägt also typische
Züge einer letztwilligen Verfügung. Sicher war dieser Ratold 839 schon ein alter Mann. Da
ist es kaum glaubhaft, daß er noch mindestens 15 Jahre als Graf
tätig war. Bei der Vielfalt der Namen und den zahlreichen
Variationsmöglichkeiten, wie sie im 9. Jahrhundert noch gegeben
waren, ist aber, noch dazu bei nicht allzu großer Entfernung, auf
Verwandtschaft zu schließen [23a In seiner Studie „Untersuchungen zur Namensgebung im
frühen Mittelalter nach den bayerischen Quellen des achten und
neunten
Jahrhunderts" (ZBLG 45, 1982, 1-21) zeigt L. Holzfurtner, daß bei
Personen mit gleichen Namensteilen nicht notwendigerweise auf
Verwandtschaft geschlossen werden muß. Dies gilt aber nicht bei
Namensidentität. Wenn auch verwandte Personen mit
Namensidentität in den
Urkunden relativ selten begegnen, so zeigen doch die Stammtafeln der
großen Geschlechter, der MEROWINGER, KAROLINGER, AGILULFINGER
usf.,
deutlich, daß bestimmte Namen bei bestimmten Familien beliebt
waren und daß der Namensübergang auf eine andere Familie
- Chlodwig, Ludwig - auf Verwandtschaft
hinweist. Den umgekehrten Fall,
daß den Kindern prominenter Adeliger die Namen von anderen, aber
nicht
verwandten großen Herren gegeben wurden, kann ich mir nicht
vorstellen. Name steht im 8. und 9.
Jahrhundert für Geschlecht. Die Vielfalt und
Wandlungsfähigkeit der
Namen - noch zwischen 880 und 930 gibt es allein in den Freisinger
Traditionen bei 230 verschiedene Namen von
Edlen - erlaubte es, daß jedes Kind einen „geschlechtseigenen"
Namen bekam.]. Dieser Graf Ratold könnte recht gut
ein Neffe des Ratold „von Daglfing" gewesen sein.
Störmer [24 Störmer, Adelsgruppen 166.]
verweist in diesem Zusammenhang auf Ratold,
den Sohn eines Starcholf, der
im Raum Aßling begütert war. Dieser Ratold besaß einen Bruder Rimideo, der dem Ort Rinding
- wiederum nicht weit von Ebersberg, seinen Namen gegeben haben
dürfte. So gelangen wir bei der Untersuchung der Ratold-Sippe immer wieder in
Räume, wo später die EBERSBERGER
mächtig waren, zu der Grafschaft
Amper-Glonn, für die im 10. Jahrhundert anscheinend
zeitweise die Brüder Eberhart
und Adalbero von Ebersberg zuständig
waren, vor allem aber in die nächste Nachbarschaft der
späteren Burg Ebersberg.
Nicht ohne Grund sieht Tyroller in jenem
Grafen Ratold, Verwandten des
Ratold von Daglfing, den Schwiegervater
des Grafen Sighart und somit Großvater
des EBERSBERGERS Ratold [25 Tyroller, Adel, Tafel 2.]. Er macht
sogar den Freisinger Vogt und Grafen
Ratold des 10. Jahrhunderts zu einem Bruder der Grafen Adalbero und Eberhart von Ebersberg, was zwar
möglich, aber keineswegs erwiesen ist. Hingegen kann es auf Grund
verblüffender Übereinstimmungen der Namen und der Lage des
Besitzes als ziemlich sicher gelten, daß Graf Sighart in eine Ratold-Familie einheiratete, die
seit langem in Bayern begütert und mächtig war.
Wir müssen hier nochmals auf Eggelburg eingehen. Mehrere Anzeichen
lassen erkennen, daß es den Grafen zunächst nicht gelang,
sich in den Besitz dieser Burg zu setzen, die, wie schon gesagt,
wesentlich älter ist als Ebersberg [26
Störmer, Früher Adel, a.a.O., 183 f.].
Zwar gehörte ihnen im Ort Grund und Boden [27 E II I,
wohl auch I 83 („presbiterissa")
Liutbirg.], das Herzstück jedoch, die
Kirche, die bei der Burg gelegen haben dürfte, gewann das Kloster
Ebersberg erst nach dem Erlöschen des Grafenhauses. Wir erfahren
nämlich, daß sich diese Kirche um 1040 in Händen eines miles
Adalbert befand [28 E II 9.], aber erst um 1080 erhielt
sie Abt Williram tauschweise
von einem miles Rorichi [29 E II 24.], der also Besitznachfolger und wohl auch Nachkomme des Adalbert gewesen ist. Einige
Zeugen dieses Aktes wie Raffold von
Haimpertshofen und Walchun von
Scheyern (beide bei Pfaffenhofen) lassen übrigens erkennen,
daß dieser Rorichi im
Raum Pfaffenhofen ansässig gewesen sein muß, doch
vermögen wir ihn in den Urkunden der benachbarten Klöster
nicht aufzufinden. - Außerdem ist nicht einzusehen, warum sich
die Grafen nicht in Eggelburg selbst festgesetzt hätten, wenn es
ihnen gelungen wäre, diesen Platz frühzeitig in ihre Hand zu
bekommen. Dieser Punkt ist von Natur aus ebensogut befestigt wie
Ebersberg; obendrein kontrolliert er den einzigen natürlichen
Zugang zum Raum südlich des EBERSBERGER
Forstes von der Münchner Ebene her. Die Burg besaß auch
einen eigenen Zugang durch den EBERSBERGER
Forst, den „Eggelburgerweg" [30 E 1 43.], der bei Anzing seinen
Anfang nahm.
Mit der Eggelburg hat auch meines Erachtens die Teilung des EBERSBERGER Forstes zu tun. Es ist
schwer verständlich, warum der König dem Grafen Sighart nur den Ostteil des Forstes gab, wenn er ihm
den ganzen hätte geben können. Es ist demnach anzunehmen,
daß der westliche Teil schon in der Zeit König Karlmanns den Besitzern
der Eggelburg gehört hat. In diesem Zusammenhang fällt uns
auch auf, daß der Name des Ortes Eglharting (westlich Kirchseeon)
nicht ein einziges Mal im EBERSBERGER
Kartular genannt wird, obwohl er doch im Machtbereich der Grafen und
dann des Klosters gelegen war; auch die Namensbildung weist auf eine
frühe Epoche. Ferner könnte der Name des Ortsgründers (Egilhart, Eigilhart) auf Zusammenhang mit dem
ersten Besitzer der Eggelburg (Eckilinburg von Eckilo,
möglicherweise eine Verformung von Eigilo = Kurzform zu Eigilhart) hindeuten.
Jedenfalls könnte sich auch Eglharting anfänglich im Besitz
der EGGELBURGER befunden
haben, während in Gronsdorf, Neukirchen, Kirchseeon und Zorneding
Güter der EBERSBERGER
lagen. Diese Beobachtungen lassen auf einen Vertrag schließen;
anscheinend wurde das Erbe der
Ratold-Sippe, den alten Besitzern der Eggelburg, unter deren
Nachkommen aufgeteilt. Dies würde bedeuten, daß auch die
Güter der Grafen von Ebersberg südlich des Forstes nicht zu
ihrem alten Hausbesitz gehörten, sondern eben durch diese
Erbschaft erworben wurden. Doch scheinen sich die EGGELBURGER nicht lange gegen die EBERSBERGER behauptet haben; die
Gründung der Orte Obelfing und Wolfesing (bei Anzing am
„Eggelburger Weg"!) kann nämlich erst erfolgt sein, als die Grafen
auch westlich des Forstes den Ton angaben.
Wir sind nun in der Lage, die Umstände einigermaßen zu
erkennen, unter denen Sighart,
ein Mann, der vor allem in Schwaben und vielleicht auch in
Süd-Franken mächtig war, nach Bayern übergesiedelt ist.
Als getreuer Anhänger des Königs
Karlmann hatte er
von diesem einen sehr bedeutenden Besitz, nämlich den Königsmarkt Sempt mit
Umgebung, erhalten und dazu durch seine Heirat mit der Tochter eines bayerischen Grafen mehrere Großgüter
am Südrand des EBERSBERGER
Forstes. Als nun Karlmanns Sohn
Arnulf ans Ruder gelangte - vielleicht unter tätiger
Mithilfe dieses Sighart -, da
lag dem neuen König anscheinend viel daran, diesen seinen
Verwandten, auf den er sich verlassen konnte, nach
Bayern zu holen, wo er wirklich der Herr war. In
den anderen Teilen Ost-Frankens mußte sich nämlich ARNULF mit
einer
formalen Oberhoheit begnügen. Schon bald nach seinem
Regierungsantritt
gab er ihm das letzte Stück der Sempter Herrschaft, die Kapelle
bei
Berg nahe Sempt, die bisher nur Lehen des Grafen gewesen war, zu Eigen.
So hatte dieser Sighart in
kurzer Zeit
bedeutenden Besitz in Bayern gewonnen. Seine Entscheidung, nach Bayern
überzusiedeln, machte er aber wohl davon abhängig, ob der
Teil des damaligen Sempter Forstes,
den er besaß, sich für Rodung eigne. Er ließ zu diesem
Zweck den Rat
von einigen heiligmäßig lebenden und hochangesehenen
schwäbischen
Geistlichen einholen. Erst als diese in bejahendem Sinn geantwortet
hatten, entschloß er sich nach Bayern zu gehen. Hier haben wir
ein
Beispiel, wie ein Mitglied der „karolingischen Reichsaristokratie"
nach
Bayern übergesiedelt ist und dort Wurzel geschlagen hat.
Die Anfänge der Grafen von Ebersberg (nach Trotter, Tyroller und
Störmer)
-------------------------------------------------------
Adalgoß
Ratold
(?Schwester)
839
?813-39
trad. u. a.
Daglfing,
?
I
?
Zorneding
I
I
I
I
I
Kunihoch
Ratold
Sighart
? 826-50
837-55
Gf im Kraichgau
I
Bischof
Gf a. d.
Amper abgesetzt 862 I
trad. u. a.
I
Daglfing,
I
Gronsdorf,
I
Eggelburg
I
I
I
I
---------------------------------
Adalgoß
NN(Tochter)
Gotini
oo
Sighart
898
oo
Gotschalk
ca. 887-906
Praefekt
Gf a. d. Amper
?
Gf in Ala-
a. d.
Schutter
860-99
mannien
(sein Lehen
besitzt Sempt
erhält Gf
Sighart)
I
--------------------------
Ratold
Sighart
ca.
890-919
908-16
Mkgf in Gf
im oberen
Karantanien Salzburggau
I
--------------------------------------
Ratold
Eberhart Adalbero
926-57
+ 959
928/39-65/69
Vogt in Frei- Gf a. d. Amper
Gf v. Ebersberg
sing, dann Graf Gründer von
I
Ebersberg
---------------
Sighart
Ratold
+ ca. 1000 +1003
v
v
Gf um
Freising Domherr in
oo Bertha Freising
Ebersberger Sighartinger
„v. Preising" Abt v.
Benediktbeuern
11. Die Grafen bis zum Erlöschen des Hauses 1045
Rund 150 Jahre haben die Grafen von
Ebersberg in Bayern gewirkt. Von
den Leistungen und Erfolgen sowie von den Schicksalsschlägen,
welche diese Familie getroffen haben, erfahren wir in erster Linie aus
Kartular und Chronik von Ebersberg. Dazu treten Nachrichten aus anderen
Quellen, vorzüglich aus Freising und Tegernsee. Es sei hier
versucht, diese Nachrichten unter übergeordneten Gesichtspunkten
zusammenzustellen.
Die Ungarn-Kriege haben tiefe Spuren hinterlassen, ja es ist zu fragen,
ob sie nicht das Selbstverständnis der Grafen als eines der
führenden Geschlechter des damaligen Bayerns entscheidend
geprägt haben. Damals verlagerte sich der machtmäßige
Schwerpunkt von Sempt nach Ebersberg. Sempt war leicht zugänglich
und gegen Überraschungsangriffe nicht gefeit. Vermutlich wurde der
Ort bei einem solchen Angriff mitsamt der Kapelle bei Berg
zerstört. Die Handwerker waren wohl nach Ebersberg „evakuiert"
worden. Nur die bäuerliche Bevölkerung blieb zurück.
Aber auch die meisten Bauerngüter verschwanden mit der Zeit. Heute
besteht die Siedlung nur noch aus einer ehemaligen Mühle und einem
Hof.
Ebersberg hingegen war durch einen Kranz von Wäldern vor den
räuberischen Horden weitgehend geschützt: im Norden und
Nordosten durch den EBERSBERGER
und den mit ihm zusammenhängenden Haager Forst, im Süden und
Südwesten durch die zusammenhängenden Waldungen des
Hofoldinger und des Höhenkircher Forsts. Der einzige
natürliche Zugang von Westen her über Zorneding, Eglharting
und Kirchseeon, den noch heute die Staatsstraße nimmt, passiert
bei Kirchseeon eine Engstelle und ist dort leicht zu sperren. Nur gegen
Osten war Ebersberg ungeschützt und so ist es kein Zufall,
daß von hier aus ein Angriff der Ungarn erfolgte [1 Siehe Seite 105.]. Eine wichtige Rolle im Verteidigungssystem spielte der
„Burgweg" [2 E I 36, 43.], der von Forstinning
nach Ebersberg führte. Er war rasch unpassierbar zu machen und
deshalb für die Ungarn wertlos, die auf ihre Pferde angewiesen
waren. Die eigenen Scharen aber konnten schnell und für die Feinde
überraschend aus dem Norden des Forsts hervorbrechen. Damals
muß Forstinning erheblich an Bedeutung gewonnen haben. Es verband
ja nicht nur das alte Machtzentrum Sempt mit Ebersberg, sondern auch
den östlichen Stützpunkt der Grafen Grüntegernbach in
der Nähe der Isen mit der Münchner Ebene im Westen, wo sie
ebenfalls Vasallen und Eigengüter besaßen [2a Siehe die
einschlägige Kartenskizze.]. Wie wichtig
Forstinning war, ersehen wir aus seiner Belegung: Schon im späten
11. Jahrhundert ist dort ein freies Geschlecht und eine
Reichsdienstmannen-Familie nachweisbar; seit dem frühen 12. finden
wir dort außerdem eine Ministerialen-Familie des Klosters
Ebersberg, die seinerzeit den Grafen gehört haben muß. Der
Name des Weilers Kaps = „Auslug" (südlich Ebersberg) legt die
Vermutung nahe, daß oberhalb Ebersbergs nicht weit vom heutigen
Aussichtsturm eine Warte stand, welche eine Sichtverbindung mit
Forstinning herstellte. Auch Rauch- und Feuerzeichen konnten von hier
aus gegeben werden; diese Art der Nachrichtenübermittlung haben
die Deutschen spätestens bei den Ungarn kennengelernt [3 R.
Lüttich, Ungarnzüge in Europa im 10. Jahrhundert, in: Histor.
Studien, Berlin 1910, Heft 80, 84. Siehe auch Seite 74.].
Die Erfahrung, daß es den Ungarn schwerfiel, gut befestigte
Plätze zu erobern - dies hatte sich bei Augsburg, Freising [4 K. Reindel,
Luitpoldinger nr. 50.] und nicht zuletzt bei
Ebersberg selbst erwiesen - führte bald zum Bau von Burgen. Wie
schnell hier die Entwicklung voranschritt, kann uns wiederum Ebersberg
am besten verdeutlichen. Noch Graf
Sighart hatte den Sandsteinfelsen
mit „flexa silva", das
heißt mit Wällen und Holzverhauen
geschützt [5 E Chr 1033.]. Diese Befestigung galt
aber wohl noch nicht den Ungarn, sondern den Herren der benachbarten
Eggelburg. Von seinem Enkel Eberhart
heißt es, er habe mit dem
Bau einer Ringmauer und der Erweiterung der Gräben begonnen [6 E Chr 1044.]; auf ihn geht wahrscheinlich die Verschalung des
Burggrabens mittels Baumstämme zurück, die mit
Holzdübeln ineinander verkeilt waren. Da aber Holz schnell
verrottet, wird man bald versucht haben, Mauern aus Steinen
aufzuführen. „Moenia construe!"
ruft schon Konrad von Höwen
dem Grafen Sighart zu [7 E Chr 1027.], und der Verfasser des
Kartulars preist die Sebastianskirche „lapidibus
erectis" [8 E I 1.]. Sicherlich haben die Grafen
damals eine Anzahl Burgen
errichten lassen: Zwei lagen bei Darching [9 E 1 38.], eine bei Schneckenhofen [10 E I 30.], einem abgegangenen Ort,
der wohl in der Nähe von Thailing zu suchen ist; auch die Burg von
Utzing oder Eitzing nahe der Isen dürfte wohl auf die EBERSBERGER
zurückgehen [11 E I 52.]. Wir erfahren hiebei auch,
daß diese Burgen nicht nur wie in späterer Zeit als
Stützpunkte der Herren dienten, sondern auch bei Gefahr die
bedrohte Bevölkerung aufzunehmen hatten [10 E I 30.]. Die Besatzung stellten nicht freie Vasallen der Grafen,
sondern Unfreie aus dem Stand der „servi".
Von der Entstehung des neuen Kriegertyps, der zu Pferde kämpfte,
liegen uns aus Ebersberg keine besonderen Nachrichten vor. Vielleicht
läßt sich aber eine Nebenerscheinung wahrnehmen. Beim Kampf
zu Pferd taugte die alte Fernwaffe, der Speer, nicht mehr. An seine
Stelle trat der Umgang mit Pfeil und Bogen. Die neu erworbene
Fertigkeit lud alsbald zu vergleichendem Wettkampf ein. Ein
„sagittarius" ist ein
vortrefflicher Bogenschütze, und diese
Bezeichnung finden wir im alten Machtbereich der Grafen von Ebersberg
früher und häufiger als anderweitig [12 Als „sagittarius" werden bezeichnet:
Rotbert (E II 83:
ca. 1175), Walther (E III 98: 1220/40), Witimar (CF 147: ca. 1175),
Dietrich (Idf 29: ca. 1200, Valleyer Dienstmann).].
Spärlich sind die historischen Nachrichten die uns aus der Chronik
überliefert sind. Die erste betrifft einen Überfall der
Ungarn, der bis ins Herz des EBERSBERGER
Machtraums führte [13 E Chr 1142
f.]: ,,... Nachdem die Hunnen acht Jahre Bayern
verwüstet hatten, sprengten sie von Osten her an die Burg
Ebersberg heran, überschütteten sie mit Pfeilen „pro omine"
(zum Zeichen dessen, daß sie der Zerstörung verfallen sei)
und ritten unter höhnischem Geheul davon . . .". Dieser
Überfall hatte sich den Menschen so tief eingeprägt,
daß sie ihn noch eineinhalb Jahrhunderte später nicht
vergessen hatten. Die Nachricht ist richtig, denn der Osten war, wie
schon bemerkt, die einzige Richtung, aus der ein
Überraschungsangriff erfolgen konnte; vermutlich hatten die Ungarn
nördlich von Wasserburg den Inn überschritten. Dieser
Handstreich stellte zwar eine bemerkenswerte militärische Leistung
dar, war aber letztlich zwecklos, da nicht einmal der Versuch einer
Belagerung unternommen wurde, sollte also wohl nur der
Einschüchterung dienen. Vielleicht hoffte man auch, im
Machtzentrum des Feindes reiche Beute zu machen.
In der Chronik wird dieser Überfall fälschlich mit der
Schlacht auf dem Lechfeld 955 verbunden. Das ist verständlich,
wenn wir bedenken, daß damals, als
Abt Williram den Stoff
für die Chronik sammelte, die Ur-Enkel derjenigen, welche diese
Episode als Kinder erlebt hatten, schon alte Leute waren. Hingegen
könnte dieses Geschehen sehr wohl mit der Schlacht bei Neuching
zusammenhängen. Nach der Angabe der Chronik müßte der
Überfall nämlich 909 erfolgt sein; die Schlacht bei Neuching
aber fand im Jahr 910 oder 911 statt. über sie wissen wir
allerdings auch nicht viel [14 K. Reindel, Die Schlacht bei Neuching, in: Zwischen Sempt
und Isen, 1. Folge 1952, 25.]: Die Ungarn waren
in diesem Jahr bis Augsburg vorgedrungen - daher vielleicht die
Verwechslung mit den Ereignissen des Jahres 955. Der letzte deutsche KAROLINGER, Ludwig „das
Kind" rief gegen sie
das Aufgebot der Schwaben und Franken zusammen.
Bevor sich aber beide Heere vereinigt hatten, wurden die Schwaben von
den Ungarn angegriffen und zersprengt; ihr Führer, der Graf
Goßbert, fiel. Ein gleiches Schicksal ereilte gleich
darauf die
Franken; auch hier blieb der Anführer, ein Graf Gebhart, auf der
Walstatt. Das bayerische Aufgebot hingegen schlug die Ungarn bei
Neuching. Diese Nachricht übermitteln mehrere voneinander
unabhängige Quellen. Das war also ein Treffen „vor der
Haustür" der EBERSBERGER;
sicher haben Angehörige des
Grafenhauses und viele ihrer Vasallen daran teilgenommen. Wir
dürfen sogar vermuten, daß den EBERSBERGERN ein wichtiger
Anteil am Sieg zugekommen ist, war es doch ihr Gebiet, das sie
verteidigten, stellten doch sie die Ortskundigen, und das in einem
recht unübersichtlichen Gelände.
Auch am letzten großen Kampf der Ungarnkriege, der berühmten
Schlacht auf dem Lechfeld, nahm ein Aufgebot der EBERSBERGER teil [15 E Chr 124.] und nahm sogar zwei
Hauptanführer der Ungarn
gefangen, den „König" Sur
und den „Herzog" Leli; beide schickte
man später von Ebersberg nach Regensburg „zu den Königen" -
wahrscheinlich verwechselte man hier HEINRICH, den Vater OTTOS
DES GROSSEN, mit dessen
Bruder Heinrich, dem Herzog
von Bayern. Die
übrigen Gefangenen - so berichtet die EBERSBERGER Chronik weiter -
wurden in ein tiefes Loch geworfen. Der Text läßt nicht klar
erkennen, ob sie getötet wurden oder ob man sie in ein Verlies
warf - vermutlich wußte man das schon nicht mehr genau, als die
Chronik niedergeschrieben wurde. Die Beute, welche man von den Ungarn
genommen hatte, wurde zum Schmuck der Klosterkirche verwendet.
Über die Schäden, die dieser Krieg verursachte, liegt uns nur
eine einzige Nachricht vor, und zwar von der Entvölkerung der
Gegend: Ein Teil der Besitzungen in Klettham ist dem Kloster
verlorengegangen, weil die Einwohner in dem Bürgerkrieg 954/55
flüchteten und später durch die Ungarn getötet oder
verschleppt wurden [16 E I 10. ].
Daß das religiöse Leben bald wieder blühte, erfahren
wir durch Kirchengründungen: Neukirchen ist wahrscheinlich eine
Gründung der EBERSBERGER [17 E 1 17.];
ein miles
Rotbert gründete eine Kirche in (? Jacob-)Neuharting,
die Bischof Gotschalk von Freising um
1000 weihte. Im Anschluß
daran nahm er eine organisatorische Maßnahme vor, indem er die
Kirchen von Haging und Lauterbach der Oberndorfer Kirche unterstellte [18 E II 8 a,
b.]. Über den inneren Ausbau
der gräflichen Herrschaft erfahren wir nichts. Ein Symptom
dafür, daß sich nun der Schwerpunkt dieser Herrschaft nicht
mehr in Sempt, sondern in Ebersberg befand, ist die Verlegung der
Salzstraße, die vermutlich aus Gründen der Sicherheit schon
in der Zeit der Ungarnnot erfolgt war.
Wenn wir uns nun mit der Politik der Grafen von Ebersberg
beschäftigen, so steht im Mittelpunkt die Frage nach ihrem
Verhältnis zum bayerischen Herzog und zum deutschen König.
Graf Sighart, der Stammvater der EBERSBERGER, war ein getreuer
Anhänger des Königs Karlmann
und seines Sohnes ARNULF, mit
dem er außerdem verwandt war. Diese Treue hat sich für die
EBERSBERGER auch bezahlt
gemacht, wie wir gesehen haben. Graf
Sighart
starb kurz vor der großen Niederlage des bayerischen Heeres bei
Preßburg. Wir wissen nicht, wie sich das Verhältnis seines
Sohnes Ratold zum jungen Ludwig, dem Sohn Kaiser ARNULFS, gestaltet
hat; jedenfalls finden wir die EBERSBERGER
bald darauf im Bündnis
mit Herzog Arnulf, der ja auch ein Verwandter Kaiser ARNULFS gewesen
ist. Dieses Bündnis war wohl eine Folge der Ungarnnot. In dieser
schweren Zeit bewies Arnulf mehr
Tatkraft als Ludwig
das Kind. Das
Zusammengehen mit Arnulf erwies
sich für die EBERSBERGER
wiederum
als sehr vorteilhaft: Aus den Säkularisationen erhielten sie
zahlreiche Güter für Vasallen und vermochten so ihre
militärische Stärke beträchtlich zu erhöhen. Doch
schon vor 955 haben die EBERSBERGER
die Partei abermals gewechselt: In
der Schlacht auf dem Lechfeld kämpften ihre Truppen auf Seiten des
Königs OTTO, also gegen den mit
den Ungarn verbündeten
LIUTPOLDINGER Berthold „von Reisenburg". Worauf dieser
abermalige
Parteiwechsel zurückzuführen ist, können wir nicht
erkennen; vielleicht mochten die Ebersberger
die Politik des
jüngeren Arnulf, der sich
mit den Ungarn gegen den König
verbündete, nicht mitmachen. Auch die Patenschaft des Bischofs
Ulrich von Augsburg, eines markanten Feindes der LIUTPOLDINGER,
für den nachmals so berühmt gewordenen Grafen Ulrich von
Ebersberg [18a E Chr 1219.] läßt
diesen Frontwechsel erkennen.
Im Jahr der Schlacht auf dem Lechfeld starb Herzog Heinrich
I. von
Bayern, der Bruder OTTOS DES GROSSEN.
Berater und enger Freund
seiner Witwe Judith, einer Tochter Herzog Arnulfs, wurde Bischof
Abraham von Freising. Mit den Grafen
von Ebersberg war er verfeindet.
Diese Feindschaft muß auch persönlicher Natur gewesen sein;
er Schwur nämlich feierlich,
er werde nie das vom Grafen Eberhart gestiftete
Kloster weihen [19 E Chr 1411: „Regi numquam
rebelletis!"].
Diesen Schwur hat er auch gehalten, verstand sich aber
schließlich dazu, diese Weihe dem Erzbischof Fridrich von
Salzburg abzutreten, der sie endlich im Jahr 970 vornahm [20 E I 12; E
Chr 1314. ]. Die
Feindschaft schlug in offenen Kampf um, als Judiths Sohn, der Herzog
Heinrich „der Zänker", eine Verschwörung gegen seinen Vetter,
den König OTTO II. anzettelte. Die EBERSBERGER Chronik bezichtigt
ihn sogar, selbst nach der Krone gestrebt zu haben [21 E Chr 133.]. Das Unternehmen
schlug aber völlig fehl, nicht zuletzt wegen des tatkräftigen
Widerstandes von Graf Ulrich von
Ebersberg, der laut Chronik selbst
Freising mit einem Heer des Königs belagerte und den Bischof
gefangennahm [22E Chr 136.] Der Bericht in der
Chronik von der Gefangennahme des
Herzogs Heinrich in
Passau zeigt uns, daß sich diese Ereignisse
in der Zeit um 977 zugetragen haben. In diesen Jahren war Graf Ulrich
auch Vogt des Bischofs von Freising
[23 F
1233 (972/76).].
Die Feindschaft des Grafen Ulrich
mit Bischof Abraham hat auch
auf
anderem Gebiet ihre Spuren hinterlassen. Der Auf- und Ausbau der
Freisinger Ministerialität fiel in diese Zeit; die ganze
Diözese, vom Alpenrand bis zu den Quellen der Abens, vom Wurmsee
bis zur Mangfall und Vils überzog sich mit einem Netz von
Dienstmannensitzen. Im EBERSBERGER
Machtraum aber vermochten die Ritter
des Bischofs nie Fuß zu fassen; auch an der oberen Sempt und der
mittleren Isen finden wir nur wenige Sitze, die zudem meist erst im
späten 12. Jahrhundert bezogen wurden [24
Flohrschütz, Freising, Karte bei Seite 332.].
Die Grafen von Ebersberg
haben es also verstanden, das Eindringen von Freisinger Dienstmannen in
ihr Machtgebiet zu verhindern.
Von politischen Aktionen der Grafen berichtet uns die Chronik weiter
nichts. Das ist verständlich, denn die Grafen haben sich von
spektakulären Unternehmungen ferngehalten und eine politische
Linie eingehalten, die man als Reichstreue bezeichnen kann. Das
Bündnis mit Herzog Arnulf war nur unter dem
Zwang der
äußersten Not zustande gekommen und wurde bald wieder
aufgegeben. Als Besitzer einer Markgrafschaft und zweier Grafschaften
kamen ja die EBERSBERGER der
Macht des Herzogs gefährlich nahe;
von ihm hatten sie nichts zu hoffen und zu erwarten, ja man könnte
sie mit mehr Recht als seine Gegenspieler bezeichnen. So war ihre
politische Leitlinie ganz vom loyalen Verhalten gegenüber den
deutschen Herrschern bestimmt. Graf
Ulrich selbst hat diese Linie noch
kurz vor seinem Tod den Söhnen eingehämmert: „Unternehmt mir
ja keinen Aufstand gegen den König!" [25 E Chr
1411: „Regi numquam rebelletis!"]
Wichtige Aussagen über die Machtstellung, den Rang und die
politische Zielsetzung der EBERSBERGER
liefert uns ihre Heiratspolitik.
Besondere Beachtung verdient hier ihre Doppelschwägerschaft
mit
den EPPENSTEINERN: Graf Ulrich von Ebersberg heiratete Richgart, die
Tochter Markwarts II., ihr Bruder Markwart III., Markgraf von
Kärnten, nahm Hadamuot,
die Schwester Graf Ulrichs,
zur Frau [26 E Chr 1237.].
Diese doppelte verwandtschaftliche Bindung weist auf ein politisches
Bündnis. Beide Familien besaßen Grafschaften in Alt-Bayern
und je eine Markgrafschaft im Südosten des Herzogtums, beide
besaßen etwa die gleiche Macht. Ihr Zusammengehen bedeutete einen
unübersehbaren Machtblock nicht nur innerhalb Bayerns, sondern
auch des Reiches. Im übrigen war auch die Politik der EPPENSTEINER geprägt von der
Treue gegenüber Kaiser und Reich. Trotzdem setzte Kaiser KONRAD
II. den Herzog
Adalbero von Kärnten, den Sohn
Markwarts III. aus seiner Ehe mit der EBERSBERGERIN, 1035 aus
fadenscheinigen Gründen ab [27 Reindel a. a.O. 243.]. Dessen Sohn Markwart IV., Graf von Viehbach (an der Isar in
Niederbayern), hielt sich nach dem Tode seines Vaters 1039 einige Male
in Ebersberg auf [28 E I 36,37.]. Damals mag die
Reichstreue der EBERSBERGER
eine harte Belastungsprobe bestanden haben.
Eine andere Schwester Graf Ulrichs
war nach der Meinung Tyrollers mit dem Grafen
Babo von der mittleren Paar verheiratet. Weil der Name Willibirg mehrmals bei den EBERSBERGERN, aber auch bei den
Grafen an der Paar, die das Kloster Kühbach ins Leben gerufen
haben, begegnet, nimmt Tyroller an, die Schwester Graf Ulrichs und Gattin Graf Babos könne Willibirg geheißen haben [29 Tyroller,
Adel, Tafel 2. K. Trotter (Ebersberger a.a.O. 9) betrachtet Liutgart,
die Gattin des Grafen Adalbero I.,
als Schwester der Grafen Odalschalk
und Adalbero „von Kühbach",
und zwar wegen des gemeinsamen Namens
Adalbero.]. Ferner wissen wir noch von zwei Töchtern des Grafen Ulrich,
von denen die eine mit Namen
Tuta/Judith den Grafen Sighart
(VII.) vom Chiemgau heiratete [30 O'm 10
(vor 1045).], die andere namens Willibirg den Grafen Wergant von Friaul [29 Tyroller,
Adel, Tafel 2. K. Trotter (Ebersberger a.a.O. 9) betrachtet Liutgart,
die Gattin des Grafen Adalbero I.,
als Schwester der Grafen Odalschalk
und Adalbero „von Kühbach", und zwar wegen
des gemeinsamen Namens
Adalbero.]. Diese Willibirg, so berichtet die Chronik,
war das einzige von den Kindern Graf
Ulrichs, das Nachkommen hatte [31
E Chr 1330.]. Adalbero II., einer der Söhne Graf Ulrichs, nahm die WELFIN
Richlinde zur Ehe, die aber „unfruchtbar war"; ihr Neffe war der Herzog von Bayern Welf I. [32 E I 47; E
Chr 1444.]. Die übrige Verwandtschaft der EBERSBERGER liegt zu sehr im Bereich
des Hypothetischen, so daß wir hier nicht darauf eingehen wollen [33 Adelheid, die Gattin Graf Eberhart II., stammte
aus
sächsischem Adel (E Chr 13ta) der sich nicht bestimmen
läßt. Die
SIGHARTINGER im Chiemgau und
die RATOLDE in Freising, die
Tyroller als
Nebenlinien der EBERSBERGER
betrachtet (Tafel 2, 5), wurden in die Untersuchung nicht mit
einbezogen, weil ihr
Verwandtschaftsverhältnis zu den
EBERSBERGERN wissenschaftlich nicht
erwiesen erscheint.].
Wir besitzen aber meines Erachtens noch ein Kriterium, das uns eine
Aussage über die engere Verwandtschaft der EBERSBERGER ermöglicht,
nämlich die Erwähnung unter den Zeugen des EBERSBERGER Kartulars. Von allen
Hochadels-Geschlechtern haben die Grafen anscheinend nur zwei in ihr
Machtzentrum Ebersberg hereingelassen, nämlich die EPPENSTEINER,
von denen schon die Rede war, und die Pfalzgrafen von Rott-Vohburg, den
Poppo und seinen Sohn Konrad-Kuno [34 E I 7, 24,
37. E I 44 ist 1. Zeuge ein Graf
Guntbold,
den Tyroller als Grafen an der unteren Amper und Vorfahren der
GRÖGLINGER anspricht (Adel, Tafel 16, nr. 1).];
letzterer tritt auch in Geisenfeld als Zeuge auf [35 Gfd 2.]. Eine Schwägerschaft mit diesem hochangesehenen Haus
liegt durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen, doch konnte sie bisher
nicht präzisiert werden. Insgesamt zeigen die Namen der Familien,
welche mit den EBERSBERGERN
verwandt waren, welch hohen Rang dieses
Adelsgeschlecht bekleidete, und zwar nicht nur in Bayern, sondern im
Reich!
Besondere Beachtung verdienen die Klostergründungen der
EBERSBERGER. Über die
monastische Seite dieser Angelegenheit hat
bereits W. Störmer eine Zusammenfassung geboten [36
Störmer, Adelsgruppen 173.], so daß
ich mich auf einige Beobachtungen beschränken kann, die bisher von
der Forschung wohl noch nicht genügend berücksichtigt wurden.
Drei Namen sind hier zu nennen: Ebersberg,
Kühbach und Geisenfeld.
1. Die Gründung des Klosters
Ebersberg ist einzig und allein eine Leistung des Grafen
Eberharts I. Eberhart war unverheiratet
und kinderlos; dennoch ist es
sonderbar, daß er, der als junger Mann die Säkularisationen
des Herzogs Arnulf erlebt hat, kaum
20 Jahre später schon die ersten Schenkungen an ein zu
gründendes Kloster ausführte [37 E I 2 (934).]. Was ihn letztlich zu
diesem Entschluß bewog, ist unbekannt. Sein Bruder Adalbero stand
diesem Plan, wie man klar erkennen kann, sehr skeptisch gegenüber
und hat seine Teilnahme verweigert [38 E I 8, E Chr 1213.]. Erst nach dem
Tod des Bruders bequemte er sich zur Anerkennung dieser Gründung,
als ihm von allen seinen Söhnen nur der von der Natur recht
stiefmütterlich bedachte Ulrich
übrig geblieben war: Diesen empfahl er feierlich dem Patron des
Klosters St. Sebastian an, auf daß dieser eine Heilung
(„sospitas") von seinen
üblen Eigenschaften bewirkte, leistete
dafür ein stattliches jährliches Geldgeschenk und
ergänzte die Schenkungen seines Bruders [39 E I 8, 9.]. Aber auch er erlebte die Weihe der Klosterkirche nicht
mehr. Wenige Jahre nach seinem Tod, anno 970, wurde sie von Erzbischof
Fridrich von Salzburg vorgenommen [40 E I 12, E
Chr1313.], der den
zuständigen Bischof Abraham von
Freising vertrat. Über die
Einzelheiten bleiben wir im unklaren, doch scheint aus der Abfolge der
Ereignisse hervorzugehen, daß sich die Feindschaft Abrahams
zunächst mehr gegen den Grafen
Adalbero als gegen dessen Sohn
Ulrich gerichtet hat.
2. Das Kloster Kühbach
bei Aichach galt vielen Forschern ebenfalls
als Gründung der EBERSBERGER,
und dieser Standpunkt wird sogar in neuesten Untersuchungen vertreten [41
Zusammenfassung bei P. Fried, Die Herkunft der
Wittelsbacher, in: Die Zeit der frühen Herzöge. Wittelsbach
und Bayern
I/1, 1980: Das Erbe der Ebersberger.]. W.
Störmer, dem die bei einer solchen Ansicht zutage tretenden
Ungereimtheiten nicht verborgen geblieben sind, denkt an eine
Nebenlinie des Grafenhauses [42
Störmer, Adelsgruppen 174.],
von der wir freilich gar nichts wissen. Daß die EBERSBERGER mit
den Gründern des Klosters
Kühbach verwandt waren, bezweifelt
kaum jemand [43 Tyroller, Adel, Tafel 2; W. Liebhart, Kühbach -
Hauskloster der Wittelsbacher, wie Anm. 41, ],
doch geht es nicht an, den als Gründer des Klosters Kühbach
genannten Grafen Adalbero [44 MB XI, K
Ukn 1 (1011).] mit Adalbero
II. von Ebersberg zu identifizieren: Der „KÜHBACHER" war etwa eine
Generation älter als der EBERSBERGER
und besaß einen Bruder
Odalschalk und einen Neffen Babo
[45 K 1.] - Verwandte der EBERSBERGER
dieses Namens sind weder im Kartular noch in der Chronik noch auch in
den Geisenfelder Schenkungen erwähnt, doch hören wir von den
Grafen Odalschalk und Babo in anderem Zusammenhang [46 Belege
bei Tyroller, Adel, Tafel 2, nr. 18,30; 12,19.
Graf Odalschalk tritt besondes
bei den Anfängen des Klosters
Weihenstephan als Zeuge und Schenker auf (W 1-7).].
Vor allem aber befand sich im Jahr 1011, als Kühbach
gegründet wurde, Graf Ulrich,
der Senior des EBERSBERGER
Grafenhauses, noch in seinen besten Jahren († 1029). Es liegt in der Natur der
Sache, daß ein so wichtiger Akt wie eine Klostergründung nur
von ihm selbst hätte vorgenommen werden können. Auch andere
Beobachtungen unterstreichen den wahren Sachverhalt: Von den
Gütern, die nachweislich den Grafen
von Ebersberg gehörten, liegt kein einziges im Raum der
Grafen „von Hörzhausen", von den Zeugen, die bei den Schenkungen
in Ebersberg zugegen waren, gehört nur der einmal beurkundete Bernhart von Affing [47 E I 39.] hierher, und - was noch schwerer ins Gewicht fällt -
unter den Zeugen für die Gründung von Geisenfeld, die nur
etwa 25 Jahre später erfolgte, ist kein einziger an der Paar
beheimatet! Auch lassen die Zeugen der KÜHBACHER
Schenkungen [48 Siehe K nr. 1, 5 a,c,d,78,11. ]
keinen Zusammenhang mit den Vasallen der EBERSBERGER erkennen und von den
besonders wichtigen Personen aus der Umgebung der Grafen „von
Kühbach" finden wir nur den Odalschalk
von Eisendorf einmal im Gefolge der Grafen von Ebersberg [49 E I 28;
auch Gfd 1, 2.]. Kurzum, die Meinung, daß
die Grafen von Ebersberg das Kloster Kühbach gegründet
hätten, muß ad acta gelegt werden.
3. Etwa ein Jahrhundert nach den Anfängen des Klosters Ebersberg
wurde das Kloster Geisenfeld vom
gleichen Geschlecht ins Leben gerufen. Inzwischen hatte sich aber die
Lage geändert: Das Grafenhaus war am Erlöschen. Wir bemerken
jedoch ähnliche Begleitumstände wie bei der ersten
Gründung: Graf Adalbero II.
widmet seinen Besitz dem Kloster Ebersberg, sein Bruder Eberhart ist nur mit
einer Schenkung vertreten [50 E I 30.]. Umgekehrt bringt Graf Eberhart II. fast alle seine
Güter der Neugründung Geisenfeld dar; in der
Schenkungsurkunde wird angedeutet, daß Graf Adalbero zum Teil Mitbesitzer
war [51
Gfd 1.]. Dieser ist aber nicht einmal als Zeuge
der Gründung zugegen! Da scheint es also auch
Meinungsverschiedenheiten gegeben zu haben und man kann annehmen,
daß hinter der Gründung Geisenfelds vor allem die Frauen des
Hauses standen. Willibirg, die
Schwester des Klostergründers
und Witwe des Grafen Wergant von
Friaul, verbrachte zusammen mit ihren beiden Töchtern Gerbirg und Liutgart ihre letzten Lebensjahre
dortselbst; Gerbirg war die
erste Äbtissin dieses Klosters. Vielleicht wirkte dieses
gegensätzliche Verhalten der Brüder auch auf die Klöster
ein. Das Verhältnis der beiden EBERSBERGER
Stiftungen zueinander scheint anfänglich keineswegs herzlich
gewesen zu sein: Weder fällt im Kartular und in der älteren
Chronik von Ebersberg je der Name Geisenfeld noch in den Geisenfelder
Traditionen je der Name Ebersberg. Erst die jüngere Chronik
läßt erkennen, daß man anfing, sich als
zusammengehörig zu betrachten [52 Chron. Ebg maius, in MG SS 25, 871.].
Schließlich sei hier noch zusammengefaßt, was sich
über die Persönlichkeiten des Grafenhauses aussagen
läßt. Es ist recht auffällig, wieviel wir über die
Frauen und Töchter der EBERSBERGER
erfahren. Es zeigt sich, daß viele von ihnen mehr Einfluß
und Selbständigkeit besaßen, als man für diese Zeit
erwartet hätte. Eben war die Rede davon, daß Willibirg, der Schwester des Grafen Eberharts II.,
an der Gründung des Klosters Geisenfeld ein beträchtlicher
Anteil zugekommen sein dürfte. Auch die ältere Willibirg, die Schwester der Grafen Eberharts I.
und Adalberos I., kommt in der
Chronik mehrmals zu Wort [53 E Chr 128, 20.]. Nach Aussage des
Chronisten hat sie ihren Bruder
Adalbero dazu bewogen, für die Heilung des „ungeratenen" Ulrich die Hilfe St. Sebastians in
Anspruch zu nehmen. Hadamuot,
die Gattin des Grafen Markwart von
Viehbach, schenkte nach dem Tod ihres Mannes ihr gesamtes
Eigentum der Kirche und zog ins heilige Land, wo sie starb [54 E Chr 1238.]. Am deutlichsten tritt aber die WELFIN
Richlind, die Gattin Adalberos II., hervor. Wir
erfahren da zum Beispiel, daß sie einen Adoptiv-Sohn namens Konrad
besaß, der ein Sohn ihrer Muhme war und 1031 starb. Der Tod
dieses jungen Mannes ist eigens und ausführlich vermerkt [55 E Chr
1435.]; dies bedeutet wohl, daß er in den
Plänen der Familie eine besondere Rolle spielte. Von hier ist es
nicht weit zu der Vermutung, daß eigentlich er das Erbe des Grafen Adalberos II. hätte
übernehmen sollen; sein früher Tod zerschlug jedoch
diesbezügliche Pläne. Ein zweites Mal trat Richlind hervor, als sie nach dem
Tode ihres Gatten gegen dessen Rat versuchte, einen Teil des Erbes
ihrem Bruder-Sohn, dem Herzog Welf, zuzuschanzen. Aber auch
hier spielte ihr das Schicksal einen bösen Streich. Wir werden
sogleich darauf zurückkommen.
Im Mittelpunkt der EBERSBERGER
Chronik steht Graf Ulrich, der
an die 60 Jahre, von 970 bis 1029, die Geschicke des Hauses leitete.
Sein Taufpate war Ulrich, der berühmte Bischof von Augsburg; von ihm
empfing er auch den Namen [56 E Chr 1219: ,,... quem
sanctus Oudalricus
baptizans
equivocum sibi fecit." Diese Stelle würde dafür
sprechen, daß nicht
alle Kinder der Adelsfamilien Namen von Verwandten bekamen. Doch ist
Fr. Tyroller der Auffassung, daß die Familie der Grafen von
Dillingen,
zu der Bischof Ulrich
gehörte, mit den EBERSBERGERN
verschwägert war (Tafel 2, nr.6).]. Die
Jugend Ulrichs war traurig; er
war gewissermaßen das Aschenputtel der Familie und wurde
gegenüber seinen Geschwistern stark benachteiligt. Laut Chronik
war er so häßlich und
ängstlich oder träge [57 „Ignavia" bedeutet
sowohl Trägheit wie Feigheit. Die Stelle ,,... per dies langueret ignavia"
(E I 8) weist mehr auf Trägheit, die Stellen ,,... occultavit
hospitibus propter ignaviam suam et deformitatem (E Chr 1230)
und ,,...
inter multa proelia, quae gessit,
invulnerabilis extitit" (E Chr 1234) mehr auf Ängstlichkeit.], daß man ihn vor den Gästen des Hauses verbarg [58 E Chr 1220.]. Später finden wir ihn in St. Gallen [59 E Chr 1223], wo er wahrscheinlich auf die geistliche Laufbahn
vorbereitet werden sollte. Nach dem Tod seiner Brüder wurde er
nach Ebersberg zurückbeordert und mußte hier die
demütigende Zeremonie über sich ergehen lassen, als der Vater
das Haupt Ulrichs vor dem
Altar beugte und dem Heiligen jährlich 30 Silberlinge versprach,
wenn dieser seinen Sohn zu einem gesunden Menschen mache [60 E I 8,
EChr1231]. Das „Wunder" geschah, Ulrich gedieh und wurde „normal".
Viele Gefechte - so sagt der Chronist - bestand er, ohne jemals eine
Wunde davongetragen. Sein Weg führte steil nach oben; Ulrich wurde in Bayern zum
großen Gegenspieler Heinrichs „des Zänkers". In seinen alten Tagen aber
widerfuhr ihm abermals ein großer Unglück: Er mußte
gewahren, daß nach dem Tod seiner kinderlosen Söhne das Haus
erlöschen werde. Der Schmerz hierüber war so groß,
daß er nur mit Mühe davon abgehalten werden konnte, all sein
Hab und Gut zu verschenken und gleich seiner
Schwester Hadamuot seine Tage im Heiligen Land zu
beschließen [61 E Chr 1335. ]. Gegen Ende seines
Lebens aber scheint er sich mit seinem Schicksal abgefunden zu haben [62 E Chr
1416.].
Bekannt ist das dramatische Ende der EBERSBERGER.
Nach dem Tod ihres Gatten Adalbero
lud Richlind den Kaiser HEINRICH
III. nach Schloß Persenbeug ein, um die Verteilung
des Erbes zu besprechen, wobei sie als WELFIN ihrem
Neffen einen großen Teil sichern wollte. Zugegen waren auch Herzog Welf, Bischof Brun von Würzburg, Abt Altman von Ebersberg und wohl
auch andere Große des Reiches. Mitten in den Verhandlungen gab
plötzlich die Säule des Söllers nach, in dem die
erlauchte Gesellschaft tagte, und sie stürzte in das darunter
gelegene Bad. Der Kaiser und der Herzog blieben anscheinend unversehrt,
aber Richlind, der Bischof Brun und der Abt Altman starben an den erlittenen
Verletzungen [63 E Chr 1440; siehe dazu Störmer, Adelsgruppen 175.].
12. Das Erbe der Grafen
Wie gewaltig das Besitztum der Grafen
von Ebersberg war, zeigt allein schon der Umstand, daß
der König persönlich bei den Verhandlungen zugegen war [1 E Chr 1440.]. Wie die Verhandlungen um das Erbe verlaufen sind, wissen
wir nur zum Teil; im übrigen müssen wir aus späteren
Verhältnissen Schlüsse ziehen. Das Thema ist bisher noch
nicht vollständig abgehandelt worden. Störmer hat sich auf
einige politische Aspekte beschränkt [2
Störmer, Ebersberger 175.]; Prinz konnte im
Rahmen seines weit umfangreicheren Themas - der bayerische Adel bis
1180 - nur einige Stichworte geben [3 F. Prinz, in HBG I 323,351.]. G. Mayr
hebt hervor, daß das Erlöschen
des Grafen-Hauses vor allem die Macht des Königtums in
Bayern gestärkt hat [3a G. Mayr, Ebersberger 117.]. Im
Jubiläumsjahr der WITTELSBACHER
1980 stand natürlich die Frage im Vordergrund, ob und wie weit die
WITTELSBACHER
als Erben der EBERSBERGER zu
betrachten sind [4 Zusammenfassend P. Fried, wie Seite 109, Anm. 41.
Ausführlich hat sich G. Mayr (Ebersberg 119 f.) zu diesem Thema
geäußert. Nach ihm war der von den EBERSBERGERN an die WITTELSBACHER
gefallene Besitz zwar nicht so groß wie bisher vermutet, aber
auch
nicht ganz unbedeutend. Mayr betrachtet nämlich auch Haziga, die Gattin
des Grafen Ottos I. von Scheyern, als nahe Verwandte der Grafen von
Ebersberg.]. Wenn wir einen methodisch
richtigen Einstieg in diesen Fragenkomplex gewinnen wollen, so
dürfen wir uns nicht auf räumliche oder genealogische
Gesichtspunkte beschränken (indem wir zum Beispiel nach den
Verwandten der EBERSBERGER
fragen), sondern wir müssen von der Art des Besitzes ausgehen. Wir
werden also zunächst danach forschen, was aus den Besitzungen
geworden ist, welche die Grafen als Träger von Reichsämtern,
als Markgrafen und Grafen, innehatten. Dann wollen wir die Grafen als
Lehensherren beachten und zu erkunden versuchen, was aus ihren Vasallen
geworden ist. Das Kernstück wird die Untersuchung bilden, wer die
Eigengüter geerbt hat. Weiterhin wollen wir die mit den EBERSBERGERN verwandten Familien und
Personen zusammenstellen; es geht hier nicht nur um ihr Gütererbe,
sondern auch darum, in welchem Umfang ihr Blut in andere
Adelsgeschlechter und vielleicht auch Untergeordnete gelangt ist. Zum
Abschluß wollen wir auf die von den EBERSBERGERN beherrschten Vogteien
eingehen und zusehen, wie sie sich ihr politisches Erbe vorgestellt
haben.
Von den Reichsämtern der Grafen kann man als das wichtigste die
Markgrafschaft Krain betrachten. Im Raum zwischen Mur und Save waren
die EBERSBERGER schon seit den
Zeiten des Königs ARNULF tätig; der
Name Krain kam erst um 1000 auf [5 Reindel, 244.]. Die Belegstellen sind
dünn, doch scheinen nacheinander
Adalbero I., Ulrich und
Eberhart II. dort gewirkt zu
haben [6
Siehe Seite 58.]. Willibirg, die Schwester Eberharts, heiratete den Grafen Wergant von Friaul, Hadamuot, eine Tochter aus dieser Ehe, den Grafen Poppo von Weimar-Orlamünde.
Beider Sohn Ulrich erscheint
erstmals 1058 als Markgraf von Krain [7 Tyroller, Adel, Tafel 2; siehe auch Reindel, a.a.O.,
323 und Lechner, Waldviertel 103. Kläui (Hochmittelalterliche
Adelsherrschaften im Zürichgau, in: Mitteilungen der Antiquar.
Ges.
Zürich, 40/2, Zürich 1960, 20) identifiziert Willibirg, die Schwester der Grafen Eberhart III.
und Adalbero II., mit Willibirg von
Wölflingen. Widerlegt durch H. Keller (Das Kloster
Einsiedeln im
ottonischen Schwaben, in: Forschungen zur Oberrheinischen
Landesgeschichte. XIII,
Freiburg i. Br. 1964, 125 Anm. 212), wobei noch nicht einmal alle
Gegenargumente zur Sprache gekommen sind.]. Das
politische Gewicht der EBERSBERGER
dürfte also in diesem Winkel des deutschen Reiches so groß
gewesen sein, daß noch über zwei Generationen hinweg die
Markgrafschaft in der Hand ihrer Nachkommen geblieben ist. Kaiser HEINRICH
IV. hat Krain zeitweise an sich gezogen, um 1090 aber
wieder an Poppo II. von Weimar ausgetan
[8
Reindel, 253.].
Die Grafschaft Persenbeug war ebenfalls Reichslehen [9 Prinz, 323;
Lechner, Waldviertel 103.]. Stürmer [10
Störmer, Ebersberger 175.] und Lechner [11 K.
Lechner, Geschichte der Besiedlung des Waldviertels, in: Jahresher. f.
Landeskunde von Niederösterreich 1924, 103.]
halten es für fraglich, ob sie den WELFEN
zugefallen ist. Da aber andere Reichslehm, nämlich die
säkularisierten Güter Tegernsees, sich später ebenfalls
in der Hand der WELFEN
befinden, scheint der Vertrag, der auf Schloß Persenbeug
geschlossen wurde, in Kraft getreten zu sein. Bei der Teilung Bayerns
1156 wurde dieses Gebiet dann dem Herzogtum Österreich
zugeschlagen.
Die Grafschaft Steinhöring-Öxing, die sich mindestens
für drei Generationen in Händen der EBERSBERGER befand, hat mit deren
Erlöschen wahrscheinlich eine starke Einbuße erfahren.
Tyroller, der sich in seiner Studie über die Geschichte des
Landgerichtes Erding mit den Nachfolgern in dieser Grafschaft
beschäftigt, findet keine rechte Erklärung für die
Tatsache, daß seit etwa 1050 mehrere Grafen aus verschiedenen
Geschlechtern für diese Grafschaft zuständig sind, und
muß seine Zuflucht zu Konstruktionen wie „Obergrafen-Untergrafen"
nehmen [11a Fr. Tyroller, Das Landgericht Erding in der Grafenzeit, in:
Ob. Arch. 78. Bd. (1953), 116 f.]. Bei der
Lösung dieses Problems ist meines Erachtens von der Tatsache
auszugehen, daß mit dem Aussterben
der EBERSBERGER die gesamte Gütermasse des Klosters
Ebersberg aus der Grafschaft ausschied, weil das Kloster die
Immunität erlangte [12 MG DD Heinrich III, nr. 15. ]. Nun
sehen wir, daß der Vogt dieses
Klosters Rotbert von Schleißheim (1045-1050) bei seiner Schenkung den
Grafentitel trägt [13 E I 47.], ebenso später der Vogt Walther von Wifling-Kling (ca. 1070-1110).
Diese Beobachtung scheint mir dafür zu sprechen, daß die
Grafschaft Öxing-Steinhöring nach 1045 geteilt wurde: Das
Gebiet, das hauptsächlich von Besitzungen des Klosters durchsetzt
war - Raum Sempt, Forst und Raum Ebersberg - wurde abgetrennt, und der
Vogt des Klosters nahm auch die noch verbliebenen gräflichen
Rechte in diesem Raum wahr. Nun ist zwar Vogt Gerold (1050-1065/70) nicht als Graf
bezeugt, doch könnte dies ein Zufall sein: Vermutlich war von
gräflicher Zuständigkeit im Bereich der Klosterherrschaft
nicht mehr viel übrig geblieben.
Die nördliche Grafschaft müßte etwa den Raum mittlere
und untere Sempt - Holzland und Vilsquellen - mittlere Isen
umfaßt haben. Um 1055 liegen Landersdorf und Taufkirchen in der
Grafschaft eines Fridrich [14 MG DD
Heinrich III, 456 f. nr. 334; 489 f. nr. 360. ],
den Tyroller mit dem Grafen Fridrich
II. von Dießen identifiziert [11a Fr.
Tyroller, Das Landgericht Erding in der Grafenzeit, in: Ob. Arch. 78.
Bd. (1953), 116 f.]. Nun besaßen zwar die
Grafen von Dießen-Andechs in (Ober-, Unter-)Ding einen starken
Stützpunkt in dieser Gegend, doch muß hier an die um 1060
erfolgte Schenkung eines Grafen
Fridrich an Castulus erinnert werden [15 C 128;
auch Gfd 7.], der zu der Dynastie der EPPENSTEINER
gehört haben dürfte [16 Tyroller, Adel, Tafel 6 nr. 14.]. Es
lag auch sicherlich im Sinn der EBERSBERGER,
ihre Grafschaft an die mit ihnen durch Doppelschwägerschaft
verbundenen EPPENSTEINER
weiterzugeben und nicht an die Grafen von Dießen, zu denen das
Verhältnis doch wohl gespannt war [17 Siehe Seite 128 f.]. Dagegen spricht
auch nicht die Zeugenschaft des Hallgrafen
Arnold (von Dießen)
um 1070/80 für Schwillach und Rudersdorf [18 E I
122,123.]; es ist nicht sicher, ob diese
Zeugenschaft gräfliche Zuständigkeit bedeutet. Den Nordteil
der ehemaligen Grafschaft Steinhöring-Öxing dürfte also
der EPPENSTEINER Fridrich
übernommen haben.
Die Grafschaft an Amper und Glonn gehört nicht zum Erbe der EBERSBERGERr. Sie wurde von den Brüdern Eberhart I. und Adalbero I. etwa 930 bis 970
verwaltet und ging dann in andere Hände über. Vielleicht
erhielt Graf Ulrich
stattdessen die Grafschaft Persenbeug.
Die Vasallen der Grafen von Ebersberg
sind uns großenteils bekannt; sie sind identisch mit den
Edlen, die als Zeugen bei deren Schenkungen zugegen sind. Ein
beträchtlicher Teil dieser Vasallen war mit Gütern von
Klöstern belehnt, die zur Zeit Herzog
Arnulfs enteignet worden waren. Diese
Güter galten als Reichslehen. Vom Übergang dieser Güter
und der darauf sitzenden Vasallen in andere Hände erfahren wir
folgendes:
a) Die einstigen Güter des Klosters Tegernsee wurden im
Verhältnis 2 : 1 geteilt, und zwar erhielt zwei Drittel Graf Engilbert (vom Chiemgau) als Stiefsohn der Tuta, Tochter des Grafen Ulrich von Ebersberg,
ein Drittel Herzog Welf als Neffe der Richlinde, Witwe des letzten Grafen von Ebersberg.
b) Einen großen Teil der freien Familien, die rings um den Forst
in den alten Machtzentren der Grafen
um Sempt und Ebersberg hausten und die wir ebenfalls als
Vasallen angesprochen haben, finden wir später als Zeugen der
Äbte des Klosters Ebersberg. Sie sind nunmehr Klostervasallen und
wurden demnach von den Grafen samt ihren Lehensgütern ebenfalls
wie Privatbesitz dem Hauskloster als Erben vermacht. Bei diesen
Familien handelt es sich meist um Kleinvasallen mit kaum mehr als
lokaler Bedeutung.
An welche Machthaber die übrigen Vasallen der EBERSBERGER übergegangen sind,
wissen wir nicht. Das soll nicht heißen, daß wir über
ihre späteren Schicksale gänzlich im unklaren wären.
Einen beträchtlichen Teil dieser Familien vermögen wir
aufgrund genealogischer Studien über längere Zeit hinweg zu
verfolgen, zumal einige Geschlechter zum Hochadel aufrückten. Doch
läßt sich nur von ganz wenigen Adeligen präzise sagen,
welchem Machthaber sie als Vasallen anhingen. Eine einzige Nachricht
dieser Art gibt es, die expressis verbis vorliegt: Um 1082 ist Gotbold von Lern Vasall des Grafen Altman von Grögling [19 F 1652.]. Vergleichen wir den Status der Edlen auf den ehemaligen
Tegernseer Klostergütern mit der jüngeren Entfremdungsliste,
so können wir nur in einem Fall Übereinstimmung feststellen:
bei den WELFEN
in Bezug auf Garching und Haching. Anscheinend besaßen die
Vasallen schon im späten 11. Jahrhundert die Möglichkeit, den
Herren zu wechseln oder vom mehreren Seiten Lehen zu empfangen. Zu
dieser Entwicklung werden wir später Stellung nehmen [20 Siehe
Seite 145.].
Die Eigengüter der Grafen, das „patrimonium",
bildeten die Grundlage ihrer Macht. Sie waren in ganz Bayern verstreut,
vom Ammersee bis zur Mur, von Naab und Altmühl bis Bozen.
Außerhalb Bayerns ist kein Besitz feststellbar, abgesehen von der
Schenkung ARNULFS
an der Schutte [21 MG DD Arnulf nr. 158 (898).], von
der wir später aber auch nichts mehr hören. Die
Eigengüter der Familie in Schwaben und Süd-Franken sind
vermutlich den Verwandten des Grafen
Sighart [21a Siehe Seite 98 mit Anm. 9a.]
verblieben. Rund 150 Jahre waren die EBERSBERGER
mit Unterbrechungen Markgrafen im südlichen Karantanien und an der
Save; in dieser Zeit wird sich dort einiges Eigengut angesammelt haben,
von dem wir freilich nur Mureck kennen. Da aber Hadamuot, die Enkelin Graf Ulrichs, ihrem Gatten Poppo die
Markgrafschaft Krain zubrachte, dürfen wir annehmen, daß das
Hausgut der Grafen im Südosten an die Familie WEIMAR-ORLAMÜNDE
überging. Markgraf Ulrich
von Krain, der Sohn der Hadamuot, erhielt
außerdem von Richlinde,
der Witwe Graf Adalberos,
Güter in Kleinweißenfeld und Pöring zwecks Widmung an
Kloster Ebersberg. Diese Güter wurden aber von Kaiser HEINRICH
III. als Reichsgut eingezogen und das Kloster wurde
später anderweitig entschädigt [22E I 44, 11
12.]. Ferner gehörte diesem Ulrich Utzing an der mittleren Isen
[23 E I
52.]; sicher haben wir es auch hier mit Hausgut
der EBERSBEERGER zu tun. Es
ist also damit zu rechnen, daß Ulrich
auch anderen Besitz im Hauptmachtraum der Grafen geerbt hat;
manches davon mag über seine Tochter Richardis an die Grafen von
Scheyern-Wittelsbach übergegangen sein.
Die Allode der Grafen im Raum Persenbeug gehörten anscheinend
zuletzt dem Grafen Eberhart II.;
er vermachte sie seinem neu gegründeten Kloster Geisenfeld [24 Aufgezählt
in der gefälschten Gründungsurkunde (MB 14,
271 f. nr. 1). In den Traditionen wird zunächst nur Karlsbach
genannt
(Gfd 1).]. Da die „comicia" Persenbeug von ca. 970 bis
1045 im Besitz der EBERSBERGER
war, möchte man annehmen, daß die Grafen dort auch
Rodungsgüter besessen haben. Vielleicht ist von Gütern der
Grafen um Persenbeug deshalb so wenig zu vernehmen, weil der
eigentliche Inhaber der Grafschaft ihr Lehensmann
Otachar gewesen ist [25 Siehe Seite 58 f.].
Einige Schenkungen an Ebersberg, Emmeram und Obermünster [26 E I 3,37,
III 73 (in Regensburg), O'm 10 (Pielenhofen), Ein 215 (Sünching),
218 (Erling bei Regensburg).] bezeugen,
daß der Besitz der Grafen im Raum Regensburg nicht unbedeutend
gewesen ist, zumal Adalbero im
Nekrolog von Obermünster als „Graf von Pielenhofen" bezeichnet
wird. Nach seinem Tod verzichten Tuta
(die Schwester Adalberos) und ihr Gatte
Sighart (VII., Graf im Chiemgau) auf das Gut
Pielenhofen. Dieser Verzicht gibt Anlaß zu der Vermutung,
daß Tuta und mit ihr
die SIGHARTINGER in den Besitz
der restlichen Güter der EBERSBERGER
im Raum Regensburg eingetreten sind [26a Ca. 1050 war Sizo (Sighart VIII.?) Graf von Cham (MG DD H III nr. 248).
]. Auch zu dem anderen Grafen Sighart, dem Tyroller die Grafschaft um Freising zuschreibt [27 Tyroller,
Adel, Tafel 2 nr. 10. Er stützt sich auf F 1180 (ca. 975).], gibt es eine Querverbindung: Anläßlich der
Schenkung Berthas „von Preising", der Gattin dieses Grafen Sighart, an
Obermünster wird Bertha,
eine Tochter des Grafen Ulrich,
ausdrücklich in diesen Vertrag mit einbezogen [28 O'm 1 (ca.
1000). Trotter betrachtet die Tradentin
Bertha als erste Gattin des
Grafen Ulrich, Bertha junior als
Tochter
aus dieser Ehe (Grafen von Ebersberg, 10).];
sie muß also eine nahe
Verwandte der Schenkerin Bertha gewesen sein. Ob allerdings Graf Ulrich von Ebersberg auch Vogt von Obermünster gewesen
ist [29
Dies behauptet Tyroller (Adel, Tafel 2 nr. 10). Er
stützt sich auf O'm 104, das er ohne Angabe von Gründen auf
ca. 995
datiert. Nach der Einreihung und den Zeugen könnte diese Notiz
auch in die ersten Jahrzehnte des 12. Jahrhunderts
gehören. Graf Ulrich
wäre in diesem Fall mit dem Bruder
des Grafen
Heinrich von Schaumburg identisch.], kann
nicht mit Sicherheit erwiesen werden.
Deutlicher vermögen wir den Besitz der Grafen in der Hallertau und
nördlich davon zu fassen. Die gesamte Gegend wird bis heute als
Machtgebiet der EBERSBERGER
betrachtet. Nur war Geisenfeld mit Fahlenbach und Fahlenforst sicher
ein Herrschaftsraum, ein Machtzentrum. Die übrigen Besitzungen
aber, die Graf Eberhart II.
und seine Verwandten dem Kloster Geisenfeld widmen, sind zwar
stattlich, aber weit gestreut und voneinander getrennt; es sind
Besitzinseln. Auch die Zahl der Vasallen kann hier nicht groß
gewesen sein. Bei eingehender Prüfung der Geisenfelder Traditionen
entsteht der Eindruck, daß Graf
Eberhart und seine Schwester
Willibirg alle ihre Güter dem neuen Stift dargebracht
haben, daß es hier für ihre Verwandten „nichts zu erben gab".
Befassen wir uns nun mit dem Hauptmachtraum der EBERSBERGER, der von Pfeffenhausen
und der Amper-Glonn-Gegend bis zum Tegernsee, vom Wurmsee bis fast zum
Inn reichte. Hier wissen wir am besten Bescheid: Nicht nur kennen wir
alle Schenkungen von 934 an, wir besitzen auch die letztwilligen
Verfügungen des Grafen Adalberos
II. und seiner Gattin Richlind
[30 E I
35-46.] und können unser Material auch aus
anderen Beobachtungen ergänzen. Wer hat sich hier in das Erbe der
Grafen geteilt, an wen sind ihre Eigengüter gefallen?
Man pflegt bei Untersuchungen über den Besitz mittelalterlicher
Dynasten von einem „Negativbild" zu sprechen und meint damit, daß
man davon erst erfährt, wenn er abgestoßen wird. Dieses Bild
erscheint auch insofern trügerisch, weil jene Herren oft solche
Güter verschenkt oder abgetauscht haben, die in Bezug auf ihre
Herrschaftsräume abseits lagen, unbedeutend, vielleicht auch
umstritten oder angefochten waren. Dies gilt wohl für die
Schenkungen der EBERSBERGER an
Emmeram, Obermünster, Benediktbeuern, Freising und Weihenstephan [31 Zu Emmeram
und Obermünster siehe Anm. 26; ferner F 1152, 1404; W 21. ], nicht aber für die Schenkungen an Ebersberg und
Geisenfeld. Zwar blühte damals, als das Kloster Ebersberg
gegründet wurde, das Grafen-Haus noch, aber Eberhart I., der Gründer, war unverheiratet und kinderlos; er
widmet alle seine Güter dem Kloster und kümmert sich nicht um
den Einspruch seines Bruders, der befürchtet, sein und seiner
Kinder Erbe werde dadurch geschmälert. In noch stärkerem
Maße gilt das für die Schenkungen Eberharts III. an Geisenfeld und Adalberos III. an Ebersberg. Jetzt
war das Grafen-Haus am Erlöschen; der Mentalität dieser Zeit
entsprechend brachten die Brüder die allermeisten ihrer Güter
- und natürlich die besten Stücke - ihren Klöstern dar,
um sie wirtschaftlich abzusichern. Hofften sie doch, daß dort ihr
Andenken für alle Zeit bewahrt bleiben würde.
Damit stehen wir vor der Frage: Was verblieb den leiblichen Nachkommen
des Grafenhauses nach den Klostergründungen? Nach Auffassung der
bisherigen Forschung muß dieser Anteil groß gewesen sein:
An allen möglichen Orten im bayrischen Oberland - in der
ehemaligen Grafschaft „Hörzhausen", an Sempt und Strogn, im alten
Kernraum zwischen Sempt und Markt Grafing, an der Mangfall -
überall sieht man alten EBERSBERGER
Besitz, der in die Hände anderer Geschlechter, vorzüglich der
WITTELSBACHER,
übergegangen sei. Vielen schwebt wohl das welfische
Beispiel vor: Nach dem Tod Herzog
Welfs III. im Jahr 1055 rief dessen
Mutter Irmintrut ihren Enkel Welf, den Sohn ihrer Tochter Kuniza, die mit
dem Grafen Azzo von Este verheiratet
war, zu sich und übergab ihm den gesamten Familienbesitz [32 Hist.
Welforum cap. 12.].
Ist bei den EBERSBEERGERN
ähnliches geschehen? Auch bei ihnen hatte doch nur Hadamuot Nachwuchs, die Enkelin Graf Ulrichs [33 E Chr
1330. Trotter (a.a.O., 10) glaubt noch eine
weitere Hadamuot, eine Schwester des Grafen Ulrich,
entdeckt zu haben
und bezieht auf sie den Tausch mit Bischof
Altwin von Brixen 1050/65 (Bx 158). Doch finden sich in der
Zeugenreihe keine Anhaltspunkte.]. War also Hadamuot die „Erb-Tochter" der EBERSBERGER? Kurz vor seinem Tod
spricht Graf Ulrich zu seinen
Söhnen: „Solange es sich auf dieser Welt so verhielt, daß
jeder sein Eigentum in Ruhe besitzen und anständig leben konnte,
hätte es mich gefreut, wenn mir Gott Nachkommen geschenkt
hätte. In dieser Zeit aber, da das Böse so angewachsen ist,
daß jedermann gezwungen ist, sein Leben entweder schändlich
zuzubringen oder Unrecht zu tun, ist es mir lieber, daß ich keine
Enkel besitze ..." [34 E Chr 1414.] Natürlich hatte Ulrich seine Enkelin nicht
vergessen, aber hier schwingt eben noch jene uralte Anschauung mit,
daß die Tochter mit ihrer Heirat in eine andere Sippe
übertritt. Hadamuot war seine Enkelin, aber sie war keine
EBERSBERGERIN!
Selbstverständlich wurden auch die Töchter
standesgemäß ausgestattet. Andeutungen hiefür bieten
uns die Geisenfelder Traditionen. Liutgart,
die eine Tochter der Willibirg,
besaß Sollern, die Gräfin
Hadamuot, die andere, Habersdorf; von der Äbtissin Gerbirg, der dritten,
ist keine Schenkung vorhanden. Die Gräfin
Willibirg selbst gab vor ihrem Tod die Kirchen von Euernbach,
Kleinreichertshofen, Gundamsried und Ernsgaden [35 Gfd
3,4,5,20.]; das dürfte ihr „Wittum" gewesen
sein, während ihre Mitgift, wie gesagt, wohl in den
Hausgütern der Grafen in Krain und Karantanien bestand. Daß
aber Willibirg darüber
hinaus einen Großteil der
Ebersbergischen Güter geerbt hat, ist schon deshalb
unwahrscheinlich, weil die Teilung dieser Güter sicherlich zu
einem Zeitpunkt vorgenommen wurde, als man von den Söhnen Graf Ulrichs, Adalbero II. und Eberhart II., noch Nachkommen
erwarten durfte. Ebenso unwahrscheinlich ist es, daß die beiden
Brüder ihre Schwester Willibirg in ihrem
Testament reichlich bedachten; sie gaben vielmehr ihre Güter den
Klöstern Ebersberg bzw. Geisenfeld.
Eine besondere Betrachtung verdient das Thema „Die WITTELSBACHER
als Erben der EBERSBERGER",
das ja schon angeschnitten wurde. Zunächst der verwandtschaftliche
Aspekt: Pfalzgraf Otto I. von
Wittelsbach war Ur-Ur-Enkel des
Grafen Ulrich von Ebersberg über seine Mutter Richardis von Krain [36 Tyroller,
Adel, Tafeln 2, 18.] - also eine recht
weitläufige Verwandtschaft. Auch war Richardis nicht die Haupterbin; sie
besaß einen Bruder, den Markgrafen Poppo II. von Krain, mit
dem das Geschlecht im Mannesstamm ausstarb. Dennoch hat sich bis heute
das Gerücht erhalten vom reichen Erbe der EBERSBERGER, das an die WITTELSBACHER
gefallen sei, insbesondere an Sempt und Strogn [37 F. Prinz,
in Handbuch Spindler 323. ]. Da an eine
Übernahme von Grafschaftsrechten nicht zu denken ist [38 Siehe
Seite 113 f.], müßte es sich um die
Vererbung von Eigenbesitz handeln. Als Grundlage für diese
Vermutungen dient das Wittelsbachische
Urbar, das bald nach 1230 entstanden ist und in der Tat zahlreiche
Besitzungen im alten Machtraum der Grafen
von Ebersberg aufzählt. Wir wollen versuchen, den wahren
Sachverhalt am Beispiel Wartenberg zu ermitteln und bedienen uns zu
diesem Zweck dreier Nachrichten aus den Quellen:
980/90: „Ratpoto
de Ratpotingun" ist Zeuge unter Edlen für eine Schenkung
des Grafen Ulrich (von Ebersberg) [39 E I 15. ].
1116/17: „Bekanntgemacht sei der gesamten Christenheit der Tausch, den
der Herr Otto von Wittelsbach
mit dem Vogt von Ebersberg
Eckhart vorgenommen hat. Es gab nämlich obiger Otto über dem Altar St.
Sebastians in die Hände des Vogts
Eckhart zwei Joch im
Dorfe Aufham für zwei andere, welche St. Sebastian gehörten
und auf dem Berg Wartenberg liegen." (Folgen die Zeugen) [40 E III 39.].
ca. 1230: Zum herzoglich-wittelsbachischen
Amt Preising gehören fünf Höfe in Wartenberg und
fünf in Rapoting [41MB 36/2,44.].
Rapoting ist heute Ortsteil von Wartenberg. Da der Zeuge den Namen des
Ortsgründers trägt, haben wir es mit einer Rodungssiedlung
der Grafen von Ebersberg zu tun, welche auf dem ursprünglich
bewaldeten westlichen Ausläufer des Wartenbergs angelegt worden
ist. Was mit der Familie dieses Rapoto
geschah, ob sie ausstarb oder sich später nach einem anderen Ort
benannte, wissen wir nicht [42 Ein Rapoto E II 21
(ca. 1075) Z. zwischen Gamanolf von
Schattenhofen und Dietrich von Hörlkofen; der „Liber" Rapoto gibt zu
Wetterling (bei Glonn): E III 5 (ca. 1095).]. Da
aber die Vasallen der Grafen, die in der Nähe Ebersbergs
saßen, nach dem Erlöschen
des Grafenhauses an deren Hauskloster übergingen,
dürfte Rapoting nach 1045 dem Kloster Ebersberg gehört haben,
sei es als Eigenbesitz oder als ausgetanes Lehen. Der Wartenberg
wiederum kann nach seiner Lage nur zur Ortsgemarkung von Rapoting
gehört haben.
Wenn wir nun beim Tausch von 1116/17 den Wittelsbachischen
Besitzstand des 13. Jahrhunderts zugrunde legen, so hätte Pfalzgraf Otto schon einen
Großteil der Orte Wartenberg und Rapoting besessen, ehe er den
Berg Wartenberg erwarb. Diese Vorstellung ist aber unsinnig, wie
folgende Überlegung zeigt: „Joch" (iugerum) ist ein
Flächenmaß; dieses Wort gebrauchen die Schreiber der EBERSBERGER Urkunden für
unbebautes Land. Wäre besiedeltes Land gemeint, so wäre ein
Ausdruck wie „predium", „mansus" und dergl. verwendet
worden. Es ist also weder die Rede von einer Siedlung namens Wartenberg
noch auch von Rapoting. Vielmehr wurden die zur Burg gehörenden
Höfe erst nach 1116/17 nach und nach angelegt, und, weil sie zur
Burg gehörten, hieß diese jüngere Siedlung Wartenberg,
nicht Rapoting. Aber auch Rapoting kann den WITTELSBACHERN
damals nicht gehört haben; es wäre unverständlich, warum
sie den Ort, nicht aber den dazu gehörenden Berg besessen
hätten. Es zeigt sich also, daß die WITTELSBACHER
1116/17 nur den Berg erworben haben, wie es die Urkunde
ausdrücklich sagt. Die Siedlung Wartenberg ist jüngeren
Datums; der Ort Rapoting gehörte wahrscheinlich dem Kloster
Ebersberg. Von einem „Erbe" der
Grafen von Ebersberg, das an
die WITTELSBACHER
gefallen wäre, findet sich keine Spur.
Aus diesem Sachverhalt ist zu folgern, daß der Besitz der
Pfalzgrafen und späteren Herzöge von Bayern in dem
Jahrhundert zwischen 1120 und 1230 rapide angewachsen ist, vor allem im
Umkreis ihrer Hauptburgen, zu denen auch Wartenberg gehörte. Auch
die geringe Zahl der Wittelsbachischen
Dienstmannen in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts zeigt an,
daß der Grundbesitz ihrer Herren damals nicht sonderlich
umfangreich gewesen sein kann [43 Flohrschütz, Wittelsbach 50.].
Ferner läßt sich nachweisen, daß die Macht dieser
Dynastie seit etwa 1115 verblüffend schnell wuchs: Kein Machthaber
in Bayern hat in so kurzer Zeit so viele Vogteien erworben wie Pfalzgraf Otto I. [44 Ebendort
53.] Es wuchs also nicht die Macht der
Pfalzgrafen und späteren Herzöge aufgrund ihres reichen
Grundbesitzes, sondern umgekehrt ihr Grundbesitz durch die Steigerung
ihrer Macht. Um 1117/20 gewannen die WITTELSBACHER
mit der Pfalzgrafenwürde die Aufsicht über alle
königlichen Güter und Rechte in Bayern; 1180 kamen auch die
herzoglichen Güter in ihre Hand. Durch Heirat und Erbschaft [44a Die WITTELSBACHER
beerbten zum Beispiel die Edlen von Schaumburg (Flohrschütz,
Wittelsbacher 84).], durch Kauf und Vertrag [44b Zum
Beispiel der Vertrag mit dem Bischof
Adalbert von Freising, der eine nackte Erpressung darstellte
(Flohrschütz, Wittelsbach 60).] erwarb die
Dynastie in kurzer Zeit eine große Zahl von Gütern.
Möglicherweise stammt das eine oder andere dieser Güter aus
der Ausstattung der Willibirg
und der Hadamuot; vielleicht
ging auch manches alte Hausgut der EBERSBERGER,
das bei ihren Vasallen hängen geblieben war, an die WITTELSBACHER
über [45 Um 1170 (Idf 18) besaß Pfalzgraf Fridrich von
Wittelsbach aus dem eigentlichen EBERSBERGER Machtbereich nur
Kraiß und
Seeon. Ein Besitzschwerpunkt liegt zwischen Amper und Glonn, wo die
EBERSBERGER zwar vermutlich
Vasallen besaßen, wo aber kein Eigenbesitz
nachweisbar ist. Zusammenhang mit Alloden der EBERSBERGER ist nicht zu
erkennen.]. Die Behauptung aber, daß die EBERSBERGER von den WITTELSBACHERN
in großem Maßstab beerbt worden seien, ist nicht nur
unbeweisbar, sondern sogar unlogisch.
4. Bei der Frage nach dem Bluterbe
der Grafen von Ebersberg, nach ihrem Weiterleben in anderen
Geschlechtern, habe ich darauf verzichtet, die Freisinger RATOLDE und die SIGHARTINGER VOM CHIEMGAU mit zu
behandeln, da wissenschaftlich nicht eindeutig erwiesen ist, in welchem
Grade sie mit den EBERSBERGERN
verwandt waren [46 Tyroller stellt beide Familien zu den EBERSBERGERN (im Mannesstamm): Tafel
2.]. Ich beschränke mich also auf die
Nachkommenschaft des Grafen Adalberos
I. Am besten belegt ist die Nachkommenschaft der Willibirg, Tochter des Grafen Ulrich und Gattin des Wergant von Friaul, die
über ihre Tochter Hadamuot
zu den Markgrafen von Krain führt. Poppo II., der letzte des Stammes, besaß eine Schwester Richardis, die mit dem Grafen Otto II. von Scheyern
verheiratet war [47 Tyroller, Die Ahnen der Wittelsbacher (Jahresber. des
Wittelsbacher-Gymn. 1950/ 1951), Anm. 110. Zu seiner Meinung, daß
nicht
Eckhart I., sondern Otto II. der Gemahl der Richardis war, paßt
auch der Umstand, daß Otto II.
kurz vor seinem
Tod eine Schenkung an Ebersberg vornahm (E III 12: ca. 1105).] und somit Mutter des
ersten Pfalzgrafen Ottos von Wittelsbach wurde. Die beiden Erb-Töchter Poppos II. heirateten in die Familien der
Grafen von Andechs bzw. Bogen ein, wodurch nicht nur das Blut der EBERSBERGER, sondern auch viel von
ihrem alten Hausbesitz im Südosten an diese beiden Dynastien kam [48 F. Prinz,
348; vgl. Tyroller, Tafeln 10 und 17. ]. Tuta, eine weitere Tochter des Grafen Ulrich, die mit
einem SIGHARTINGER verheiratet
war [49 Obermünster
10.], scheint nach einer Stelle aus der EBERSBERGER Chronik kinderlos geblieben zu sein. Dort
wird nämlich klar gesagt, daß nur Willibirg Kinder besäße [50 E Chr
1330.].
Weit problematischer ist der Zusammenhang der EBERSBERGER mit den sogenannten
Grafen von Hörzhausen. Ein Teil der Forscher nimmt an, daß
beide Geschlechter identisch seien, was ich für unrichtig halte [51 Siehe
Seite 109 f.]. Am meisten hat meines Erachtens
die Ansicht Tyrollers für sich, der an eine Heirat einer Tochter des Grafen Adalbero I. (? Willibirg) mit einem Grafen an der Paar denkt [52 Tyroller,
Adel, Tafel 2, nr. 12.]. Im Gegensatz zu
Diepolder [53 Siehe Einleitung zu HAB Aichach (I 2).]
und Liebhart [54 W. Liebhart, Kühbach 44 mit Stammtafel.] zieht Tyroller auch die Grafen
des Chiemgaus namens Babo aufgrund zweier Belege [55 F 1209 (Nobilis
vir Odalschalk et pater Papo:
ca. 975),
K 1 (Babo ist Neffe des Grafen Adalbero, Gründers von Kühbach: ca.
1000/10). ] zum nämlichen Geschlecht. Mir
erscheint diese Annahme deshalb begründet, weil ich vermute,
daß der letzte dieser „BABONEN
[56 Belege
bei Tyroller, Tafel 2, nr. 29.] auch Vogt von
Geisenfeld war [57 Gfd 11, 14.] und darüber hinaus
zu identifizieren ist mit dem nur einmal erwähnten Grafen Babo von Scheyern [58 Gfd Ukn 1
(in MB 14).]. Als seine Tochter ist Haziga zu betrachten, die in erster Ehe mit einem Grafen von
Kastl verheiratet war und in zweiter
Ehe ihrem Gatten Otto die Burg
Scheyern zubrachte [59 G. Flohrschütz, Graf Babo von Scheyern und Haziga, in:
Aichacher Heimatblatt 28. Jahrg., Nr. 6, 1980.].
Demnach sind die WITTELSBACHER
auch über diese Linie Abkömmlinge
der EBERSBERGER. Nach Tyrollers Stammtafel gelangte das Blut der
EBERSBERGER über die
Grafen „von Hörzhausen" auch an die Grafen von
Grögling-Ottenburg-Dollnstein-Hirschberg, an die Grafen von Dachau
und Valley und meines Erachtens [60 Tyroller, Adel, Tafeln 2, 12; Flohrschütz, Stammtafel
Seite 3.] auch an die Edlen von Elsendof. Nicht
erscheinen in der beigegebenen Nachfahrentafel die Grafen von
Rott-Vohburg aus dem Stamm der
PILIGRIMIDEN [60a Tyroller, Tafel 8. ], zu denen wohl
ebenfalls eine verwandtschaftliche Beziehung bestanden hat [61 Siehe
Seite 24.].
Wenn also auch die gesamte Nachkommenschaft der EBERSBERGER bisher nicht erschlossen
werden konnte und auch kaum je erschließbar sein dürfte, so
geht aus dem Gesagten doch hervor, daß das Blut der EBERSBERGER zunächst in eine
Anzahl bayerischer Adelsfamilien einströmte und sich von hier aus
verbreitete. Heute dürften wohl die meisten europäischen
Hochadels-Geschlechter die EBERSBERGER
zu ihren Vorfahren zählen.
Soviel über die ebenbürtige Nachkommenschaft; die
unebenbürtige wird bei solchen Untersuchungen meist
übergangen, da man darüber nichts weiß. Bei den EBERSBERGERN aber sind wir auf drei
Spuren dieser Art gestoßen: auf Abt
Altman, der uns ausdrücklich als illegitimer Sproß des Grafen-Hauses genannt
wird [62
E Chr 1325.], auf Gotini wegen ihres Namens [63 Siehe
Seite 27.] und auf Hiltegunde wegen ihres reichen
Besitzes, der als Hausgut der EBERSBERGER
anzusprechen ist [64 Siehe Seite 25 f.]. Was wir aber von
der „Priesterin" Hiltegunde annehmen,
müßte folgerichtig auch für die „Priesterin" Liutbirg gelten und ebenso für
die mit ihnen zusammengenannten Priester
Gunduni bzw. Berchtgoß.
Während wir aber bei den illegitimen Nachkommen der Grafen, die
priesterlichen Standes waren, kaum mit Nachkommen zu rechnen haben,
sind Goßbert und Gotini die Stammeltern des wichtigsten EBERSBERGER
Dienstmannengeschlechts gewesen; sicherlich gehören auch
Mitglieder anderer Ministerialen-Familen zu ihren Nachkommen, auch wenn
sich solche Verwandtschaften nicht nachweisen lassen. über die
natürlichen Sprößlinge der Grafen ist also ihr Blut
auch in tiefere Schichten der Bevölkerung eingeströmt.
Zum Abschluß müssen wir uns noch mit dem politischen Erbe
der Grafen von Ebersberg
befassen. Nicht von ihrer Wirkung für die Folgezeit soll hier die
Rede sein; dazu hat sich schon W. Störmer geäußert [65
Störmer, Adelsgruppen 175.], sondern von
ihrer politischen Konzeption, wie sie beim Erlöschen des
Grafen-Hauses bestand, von der Machtverteilung in dem Raum, wo sie den
Ton angaben. An den Grafschaften läßt sich diese Konzeption
nicht erkennen - hier bestehen zu viele Unklarheiten - wohl aber an den
Vogteien.
Als Vögte von Geisenfeld werden in dieser Zeit genannt Hartwig [65a Gfd 4.], wohl identisch mit Hartwig
von Berghofen, der mehrmals im Gefolge des Grafen Adalbero begegnet [65b E I
30,36,44,47, III 1; auch Gfd 1,2.], und Erchanger von Schambach
(südlich Riedenburg) [66 Gfd 1,2,6,8 o. A., 9 („Archo").], sehr wahrscheinlich ein Sohn
oder Enkel des Erchanger von Schammach, welcher ebenfalls in
Ebersberg bekannt war [67 E I 11,14.]. Beide Vögte waren
also Vasallen der EBERSBERGER.
Hauptvogt des Bischofs von Freising
war von 1039 bis ca. 1045/47 Graf
Sighart VII. [68 Z. B. F 1442,1445,1337,1457; Seite 34.],
der Schwager der letzten Grafen von
Ebersberg; er bevogtete damals auch Weihenstephan [69 W 38, 39.
Zu ihm siehe Uhl, Einleitung zu den Weihenstephaner Traditionen 128*.]. Die Vogtei von Ebersberg besaß schon zu Lebzeiten
der Gräfin Richlinde, der
Witwe Graf Adalberos II., Rotbert I. von Schleißheim [70 E I 46.], der einmal auch als Graf bezeichnet wird [71 E I 53.]. Er stammte aus einem alten Vasallen-Geschlecht der EBERSBERGER und war auch Vogt von
Tegernsee [72 Zum Beispiel T 8, 12, 26.]. Nun
entfaltete zwar damals die Vogtei noch nicht die gleiche
herrschaftsbildende Kraft wie im 12. Jahrhundert; auch war um die Mitte
des 11. die Erblichkeit von Kirchenvogteien eher die Ausnahme als die
Regel. Dennoch waren auch damals schon die Vogteien gewichtige
Machtpositionen. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie
groß die Macht der Grafen von
Ebersberg gewesen ist, so zeigt sie sich bei ihrem
Erlöschen noch einmal besonders eindrucksvoll: Sämtliche
wichtigen Kirchenvogteien, vom Alpenrand bis zur Donau hinunter, waren
innerhalb ihres Machtbereiches von ihren Verwandten, Verbündeten,
Vasallen besetzt!
DIE
NACHFAHREN DER EBERSBERGER
Adalbero I.
Gf v. Ebersberg
928/34-65/69
--------------------------------------------------+------------------------------------------------------------------------
Ulrich 1
NN (?Willibirg)
Gf v.
Ebersberg
oo Babo I. Graf an der Paar
960/65-1029
957-ca. 975
---------+---------------------------
------------------------------------------------+------------------------------------
Willibirg
Tuta
Gf Babo II.
Adalbero
Liutgart
Hildegart
ca.
1020-50
oo Sighart (VII.)
ca. 980-1008/9 Graf von
Hörzhausen oo Altman I.
1008/9-ca. 1025
oo Werigant
Gf im Chiemgau
Gründer von Kühbach
Gf an der Paar
I. oo Gf Adalbero
Gf von Friaul
1010-46
ca.
995-nach 1011
1007
II. oo Konrad/Kuno Graf
?
kinderlos
von Sualafeld
-----+---------
----+---------
-----+-----
----------+----------------
Hadamuot
Babo III.
Altman II.
Adalbero von Willibirg
ca.
1050
Graf im
Chiemgau
Graf an der Paar Badershausen
1008/8-ca.1025
oo Poppo I. Graf von
Vogt von
Geisenfeld
ca. 1020-1047 1008/09-1017/27 oo ? Odalschalk
von
Weimar-Orlamünde
Graf von Scheyern
von Eisendorf
1008/9-ca. 64
ca.1025-1039/47
I
I
I
I
-----------------
--------------
---------
-----------
Ulrich
Haziga
Aviza
Kuno von
Markgraf von Krain
† ca. 1104
oo Hartwig
von Reipertshofen
†
1070
I. oo Herman
Graf
? Berghofen
ca.
1060
+
von Kastl,1050/56
1035-68/9
ELSENDORFER
II. oo Otto I.
Graf von Scheyern
† 1070/72
-----+-------------------------------------------------------
+
----+------
Poppo II.
Richardis
GRÖGLINGER
Beatrix
Markgraf von Krain
oo Otto
II.
oo Arnold Graf
†
1101
Graf von
Scheyern
von Scheyern-Dachau
ca. 1078-1107
ca. 1080-n.1104
----+----------------------------
Sophia
Hadwig
oo Berthold IV. oo
Adalbert I. Graf
+
+
+
Graf von Andechs von
Bogen Grafen von
Grafen von
Kastl
DACHAUER,VALLEYER
†
1151
†
1146
Scheyern-Wittelsbach
+
+
ANDECHSER
BOGENER
STAMMTAFEL
DER GRAFEN VON EBERSBERG
(nach Tyroller, Adel, Tafel 2, mit Veränderungen)
Sighart
ca. 887 † 906
? Graf in Alemannien
besitzt Sempt
oo Gotini
-----+--------------
Ratold
ca. 890-919
Markgraf in Karantanien
oo Engilmut
----------------------------------------------------------------------
Adalbero
Eberhart
Willibirg
928/34-65/69
†
959
†
980/85
?
Markgraf
Gf. a. d. Amper
? oo Eticho II.
gründet Ebersberg
(WELFE)
---
+------------------------------------------------------------
Hadamut
Ulrich
NN(?Willibirg)
oo Graf
ca. 970-1029
oo Gf. Babo
Markwart
Mkgf v. Krain
ca. 957-75
v.
Viehbach,
Gf. v.
Ebersberg
Gf. a. d. Paar
Eppensteiner
oo Richgart,
Eppensteinerin
-------------------------------+------------------------------------------------------
Adalbero
Eberhart
Tuta (Judith)
Willibirg
1029-1045
1037-41/42
oo Sighart
ca. 1020-50
Gf. v. Ebersberg Mkgf. v.
Krain
Gf. v. Chiemgau oo Gf. Wergant von Friaul
oo
Richlint,
Gf. v.
Ebersberg
†
1046
WELFIN
gründet Geisenfeld
kinderlos
oo Adelheid
aus Sachsen
-----------------------------------------------------------------+-------
Gerbirg
Liutgart
Hadamut
Äbtissin
Nonne
oo Gf. Poppo
in Geisenfeld
in
Geisenfeld
v. Weimar
Orlamünde
Mkgf. v. Krain
+
Nachkommen