Chronik von St. Peter zu Erfurt
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Das Jahr 1160.
 

Nachdem Papst Adrian am 1. Sept. gestorben war, wurden durch die Uneinigkeit der Cardinäle und der Römer zwei Päpste, nämlich Octavian und Ruland, auch Alexander genannt, erwählt, eingesetzt und geweiht. Beide wurden daher zum Reichstage, oder vielmehr zu der Synode, welche auf kaiserlichen Befehl am 2. Februar abgehalten werden sollte, berufen. Da Ruland, obgleich des königlichen Willens nicht unkundig, sein Erscheinen verweigerte, so wurde der erschienene Octavian von den Gegenwärtigen der Apostolische genannt und als solcher bestätigt. Ebenso wurde auch Alexander von den sehr zahlreichen Anhängern seiner Partei zu Anagni, einer Stadt Apuliens, die apostolische Würde zuerkannt. Erzbischof Arnold wird von den Mainzern aus der Stadt vertrieben, entweicht nach Thüringen und kehrt mit einer nicht geringen Anzahl Bewaffneter zurück, gleichsam um die Stadt mit den Waffen in der Hand einzunehmen und den Vermessenen die verdienten Strafen aufzuerlegen. Ihn fanden die Bürger, noch ehe die zahlreichen Bewaffneten seiner Partei sich vereinigt hatten, am 24. Juni mit Wenigen bei Sanct Jacob, zündeten das Kloster an, tödteten ihn mit dem Schwerte und nachdem sie ihn bei den Füßen aus der Kirche gezogen, ließen sie ihn zum unwürdigen und kläglichen Schauspiel nackt auf der Straße liegen. Udalrich, Bischof von Halberstadt, weder in gesetzmäßiger Weise angeklagt, noch kanonisch verhört und abgeurtheilt, wird in seiner Abwesenheit nach dem Belieben des Herzogs Heinrich von dem Cardinal G. abgesetzt und kommt der Decan Gero an seine Stelle. Am 25. Juli findet in Erfurt eine Zusammenkunft der Fürsten und Bischöfe wegen der Angelegenheit des Reiches statt, bei welcher die Mainzer ob ihres ungeheueren Frevels unter  Auslöschung der Lichter, wie es Brauch war, verflucht und excommunicirt werden. Diese achteten eine so schwere Verurtheilung ihres Falles gering, oder stellten sich vielmehr so und wählten sich  Rudolf, den Bruder des Herzogs Berchtold zum Bischof; ihm entgegen stellten Pfalzgraf Cunrad und Landgraf Ludewig am 29. October zu Frankfurt Christian, Propst zu Merseburg, mit Gutheißung nur Weniger auf, gestützt nicht auf die Gegenwart, sondern auf den Auftrag der Suffraganbischöfe und des apostolischen Legaten von Trier. Daraus entsteht Streit der Parteien; die Angelegenheiten gewinnen ein dem Guten und Billigen  entgegengesetztes Ansehen, indem über Kirchliches nach dem Urtheil der Laien entschieden und der bischöfliche Sitz durch die  Gewaltthaten einiger Mächtigen bestürmt, zerrissen und zu Grunde  gerichtet wird. Sizo [5 Sizo, Graf von Kevernberg (Käfernburg).], ein Graf aus Thüringen, starb.
 

Das Jahr 1184.
 

Der Kaiser feierte Pfingsten mit den Fürsten des gesammten Reiches sehr glänzend zu Mainz, wo auch zwei seiner Söhne, nämlich Cunrad, welchen er zum Herzog von Schwaben gemacht, und Heinrich, welchem die Regierung des Reiches zugedacht war, durch die ritterlichen Gelübde verpflichtet wurden. Daselbst war auch der vorgenannte Herzog Heinrich, dessen sich Cunrad, der Erzbischof von Mainz, annahm, erlangte aber Nichts von der kaiserlichen Gnade. Ebenda begab sich durch einen unglücklichen Zufall ein sehr merkwürdiges Ereigniß. Eine mit ungemeiner Pracht aus Holz errichtete Capelle, in welcher eben am hohen Pfingstfeste die heiligen Geheimnisse gefeiert worden waren, stürzte vor Sonnenuntergang infolge eines plötzlichen Sturmwindes ganz ein und erschlug Einige vom Volke, welche darin waren. Nach beendeter Feier schickte der Kaiser seinen Sohn, den König Heinrich, mit einem Heere nach Polen, Cunrad aber den Herzog von  Schwaben zugleich mit Philipp von Köln und vielen Anderen gegen den König von Frankreich. Der Kölner aber rückte, ohne zu warten bis die Seinigen vollzählig beisammen waren, auf das Gebiet von Frankreich ein, und mußte nicht ohne Verlust an Leuten  zurückweichen. König Heinrich kam auf dem Zuge gegen Polen nach
Erfurt und fand daselbst Cunrad von Mainz in heftigem Streit mit dem Landgrafen Lodewig ob des dem Bisthum zugefügten Schadens. Als er, bemüht den Frieden zwischen denselben herzustellen, von Vielen umgeben in einer Oberstube zu Rath saß, brach plötzlich das Gebäude zusammen und Viele stürzten in die darunter befindliche Abtrittsgrube, deren einige mit Mühe gerettet wurden, während andere im Morast erstickten. Daselbst starben: Friderich, Graf von Abinberc, Heinrich, ein Graf aus Thüringen, Gozmar, ein hessischer Graf, Friderich, Graf von Kirchberg, Burchard von Wartburg und Andere geringeren Namens am 26. Juli eines kläglichen Todes.

Der König kam, um, wie er beschlossen, gegen Polen zu ziehen, nach Halle, wo, als man ihn mit dem gebührenden Geleite einholte, plötzlich die Glocken verstummten, da die Stricke zerrissen. Als er von da weiter zog, empfing er Gesandte von Polen, welche um Frieden baten, er gewährte denselben und kehrte so im Frieden zu seinem Vater zurück. Der Kaiser nahm den Mainzer, den Landgrafen Lodewig und noch einige andere Fürsten zu sich und zog friedlich nach Italien.

Die Kaiserin Beatrix stirbt zugleich mit ihrem Töchterchen, welches, obgleich sehr klein, doch mit dem Sohne des Königs von Ungarn verlobt war, und wird zu Speyer begraben.

Sigefried, Erzbischof von Bremen, starb.
 

Das Jahr 1204.
 

König Philipp sammelte auf's Neue ein starkes Heer Bayern, Sachsen, Schwaben, Sorben und Oesterreicher und von jenen, welche am Rhein und in Ost-Franken wohnten, und zog mit schwerer
Menge und unter dem Beistande der Grafen Günther und Heinrich von Schwarzburg, des Grafen Lampert von Gleichen und der Erfurter nach Thüringen und verheerte die ganze Gegend während der Erntezeit grausam mit Feuer und Schwert. Die Burg Weißensee belagerte er sechs Wochen lang, nahm sie aber nicht ein. In diesen Tagen sammelte auch der böhmische König eine große Menge der Seinen und kam über das Gebiet der königlichen Stadt Saalfeld und von Orlamünde heran, in der Absicht mit König Philipp zu schlagen; nachdem er aber Kundschafter  ausgeschickt, vertraute er nicht mehr auf die Macht der Seinigen, obgleich deren viele Tausende waren, und ergriff, nachdem er Alles in der Gegend von Langewice und Ilmin verheert, in finsterer Nacht mit den Seinen die Flucht. Als dies der Landgraf hörte, gab er nothgedrungen seinen Sohn und Andere als Geißel und  unterwarf am Feste des heiligen Lampertus im Kloster Ichtershausen sich und all' das Seine, indem er sich Philipp sowohl eidlich, wie durch Geißeln verpflichtete.
 

Das Jahr 1205.
 

König Philipp zog mit einem Heere nach Köln und verheerte Alles, was den Kölnern gehörte. In diesem Jahre starb im Monat August Lutolf, Erzbischof von Magdeburg, und folgte ihm Dompropst Adelbert, ein Bruder der Grafen Günther und Heinrich von Schwarzburg. Auch war in diesem Jahre in Thüringen eine große Hungersnoth. Im vergangenen Jahre hat Erzbischof Adolf von Köln seinen König Otto, welchen er zu Köln als König gesalbt, aufgegeben, Köln verlassen, ist zu König Philipp  gekommen und hat sich demselben mit einem Eid verpflichtet. Darüber sehr entrüstet setzten sich die Kölner im Auftrag des Papstes Innocenz Bruno, Propst zu Bonn, zum Bischof, nachdem ihm das erzbischöfliche Pallium überschickt war.