25. Wie der Herzog Ernst sein Herzogthum wieder erhielt.
Wie der Herzog Ernst sein Herzogthum wieder erhielt und alsbald wieder verlor.
Im Jahre des Herrn 1030 feierte Kaiser
Konrad bei Ingelheim das Osterfest. Dort wurde dem schon erwähnten
Herzog Ernst von Alamannien, nachdem er aus seiner Haft entlassen war,
sein Herzogthum unter der Bedingung zurückgegeben, daß er seinen
Vasallen Wezel, der durch viele Parteiungen das Reich beunruhigt
hatte, als einen Feind des Staates mit all den Seinigen verfolge und eidlich
versichere, daß er dies thun wolle. Da das der Herzog aber nicht
thun wollte, wurde er als offenbarer Feind des Kaisers verurtheilt und
des Herzogthums nun völlig verlustig wich er mit nur wenigen Anhängern
von dannen. Der Kaiser aber gab die Herzogwürde Alamanniens an
Hermann,
den jüngeren Bruder desselben Ernst, und empfahl ihn der Obhut
Warmanns, des Bischofs von Constanz. Auf einstimmigen Rath aller Reichsfürsten
ließ der Kaiser denselben Ernst und alle, die sich gegen Gerechtigkeit
und Frieden auflehnten, von den Bischöfen excommuniciren und ihre
Besitzungen von Staatswegen einziehen. Selbst die
Kaiserin Gisela setzte, - traurig zu sagen aber löblich
zu thun, - den unberathenen Sohn dem weisen Gatten nach und gab allen öffentlich
die Zusicherung, daß sie, was jenem auch begegnen möchte, mit
keinerlei Rache oder Feindschaft dafür Vergeltung suchen werde.
28. Des Herzogs Ernst Untergang.
Der Herzog Ernst aber kam wieder heim nach Alamannien, wo er sich in einer Wildniß, die der Schwarzwald heißt, an sehr sicheren Plätzen aufhielt und eine Zeit lang mit elender Beute sein Leben fristete. Nachdem er aber schließlich von dem Heere des Kaisers auf allen Seiten eingeschlossen war, fingen einige, die dem Kaiser anhingen, die Pferde, mit denen der Herzog und alle seine Leute trefflich versehen waren, durch List auf der Weide ab. Da nun der Herzog nach dem Verluste der Pferde, auf die er seine Zuversicht setzte, keine Hoffnung mehr hatte, war er in so großer Bedrängniß rathlos, was er thun sollte; nachdem er jedoch von allen Seiten her noch Pferde jeglicher Art, wie er sie nur bekommen konnte, zusammengerafft hatte, zog er mit allen, die er nun hatte, aus dem Walde hinaus, bei sich erwägend, daß es besser sei mit Ehren zu sterben als mit Schande zu leben. Und als sie in ein Waldgebirge nach jener Gegend Alamanniens kamen, welche die Bar heißt, sahen sie ein verlassenes Lager, das in der Nacht vorher die Feinde inne gehabt hatten. Sofort merkten sie, daß man ihnen Nachstellungen bereite. Denn der Graf Mangold, ein Vasall des Kaisers, der von der Abtei Reichenau ein großes Lehen trug, war von dem Kaiser und dem Constanzer Bischof Warmann, der damals an Stelle des Herzogs Hermann Alamannien verwaltete, zum Schutze hingestellt worden, damit der Herzog Ernst nicht Raub und Brand in der Gegend übe. Sofort wurden Herzog Ernst und seine Begleiter allzu frohen Muthes in dem Glauben, sie würden alsbald für das ihnen geschehene Unrecht an den Feinden Rache nehmen können; und rasch aufbrechend begannen sie ihren Verfolgern nachzusetzen. In derselben Absicht gingen Graf Mangold und seine Leute hierhin und dorthin vor und beobachteten sorgfältig des Herzogs Wege. Indem so auf beiden Seiten die Gelegenheit gegeben wurde, kamen sie sich so nahe, daß sie einander sehen und anreden konnten. Auf Mangolds Seite stand aber viel mehr Kriegsvolk als auf der Seite des Herzogs.
Ohne Verzug begegnen sich alle zu heftigem Kampfe, auf
der Seite des Herzogs von Zorn, Wildheit und Kühnheit getrieben, auf
der anderen Seite nach Ruhm und Belohnung verlangend. Die, welche auf der
Seite des Herzogs standen, suchten und fanden, da sie gar nicht mehr an
ihr Leben dachten, ihren raschen Tod. Der Herzog aber, wie er selbst in
diesem Kampfe keines Menschen schonte, fand auch keinen, der ihn schonte,
und von vielen verwundet fiel er schließlich todt nieder. Da fiel
der Graf Wezel, der Vasall des Herzogs, um des Willen dies alles geschehen
war; Adalbert und Werin, Männer
edlen Geschlechtes, und viele andere fanden dort ihren
Tod. Auf der andern Seite fiel Graf Mangold selbst, der Urheber dieses
Zusammenstoßes, und viele andere mit ihm. Die Leiche des Herzogs
Ernst wurde nach Constanz gebracht und, nachdem sie zuvor durch bischöflichen
Machtspruch von dem Banne gelöst war, in der Kirche der heiligen
Maria beigesetzt. Mangolds Leiche wurde in Reichenau begraben.
Dieses Gefecht fand statt, zum Leid auf ewige Zeiten
am 18. August. Als der Kaiser davon Nachricht erhielt, soll er gesagt
haben:
Wüthende Hunde vermehren nur selten den eigenen Nachwuchs.
37. Von dem Aufstande in Parma.
In demselben Jahre setzte der Kaiser, nachdem er zur Winterzeit
sein Heer wieder zusammengezogen hatte, über den Po und kam zur Stadt
Parma; daselbst feierte er das Geburtsfest des Herrn im Anfange des
Jahres der Fleischwerdung des Herrn 1038. An dem Geburtstage des Herrn
selbst entstand zwischen den Deutschen und den Bürgern von Parma ein
großer Aufstand und ein tapferer Mann, Konrad, des Kaisers Truchseß,
wurde unter anderen getödtet. Dadurch gereizt griff das Heer die Bürger
mit Feuer und Schwert an und der Kaiser ließ nach der Feuersbrunst
einen großen Theil der
Mauern zerstören, damit diese Trümmer anderen
Städten zeigten, daß die Vermessenheit jener nicht ungestraft
geblieben sei. Darauf überschritt der Kaiser das Apenningebirge und
zog nach Apulien. Die Kaiserin aber ging nach Rom zur Andacht und kehrte
von da zum Kaiser zurück. Als aber der Kaiser an die Grenzen seines
Reichs kam, sicherte er Troja, Benevent, Capua und andere Städte Apuliens
durch Recht und Gesetz, schlichtete Streitigkeiten, die zwischen den fremden
Normannen und den Eingeborenen herrschten, durch seinen bloßen Machtspruch
und kehrte, nachdem er alles dem Reiche schädliche glücklich
beseitigt hatte, nach Ravenna zurück. Nachdem er hier gegen die Mailänder,
die sich noch gegen ihn auflehnten, da und dort Besatzungen gelassen und
Kriegsvolk in Hinterhalt gelegt, und auch alles übrige durch das Reich
hin nach Wunsch geordnet hatte, beschloß er in sein Vaterland zurückzukehren.
Zu jener Zeit befiel in Folge der zu großen Hitze eine gar ansteckende
Seuche das Heer und schonte weder Alter noch Person. Da erlag die Königin
Kunelinde, König Heinrichs
Gattin, am 18. Juli, so zu sagen an der Schwelle des Lebens, der Macht
des Todes, indem sie nur ein einziges Töchterlein dem Könige
hinterließ, welches der Vater später Christo anverlobte und
zur Aebtissin weihen ließ. Der Sohn der Kaiserin, Hermann,
der Herzog der Alamannen, ein junger Mann von guter Anlage und tapfer
im Kriege, wurde von derselben Seuche befallen und starb unter den Händen
der geschicktesten Aerzte am 28. Juli zum größten Schaden
des Reiches. In demselben und im folgenden Monate starb ein sehr großer
Theil des Heeres an derselben Krankheit. Der Königin zarter und fein
gebauter Leib wurde einbalsamirt, im Gefolge des Königs und der Kaiserin
nach Deutschland gebracht und in der Probstei Lintburg beigesetzt. In Betreff
des Herzogs hatte man beschlossen, daß derselbe nach Constanz,
der Stadt Alamanniens, gebracht werden solle; da es aber die allzu große
Hitze hinderte, wurde er in Trient begraben.