ERCHANGAR (II)
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belegt als Graf ?909 XII 28 - 912 VIll 23, 912 IX 25 [Pfalzgraf],
belegt als Verstorbener + 917 I 21)
Belege mit comes-Titel:
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W II Nr. 761 (= UB St. Gallen Süd I Nr. 58, BU I
Nr. 89, ThUB 1 Nr. 163), DD K I Nrn. 2 (= W II Nr. 765), 3,9,10,11 (= BU
I Nr. 91; mit dem Titel: comes palatii)
Belege ohne comes-Titel:
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Clavadetscher, Wolfinus Cozperti palatini comitis filius
151, Herimanni Augiensis Chronicon 112 ad a. 911,917, D KI Nr. 17, Lendi,
Untersuchungen 190 (= Annales Alamiannici ad a. 913-916), Annales Sangallenses
maiores 279f. ad a. 913, 916 (= MGH SS I 77f.), Annales Einsidienses 141
ad a. 916, Synodus Altheimensis 619,623,626 capp. 21,34, Annales Auglenses
68 ad a. 917, Reginonis Abbatis Prumiensis Chronicon, Continuatio 155 ad
a. 917, Annalista Saxo 594 ad a. 917 (mit dux-Titel), Annales Quedlinburgenses
52 ad a. 917, Ekkehardi IV. Casus Sancti Galli 36-52 capp. 11-20 (= Ekkehardi
IV. Casus sancti Galli 42-78 capp. 11-20; MGH SS II 83-87), St. Galler
Gedenkbuch pag. 73 (= Piper, Libri Confrat. 94 col. 306,3)
Literatur:
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Stälin, Geschichte I 266-272 - Roth von Schreckenstein,
Erchanger und Berchtold - Meyer von Knonau, Geschlechtskunde 72 A. 2 -
Baumann, Gaugrafschaften 80 - Dümmler, Ostfrk. Reich III 566, 570,578f.
mit A. 3,586,590-592,609,611,618 - Krüger, Zähringer II/III 493
- Baumann, Erchanger und Berchtold - Zeller, Salomo III. 79-99 - Schetter,
Intervenienz 107 - Tellenbach, Königtum und Stämme 53 Nr. 35
- Meyer-Marthaler, Rätien 88-90 - Jänichen, Baar und Huntari
115, Tafel 2. "Die Bertholde" im Anhang - Dobler, Gedenkeintrag - Bühler,
Richinza von Spitzenberg 319 - Zotz, Breisgau 65-70, 166f. - Bilgeri, Geschichte
Vorarlbergs 192 - Goetz, "Dux" und "Ducatus" 17,328f.,373 - Walther, Fiskus
Bodman 263-265 - Borst, Pfalz Bodman 212-214,218f. - Maurer, Herzog von
Schwaben 36-46 u.ö. - Brunner, Oppositionelle Gruppen 166,168-171
- Clavadetscher, Wolfinus Cozperti palatini comitis filius 156-160 - Borgolte,
Geschichte der Grafschaften Alemanniens, Kap. IX
In sechs Diplomen KONRADS I.
wird zwischen dem 11. Januar 912 und dem 12. März 913 ein Intervenient
Erchangar
genannt (vgl. Borst 212f., Goetz 328, Schetter). Wie aus einem an anderer
Stelle gebotenen Vergleich der Fürsprechergruppen hervorgeht (s. Art.
Konrad II), war in DD K I Nrn. 2f., 11 und 17 dieselbe Person gemeint.
Die Diplome 9 und 10 datieren vom 8. bzw. 23. August 912 und sind zwischen
den übrigen Stücken so eingeschlossen, dass an der Identität
des Erchangar auch hier kein Zweifel
sein kann; in D K I Nr. 9 wird überdies sicher derselbe Graf Heinrich
erwähnt, der auch an DD Nrn. 11 und 17 beteiligt war. Einige der in
den Königsurkunden vorkommenden Intervenienten sind um 909 in St.
Gallen gewesen, als Abtbischof Salomon III. dem Kloster die Abtei Pfäfers
übertrug (W II Nr. 761; Konrad II). Deshalb darf man den Grafen
Erchangarius, der in der entsprechenden Urkunde als Vogt
von Salomons Neffen Waldo erscheint, mit dem gleichnamigen Großen
der Königsdiplome identifizieren.
Meist wird Erchanger als
comes
bezeichnet (DD K I Nrn. 2f., 9f.; W II Nr. 761); obwohl man seine Grafentätigkeit
aufgrund anderer Quellen (siehe unten) am ehesten in Alemannien lokalisieren
darf, konnte hier kein bestimmter Sprengel für ihn nachgewiesen werden.
Gegen eine ältere Lehre, Erchanger
sei
Graf im Klettgau gewesen, hat sich mit Recht Baumann (Erchanger und Berchtold
267) gewandt. Baumanns eigener These (Gaugrafschaften 80), nach der Erchanger
die
Gaugrafschaft Affa innegehabt hätte, fehlt aber nicht weniger
ein Fundament in der Überlieferung; sie beruhte auf der Annahme, Erchanger
sei in eine angeblich traditionelle Position seiner Vorfahren eingetreten.
In der Königsurkunde vom 25. September 912 trägt Erchanger
den Titel comes palatii (D K I Nr. 11). Ob sich die mit dem
Rang verbundene Amtsgewalt auf die Pfalz Bodman beschränkte, wo das
Diplom ausgestellt worden war (so Maurer 38f.), oder die Verwaltung des
Fiskus in Alemannien einschloß (so Walther 263, vgl. bereits Baumann,
Erchanger und Berchtold 268ff.), ist umstritten. Seit Baumann (ebd. 264-269)
wird gelegentlich behauptet,
Erchanger
sei schon vor 912 Pfalzgraf gewesen und habe als solcher 911 im Sturz Burchards
mitgewirkt (zuletzt Maurer 38, vgl. Zeller 83ff., Dümmler 570, Clavadetscher,
156; anders Borst 212 f.). Seit 913, dem Jahr des letzten urkundlichen
Belegs Erchangers, berichten die Annales
Alamannici über Streit zwischen Erchangar
und
KONRAD
I. bzw. Bischof Salomon III. von Konstanz. Zunächst kam
es noch einmal zu einer Versöhnung mit dem König, der nach einem
Sieg Erchangars, Bertolds (V)
und Udarichs (VI) über die Ungarn die Schwester Erchangars
heiratete. Danach setzt jedoch eine Ereigniskette ein, in der die Erhebung
Erchangars
zum dux (915) das Mittelstück, seine und seiner Genossen
Tötung am 27.1.917 das Endglied bildeten. In diesem Zusammenhang
braucht den dramatischen und oft behandelten Ereignissen (zuletzt Brunner,
Maurer, Goetz) nicht noch einmal nachgegangen zu werden; auch die späteren
Darstellungen Hermanns des Lahmen und vor allem Ekkehards IV. von St. Gallen
können beiseite bleiben, in denen zum Teil chronologisch unzuverlässige
Angaben stehen und Erchangar und Bertold
der
Titel camerae nuntii verliehen wird (zur Erzählung Ekkehards
vgl. die Bemerkung über das Enkarato, das heißt wohl
Erchangario,
verliehene Gut zu Stammheim in der von Clavadetscher entdeckten Quelle).
Hier kommt es nur darauf an festzuhalten, dass die Identität des dux
mit dem Grafen und Pfalzgrafen, die früher bisweilen bestritten wurde
(vgl. Baumann, Erchanger und Berchtold 267f.), sicher zurecht allgemein
angenommen wird. Chronologisch fügen sich die Zeugnisse über
Erchangers
Königsnähe
durchaus mit den späteren Quellen zusammen; und in dem Weg vom comes
über den comes palatii zum dux scheint
eine gewisse Konsequenz zu liegen (s. Borgolte).
Außer Udalrich (VI) und Burchard, dem späteren
"Herzog" von Schwaben, wird bereits in den Annales Alamannici wiederholt
Bertold
(V) neben Erchanger
genannt. Zuerst in den Annales Sangallenses und dann bei Ekkehard und Hermann
erscheinen beide als Brüder. Diese Charakterisierung könnte in
einem Eintrag des St. Galler Gedenkbuches (pag. 73) eine Stütze finden,
in dem Erchanger und Peractolt
von Familienmitgliedern des Markgrafen Liutpold umgeben zu sein scheinen;
Liutpold war der erste Gemahl von Erchangers
Schwester Kunigunde. Dobler (vgl. Mitterauer,
Markgrafen 239) hat in seiner noch nicht erschöpfenden Untersuchung
der Namengruppe eine Datierung auf 905 vorgeschlagen. Der Name Erchangers
erinnert an den Vater der Kaiserin Richgard
(s. Art. Erchangar I), der Bertolds an die BERTOLDE
oder ALAHOLFINGER. Dementsprechend
hat man angenommen, dass Erchanger aus
einem elsässischen Geschlecht hervorgegangen sei (Meyer von Knonau
72 A. 2) oder eben zu den ALAHOLFINGERN
gehörte. Die letzte, von Baumann ausführlich begründete
Anschauung ist durchgedrungen (zuletzt Brunner 166). Freilich scheidet
das Pfalzgrafenamt Erchangers, das
nach Baumanns Argumentation bei den ALAHOLFINGERN
erblich war, als Kriterium aus; zwar könnte der 892 belegte palacii
comes Bertold (IV) der Vater Erchangers
und Bertolds (V) gewesen sein, doch läßt sich
der frühere Pfalzgraf Ruadolt von 854 nicht ohne weiteres als Vorfahre
Erchangers in Anspruch nehmen (vgl.
auch Art. Gozbert II, III).