Hellmann, S.: Seite 126-128,150,154,165,187
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"Die Grafen von Savoyen und das Reich bis zum Ende der staufischen Epoche"

Peter erscheint als Geistlicher zuerst 1224, war dann Kanoniker von Lausanne, wird 1227 als Propst von Aosta, 1229 als solcher von Genf genannt und erhielt im selben Jahre auch noch die Verwesung des Bistums Lausanne, danach dem im März 1228 erfolgten Tode des Bischofs Wilhelm über die Wahl seines Nachfolgers keine Einigung erzielt werden konnte, so dass Peterdas Stift bis zum Jahre 1231 verwaltete, wo der von Gregor IX. ernannte Bischof Bonifaz sein Amt antrat. Trotzdem beschloß Peter, der erst die niederen Weihen erhalten haben konnte, den geistlichen Stand zu verlassen; da die Verhältnisse seiner Familie seinem Ehrgeiz vielleicht nicht genügenden Spielraum boten, suchte er sich durch eine Heirat einen solchen zu verschaffen. Aimo von Faucigny hatte zwei Töchter, von welchen die ältere, Beatrix, an Stephan von Thoire und Villars verheiratet, die jüngere Agnes noch unvermählt war. Peter gewann im Februar 1234 die Hand der letzteren und zugleich die Anwartschaft auf die gesamte Erbschaft ihres Vaters, die ihm Aimo für den Fall zusicherte, dass er ohne einen Sohn zu hinterlassen, sterben sollte. Vielleicht der rührigste und fähigste der Brüder, war Peter, der übrigens noch 1236 Propst von Aosta genannt wird, gerne bereit, seinen Bruder Aimo bei der Geltendmachung seiner Erbansprüche zu unterstützen und selbst mit solchen hervorzutreten. Es scheint nun, dass Peter in Aosta, wo er als Propst Einfluß besessen haben muß, Unruhen hervorrief, die Amadeus schnell unterdrückte; ebenso muß es diesem gelungen sein, Aimos bewaffneten Widerstand niederzuwerfen, da es in des letzteren Gebiet, in Chillon war, wo, nach vorherigen Unterhandlungen in Gex, am 23. Juli 1234 durch die Entscheidung von Wilhelm und Thomas, denen noch zwei Schiedsrichter beigesellt waren, in Anwesenheit aller Brüder eine Einigung erzielt wurde. Danach verzichtete Peter auf Aosta, erhielt aber von Amadeus Verzeihung für seine dortigen Anhänger zugesichert. Aimo blieb im Besitz des gesamten Gebietes am Nordabhang der Alpen vom St. Bernhard bis zur Arve; doch um den Grundsatz der Unteilbarkeit des Gebietes nicht zu umgehen, mußte er es, mit Ausnahme der Kirchenlehen, die wohl meist vom Bistum Sitten und der Abtei St. Maurienne stammten, von Amadeus zu Lehen nehmen.Peter wurde mit zwei Schlössern in Bugey, Lompnieu und St. Rambert abgefunden, die er aber gleichfalls als Lehen, nicht als Erbportion erhielt. Somit war die Einheit der savoyischen Besitzungen gewahrt und blieb es auch, als nach Aimos frühen Tod ein Teil seiner Besitzungen an Peter übertragen wurde, da in seinem Hause, auch wenn dessen Angehörige in feindlichen Lagern sich gegenüberstanden, das Gefühl der Familienzusammengehörigkeit jedes andere überwog.
Peter hatte sich durch seine Heirat mit Agnes von Faucigny insofern in einen gewissen Gegensatz zu der Politik seines Hauses gesetzt, als die Faucigny zwar Lehensträger, aber auch Gegner der Grafen von Genf waren, mit denen sie noch 1225 und 1229 gekämpft hatten, während die Grafen von Savoyen denen von Genf durch mehrfache Verschwägerung - auch Peters Mutter war die Tochter eines Genfer Grafen - verbunden waren. Trotzdem nahm Peter alsbald an diesen Händeln teil und unternahm wenige Zeit nach seiner Verlobung einen Krieg gegen Wilhelm von Genf und dessen Söhne, in der er zwar in Gefangenschaft geriet, aber durch einen Schiedsspruch seines Bruders Amadeus die feindliche Burg Arlod und eine unerschwinglich hohe Entschädigungssumme zugesprochen erhielt. Nach dem um 1238 erfolgten kinderlosen Tode seines Bruders Aimo erhielt er einen Teil von dessen Besitzungen, darunter auch Moudon und Romont, vermutlich durch ein Abkommen mit Amadeus, der von dem Übrigen Besitz ergriff. Der nächste Versuch, den Peter im Verein mit Aimo unternahm, galt dem Bistum Lausanne; Aimo hatte kurze Zeit dort die Vogtei innegehabt; Peter selbst das Bistum zwei Jahre lang verwaltet, sein Bruder Thomas allerdings vergebliche Anstrengungen gemacht, dort Bischof zu werden.
Ende 1240 erschien auch Peter, dem Heinrich III. schon vorher die Grafschaft Richmond übertragen hatte, am englischen Hofe; von seinem Neffen mit Gütern überhäuft, deren Einkünfte später seinen schweizerischen Expansionsplänen zu Gute kamen, und mit den wichtigsten Geschäften betraut, hat der rührige und gewandte Mann so ziemlich an allen bedeutenden Ereignissen des nächsten Vierteljahrhunderts englischer Geschichte seinen Anteil gehabt. Zunächst beteiligten sich er und sein Bruder Thomas an einer englischen Unternehmung, nämlich am Kriege Heinrichs III. gegen Ludwig den Heiligen, der im Jahre 1242 begann.
Unter den Zeugen, welche die Urkunde nennt, erscheint auch Thomas von Flandern, der, obwohl französischer Vasall, mit Petersich dem englischen Heere angeschlossen hatte. Letzerer befand sich damals allerdings nicht mehr im Lager: am 26. Mai hatte ihn des Königs Bruder, RICHARD VON CORNWALLIS, der spätere deutsche König, aufgefordert, für ihn um die Hand seiner Nichte Beatrix von Provence zu werben, und Thomas muß alsbald an Raimund Berengars Hof aufgebrochen sein, wo auch sein Bruder Philipp und Peter von Hereford erschienen waren, da schon am 17. Juli die Verabredung perfekt wurde. So blieb ihm die Teilnahme an den schmählichen Niederlagen bei Saintes und Taillebourg erspart, welche der englischen Unternehmung im Juli ein schnelles Ende bereitete.
Peters englische Beziehungen, die 1241 und 1242 seine häufige Abwesenheit erforderten, machten es ihm in diesen Jahren unmöglich, den Angelegenheiten in der Schweiz seine volle Aufmerksamkeit zuzuwenden. Der Krieg mit Johann von Lausanne schleppte sich noch Jahre lang hin; dieser scheint anfangs nicht ohne Glück gekämpft zu haben. Auf  Dauer war Johann seinem Gegner, der bei seinem Bruder Amadeus Unterstützung fand, nicht gewachsen. Er mußte sich am 29. Mai zu dem für ihn äußerst ungünstigen Frieden von Evian verstehen, der ihn das neuerworbene Estavayer und Essertines kostete. Es war nicht die einzige Erweiterung, die Peters Besitz erfuhr; er unterwarf sich kurz vor- und nachher auch noch die Herren von Biolay (bei Nyon) und Cossanay, Verwandte des Bischofs, den Grafen Rudolf von Greiers, die alle wahrscheinlich auf Johanns Seite gestanden hatten, endlich auch das alte Reichsstift Peterlingen. Eine weitere Stärkung erfuhr Peters Stellung durch eine engere Verbindung mit dem Dauphin Guigo. Dem letzteren, der schon mit Caecilie von Baux und dann mit Sanchia von Provence versprochen gewesen war, wurde am 4. Dezember 1241 von Aimo von Faucigny in Peters Abwesenheit dessen Töchterchen Beatrix zur Frau versprochen, der im Falle des Mangels männlicher Nachkommenschaft bei ihrem Vater einst das Faucigny zufallen sollte. Für kurze Zeit hat dieses Verlöbnis den Dauphin wirklich auf savoyischer Seite festgehalten, aber späterhin für das savoyische Haus die allerschlimmsten Folgen gehabt, da Peter starb ohne Söhne zu hinterlassen und die Delfine aus den Häusern von Burgund und Villars infolgedessen in den Besitz einer Stellung gelangten, welche das savoyische Gebiet mitten entzwei schnitt.
Wie Philipp und Bonifaz suchte auch Peter nach der Ankunft des Papstes in Lyon Anschluß an die Kurie; schon am 1. Juni 1245 erteilte ihm Innocenz IV. die Erlaubnis, an interdiktierten Orten die Messe zu hören; am 2. Mai 1247 gestattete er ihm, mit Agnes von Faucigny, trotz ihrer Verwandtschaft im 4. Grade vermählt zu bleiben, eine Frage, die für Peter von höchster Wichtigkeit war, da ihm seine Heirat erst die territoriale Grundlage für seine schweizerische Expansionspolitik geschaffen hatte. Wir werden daher auch nicht fehlgehen, wenn wir als einen der Hauptgründe für seine Hinneigung zur Kurie die papstfreundliche Haltung seines Schwiegervaters Aimo ansehen. Soweit ihm seine englischen Beziehungen Zeit ließen, ruhten seine Vergrößerungspläne auch nicht einen Augenblick, wobei ihm die englischen Einkünfte zustatten kamen; von 1244 bis 1250 dehnte er seine Herrschaft nördlich und nordöstlich vom Genfer See bedeutend aus. Zu gleicher Zeit scheinen auch die alten Streitigkeiten mit dem Grafenhaus von Genf wieder aufgelebt zu sein; am 28. Juni fanden sie durch einen Schiedsspruch Philipps von Lyon ihren Abschluß. Die von Peter für seine Gefangennahme und für sonstigen ihm zugefügten Schaden beanspruchten 35.000 Pfund wurden zwar auf 10.000 ermäßigt, dafür Peter fast der gesamte Besitz seiner Feinde, darunter auch ihr Schloß in Genf, verpfändet, eine Entscheidung, die sie Petervollständig in die Hände lieferte, da an eine Bezahlung der für jene Zeit ungeheuren Summe im Ernst niemals zu denken war.