Gregor V.                                       Papst (3.5.996-999)
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um 972-18.2.999
             Rom

Begraben: Rom, S. Pietro in Vaticano
 

3. Sohn des Herzogs Ottos von Kärnten und der Judith (von Bayern, Tochter von Graf Heinrich); Urenkel des Kaisers OTTO I.

eigentlich Brun von Kärnten
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte
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Gregor V. (Bruno), Papst seit 3. Mai 996 (Weihe)
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* um 969/72, + 18. Februar 999
                       Rom

Begraben: Rom, S. Pietro in Vaticano

Von OTTO III. zum Nachfolger Johanns XV. ernannt, bestieg der königliche Kaplan Bruno, ein Sohn Herzog Ottos von Kärnten und Urenkel OTTOS I., als erster Deutscher den päpstlichen Stuhl. Am 21. Mai 996 krönte er OTTO III. zum Kaiser. Nach dessen Abzug wurde Gregor V. von Crescentius II. aus Rom vertrieben, der den Griechen Johannes Philagathos von Piacenza als Gegenpapst (Johannes XVI.) erhob. Erst im Februar 998 konnte Gregor V. durch OTTO III. nach Rom zurückgeführt werden. Auf Wahrung der Rechte der römischen Kirche bedacht, nahm Gregor V. gegenüber dem Kaiser eine eigenständige Haltung ein. Im Streit um den Reimser Erzstuhl ergriff er gegen den von OTTO III. begünstigten Gerbert von Aurillac (Silvester II.) zugunsten Erzbischofs Arnulfs Partei, bestätigte jenen jedoch 998 als Erzbischof von Ravenna. Gegen den kaisertreuen Erzbischof Giselher von Magdeburg sprach er sich für die Wiederherstellung des Bistums Merseburg aus. König Robert II. von Frankreich bedrohte er wegen unkanonischer Ehe mit dem Bann.

Quellen:
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LP II, 261f. - Jaffe I, 489-495 - RI II, 5, Nr. 741-854 - MGH PP 5, 337 [Grabinschrift]

Literatur:
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DHGE XXI, 1423 [Lit.] - ECatt VI, 1128f. - Haller II, 219-22 - Hauck III, 262-264 - HKG III/1, 241-243 - LThK IV, 1182 - NDB VII, 20 - Sippelt II, 387-392 - JDG O III., 1954, 203f., passim - P.E. Schramm, Ks., Rom und Renovatio, 1957, 90f., passim - H. Zimmermann, Papstabsetzungen des MA, 1968, 104-1114 - T.E. Moehs, G. V. 996-999 (Päpste und Papsttum 2, 1972).


Glocker Winfrid: Seite 316
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

VII, 6. BRUNO
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* c 965/70, + 999 II 18

996 V 3 als Papst Gregor V.

Sohn des Herzogs Otto von Worms und der Judith; Urenkel von Kaiser OTTO I.

Auch Bruno, der spätere Papst Gregor V., ist als Sohn Herzog Ottos von Worms in der VII, 5 zitierten Stiftungsurkunde für St. Lambrecht bezeugt sowie in Wipos Gesta Chuonradi c. 2, S. 15, und bei Thietmar IV c. 27, S. 164.
Der Todestag Papst Gregors V. ist von BU 1304a festgestellt.
Zu Brunos Erhebung zum Papst vgl. Uhlirz, Jbb. Otto III. S. 201, und JL. S. 491.
Allgemein informiert über ihn der einschlägige Artikel von Rainhard Elze in NDB Band 7, S. 20; die jüngste Biographie, die auch alle Nachweise zusammenstellt, schrieb Teta Moehs.



Schwennicke Detlev: Tafel 12
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

BRUN
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    + Rom 18. II (12. III) 999

Begraben: St. Peter im Vatikan

königlicher Hofkaplan
3. V 996 als GREGOR V. PAPST



Kühner Hans: Seite 125
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"Lexikon der Päpste"

Mit dem erst 24-jährigen Brun, dem hochgebildeten, aber äußerst strengen Urenkel OTTOS I. DES GROSSEN, bestieg der erste deutsche Papst den Thron und krönte den 16-jährigen OTTO III. zum Kaiser. In dem Bunde beider schien die Vorstellung OTTOS I. DES GROSSEN von einer umfassenden Erneuerung des Papsttums verwirklicht zu werden. Doch die Symbiose der beiden jugendlichen Herrscher währte nur drei von tragischen Ereignissen erschütterte Jahre - Ereignissen, die wie in einem Brennspiegel noch einmal die Schrecken der vergangenen 100 Jahre zusammenzogen.
Als der Kaiser abgezogen war, brach Crescentius Nomentanus den geleisteten Treueid, machte sich erneut zum Herrn der Stadt, zwang den Papst zur Flucht und erhob Gegen-Papst Johannes XVI. Philagathos, einen Griechen, der bislang Glück und Würden einzig dem Hause der OTTONEN zu danken hatte und der Lehrer OTTOS III. gewesen war. Als Kaiser und Papst zurückkehrten, floh der Gegenpapst in die Campagna, wo er in einem Turm entdeckt, grauenhaft entstellt und nach Rom gebracht wurde. Ohne Augen, Ohren, Nase und Zunge, doch in päpstliche Gewänder gehüllt, mußte der Unglückliche auf Befehl des Papstes vor einer Synode erscheinen, wo er formell abgesetzt wurde, ehe man ihn, rückwärts auf einem Esel sitzend durch die höhnende Menge zog. Wenn auch Kaiser und Papst keinerlei Schuld an den Verstümmelungen ihres Gegners trugen, so war dieses Schauspiel, das der Papst befohlen hatte, eine Schmach für beide. Der Verstümmelte wurde in ein Kloster abgeschoben, wo er noch 15 Jahre lang lebte. Crescentius Nomentanus wurde in der Engelsburg enthauptet und schon bald von der kaiserfeindlichen Legende verklärt.
Zum politischen wie religiösen Theater der Epoche gehört eine Szene von hoher Aussagekraft. Vor Papst und Kaiser - OTTO III. umgab sein Leben mit lauter Heiligen - erschien der fast 90-jährige heilige Einsiedler Nilus von Rossano, der ein Jahr zuvor den ehrgeizigen Gegenpapst gewarnt hatte, die päpstliche Würde zu usurpieren; er flehte für den Gestürzten um Gnade, die OTTO III. und der Papst verweigerten, worauf der Heilige beide laut mit dem Gericht Gottes drohte.
Der Papst, durch die Erfahrungen hart geworden, doch dem Volke ein Wohltäter, widmete sich bis zu seinem frühen Ende nur noch der Reform von Cluny und versuchte, die Gedankenwelt Gregors I. und Nikolaus' I. wieder lebendig werden zu lassen. Nur 27-jährig starb er an Malaria.


Mittermaier Karl: Seite 50
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"Die deutschen Päpste. Gregor V. Clemens II. Damasus II. Leo IX. Viktor II. Stephan IX. Hadrian VI."

Über seine Kindheit und seine Erziehung ist aus den Quellen, die häufig angezweifelt werden können, wenig Stichhaltiges zu erfahren. Schon früh ward Brun für die geistliche Laufbahn bestimmt und fand Aufnahme in der königlichen Kapelle, wo er seiner Bildung unter der Aufsicht des Erzbischofs Willigis von Mainz erhielt. Aus seinem späteren Auftreten läßt sich folgern, dass er eine angemessene religiöse und weltliche Bildung genoß. Rom begrüßte ohne nennenswerte Einwände den Kandidaten OTTOS III., der vielseitig gebildete Brun war noch jung, aber streng und beschlagen und von hitzigem Temperament, und vielleicht setzte gerade deshalb OTTO alle Erwartungen in ihn. Ausschlaggebend für seine Designierung war die Notwendigkeit gewesen, durch einen neuen Mann, dem kein Ruf der Korruption oder ausschweifenden Lebensführung vorausging, der korrupten Versippung des Papsttums in der römischen Gesellschaft zuvorzukommen und die Reichsinteressen mit den kaiserlichen und päpstlichen gleichzeitig durch einen Mann aus den eigenen Reihen verstärkt vertreten zu wissen. Zu den ersten Amtshandlungen des neuen Papstes zählte die Kaiserkrönung OTTOS III. am 21. Mai, am Himmelfahrtstag. Der junge Kaiser ließ es sich nicht nehmen, schon ein paar Tage später gegen jene Römer Gericht zu halten, die sich gegen Johannes XV. erhoben hatten. Härte und Milde trafen aufeinander: OTTO verbannte die Anführer der Revolte, Gregor erbat Begnadigung für Creszentius. Der neue Papst wollte wohl mit diesem Akt der Gnade ein Zeichen der Milde setzen, womit er sich die Freundschaft dieser Partei erhoffte.
Gregors sittenstrenges Denken und Handeln verschaffte ihm mehr Feinde als Freunde und es kam zum Aufstand; der Papst soll nudud omnium rerum - nackt und ohne Mittel - am 29. September 996 die Stadt am Tiber fluchtartig verlassen haben. Es vergingen immerhin Monate, bis auf einer Synode zu Pavia Crescentius in einem gemeinsamen Beschluß aller anwesenden Bischöfe unter Vorsitz Gregors aus der Kirche ausgeschlossen wurde.
Dennoch verziehen ihm viele Römer nie, dass er ein Deutscher war und es mit dem höchsten kirchlichen Amt ehrlich meinte und seine Pflicht bitter ernst nahm. Noch nicht 30 Jahre alt, verstarb der erste deutsche Papst am 18. Februar 999. Sein Tod kam unerwartet. Kein Wunder, dass sofort das Gerücht einer Vergiftung kursierte, da es ohnehin nichts Absonderliches war, wenn Menschen, besonders mit verantwortungsvollen Aufgaben, von ihren Widersachern durch einen gewaltsamen Tod eliminiert wurden. Es wäre durchaus möglich gewesen, dass Anhänger des hingerichteten Crescentius damit einen Akt der Rache setzen wollten. Die neuere Geschichtsforschung nimmt als Todesursache die Malaria an. Gregor ist in St. Peter in Rom an der Seite OTTOS II. beigesetzt, der als einziger deutscher Kaiser in Rom verstorben und dort begraben ist.

Trillmich Werner: Seite 130
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Früher schon hatte Bruno, der dritte, um 972 geborene Sohn Herzog Ottos von Kärnten, ein Kanonikat im Wormser Domstift innegehabt. Dort erhielt er seine erste Ausbildung durch Bischof Hildibold, den damaligen Kanzler, später auch in der königlichen Kapelle. Er galt als wohl ausgerüstet mit Tugenden und Weisheit, beherrschte drei Sprachen - Deutsch, Latein und Romanisch. Pflichtbewußtsein, Gerechtigkeitsliebe, aber auch Hartnäckigkeit und Strenge zeichneten ihn aus. Der leidenschaftlich um kirchliche Zucht und Erneuerung bemühte junge Mann besaß die vertrauensvolle Zuneigung seines Vetters OTTOS III., der sich gern der Dienste des gleichgesinnten Priesters bediente, dessen jugendlich stürmische Heftigkeit seinem eigenen Wesen ähnelte. Als 996 während des Romzuges der Stuhl Petri verwaiste, entschloß sich der LIUDOLFINGER, Rom von der Herrschaft der Adelsparteien zu befreien, um das Papsttum, unabhängig von örtlichen Bindungen, in geistlicher Reinheit durch einen Nichtrömer erneuern zu können. Beraten von Bischöfen und Fürsten entschied er sich im Stile reichskirchlicher Personalpolitik selbstherrlich für die Erhebung des blutsverwandten Freundes, der seine Anschauungen teilte. Erzkapellan Willigis und Bischof Hildibold geleiteten den Erkorenen in die ewige Stadt. Dort wurde der erste deutsche Papst am 3. Mai 996 in St. Peter als Gregor V. inthronisiert. Seine Namenswahl bekundete die Absicht, es Gregor den Großen in der Wahrnehmung aller patrimonialen Besitztitel, universalen Rechten und Pflichten  des Servus servorum Dei gleichzutun. Am Himmelfahrtstage, dem 21.5.996, vollzog der 24-jährige die Kaiserkrönung des 16-jährigen Herrschers. Dann hielt man auf einer Synode, der beide Oberhäupter der Christenheit gemeinsam präsidierten, Gericht über rebellische Römer. OTTO wünschte die Verbannung des bisherigen Machthabers Crescentius, während Gregor in der irrigen Hoffnung, ihn durch Milde für sich zu gewinnen und das Wohlwollen des Adels erwerben zu können, seine Begnadigung erwirkte, denn trotz allen Entgegenkommen befand sich der SALIER im traditionsbewußten Rom ohne Rückhalt an eigenen Vasallen und deutschen Klerikern in wenig beneidenswerter Lage. Nach der Heimkehr des Kaisers nötigte ihn schon am 29. September 996 ein Aufstand zur Flucht, und trotz unverzüglicher Hilferufe blieb ihm seine Residenz bis zum Februar 998 verschlossen. Allerdings fand der im Februar 997 von Crescentius erhobene Gegen-Papst außerhalb Roms keine Anerkennung, so dass Gregor alle Amtsgeschäfte ohne Unterbrechung fortführen konnte. In Pavia hielt er unter de Schutze des Pfalzgrafen sogar eine vielbeachtete Synode ab. Als der Kaiser endlich in den Süden zurückkehrte, öffnete Rom den Deutschen kampflos die Tore. Nur der aus der christlichen Gemeinschaft ausgestoßene Crescentius hatte in der Engelsburg Widerstand geleistet. Er wurde am 29.4.998 enthauptet, sein Leichnam gehenkt. Den flüchtigen Gegen-Papst ließ man festnehmen und gräßlich verstümmeln. Anfang Mai wurde der Mißhandelte auf Weisung der Sieger durch ein geistliches Gericht seiner angemaßten Würde entkleidet und schimpflich auf einem räudigen Esel durch Rom geführt, bevor ihn ein Kloster aufnahm. Vergeblich hatte der uralte, als Heiliger verehrte Mönch Nilus die jugendlichen Richter vor gnadenloser Rache gewarnt, um Milde gebeten und auf Gottes Strafgericht verwiesen. Endlich sahen sie sich nun imstande, ihre hochfliegenden Pläne zu verwirklichen. Aber es blieben nur wenige Monate gemeinsamer Arbei, denn schon im Februar 999 erlag Gregorder Malaria.
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 - Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Band 1- Band 6, Mundus Verlag 2000 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 - Kühner Hans: Lexikon der Päpste. Fourier Verlag Wiesbaden 1977 Seite 125 - Mittermaier Karl: Die deutschen Päpste. Gregor V. Clemens II. Damasus II. Leo IX. Viktor II. Stephan IX. Hadrian VI., Verlag Styria Graz Wien Köln 1991 Seite 50 - Pleticha, Heinrich: Deutsche Geschichte in 12 Bänden. Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH/Lexikothek Verlag GmbH, Gütersloh 1982 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 12 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 - Thietmar von Merseburg: Chronik Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 -
Trillmich Werner: Kaiser Konrad II. und seine Zeit. Europa Union Verlag Bonn 1991 - Uhlirz, Karl: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Otto II. und Otto III. 1. und 2. Band. Verlag Duncker & Humblot Berlin 1967 - Wipos Leben Konrads II. -