Erluin                                           Pfalzgraf
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Sohn des N.N.
 

Metz Wolfgang: Seite 21
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"Miszellen zur Geschichte der Widonen und Salier, vornehmlich in Deutschland"

Bei Erlwin, also offenbar dem missus Ludwigs des Deutschen Herlewinus, der vor dem 25. April 865 Königsgut in Camben (Kammerhof gegenüber Oppenheim) vermißt, liegen die Dinge anscheinend etwas anders. Offenbar gehört er zu der jüngeren Generation der Vertrauenspersonen des ostfränkischen Königs. Hinkmar spricht ihn in seinem Brief wegen der entfremdeten Güter im Remigiuslande dahingehend an, ut regi Ludowico suggerat ... Diese Stellung bei Ludwig dem Deutschen dürfte der des Pfalzgrafen von 876 entsprechen, womit eine Datierung dieses Hinkmar-Briefes auf die letzten Jahre des Königs möglich wäre.
Eine Erklärung bietet sich durch die Tatsache an, dass auch der meines Dafürhaltens salische Pfalzgraf Erlwin in dieser Funktion nur in Ingelheim (876) erwähnt wird und dass es eine Vogtei von Pfalzgrafen über Reichsgut seit der späteren KAROLINGER-Zeit zumindest gegeben haben muß. Für Erlwin ist eine Beziehung zum Reichgut aus der Urkunde Ludwigs des Deutschen für Lorsch ersichtlich; er ist 865 mit der Erfassung von königlichen Besitzungen in Kamben bei Oppenheim beschäftigt.
Schließlich spricht noch eine weitere Beobachtung dafür, dass der Pfalzgraf Erlwin der agnatische Vorfahre der SALIER war. Als Herzog Konrad der Rote 946 zahlreiche Rechte in Speyer an den dortigen Bischof weitergab, nannte er ausdrücklich omnem potestatem intra civitatem et extra, que parentibus meis cum rebus prefatis ex regali tradicione et donacione ... in proprietatem hereditatis succubuit. Die Rechte, über die er verfügte, Münze, Zölle, Salzpfennig, Steinpfennig, "Flichtpfennig" und Weinpfennig waren also sicher königlicher Herkunft. Sie aus einer "Grafschaft" im Speyergau abzuleiten, erscheint aber kaum möglich, da erst der Vater Werner Konrads des Roten seit etwa 906 als Inhaber einer solchen erscheint. Als parentes Konrads des Roten würden sich also sein Vater Werner und der Pfalzgraf Erlwin am besten ausnehmen, besser jedenfalls als eine gewaltsame Konstruktion salischer Grafen des Speyergaus, für die im 9. Jahrhundert jeder Anhaltspunkt fehlt.
 
 

Literatur:
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Metz, Wolfgang: Miszellen zur Geschichte der Widonen und Salier, vornehmlich in Deutschland, in: HJb 85 1965, Seite 145-159 -