Schumann Marianne: Seite 5-15
******************
"Adelheid von Öhringen, die Mutter Konrads II." in "Schwäbische Lebensbilder" Band 6 1957

Wie Hansmartin Decker-Hauff dargetan hat, ist Adelheid die Tochter des Grafen Richard von Metz. Graf Hugo II. von Egisheim hat die Dagsburg, unweit der Saarquellen am Westrand der Vogesen gelegen, erheiratet, und seine Söhne Gerhard, Bruno (Papst Leo IX.) und Hugo III. werden als Vettern Kaiser KONRADS bezeichnet. Es muß also über die Mütter eine Verwandtschaft zwischen den Häusern EGISHEIM und METZ bestanden haben. Adelheid dürfte zwischen 965 und 970, vielleicht auch zwei oder drei Jahre später, geboren sein. Sie schloß eine erste Ehe mit dem Grafen Heinrich von Franken und Wormsfeld aus erlauchten und mächtigen Geschlecht der SALIER im Wormsgau. Ihr entsprossen der spätere Kaiser KONRAD II. (geboren etwa 988/89) und eine Tochter Judith. Nach dem frühen Tod Graf Heinrichs ging Adelheid eine zweite Ehe ein mit einem Grafen, der im Kochergau, also in dem heutigen Hohenlohe saß; ihr entsproß, soweit wir wissen,Gebhard, der spätere Bischof von Regensburg. Mit seinem Namen steht der Name Adelheids als der Gründerin des Öhringer Stiftes in der berühmten Urkunde von 1037. Bald nach diesem Jahr wird sie wohl in Öhringen, etwa 70-jährig, gestorben sein.
Die Kindheits- und Jugendjahre verlebte sie wohl in Metz - Wipo, der Kaplan und Chronist KONRADS II. bezeichnet sie als aus einem der edelsten Geschlechter Lothringens stammend - oder auch auf einer der Burgen in den Vogesen. Früh wurde sie vermählt und mag wohl auf der Limburg an der Hardt, der Stammburg der SALIER am Mittelrhein oder in Worms, dem Gaugrafensitz der salischen Herzöge, gelebt haben. Da Heinrich früh, wohl schon um 990, jedenfalls vor dem Vater, starb, ging nach dessen Tod im Jahre 1004 die Herzogswürde in Kärnten an Heinrichs jüngeren Bruder Konrad und nicht an den Sohn Heinrichs, den damals höchstens 15-jährigen KONRAD, über. Auffallend ist, daß Herzog Otto auf dem Sterbebett entgegen dem gebräuchlichen Erbrecht auch den größten Teil seines Besitzes diesem seinem jüngeren Sohn Konrads zum Nachteil seines Enkels KONRAD zuwies.
Es liegt nahe, daß bei diesen Streitigkeiten und Wirren in Worms kein Platz für die junge Witwe des Grafen Heinrich war. Vielleicht lebte sie, solange der Sohn noch im Kindesalter war - die Tochter Judith scheint schon als Kind gestorben zu sein -,  auf der Limburg an der Hardt. Bei ihrer Wiedervermählung, die sie in eine ganz andere Gegend führte, gab sie ihn, da es nicht üblich war, junge Fürsten fern von ihren Erblanden zu erziehen, in die Obhut des Bischofs, eben weil mit Großvater und Oheim Erbstreitigkeiten bestanden. So wuchs der Knabe ohne Eltern auf, der Vater war tot, die Mutter fern im Kochergau. Adelheid mag in der neuen Heimat mit sehnendem Herzen des noch so jungen Sohnes gedacht haben, der ohne ihr Miterleben aufwuchs.
Es ist nicht anzunehmen, ja es ist sogar unwahrscheinlich, dass Adelheid, nunmehr als die Mutter des Kaisers eine der ersten Frauen des Reiches, irgendeines dieser großen Ereignisse der Regierungszeit ihres Sohnes persönlich miterlebt hat; aber so gewiß ihr innerer Anteil daran ist, so gewiß sind auch Boten und Berichte zu ihr gekommen.
Es ist nicht anzunehmen, daß die Mutter die tiefen psychischen Gründe dieser Irrungen ihres Sohnes Gebhard begriff, wie sie unsere Zeit begreifen würde, aber gelitten hat sie darunter.
Adelheid stand im Jahr 1036, da Gebhard Bischof in Regensburg wurde, etwa in der Mitte des 7. Jahrzehntes ihres Lebens und sehnte sich, da sie der großen geistigen Erneuerungsbewegung der Cluniazenser nahestand, dieses mit einer ihrer Frömmigkeit entsprechenden Tat zu beschließen.
Es ist wahrscheinlich, daß Gebhard bei seinem ruhelosen Leben immer wieder bei der Mutter Zuflucht suchte und fand, zumal ihr mutmaßlicher Wohnsitz in Weinsberg in der Mitte liegt zwischen Regensburg, wo er vielleicht schon als Kanoniker gewesen war, und den Kaiserstädten am Rhein. Auch die Legende, die immer einen wahren Kern in sich trägt und sich schon bald um die Gestalt der Kaisermutter geschlungen hat, spricht von Weinsberg. Schon Boger, wie die neueste Geschichtsforschung, die bis jetzt kaum mehr über Adelheids zweiten Gemahl ergründet hat, vermutet, daß dieser, den Grafen von Calw und von Lauffen verwandt, die Burg von Weinsberg innehatte und die Öhringer Mutterkirche zu eigen besaß. So war es Adelheid möglich, diese in ein Kollegiatsstift umzuwandeln.
Eine ähnliche "Herzenfreundschaft" möchte man auch dem sonst so harten, kalt berechnenden KONRAD zusprechen, wenn er in den Jahren 1028-1030 und vielleicht auch noch später, seiner Mutter Reliquien, unter anderen auch solche, die ihm die Gesandtschaft des oströmischen Kaisers Konstantin IX. als Geschenk gebracht hatte und die das Kostbarste waren, was die damalige Zeit vergeben konnte, für ihre Kirche in Öhringen schenkte, als er erfahren hatte, daß sie diese zu ihrer Grablege bestimmt habe.
Wir wissen nicht, ob Adelheid noch lebte, als Kaiser KONRAD, erst 50-jährig, an Pfingsten 1039 zu Utrecht starb.
Adelheid hat unter den fürstlichen Frauen des hohen Mittelalters ein ungewöhnlich hohes Alter erreicht, hatten diese doch in ihrem Leben für uns unvorstellbare Strapazen zu ertragen. Oft schon mit 14 oder 15 Jahren vermählt, starben sie meist schon bei der Geburt des ersten Kindes oder auch mehrerer Kinder in einem Alter, in dem heute für den Menschen erst das Leben zu blühen beginnt. An der Seite des Gemahls, wie dieser meist zu Pferd, unternahmen sie alle Züge durch das Reich, seit OTTO DEM GROSSEN auch über die Alpen, oft durch Eis und Schnee, wochenlang auf schlechten Straßen und bei beschwerlichen Unterkunftsverhältnissen. Wenn Adelheid wohl auch nicht die körperlichen Anstrengungen auf sich nehmen mußte, wie die gekrönten Frauen des Reiches, so lebte auch sie, wie ihre ganze Zeit, fast ohne jede Behaglichkeit zur Pflege des Leibes.
Zwei Jahrhunderte nach ihrem Tod bettete man die Gebeine der Stifterin in den prächtig-feierlichen Sarkophag, der heute noch wie vor 700 und 900 Jahren so recht der Mittelpunkt des Gotteshauses ist. Die Deckelumschrift gibt Kunde von der Zeit seiner Entstehung: "Anno MCCXXXXI IIII Jds Febr. recondita sunt hic ossa domine nostre Adilheidis" (im Jahr 1241 den 10. Februar sind hier die Gebeine unserer Herrin Adelheid umgebettet worden). In Majuskeln, die sich mit den Schmuckformen zu einem einzigartigen Ornament verbinden, steht auf dem Deckel geschrieben:
       "Huius fundatrix templi jacet hic tumulta
       Konrada Regis genetrix Adilheyda vocata."
       (Hier liegt dieser Kirche Gründerin begraben
       Konrad des Königs Mutter, Adelheid genannt.)

Adelheid war dazu bestimmt, die Stammmutter auch der staufischen Kaiser zu werden, wie sie die der Kaiser aus salischem Hause war. Agnes, die Tochter ihres Urenkels, des unglücklichen Kaisers HEINRICH IV., wurde die Gemahlin Friedrichs I. von Staufen und die Großmutter FRIEDRICH BARBAROSSAS.

Literatur:
-----------
Ernst Boger, Die Stiftskirche zu Öhringen, Zeitschrift für Württemberg Franken 1885 - Chr. Fr. Stälin, Württembergische Geschichte Band 1 und 2 - Johannes Bühler, Die sächsischen und salischen Kaiser nach zeitgenössischen Quellen, Leipzig 1924 - Johannes Haller, Das altdeutsche Kaisertum; Stuttgart 1944 - Hermann Schreibmüller, Die Ahnen Kaiser Konrads II., Herbipolis Jubilans, Würzburg 1952 - H.M. Decker-Hauff, Die Grafen von Komburg und das Land am Kocher, Schwäb. Heimat, 4. Jahrgang, 1953. - A. Fischer, Beiträge zur Geschichte des Kollegiatstiftes in Öhringen, Archiv für Hohenl. Geschichte, II. Band, 1870 - H. Witte, Genealogische Untersuchungen zur Reichsgeschichte unter den salischen Kaisern, Ergänzungsheft der Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, V. Band, 2. Heft - E. Brandenburg, Probleme um Kaiserin Gisela, Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaft zu Leipzig, 1928 - A. Maderno, Königinnen, Keil-Verlag, Berlin 1935