Annalista Saxo:
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"Reichschronik"

Das Jahr 1070.

[Wer der Anstifter der Ermordung des jüngern Dedi gewesen, ist nicht hinlänglich bekannt, obgleich hier und da das Gerücht unter dem Volke ging, er sei durch Arglist seiner Stiefmutter aus dem Wege geräumt worden]. Diese war die Witwe des eben genannten Otto, welche Dedo der Aeltere, als Otto und seine Mutter Oda gestorben waren, zur Frau genommen hatte, und er zeugte mit ihr den  Markgrafen Heinrich von Ilburg und den Grafen Konrad, der von den Heiden erschlagen worden ist. Sie selbst hieß aber Adela und war von Brabant gebürtig aus dem Schlosse, welches Lovania oder gewöhnlich Lovene heißt, und ihre Brüder waren Graf Heinrich und Reginher. - [Odalrich, der Markgraf der Carentiner, starb] und seine Witwe Sophia, die Schwester des des Königs Ladizlaus von Ungarn, nahm Magnus, des sächsischen Herzogs Ordulf Sohn, zur Frau und zeugte mit ihr zwei Töchter Wifhild und Eilika.

Das Jahr 1071.

In diesem Jahre hat der Halberstädter Bischof Herr Burchard oder Bucco das Hauptmünster zu Halberstadt prächtig geweiht, nachdem es im zwölften Jahre nach dem Brande vollendet war, in der neunten Indiction, der Epacte siebzehn, der Conkurrente fünf, im fünften Jahre des  Mondcyclus, im achten des neunzehnjährigen Cyclus, am zweiten Pfingsttage, dem 13. Juni; ihn geleiteten sieben Bischöfe, bestellt zum Lobe des Königs der Könige nach dem Geheimniß des siebenförmigen heiligen Geistes. Hinter ihm am zweiten Platze war der Bremer Erzbischof Adalbert, am dritten Rikbert von Farden, am vierten Werinher von Argentina, am fünften Benno von Osnabrugg, am sechsten Thietgrim von Brandeburg, am siebenten der von Birca, Namens Johannes. Herumging auch mit großer Freude König Heinrich, angethan mit den königlichen Kleidern. Ihm folgten Bischöfe und viele Aebte mit dem langen Zuge der Geistlichkeit, Herzog Otto und die meisten Reichsfürsten mit einer unzählbaren Menge beiderlei Geschlechts, alle zu Gottes Lob jauchzend. Auch war die erlauchte Königin Berta zugegen mit ihrer Muhme, der Markgräfin Immula oder Irmingarda, und der Schwester des Königs, Aebtissin Adelheida von Quidlingeburg. Dieser Bischof seligen Gedächtnisses, ein mit Almosen sehr freigebiger, auch bescheidener und in der Liebe vollkommener Mann, war mit Herz und Hand beim Bauen. Er hat die Basilica des heiligen Bekenners Liuder gegründet und so reichlich ausgestattet, daß daraus ein Hospital wurde, in welchem täglich zwölf arme Kranke erfrischt und alle Nothdurft ihnen gereicht wurde, und in einer andern Basilika, der des heiligen Bekenners Alexis, die er auch erbaut hatte, sollte ihnen auf ewig Gottesdienst gehalten werden. In der Stadt Halberstadt hat er zur Ehre des heiligen Apostels Paulus eine stattliche Kirche gegründet, nach Kräften bereichert und an ihr Kanoniker verordnet, und würde sie noch mehr, als geglaubt werden mag, erhöht haben, falls er länger gelebt hätte. Zu jeder Zeit aber war er nur für dasjenige eifrig, was Vernunft und Gerechtigkeit forderten. Denn sorgsam erwägend, wem er seine Sorge als Pfarrer schuldig sei, zog er vorzüglich diejenigen in seine Freundschaft hinein, von denen er erkannt hatte, daß sie durch das Verdienst ihres Lebens Gott befreundet seien. - Der Sohn des Herzogs Bernhard und der Herzogin Eilika, Herzog Ordulf oder Otto von Sachsen starb; sein Sohn war Magnus, welchen der König lange gefangen hielt.

Das Jahr 1086.

Graf Herimann, des Herzogs Magnus Vaterbruder, starb ohne rechtmäßige Kinder.

Das Jahr 1106.

In dieser Zeit begann Udo, der Graf der  Nordmark, als er eine Zusammenkunft mit Herzog Magnus und dem Erzbischof von Bremen hielt, plötzlich an heftiger Krankheit zu leiden. Als diese zunahm wurde er an einen Ort Namens Rossenveld gebracht  und ging am 2. Juni aus dieser Welt heim, um so seliger, je eifriger er durch das Fasten und Beten jener Schaar von Mönchen unterstützt wird, der er
selbst sorglich die Mittel zum irdischen Leben und die Linderung väterlichen Trostes gewidmet hat. Seinem Bruder Rodolf ist die Mark für acht Jahre vom Könige Heinrich überlassen worden, damit er Heinrich, den Sohn desselben aufziehe. Auch starb Herzog Magnus von Sachsen, der die Witwe  Odelrichs von Wimmar, Sophia, die Schwester des Ungarnkönigs Ladizlaus, zur Frau genommen hatte, und sie gebar ihm zwei Töchter, Wifhildis und Eilika. Eilika heirathete den Grafen Otto von Ballenstide und er zeugte mit ihr den Markgrafen Adelbert und eine Tochter Adelheid, welche den Markgrafen Heinrich von Stathen heirathete. Wifhildis heirathete den Herzog Heinrich, den Sohn des Herzogs Welf des Aeltern von Baiern, und gebar Heinrich, den berühmten Herzog von Sachsen und Baiern, und Welf und vier Töchter. Eine von diesen Namens Juditha führte Friderich der Herzog der
Schwaben heim; die zweite Namens Sophia der Herzog  Berthold von Zaringe und nachdem dieser getödtet war, Markgraf Liuppold von Stire, der einen Beinamen von seiner Tapferkeit hatte; die dritte Namens Wifhildis bekam Graf Rodolf von Bregenze; die vierte Namens Machtild heirathete Thieppold den Jüngern, den Sohn des Markgrafen Thieppold des Aeltern, und nach dem Tode desselben führte sie Gebehard heim, der Sohn des Grafen Beringer von Sulzbach. - Am 18. Juli wurde der Mond während einiger Stunden der Nacht verfinstert. - Auch sterben die Grafen Adulf und Godefrid.

Nach dem Herzoge Magnus empfing das Herzogthum Sachsen der Graf Lothar oder Liuder von Suplingeburch, welcher mit dem heiligen Bruno blutsverwandt war, der den Beinamen Bonifacius hatte. - Der Vater dieses Bischofs und Märtyrers hieß Bruno, die Mutter Ida, sein Bruder Gebehard. Gebehard zeugte Burchard und Ida. Burchard zeugte Gebehard, den Vater des Magedaburger Bischofs Konrad und des Magedaburger Grafen [Burchard]. Ida gebar den Gebehard, den Vater des Herzogs und nachmaligen Kaisers Lothar oder Liuder.