Weinfurter, Stefan: Seite 37,50,53,63,191,210
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"Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten"

Mit dem bayerischen Herzog konkurrierten alle anderen Herzöge [16 Vgl. Adelbold von Utrecht, Vita Heinrici, cap. 5, Seite 50: "Damals waren nach dem hochherzigen Herzog Heinrich die Mächtigen im Reich: Herzog Bernhard von Sachsen, Herzog Hermann von Schwaben, Dietrich im lotharingischen Reich und Markgraf Ekkehard in Thüringen". Vgl. A. Wolf, Quasi hetreditatem, Seite 69-140.]. Es war wie ein Ausscheidungskampf unter ihnen, zwischen Herzog Heinrich IV. von Bayern (995-1002), Herzog Hermann von Schwaben (997-1003), Herzog Dietrich I. von Ober-Lothringen (978-1027/32), Herzog Bernhard I. von Sachsen (973-1011) [19 Althoff, Adels- und Königsfamilien, Seite 94-121.] und dem SALIER Otto von Worms (gest. 1004). Dazu kam der Markgraf Ekkehard von Meißen (985-1002). Und schließlich ist noch der lothringische Pfalzgraf Erenfried (Ezzo) (996-1034) zu nennen.
Im März 1002 traf man sich in Frohse zu einem sächsischen Fürstentag. Dort versammelten sich Erzbischof Giselher von Magdeburg mit seinen Suffragan-Bischöfen, außerdem Herzog Bernhard von Sachsen, Markgraf Liuthar von der sächsischen Nordmark, Markgraf Ekkehard von Meißen, Markgraf Gero von der sächsischen Ostmark und eine Reihe anderer sächsischer Großer. Rasch stellte sich heraus, daß Markgraf Ekkehard von Meißen große Ambitionen auf die Königswürde hegte. Die Angelegenheit wurde vertagt.
Auf der Anfang April 1002 in Werla abgehaltenen Versammlung habe sich nur Ekkehard von Meißen grollend zurückgehalten. Am Abend seien seine Rachegelüste offen zutage getreten, denn zusammen mit seinen Getreuen, dem Bischof Arnulf von Halberstadt und seinem Schwager, dem Herzog Bernhard von Sachsen, habe er die Ehrenplätze, die für die beiden kaiserlichen Schwestern an der Tafel gedeckt waren, gewaltsam eingenommen.
Am 25. Juli 1002 kam es daher zu einer dritten Versammlung der sächsischen Großen, diesmal in Merseburg. HEINRICH II. erschien bereits in königlichen Gewändern - sein Königtum war nicht mehr rückgängig zu machen. Aber Herzog Bernhard I. von Sachsen verlangte als Sprecher der Versammlung vom neuen König die Zusicherung, daß er "zeitlebens" das Recht der Sachsen achten und ihre berechtigten Wünsche erfüllen werde. Nachdem HEINRICH diese Bedingung erfüllt hatte, ergriff der Sachsen-Herzog die heilige Lanze und legte sie ihm in die Hände. Es war sozusagen eine "nachgestellte" Herrschaftseinweisung.
In Sachsen hatte sich die Familie der BILLUNGER seit der königlichen Ernennung Hermann Billungs 936 zum princeps militae bis zum Ende des 10. Jahrhunderts durchgesetzt [34 Giese, Der Stamm der Sachsen; Althoff, Adels- und Königsfamilien; Ders., Die Billunger in der Salierzeit; Becher, Rex, Dux und Gens, Seite 251 ff.]. Ihre Macht beruhte auf einer Vielzahl von Besitzungen und Herrschaftsrechten, vor allem im Raum um ihr Hauskloster Lüneburg und in den Bistümern Minden und Münster [35 Freytag, Herrschaft der Billunger.]. Der BILLUNGER Herzog Bernhard I. (973-1011) war um die Jahrtausendwende in der Herzogsgewalt längst anerkannt und konnte das Amt an seinen Sohn, Bernhard II. (1011-1059), weitergeben [36 Goetz, Das Herzogtum der Billunger.].
Im Februar 1004 setzten sich schließlich Erzbischof Tagino von Magdeburg und Herzog Bernhard I. von Sachsen - der eine als Vertrauensmann des Königs, der andere als Parteifreund des Gefangenen [29 Die Tochter Heinrichs von Schweinfurt dürfte damals schon mit Bernhard II., dem Sohn Herzog Bernhards I. von Sachsen, verheiratet gewesen sein. Siehe Althoff, Adels- und Königsfamilien, Seite 109. Siehe auch unten Kapitel 11.] - für die Aufständischen ein, die nun die Gnade des Königs suchten.
Der BILLUNGER-Herzog Bernhard I. wiederum war über die EKKEHARDINER mit Boleslaw Chrobry verwandt, denn seine Schwester Swanhilde war die Gemahlin Markgraf Ekkehards. Das Nekrolog des BILLUNGER-Hausklosters St. Michael in Lüneburg, in dem HEINRICH II. und Kunigunde bezeichnenderweise fehlen, enthält die Namen der sächsischen Adligen, die mit dem Polen-Herzog und dem Sachsen-Herzog in Verbindung standen. Es erscheint als getreuer Spiegel dieser "polenfreundlichen" Bündnisgruppe.