Jutta von Thüringen                        Herzogin von Böhmen
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um 1130/3510.9. nach 1174
 

Tochter des Landgrafen Ludwig I. von Thüringen aus dem Hause der LUDOWINGER und der Hedwig von Gudensberg, Tochter von Graf Giso IV.
 

Brandenburg Erich: Tafel 13 Seite 27
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"Die Nachkommen Karls des Großen."

XIII. 185. JUTTA
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* ca. 1135, ...10.IX.

Gemahl:
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1153
WLADISLAV II. KÖNIG VON BÖHMEN (siehe XII. 299.)
         1174 18.I.


Schwennicke Detlev: Tafel 145
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

JUTTA (JDITH)
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    9.IX.. nach 1174

  oo um 1153
       WLADISLAW II., Herzog und König von Böhmen
                18.I.1174


Thiele, Andreas: Tafel 178
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

JUTTA
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  oo 1153
       WLADISLAW II. HERZOG VON BÖHMEN
               1174


Jahrbücher des Vincenz von Prag
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Das Jahr 1153.
 
Im Jahre der göttlichen Menschwerdung 1153 vermählte sich Herzog Wladizlaus auf den Rath seines Bischofs Daniel und anderer Fürsten und Herren seines Landes mit Frau Judit, der sehr edlen und ehrbaren Schwester des Herrn Ludwig, Landgrafen von Thüringen, welche gleich einer Tochter des Himmels durch Liebreiz und Anmuth alle menschliche Schönheit überstrahlte und in den Wissenschaften wie in der lateinischen Sprache sehr unterrichtet war, was die Anmuth adeliger Fräulein ganz besonders erhöht.

Jahrbücher des Gerlach von Mühlhausen
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Das Jahr 1174.
 
Es war das Jahr der göttlichen Menschwerdung 1174, als der Kaiser, durch das Drängen des genannten Udalrich bewogen, allen Böhmen einen Tag in Nürnberg ansagen ließ, wie auch dem König Wladizlaus, wenn er könnte, und seinem Sohne Friderich, mit dem Befehl, auch Zobezlaus frei zu lassen und ihm vorzustellen. Ueber diese Botschaft erschraken der König und sein Sohn und fragten ihre Getreuen um Rath, was zu thun wäre. Diesen schien es gut, den Bischof Friderich und den Grafen Witko, einen Mann von höfischer Beredtsamkeit, sowie einige Andere nach Nürnberg zu schicken, welche das Nichterscheinen des Königs entschuldigen und den Kaiser mittelst Geld anderen Sinnes machen sollten. Um es kurz zu sagen, dieselben gingen und kehrten unverrichteter Dinge zurück, wurden ein zweitesmal geschickt und richteten wieder nichts aus, indem sich der Kaiser weder durch Bitten noch durch Geld erweichen ließ und darauf bestand, daß Zobezlaus freigegeben würde. Da sie diesem Gebote nicht zu widerstehen wagten, thaten sie endlich, was ihnen befohlen war, ließen ihn frei und führten ihn nach Prag, wo Friderich seine Ankunft  erwartete. Als er sich näherte, offenbarten sich schon die Gedanken Vieler, denn sie zogen ihm in großer Anzahl zum Empfang entgegen. Zuerst besuchte derselbe in tiefer Demuth und mit entblößten Füßen die Schwellen der Heiligen, um Dank zu sagen, dann kam er zum König und zu Friderich, welche ihn mit dem Friedenskusse empfingen, und begab sich darauf in seine Herberge. Während er aber zu Bette lag, wurden ihm  schlimme Nachrichten hinterbracht, nämlich daß ihn Friderich am Morgen blenden lassen wollte. Darüber erschrocken entfloh er in der Nacht und kam mit Allen, die er mitnehmen konnte, zu dem Hoftage des Kaisers, der in Erndorf gehalten werden sollte, während ihm Friderich auf einem anderen Wege mit den Seinigen nachfolgte. Man sagt auch, daß König Wladizlaus diesem Hoftage beigewohnt hätte. Die Beschlüsse  desselben waren folgende: Friderich wurde das Herzogthum Böhmen durch richterlichen Spruch aberkannt, weil er es nicht, wie behauptet worden, auf gesetzmäßige Weise, sondern nur durch Uebergabe seines Vaters, ohne Einwilligung der Böhmen und nicht aus der Hand des Kaisers empfangen hätte. Darauf wurde die Herrschaft über Böhmen mit fünf Fahnen an Udalrich verliehen, welcher sie aber freiwillig seinem Bruder  Zobezlaus, als dem älteren, abtrat, und beide schwuren, dem Kaiser Hilfstruppen gegen die Lombardei zu stellen, wovon wir weiter unten an geeigneter Stelle ausführlich handeln wollen. Sie versprachen auch dem König seinen standesmäßigen Unterhalt, dieser aber traute ihnen nicht und begab sich, obwohl krank, auf ein sehr schönes Landgut, welches seine Gemahlin in Deutschland besaß und das Mer hieß. Hier wohnte er mit ihr und mit Frau Elisabeth, der Gemahlin Friderichs, und  erwartete die Schickungen der göttlichen Barmherzigkeit.
Friderich brachte vier ganze Jahre, während welcher Zobezlaus die Herrschaft führte, bald in Ungarn, bald am kaiserlichen Hofe oder wo er sonst konnte, in trauriger Verbannung zu; sein Vater aber lebte auf dem Gute, von welchem wir gesprochen, nur vier Monate, starb zu Anfang des folgenden Jahres, nämlich am 18. Januar, hochbetagt, und wurde in Missen sehr ehrenvoll zu Grabe gelegt. Seine Gebeine wurden mit Erlaubniß des Herzogs Zobezlaus nach Prag gebracht und in seinem Kloster Stragov, welches er von Grund aus errichtet hatte, wie man jetzt noch sieht, mit der gebührenden Ehre beerdigt. Die Jahre seiner herzoglichen und königlichen Regierung werden aber gerechnet vom Jahre der göttlichen  Menschwerdung 1140, wo er, nachdem Zobezlaus am 14. Januar gestorben war, diesem folgte, bis zum Jahre 1175, in welchem er selbst am Tage der Jungfrau Prisca starb, also beinahe deren fünfunddreißig. König Wladizlaus hatte in der That, so lange er lebte, die Ehre des Hauses Gottes von Herzen geliebt und gefördert, sowohl durch Mönche, welche er auch aus dem Auslande berief, als durch Klöster, als deren freigebiger Stifter er berühmt ist. Auf seine Bitten und durch sein eifriges Bemühen kamen zwei heilige Orden, nämlich die Cistercienser und die Prämonstratenser, in das böhmische Land, durch welche dasselbe wie durch Sonne und Mond erleuchtet wurde. Er verwandelte den Berg Ztragow in den Berg Sion,  machte aus einer Räuberhöhle ein Bethaus und errichtete daselbst ein Gebäude, dessen gleichen man in unserem Orden kaum wieder findet. Auch ein zweites Haus erbaute er unserem Orden in Doxan und bevölkerte dasselbe mit Nonnen, welche er aus Dunewald in der Diöcese Köln kommen ließ; ein drittes in Plaz für den grauen Orden; ein viertes, dessen Gründerin vorzüglich die Königin Judith war, in Teplitz für Klosterfrauen von der Regel des heiligen Benedict; ein fünftes in Lutomisl. Sein Beispiel feuerte andere böhmische Große zu gleichem Eifer an, sie gründeten gleichfalls die herrlichsten Kirchen und er war, wie der Gründer seiner eigenen, so der Mitbegründer aller dieser. Um all' dieser Werke der  Barmherzigkeit willen wird er, wie wir glauben, beim Vater der Barmherzigkeit, unserem Herrn und Gott, gleichfalls Barmherzigkeit gefunden haben. Seine Seele ruhe im Frieden, Amen. 

Jetzt wollen wir uns zu Zobezlaus wenden und von ihm  und seiner Zeit erzählen, was als wahr feststeht, theils wie wir uns dessen selbst erinnern, theils wie es ältere Leute erzählt haben.
 
Also um die Mitte des Jahres 1174 kam Zobezlaus an dem Ort und in der Art und Weise, wie oben erzählt wurde, mit dem väterlichen Herzogthum belehnt nach Prag, wurde daselbst von Klerus und Volk prächtig empfangen, nach Landesbrauch feierlich auf den Thron gesetzt, und regierte von da an glücklich. Aber den guten Anfang befleckte er bald durch Vergießung unschuldigen Blutes, denn er ließ Sturm, den Burgwart von Primberg, wohl eingedenk, daß ihn derselbe während seiner Gefangenschaft hart behandelt, aber nicht bedenkend, daß er ihm später Verzeihung und Sicherheit versprochen, festnehmen und nach Prag führen, daselbst an den Händen verstümmeln und grausam hinrichten. Für dieses Vergehen that er später öffentlich Buße und fastete, barfuß und mit einer Kutte bekleidet. Obgleich er aber zu dieser Blutthat sich durch den bösen Feind hatte verleiten lassen, so war er im Uebrigen doch recht lobenswert und eifrig in Handhabung der Regierung. Die, welche ihn gekannt, erzählen, daß er ein gerechter Richter war, den Kirchen Gottes sehr günstig, gut mit den Guten und der Schrecken der Missethäter. Er ließ es sich stets angelegen sein, Arme und Ohnmächtige, welche keinen Beistand hatten, vor den Mächtigen zu beschützen, und sprach Allen, die  Unrecht erduldeten, und seinem ganzen Volke ohne Ansehen der Person Recht. Ihrer Vertheidigung hatte er sich so hingegeben, daß er sich nicht scheute, der Armen wegen die Edlen vor den Kopf zu stoßen, und allgemein der "Bauernfürst" genannt wurde. So oft er eine Reise zu machen hatte, wobei seine Großen theils in Wagen theils zu Pferd waren, war er nicht zufrieden, wenn er nicht auch die Armen seines Volkes um sich sah, zu Pferd oder zu Fuß, wie es jedem sein Vermögen erlaubte. Was soll ich mich lange dabei aufhalten? sein ganzes Bestreben und sein ganzer Sinn waren darauf gerichtet, die Armen zu beschützen und die Rechte seines Landes zu  erhalten.
 
In diesem Jahre wurde ich durch die Gnade des Abtes Godscalk von Syloa, des sehr heiligen Mannes, zum Unterricht in den Wissenschaften in ein Kloster bei Würzburg  gebracht, und zwar am Tage aller Heiligen. Derselbe nahm  mich auch, meinem Oheim, Herrn Gerhard, zu Liebe auf dem Rückwege von einem Capitel wieder mit nach Hause.

Weller Tobias: Seite 206,599,814
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"Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert."

Das von GAISER erschlossene Verwandtschaftsverhältnis geht von der Prämisse aus, daß Otakar aus der ersten Ehe König Vladislavs (
1174) mit der Gertrud von Österreich ( 1150) stammt; er war aber ein Sohn aus der zweiten Ehe mit der LUDOWINGERIN Judith [61 De ortu princ. Thuringie 406: Hec sunt nomina quatour filiarum, quas Hedewigis Ludewico primo lantgravio genuit: prima Cecilia, que nupsuit Udelrico duci Boemie. Secunda Iutta, que eiusdem provincie regi copulata, genuit regem Odakarum et eius fratrem comitem Heinricum.. [...]. Siehe auch WEGENER, Przemysliden, Tafel 2, 6f.; Europäische Stammtafeln NF 1/2 (1999), Tafel 177; vgl. auch das Stemma 'Premysliden, I' von Josef ZENLICKA in: LMA (1998).].
Schwierig zu beurteilen ist, ob in diesem Kontext auch dessen Heirat mit der LUDOWINGERIN Judith, der zweiten Schwester Landgraf Ludwigs des Eisernen, eine Rolle spielte, mit der er sich nach dem Tod Gertruds (
5. August 1150) in zweiter Ehe vermählte [139 Vgl. zu der Verbindung Anm. 133. In den böhmischen Chroniken trägt die zweite Gemahlin Vladislavs II. den Namen Judith; vgl. neben Vinzenz von Prag (Anm.140) zum Beispiel Gerlach von Mühlhausen, Cont. zu 1174, MGH SS 17, 686. Die thüringischen Quellen hingegen verwenden die Kurzform Jutta.]. Das Jahr der Eheschließung läßt sich nicht sicher bestimmen. Vinzenz von Prag meldet zu 1153 und berichtet überdies, daß Bischof Daniel und andere böhmische Große dem Herzog zu dieser Verbindung geraten hätten [140 Vinzenz von Prag, Ann. zu 1153, MGH SS 17, 664: Anno dominice incarnationis 1153. predictus dux Wladizlaus consilio episcopi sui Danielis et aliarum terrae suae primatum et principum, domnam Iuditam, specie et decore quodam modo quasi humanas formas superantem tamquam divinam sobolem sororem domni Ludewici de Turingia langravii, nobilissimam et honestissimam, litteris et Latino optime eruditam eloquio, quod maxime domizellarum nobilium exornat decorem, sibi iungit matrimonio.]. Angesichts dessen ist die Heirat Vladislavs mit der Thüringer Landgrafen-Tochter, die ja durch die Ehe ihres Bruders Ludwig zum verwandtschaftlichen Umfeld des staufischen Herrscher-Hauses gehörte, im Zusammenhang mit der Annäherung des Böhmen an FRIEDRICH BARBAROSSA gesehen worden [141 Vgl. SIMONSFELD, Friedrich I. 1, 207f.; BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 254; HOENSCH, Geschichte Böhmens 71f.]. Wenn also seine relative Chronologie stimmt, ging Vladislav die Ehe mit Jutta/Judith noch vor dem Regierungsantritt BARBAROSSAS ein [142 So auch KNOCHENHAEUR, Geschichte Thüringens 142.]. Demnach scheint die Heirat weniger reichspolitisch motiviert als von genuinen thüringischen Interessen bestimmt gewesen zu sein. Das Herzogtum Böhmen grenzte im Süden unmittelbar an Thüringen. Es war also nicht zuletzt ein Gebot der territorialen Konsolidierung, wenn die Inhaber der Landgrafschaft, welche in dieser Form ja erst seit kurzer Zeit bestand, darum bemüht waren, sich den umliegenden Fürsten-Familien verwandtschaftlich zu verbinden. Mit den PREMYSLIDEN geschah dies gleich in doppelter Weise: Zum einen durch die Heirat Cäcilias mit Udalrich, zum anderen durch die Juttas/Judiths mit dem regierenden Herzog Vladislav II. selbst.
Neben Schönheit spielten auch Auftreten und Bildung als Kriterien bei der Brautwahl eine Rolle. Vinzenz von Prag hob bei seinem Bericht von der Eheschließung Vladislavs II. von Böhmen mit der ludowingischen Landgrafen-Tochter Judith nicht nur hervor, daß die Braut von besonderem Liebreiz sei, sondern strich zudem heraus, daß sie in den litterae und in der lateinischen Sprache unterrichtet sei, was adlige Frauen in besonderer Weise ziere [70
Vgl. Vinzenz von Prag, Ann., MGH SS 17, 664: Anno dominice incarnationis 1153. predictus dux Wladislaus consilio episcopi sui Danielis et aliorum terrae suae primatum et principum, domnam Iuditam, specie et decore quodammodo quasi humanas farmas superaretem tamquem divinam sobolem, sororem domni Ludwici de Turinga langravii, nobilissimam et honestissimiam, litteris et Latino optime eruditam eloquio, quod maxime domizellarum nobilium exornat decorem, sibi iungit matrimonio.].






 1151
  oo 2. Wladislaw II. Herzog von Böhmen
           um 1110/15 18.1.1174
 
 
 
 

Kinder:

  Ottokar I.
  1155 15.12.1230

  Wladislaw III. Markgraf von Mähren
        12.8.1222

  Agnes Äbtissin zu St. Georg Prag
        8.4.1228

  Richza
        

  oo Heinrich Markgraf von Österreich-Mödling
       um 1158 19.9.1223
 
 
 
 

Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 13 Seite 27 - Jahrbücher des Gerlach von Mühlhausen - Jahrbücher des Vincenz von Prag - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 145 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 178 - Weller Tobias: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Rheinisches Archiv. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2004 Seite  206,371,388,599,600,602,625,678,814,820 -