Cäcilia von Thüringen                      Herzogin von Böhmen
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um 1122 vor 1177
 

Älteste Tochter des Landgrafen Ludwig I. von Thüringen aus dem Hause der LUDOWINGER und der Hedwig von Gudensberg, Tochter von Graf Giso IV.
 

Brandenburg Erich: Tafel 13 Seite 27
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"Die Nachkommen Karls des Großen."

XIII. 184. CAECILIE
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* ..., ...

Gemahl:
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ULRICH HERZOG VON BÖHMEN (siehe XII. 304.)
        1177 11.XI.


Schwennicke Detlev: Tafel 145
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

CÄCILIA
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  oo ULRICH VON BÖHMEN
              18.X.1177


Thiele, Andreas: Tafel 178
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

CÄCILIE
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  oo ULRICH II. HERZOG VON BÖHMEN-MÄHREN
             1177


Weller Tobias: Seite 597-599,602
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"Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert."

Zwei Schwestern Ludwigs des Eisernen heirateten in die böhmische Fürsten-Familie der PREMYSLIDEN ein: Cäcilia wurde die Gemahlin Udalrichs, eines nachgeborenen Sohnes Herzog Sobeslavs I. von Böhmen (1125-1140) [134 Siehe auch DIEMAR, Stammreihe, No. 25, 6.]. Der Zeitpunkt der Vermählung ist nicht überliefert. Da Landgraf Ludwig I. aber noch vor 1122 heiratete und Cäcilia seine älteste Tochter war, ist es durchaus möglich daß ihre Eheschließung mit Udalrich noch während der Regierungszeit sowohl des Braut-Vaters als auch Sobeslavs I. ( 14. Februar 1140) erfolgte. Damals galt entsprechend der Sukzessionsregelung, die der Böhmen-Herzog mit KONRAD III. abgestimmt hatte, Udalrichs älterer Bruder Vladislav ( 1165) als präsumptiver Erbfolger im Dukat.
In dieser Situation suchte Udalrich, der Schwager des Thüringer Landgrafen und Bruder des 1140 übergangenen Vladislav, FRIEDRICH BARBAROSSA auf und stellte ihm eine bedeutende Geldsumme in Aussicht, wenn er ihn mit dem Herzogtum Böhmen belehne. BARBAROSSA soll bereits seine Einwilligung in dieses Angebot signalisiert haben, doch konnte der Prager Bischof Daniel (1148-1167) den sich abzeichnenden Konflikt um die böhmische Herzogswürde entschärfen, indem er einen Ausgleich zwischen den premyslidischen Kontrahenten vermittelte, gemäß dem Vladislav II. seinen Vetter Udalrich mit der Burg Gradetz (Königsgrätz) ausstattete. Bald darauf aber traten erneut Spannungen auf so daß Udalrich nach Polen fliehen mußte [138 Vgl. Vincenz von Prag, Ann. zu 1154 und 1155, MGH SS 17, 665. Siehe auch BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 253; HOENSCH, Geschichte Böhmens 71.].
Udalrich war vermutlich Anfang der 1160-er Jahre aus dem polnischen Exil ins Reich zurückgekehrt, wo er sich in der Folgezeit häufig am Hof des Kaisers aufhielt [149 Erstmals taucht Udalrich im Januar 1162 in einer Urkunde FRIEDRICH BARBAROSAS auf (vgl. DF. I. 347.] und als dessen treuer Gefolgsmann erwies: Wie aus den Herrscherdiplomen hervorgeht, die ihn von Januar bis August 1162, im Januar 1164 sowie von Juli 1166 bis August 1167 in der Umgebung FRIEDRICH BARBAROSSAS bezeugen, nahm er am zweiten, dritten und vierten Italienzug des STAUFER-Kaisers teil. Möglicherweise kann man aus Udalrichs Präsenz auf dem Hoftag in Altenburg im Juli 1172 auch auf sein Engagement beim zweiten Polenfeldzug schließen. Zudem ist er in den 1160-er Jahren auch in Deutschland mehrfach am Kaiserhof belegt. Offenbar war er hier sehr angesehen, denn die kaiserliche Kanzlei fügte seinem Namen meist dem Herzogstitel bei, obgleich er in Böhmen, wo sein Vetter Vladislav regierte, keine Dukatsgewalt ausübte.
Die Möglichkeit hierzu bot sich ihm erst 1173 nach der Belehnung durch FRIEDRICH BARBAROSSA. Udalrich aber trat die Herzogsherrschaft sogleich an seinen älteren Bruder Sobeslav II. (
1180) ab [154 Vgl. Gerlach von Mühlhausen, Cont. zu 1174, MGH SS 17, 686. Siehe auch BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 270f.], der zuvor von König Vladislav über zwölf Jahre auf Burg Primda in Haft gehalten worden war [155 Sobeslavs Herrschaft in Böhmen war indes keine lange Dauer beschieden; 1178 wurde ihm von FRIEDRICH BARBAROSSA die Herzogswürde aberkannt und wieder an Friedrich, den Sohn König Vladislavs, verliehen. Vgl. Jiri KEJR: Sobeslav II., Herzog von Böhmen, in LMA 7 (1995) 2017f.]. Für den Verzicht auf die böhmische Herzogswürde wurde Udalrich mit Mähren entschädigt [156 Seinen gehobenen Adelsrang vertrat Udalrich auch als Fürst von Mähren weiter; in einer Urkunde von 1174 führte er den stolzen Titel Oldericus, dei gratia Morauorum dux (CDRB 1, No. 270,238f.]. 1174 begleitete er den Kaiser auf dessen fünftem Zug nach Italien, wo die Quellen seine Teilnahme an der Belagerung Alessandrias erwähnen [157 Vgl. Gerlach von Mühlhausen, Cont. zu 1175, MGH SS 17, 687. Bezeugt ist Vlricus dux Boemorum auch in einer am 19. Dezember 1174 vor Alessandria ausgestellten Herrscherurkunde (D F. I. 633). Siehe auch BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 273f., GATTERMANN, Reichsheerfahrt, Anhang (217).]. Drei Jahre später wurde er aus unbekannten Gründen von Sobeslav II. eingekerkert [158 Vgl. Ann. Prag. zu 1177, MGH SS 3, 1212: Odalricus dux a fratre suo capitur. Siehe auch BRETHOLZ, Geschichte Böhmens 274; HOENSCH, Geschichte Böhmens 74.] und scheint wenig später gestorben zu sein [159 Zu Februar 1177 ist Udalrich noch urkundlich in der Umgebung Sobeslavs belegt (CDEB 1, No. 279, 244ff. Aus einer spätestens Ende 1178 ausgestellten Olmützer Bischofsurkunde geht indes hervor, daß er damals bereits tot war (CDRB 1, No. 289, 254f.). WEGENER, Premysliden, Tafel 2, setzt den Tod Udalrichs zu 1177; ebenso das Stemma 'Premysliden, I (Prager Linie der Fürsten von Böhmen' von Josef ZEMLICKA, in: LMA 9 (1998); Europäische Stammtafeln NF 1/2 (1999), Tafel 177.]. Seine ludowingische Gattin Cäcilia war bereits vor ihm verschieden, jedoch läßt sich der Zeitpunkt ihres Todes nicht näher eingrenzen.

 




  oo 1. Ulrich II. Herzog von Böhmen
  x             11.11.1177
 
 
 
 

Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 13 Seite 27 - Schwarz, Hilmar: Die Ludowinger Aufstieg und Fall des ersten thüringischen Landgrafengeschlechts, Wartburg-Stiftung 1993 Seite 89 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 145 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 178 - Weller Tobias: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Rheinisches Archiv. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2004 Seite 597-599,602, 625,676,820 -