Das Jahr 1071.
Zwischen dem Herzoge der Polen [6 Boleslaw
II., Sohn Kasimirs I., 1058-1083.]
und dem Herzog der Böhmen [7 Wratislaw II., 1061-1092.] herrschte
die feindseligste Zwietracht. Deswegen berief sie der König zur Herbstzeit
in die Stadt Misene, machte ihnen ziemlich harte Vorwürfe und befahl
ihnen mit Hinweisung auf die königliche Majestät, daß ein
jeder in der Folge mit seinen Grenzen zufrieden sein, und sie sich
nicht wechselseitig durch frevelhafte Anfälle reizen sollten; sonst
würde derjenige, der zuerst den andern bekriegt hätte,
ihn als Feind und Rächer kennen lernen.
Das Jahr 1077.
1077 erhob der Herzog von Polen [3 Boleslaw
II., vgl. Seite 152, Anm. 6.], der schon viele Jahre lang den
deutschen Königen zinspflichtig gewesen, und dessen Reich schon vor
Alters durch die Tapferkeit der Deutschen bezwungen und zu einer Provinz
gemacht worden war, plötzlich im Uebermuthe sein Haupt, weil
er sah, daß die deutschen Fürsten, von innern Zwistigkeiten
befangen, nicht Zeit hatten auswärtige Völker zu bekriegen; er
maßte sich königliche Würde und königlichen Namen
an, setzte sich die Krone auf, und wurde am Tage der Geburt des Herrn
von fünfzehn Bischöfen zum König geweiht. Als die
Fürsten, denen die Würde des Reichs am Herzen lag, dies kurz
hernach in Erfahrung brachten, so machte es einen tiefen Eindruck
auf sie, und zürnten gegenseitig auf einander, daß sie, in innerlichem
Zwiste gegen sich selbst und gegen ihre eigenen Eingeweide wüthend
und sich bekämpfend, die Macht und Stärke der Barbaren
so sehr hätten anwachsen lassen, daß schon zum dritten Male
der Herzog von Böhmen das deutsche Reich mit Feuer und Schwert verwüstend
durchzogen, und jetzt der Herzog der Polen zur Beschimpfung des deutschen
Reichs, gegen die Gesetze und Rechte der Altvordern, den königlichen
Namen und die königliche Krone sich unverschämter Weise angemaßt
habe.