Renn, Heinz: Seite 120-123
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"Das erste Luxemburger Grafenhaus"

Wir haben Friedrich und seinen Bruder Heinrich bereits 1033 zu Deville in der Umgebung KONRADS II. kennen gelernt. Bei dieser Gelegenheit bestätigt der Kaiser einen Tausch, den Friedrich als Vogt von Stablo-Malmedy mit dem Kloster St. Martin zu Metz bestätigt hat. Die Obervogtei der reichen Doppelabtei wird von seinem Vater auf ihn übergegangen sein. Natürlich ist auch Friedrich am 5. Juni 1050 zu Stablo zugegen, als hier im Beisein HEINRICHS III. die neue Kirche eingeweiht wird.
Verheiratet ist Friedrich nach der Genealogia e stirpe sancti Arnulfi mit Gerberga, der Tochter des Grafen Eustach I. von Boulogne: "Mathildis, filia Gerberge, genuit Eustachium comitem Boloniensem et Gerbergam, Friderici ducis uxorem". Ihr Bruder Eustach II. heiratet Ida, die Tochter Godfrids des Bärtigen, aus welcher Verbindung Godfrid von Bouillon hervorgeht, wie ich bereits ausgeführt habe. Mütterlicherseits hängen Gerberga und Eustach II. von Bologne eng mit dem Hause BRABANT und mit dem 1012 im Mannesstamm ausgestorbenen karolingischen Herzogshause von Nieder-Lothringen zusammen. Ihre Mutter Mathilde ist ein Sproß Lamberts von Löwen und der Gerberga, die wir wiederum als Tochter Herzog Karls von Nieder-Lothringen kennen.
Diese verwandtschaftlichen Beziehungen haben vielleicht zu der hohen Auszeichnung mitgewirkt, die Friedrich 1046 erhält. In diesem Jahr übergibt ihm HEINRICH III. das Herzogtum Nieder-Lothringen, in dem Friedrich besonders durch seine Gemahlin reich begütert ist. Am 30. August 1067 übergeben die Treuhändler Friedrichs nach dessem letztem Willen der Abtei Stablo-Malmedy Allodialgüter seiner Gattin Gerberga, nämlich Sprimont im Kanton Louveigne, Provinz Lüttich und Genappe, ein Kantonalhauptort in der Probvinz Brabant. Von seinem Bruder Adalbero III. von Metz wird Friedrich auch die Vogtei über St. Trudo bei Lüttich übertragen. Diese Nachricht verdanken wir dem Bischof selber.
Sehr merkwürdig ist es, daß Friedrich mit HEINRICH III. seine in Sachsen gelegenen Güter gegen Laroche austauscht; vielleicht hat er durch seine zweite Gemahlin Ida diese Besitzungen erhalten; denn nach dem Tode Friedrichs bringt Ida Laroche mit in ihre zweite Ehe. Die Herkunft Idas ist freilich nicht sicher bezeugt. Im allgemeinen hält man sie jedoch für die Tochter des Herzogs Bernhard II. von Sachsen (+ 1059) [65 Vanderkindere, II, Seite 202f.; Brandenburg, Seite 65 (X 99)]. Idas zweiter Gemahl ist Albert III. von Namur, wie sich aus der Chronik der Abtei St. Hubert ergibt: "Albertus (III) comes Namurensis cum uxore sua Ida prius fuerat uxor ducis Frederici". Der Gewährsmann von Trois-Fontaines nennt Friedrichs Witwe, die Gemahlin Alberts III. von Namen, ebenfalls Ida [67 SS. XXIII; Seite 795; zum Jahre 1065 nent er sie Raelindis = Regelindis.]. Aus erster Ehe scheint sie keine Kinder hinterlassen zu haben, während sich das Geschlecht von Namen durch sie fortpflanzt. Ihr Sohn Godfrid heiratet Ermesinde von Luxemburg, deren Sproß Heinrich der Blinde später Luxemburg, Namen, Durbuy und Laroche in seiner Hand vereingt.
Nach Sigebert von Gembloux stirbt Herzog Friedrich 1065 [68 "Friderico duce mortuo, Gotefridus ducatum recepit" = SS. VI, Seite 361.]. Den Todestag meldet uns das Nekrolog von St. Maximin zum 28. August: "Fridericus pacificius dux nostre congregationis frater". Seine Begräbnisstätte hat Friedrich neben seiner ersten Gemahlin Gerberga zu Stablo gefunden. Noch kurz vor seinem Tode hat er sich energisch mit Anno von Köln auseinandersetzen müssen, der im Einverständnis mit Adalbert von Bremen die Abtei Stablo-Malmedy für sich beansprucht. Der Tod des tatkräftigen Friedrich ist daher für die Mönche der Doppelabtei ein schwerer Verlust.
Männliche Nachkommen hat Herzog Friedrich nicht hinterlassen. Seine einzige Tochter Judith aus erster Ehe heiratet Udo-Walram von Arel. Da dessen Vater Walram I. Adelheid, die Enkelin Herzog Friedrichs I. von Ober-Lothringen, heimgeführt hat, sind Judith und Udo-Walram im 4. Grade miteinander verwandt. Judith schenkt ihrem Gemahl einen Sohn Heinrich, der wie der Großvater die Herzogswürde von Nieder-Lothringen, wenngleich nur vorübergehend, erhält. Ihr Gemahl Udo-Walram erbaut seine Residenz, das Schloß Limburg, innerhalb jener Besitzungen, die Judith als Erbtochter mit in die Ehe gebracht hat und die den Grundstock zu dem späteren Herzogtum Limburg bilden.