Mohr Walter: Band I Seite 84-85/Band II Seite 21,22,30,37,39
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"Geschichte des Herzogtums Lothringen"

Die lothringischen Verhältnisse gerieten schon bald in weiteren Fluss. Wir erfahren, dass im Jahre 1045 das Herzogtum Nieder-Lothringen an Friedrich von Luxemburg übertragen wurde. Man hat ehedem allgemein angenommen, das sei geschehen, weil Herzog Gozelo II. gestorben sei. Dabei berief man sich auf eine Urkunde HEINRICHS III. vom 22.5.1046, in der die Grafschaft Drenthe nach dem Tode des Herzogs Gozelo dem Bischof von Utrecht übertragen wurde. Indes wird in dieser Urkunde nicht gesagt, um welchen Gozelo es sich handelte, um Vater oder Sohn. Da Gozelo I. erst zwei Jahre zuvor gestorben war, müsste man eine nähere Charakterisierung in der Urkunde erwarten, falls es sich um den Sohn gehandelt hätte. Über dessen Tod besitzen wir im übrigen keine Angaben, dagegen gibt es immerhin unmissverständliche Berichte, dass er zu diesem Zeitpunkt noch am Leben war. So schreibt der Chronist Hermann von Reichenau zum Jahre 1046, damals sei Friedrich, der Bruder des Herzogs von Bayern, an Stelle des unfähigen Gozelo, des Bruders Gottfrieds zum Herzog eingesetzt worden. Die Annalen von Altaich sind noch etwas genauer: König HEINRICH habe auf einem Hoftage in Aachen im Jahre 1046 Gottfried wieder zu Gnaden angenommen und ihm das eine Herzogtum gegeben, das andere habe er jedoch weder ihm, noch seinen Bruder zugestanden, sondern Gozelo abgesetzt und sein Herzogtum an Friedrich, den Bruder des Bayern-Herzogs übertragen. Der Verlauf der Ereignisse hat sich demnach anders vollzogen, als bisher angenommen wurde. Nicht als Folge des angeblichen Todes Gozelos II. hat HEINRICH III. auf einem Hoftage in Aachen am 18. Mai 1046 eine Neuordnung des lothringischen Gebietes vorgenommen, sondern weil ihn die Unfähigkeit Gozelos dazu zwang. Der unmittelbare Anlass dazu kann auch noch darin gelegen haben, dass Graf Dietrich IV. von Holland sich in dieser Zeit Reichsgebiet aneignete. Der König mag es angesichts solcher Ereignisse für nötig erachtet haben, in Lothringen kräftigere Persönlichkeiten als Gegengewicht zu besitzen. So kam es, dass Gottfried aus der Haft entlassen wurde und das Herzogtum Ober-Lothringen übertragen erhielt. Nach einer späteren Überlieferung soll er genötigt gewesen sein, dafür seinen Sohn als Geisel zu stellen. In Nieder-Lothringen wurde Graf Friedrich von Luxemburg wohl auch im Sinne einer Gegenwirkung gegen Gottfried, zumal Friedrichs Oheim Dietrich Bischof von Metz war, als Herzog eingesetzt.
Zum neuen Herzog war hier Friedrich von Luxemburg ernannt worden, ein Bruder des Herzogs von Bayern, ein Verwandter des Bischofs von Metz, verheiratet mit Gerberga, der Tochter des Grafen Eustachius von Boulogne, und sie wiederum mit dem Hause LÖWEN und der Familie des ehemaligen Herzogs Karl von Lothringen verbunden. Sie brachte ihm auch einige Güter im niederlothringischen Raum mit in die Ehe, er selbst war Vogt des Klosters St. Truiden und des Doppelklosters Stablo-Malmedy. Bei seiner Ernennung hat der Kaiser wohl darauf spekuliert, dass er sich entsprechend gegen Gottfried durchsetzen können, doch war das luxemburgische Haus anscheinend nicht imstande, die hierzu erforderliche Macht zu entwickeln. So ist denn auch über die Regierung Herzog Friedrichs zunächst nichts überliefert. Man hätte erwarten können, er hätte am Kriegszug des Kaisers im Jahre 1049 gegen den Grafen Balduin von Flandern teilgenommen, doch begegnet uns sein Name dabei nicht. Ebenso wird er nicht bei der Aktion genannt, die der Kaiser gegen den Grafen Lambert II. von Löwen führen musste, bei der im Mai 1050 die Burg Limburg belagert wurde. Die Angelegenheit lässt wohl ersehen, dass er selbst nicht viel in seinem Herzogtum ausrichten konnte, so dass der Kaiser eingreifen musste.
Während der Abwesenheit des Kaisers in Italien hören wir endlich auch etwas von Herzog Friedrich von Nieder-Lothringen. Er trat aktiv an der Scheldemündung auf und besetzte die Stadt Antwerpen. Inzwischen war Gottfried der Bärtige erschienen und zog nun mit dem Grafen Balduin von Flandern und dessen gleichnamigen Sohn gegen Antwerpen aus. Der Angriff wurde zu Lande und auf der Schelde ausgeführt, doch erhielt Herzog Friedrich Unterstützung aus Lothringen, so dass die Belagerer ihre Aktion aufgeben mussten. Die Flamen haben bei diesen Kämpfen um die Stadt starke Verluste erlitten.
Nun also hören wir etwas mehr vom niederlothringischen Herzog. Allerdings sind die beiden Urkunden, die ihn im April und Mai 1064 am königlichen Hofe in Kaiserwerth vermelden, in ihrer Aussage nicht verlässlich, denn die eine ist verunechtet, die andere sogar eine Fälschung. Immerhin ist es aber doch wahrscheinlich, dass er damals sich in der Umgebung des Königs befand, der zuvor in Lüttich geweilt hatte. Im folgenden Jahr wird er wohl bei dessen Schwertleite Ende März in Worms anwesend gewesen sein, denn wir finden ihn anschließend in Mainz am Hofe, wo er als Intervenient in einer Urkunde genannt wird, in der der König dem Bistum Metz die Burg Saarbrücken schenkte.
Abt Dietrich hielt nach dieser Bestätigung die Verbindung beider Klöster für gesichert, aber wenig später erfuhr er, dass der König in einer geheimen Abmachung Malmedy Erzbischof Anno von Köln zugesprochen hatte. Darauf wandte er sich an Herzog Friedrich von Nieder-Lothringen, der die Vogtei über beide Klöster ausübte, von dem er sofort Hilfe zugesagt erhielt, und der auch mit Streitkräften in der Umgebung von Malmedy erschien, wobei er gleichzeitig an Erzbischof Anno sandte, er werde die Trennung der beiden Klöster nicht hinnehmen. Die Angelegenheit zog nun größere Weiterungen, denn der Abt und der Herzog wurden vor den königlichen Hof zur Verantwortung geladen. Friedrich erhob demgegenüber seinerseits Klage und weigerte sich, am Hofe zu erscheinen. Herzog Friedrich hat diese Auseinandersetzung nicht durchfechten können, er ist am 28. August 1065 gestorben.