Bresslau, Harry: Band 1 Seite 394
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"Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II."

Das Haus der Aledramiden

§ 3. Die Linie zu Sezze

Mit leidlicher Sicherheit läßt sich nun zunächst die Linie Otberts I., dem wir 1004 als Grafen von Savona, 1030 mit seinen beiden Söhnen Wido I. und Otbert II. als Gründer eines Klosters auf seinem castrum Sezzadium begegneten, einige Generationen weiter abwärts verfolgen. Wido I. hat man in dem gleichnamigen Bischof von Acqui wiedererkennen wollen, welcher zuerst 1039 urkundlich erwähnt wird. Nach seiner allerdings sehr jungen und unzuverlässigen Vita wäre er aus vornehmen einheimischen Geschlecht, und dieser Umstand, sowie die reichen in und um Acqui gelegenen Erbgüter, über die er in mehreren Urkunden verfügt, unterstützen allerdings diese Vermutung, ohne indessen einen ausreichenden Beweis abzugeben. Eine andere Nachricht jedoch ermöglicht uns, zu einem entschiedenen Urteil darüer zu gelangen. Nach Arnulf von Mailand I, 13 ist in dem Kampf KONRADS II. gegen die Mailänder am 19. Mai 1037 Wido marchio Italicus, der des Kaisers Fahne trug, gefallen. Über seine Herkunft sind verschiedene Vermutungen aufgestellt; zuletzt hat Giesebrecht II, 323 sich für seine Zugehörigkeit zum estensischen Haus, Pabst, de Ariberto Seite 30 dagegen für seine aledramidische Abkunft ausgesprochen. Einen ESTENSER Wido, auf den die Angaben passen würde, kann man nun aber nicht nachweisen, denn die Annahme von Muratori, Antt. Estensi I, 106, daß Otbert II. von Este einen Sohn dieses Namens gehabt habe, beruht auf einem Mißverständnis der oben Seite 362 erwähnten Urkunde von 1029, und auf Verwechslung mit dem Bruder Manfreds II. von Turin (siehe oben Seite 373). Ein anderer ESTENSER Wido aber lebt noch in den 50-er Jahren des 11. Jahrhunderts (Muratori Antt. Estensi I, 236), muß demnach ebenfalls von dem 1039 gefallenen signifer KONARDS unterschieden werden. Dasselbe gilt aber auch von jenem Turiner Wido, denn dieser ist nach Chron. Novalic. V., 31 schon zur Zeit des Abtes Gezo von Breme, also vor 1014 gestorben. So bleibt denn niemand, an den wir denken könnten, als unser ALEDRAMIDE Wido I., der schon 1030 an einem Rechtsgeschäft seines Vaters teilnahm und also sehr wohl sieben Jahre später königlicher Bannerträger gewesen sein kann. Damit fällt dann die Vermutung, die Wido I. mit dem Bischof von Acqui identifiziert, von selbst. Der letztere gehört vielmehr aller Wahrscheinlichkeit nach dem Geschlecht der Grafen von Acqui an, von denen wir unten ein Mitglied kennen lernen werden.
Weiter liegt uns eine Urkunde von 1061 vor, durch welche Autbertus marchio den Leuten von Savona die Aufrechterhaltung ihrer näher bestimmten Rechte und Privilegien verspricht. Ist es unzweifelhaft, daß dieser Markgraf zu den Nachkommen Otberts I. gehört, den wir 1004 als Grafen von Savona kennen gelernt haben, so trage ich doch Bedenken, ihn mit San Giovanni, Desimoni und andere für identisch mit Otbert II. zu halten, der, wie wir sahen, 1030 mit seinem Vater Otbert I. für das Kloster Sezze urkundete. Derartige Bestätigungen, wie wir deren noch mehrere zu erwähnen haben werden, sind offenbar von den jeweiligen Grafen von Savona bei oder sehr bald nach dem Antritt ihrer Machtbefugnisse in dieser Stadt den Bürgern verliehen worden; gehörte unsere Urkunde also Otbert II. an, so würde, während sein Bruder Wido schon 1037 starb, Otbert I. bis gegen 1061 gelebt haben, was wenig wahrscheinlich ist. Ich würde es also vorziehen, unseren Markgrafen von 1061 für einen gleichnamigen Sohn Otberts II., also für einen Enkel Otberts I., zu halten, wenn ein solcher sich nachweisen ließe. Und das ist in der Tat in erwünschter Weise der Fall. 1065 urkunden "in castro Seciai" Adalbert, Propst von Tortona und sein Bruder, Markgraf Wido "filii b. m. Otberti itemque marchio" ferner "Beatrix filia Ulrici [Ob ihr Vater der Markgraf Odelricus von Romagnano ist, der 1040 erwähnt wird (siehe oben Seite 379), muß dahingestellt bleiben. Ganz verkehrt sind diese Verhältnisse auf der Stammtafel bei Desimoni, Nuova Antologia III/201 behandelt, wo Beatrix nicht als Schwägerin, sondern als Schwester der drei Söhne Otberts, und nicht als Tochter, sondern als Gattin Olderichs erscheint.] et relicta quondam item Oberti jermano prefatorum Odelberti prepositus et Widoni" für Kloster San Siro zu Genua; sie alle bekennen sich zum salischen Gesetz. Die Namen und das Recht, vor allem aber die Identität des castrum, wo sie urkunden, mit demjenigen, wo 1030 Otbert I. sein Kloster gründete, garantieren hinlänglich ihre Zugehörigkeit zu unserem Zweige der ALEDRAMIDEN. Nun aber darf man in den drei Brüdern Adalbert, Wido und Otbert (dem verstorbenen Gemahl der Beatrix), deren Vater ein Otbert war, nicht die Söhne Otberts I. suchen
a) weil 1030 der dritte Bruder Adalbert nicht begegnet
b) vor allem darum, weil Otberts I. Sohn Wido schon 1037 starb, wie wir oben sahen
Wir kommen also auch hier zu dem Ergebnis, daß Otbert II. der Vater der drei Brüder Otbert III. (urkundet 1061, + vor 1065), Wido II. und Adalbert war. Otberts III. Ehe mit Beatrix ist offenbar erblos gewesen, da sonst in der Urkunde von 1065 seiner Nachkommen, nicht bloß seiner Witwe, hätte gedacht werden müssen. Von seinen beiden Brüdern kommt Adalbert, Propst von Tortona, für uns nicht weiter in Betracht; ihn mit dem Bischof Albert von Acqui zu identifizieren, der etwa 1073 Widos Nachfolger geworden ist, haben wir bei dem Mangel aller Zeugnisse kein Recht. Von Wido II. liegt mehrfache Kunde vor. Seine Beziehungen zum Hause von Turin ergeben sich aus zwei Urkunden von 1077 und 1079; in der letzteren wird die Anwesenheit domni Widonis marchionis qui dicitur de Seciago bei einer Schenkung der Adelheid erwähnt; und demgemäß wird auch der in der ersteren bei einer Schenkung der Immilla gegenwärtige, ohne nähere Bezeichnung genannte, aber nach salischem Recht lebende Markgraf Wido derselbe sein. Später gehörte er zu den Gegnern HEINRICHS IV.; denn es bedarf nun wohl keiner weiteren Beweise dafür, daß auf Wido II. die Worte Benzos (SS XI, 613 Z. 11,³):

  ab aestate seperato jam jam solis radio
  visitavis rex Widomen, everso Sezadio

zu beziehen sind. Daß die zerstörte Burg wieder aufgebaut ist, zeigt dann die "in castro Sociago" ausgestellte Urkunde, durch welche Wido abermals San Siro zu Genua bedachte. Sie ist vom Januar 1108; bald nachher muß er gestorben sein, aus dem Jahre 1106 gibt es eine, aus dem Stadtarchiv zu Alessandria stammende Urkunde, in welcher er als tot bezeichnet wird. Durch dieselbe verfügen Bruno filius quondam Odonis et Adelaida jugales, filia quondam Guidonis marchionis zu Gunsten des populus Gamundiensis über quartam portionem de villa Sezadii et de castello et nostram portionem de bosco Sezadii, mit dem Bemerken, daß diese Güter ihnen per successionem Alberti Alamanni filii quondam Guidonis marchionis fratris et cognati nostri zugefallen sei. Außer diesem vor 1106 und wahrscheinlich nach 1103 gestorbenen Albert Alamannus und seiner Schwester Adelheid muß, wie sich aus der Erbquote ergibt, Wido II. noch andere Kinder gehabt haben. Zwei Töchter lassen sich denn auch noch ermitteln: Elgarda, filia quondam Widoni marchio, vermählt mit Albert von Sarmatorio, die 1095 100 und 50 jugera in posse Laureti an S. Maria d'Asti schenkt, und Perengarda, die nach einer von Moriondi nur im Auszug mitgeteilten Urkunde für Vercelli mit dem Grafen Opizo von Biandrate verheiratet war. Der Mannesstamm des Hauses von Sezze ist also mit Albert Alamannus ausgestorben.
 

                 Otbert I. 1004-1030
 

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        Wido I.                                        Otbert II.
               + 1037                                         + vor 1061
 

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                                        Wido II. 1065-1108     Adalbert 1065           Otbert III.
                                                                          Propst von Tortona         + vor 1065

                                                                                                          oo Beatrix
 
 

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 Albertus Alamannus      Adelheid    Elgarde              Perengarde
       + vor 1106

                                  oo Bruno   oo Albert von      oo Agizo von
                                                       Sarmatorio         Biandrate