STAMMTAFELN ZUR GESCHICHTE DER EUROPÄISCHEN STAATEN
Band II Tafel 136
Lexikon des Mittelalters: Band I Seite 352
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ALERAMIDEN (ALEDRAMIDEN)
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Hochadelsfamilie aus Piemont (Ligurien), deren Angehörige
den Markgrafentitel führten, benannt nach dem von 933 bis (vor) 991
urkundlich belegten
Aleramus (Aledramus), dem Sohn eines nicht näher
bekannten, 921 wohl zur Gefolgschaft König
Rudolfs von Hoch-Burgund zählenden Wilhem (dieser,
nicht Aleram, bevorzugter Name bei den ALERAMIDEN).
Er lebte nach salischem Recht, weshalb westfränkische Familienherkunft
anzunehmen ist. Die romanhafte Überlieferung (erstmals 1. Hälfte
14. Jahrhundert bei Jakob von Acqui: Aleram Waisenkind deutscher
Rompilger, geboren und erzogen in Sezze, heute Sezzadio südlich Alessandria,
im Heer OTTOS I. vor Brescia, Geliebter
der Kaisertochter, Flucht in die ligurischen Berge, Köhlerdasein,
Retter des Kaisers bei einem Überfall, Erhebung zum Markgrafen
967) ist bis auf das Datum ebenso haltlose Phantasie wie die Herleitung
von dem Sachsen Widukind oder den Königen von Kent.
Aleram
erhielt 933 und 935 von den Königen Hugo
und Lothar Besitz in den Komitaten
Vercelli und Acqui. Zu Berengar II.
übergegangen, vermählte er sich in zweiter, offenbar kinderloser
Ehe mit dessen Tochter Gerberga und
wurde 960/61 zum Markgrafen erhoben. Seine Mark umfaßte die
Grafschaften Montferrat, Acqui und Savona. Auch den Übertritt zu OTTO
I. vollzog
Aleram ohne Beeinträchtigung seiner politischen
Stellung. 991 teilten die Söhne aus 1. Ehe Anselm und Otto
die Mark und den weitgestreuten Familienbesitz. Anselm wurde
zum Stammvater der Markgrafen von Savona, die bald in zahlreiche Linien
zersplitterten (Vasto, Maira, Ceva und andere), Otto
zum
Stammvater der Markgrafen von Montferrat, die bis zum Aussterben
1305 einen gewichtigen Machtfaktor zwischen Po, Orba und Apenninen
darstellten.
Das noch wenig bekannte westfränkische Haus der ALEDRAMIDEN
scheint auch in Italien vertreten gewesen zu sein. 821/22 finden
wir einen Grafen Aledrammus als missus
in Spoleto. Graf Alberich von Mailand, der 846 von LOTHAR
I. gegen die Sarazenen mitaufgeboten wurde, hatte einen Bruder
und einen Sohn, die beide Aledram hießen.
Ein weiterer Sohn Alberichs war sein
Nachfolger in Mailand, der von später Kaiser
LAMBERT getötete Pfalzgraf
Maginfred. Ob und wie mit diesem Grafen der piemontesische Graf
Aledram, der Sohn Wilhelms zusammenhängt, der Stammvater
der hochmittelalterlichen
ALEDRAMIDEN
in Italien, ist noch ungewiß. Jedenfalls war er fränkischer
Herkunft. Ebensowenig läßt sich sagen, woher jene karolingischen
ALEDRAME
in Italien stammen und wie sie mit den westfränkischen
ALEDRAMIDEM zusammenhängen. Dass
sie mit jenen verwandt sind, ist sehr wahrscheinlich. Dies ist um so wichtiger,
als die westfränkischen ALEDRAMIDEN
von hohem Rang gewesen sind. Der vor 854 verstorbene Markgraf
Aledram von Gotien war eine bedeutende
Persönlichkeit unter
KARL DEM KAHLEN.
Der Graf Aledram von Troyes, der 876
von Ludwig dem Jüngeren bei Andernach
gefangen wurde, war ein Verwandter des Kaisers. Für seine KAROLINGER-Verwandtschaft
spricht auch der KAROLINGER-Name seiner
Tochter
Theodrada, der Gattin König
Odos.