Grafen von Merseburg
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 544
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Merseburg
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I. BURG, PFALZ und GRAFSCHAFT

In einem seit der Jungsteinzeit besiedelten Gebiet befand sich auf dem Domhügel am Westufer der Saale im frühen Mittelalter eine Burg, die im Hersfelder Zehntverzeichnis um 850 als civitas Mersiburc, im 10. Jh. als urbs, castrum und oppidum aufgeführt wurde. Sie beherrschte den Flußübergang wichtiger Fernstraßen vom Rhein-Main-Gebiet nach dem Osten. In karolingischer Zeit gehörte sie zu einem seit 780 erschließbaren fränkischen Burgensystem, das wohl gegen die Sachsen gerichtet war. Die Burgsiedlung Altenburg wird damals schon bestanden haben. Vor 910 gehörte die Wehranlage einem senior Erwin. Die, obwohl bald wieder aufgelöste, Ehe mit dessen Tochter Hatheburg brachte den späteren König HEINRICH I. in den Besitz Merseburgs. So bildete sich umfangreiches Königsgut um Merseburg, dessen Burgward mit einer Burg umwehrt wurde. Ein comitatus Merseburg erscheint von 932 bis 1042, ein Burgward Merseburg erstreckte sich zu beiden Seiten der Saale, die nach den Slavenzügen HEINRICHS I. 929-932 ihre Funktion als Ostgrenze des Reiches verlor. Die von Widukind von Corvey genannten, zur Grenzwacht gegen Sorben und Ungarn bestimmte legatio Mesaburiorum hatte möglicherweise ihren Sitz in Merseburg. Ein 968 genannter Merseburger Markgraf Gunther hatte keinen nachweisbaren Nachfolger, zur Ausbildung einer Markgrafschaft ist es nicht gekommen.
Auf dem Domhügel wurde unter König HEINRICH I. eine nicht genau lokalisierte Pfalz erbaut, mit Königshof sowie einer Königsmühle an der Saale. König OTTO I. ließ vor 955 eine zweite Pfalz errichten, die er bald darauf in geistlichen Besitz überführte. Die Bezeichnung palatium 933, magna domus und regalis aula 955, regia domus 968, curia regis 1002 und curtis regia 1004 bezeugen das Bestehen einer königlichen Pfalz, die bis ins 15. Jh. nachzuweisen ist. 69 Königsaufenthalte sind bis 1252 überliefert, 26 Hoftage fanden hier statt. Als Grenzort zum slavischen Siedlungsgebiet, als Ausgangspunkt für mehrere Heereszüge gegen Polen und Böhmen zwischen 997 und 1050 und als Ort politischer Entscheidungen über den Osten und Norden Europas hatte Merseburg in jener Zeit hervorragende Bedeutung, die jedoch unter den salischen Königen abnahm. Im Tafelgüterverzeichnis des Römischen Königs erscheint Merseburg als ein besonders ertragreicher Hof. FRIEDRICH I. BARBAROSSA feierte ein Pfingst- und Weihnachtsfest in Merseburg und stellte bei 4 Aufenthalten zahlreiche Urkunden aus. Doch hatte sich das Königtum damals schon weitgehend aus Merseburg zurückgezogen, so dass die Pfalz wahrscheinlich  während der Interregnums in die Verfügung der Bischöfe übergehen konnte.
Die erst 1012 genannte Peterskirche dürfte bereit sin fränkischer Zeit bestanden haben. Bei der Pfalz wurde die Johanneskirche erbaut, die nach 955 dem heiligen Laurentius geweiht war; sie diente seit 968 als Kathedralkirche. Die neue Pfalz OTTOS I. wurde zur Ausstattung des nach 955 errichteten Laurentiusstifts verwendet. Bei der Peterskirche wurde 1059-1093 ein Benediktinerkloster gegründet. Die vor 968 vorhandene Münzstätte übertrug OTTO II. an das Bistum.

Literatur:
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R. Kötzschke, Die dt. Marken im Sorbenland (Fschr. G. Seeliger, 1920), 79-114 - W. Hessler, Mitteldt. Gaue des frühen und hohen MA, AAL, Phil.-hist. Kl. 49.2, 1957 - W. Schlesinger, M., Dt. Kgs.pfalzen. Beitr. zu ihrer hist. und archäolog. Erforschung I, 1963, 158-206 - W. Lampe, Die archäolog. Grundlagen der Entstehung M.s (Wiss. Beitr. der Martin-Luther-Univ. Halle-Wittenberg, 1966) - Von der otton. Stiftskirche zum Bauhaus, hg. H.J. Mrusek, 1967, 340-342.


Patze Hans/Schlesinger Walter:
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"Geschichte Thüringens"  1967

Das Gebotsbereich dieser Familie, bei welcher der LeitnameSiegfriedvorwaltete, aber auch Esico als Name vorkam, waren vor allem der Hassegau, das Friesenfeld und der Schwabengau, also grob gesprochen, der Raum zwischen Unstrut, Harz, Bode und Saale. Die Grafen von Merseburg walteten in diesem Gebiet nicht allein. Nach Siegfried II. werden ein Esico, der eben mit Siegfried II. verwandt sein könnte, und ein Bio genannt. Für die Grafschaft Bios, den Thietmar als Grafen von Merseburg bezeichnet, gibt der Bischof eine lineare Grenze an. Er nennt Wipper-Saale-Salza und Wilderbach. Auf Bio folgte in seiner Grafschaft Dedo, ein Neffe des Pfalzgrafen Burchard, das heißt die WETTINER, künftige Markgrafen von Meißen traten erstmals in Erscheinung. Der 1021-1038 bezeugte Graf bzw. Pfalzgraf Siegfried (III.) dürfte auf Grund seines Leitnamens und seiner im Hochseegau gelegenen Grafschaftsrechte auch, und zwar als der letzte Graf von Merseburg zu betrachten sein. Der dem Platz Merseburg von König HEINRICH zugedachten Aufgabenstellung entsprach die Beteiligung eines Asic (Esico), der wohl auch genealogisch zu den Grafen von Merseburg gehört, an der Ostpolitik. Asic zog mit der "Merseburger Legion" (Thietmar) gegen Herzog Boleslav von Böhmen und fiel. Dass wir es bei den Grafen von Merseburgin dieser Zeit mit einer Verbindung zum, aber auch mit einer Lösung aus dem thüringischen Raum zu tun haben, kommt darin zum Ausdruck, dass Asic in seinem Aufgebot "Leute aus dem Hochseegau" und "das Heer der Thüringer" hatte. Auch der schon genannte Bio fiel auf einem Feldzug. Anhand der Namen könnte es sich um Nachkommen der ASIG-Sippe handeln.