Twellenkamp Markus: Band I Seite 475,487,490-491
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"Das Haus der Luxemburger" in: Die Salier und das Reich

Das erste urkundliche Zeugnis für den Titel "Graf von Luxemburg" stammt aus dem Jahr 1083, als Graf Konrad, vermutlich ein Urenkel  Siegfrieds, eine Urkunde ausstellen ließ, deren erhaltenes Siegel die Legende aufweist: CONRADVS COMES DE LVCCEMBURC. In der Intitulatio dieses Privilegs nennt sich der Aussteller indes in der bis dahin üblichen Weise: Ego Conradus comes.
Nachfolger wurde sein Sohn Konrad, der wohl schon im Jahr 1059 offenbar während einer kirchlichen Feier einen Überfall auf den Trierer Erzbischof Eberhard unternahm. Der Grund und das genaue Datum dieses Konfliktes lassen sich nicht mehr näher bestimmen. Graf Konrad schreckte jedoch nach dem Zeugnis der 'Gesta Treverorum' nicht einmal, davor zurück, den Erzbischof auf der Luxemburg gefangen zu halten. Später aber hätte er sein Vorgehen bereut und eine Sühnereise nach Jerusalem gelobt. Um das Jahr 1085 hat er tatsächlich diese Reise angetreten und ist wohl auf der Rückreise am 8. August 1086 ums Leben gekommen. Dies geschah nur wenige Jahre, bevor Papst Urban II. die westliche Christenheit zur Befreiung des Heiligen Landes von heidnischer Herrschaft aufrief.
Konrads Vorgänger hatten als Inhaber des Herzogtums Bayern gewiss einen beträchtlichen Teil ihrer Aufmerksamkeit der Verwaltung dieses Fürstentums widmen müssen. Konrads Vater Giselbert dagegen hatte seine Kraft auf den weiteren Ausbau seiner angestammten Herrschaft konzentrieren können. Konrad ist ihm darin gefolgt. Der Reichspolitik scheint er sich ebenso wie sein Vater weitgehend ferngehalten zu haben. Bezeichnenderweise fällt die Gründung der Münsterabtei zu Luxemburg in die Herrschaft dieses Grafen.
Im Juli 1083 verfügte Konrad sero inspiratione divine gratie ad penitentiam provocatus, dass auf einem Berg nahe der Luxemburg ein Kloster gebaut werden sollte. Die Nachfolger Konrads wurden aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, dass die Vogteirechte des zur Gründung äußerst reich ausgestatteten Klosters im Besitz der LUXEMBURGER Familie bleiben sollten. Die Familie Konrads, seine zweite Frau Clementia, seine Söhne und Töchter haben dieser Verfügung ausdrücklich zugestimmt. Mit der Gründung dieser Abtei sollte offenbar zugleich das Fundament für eine bewusste Familientradition gelegt werden. Davon zeugt auch die bei dieser Urkunde erstmalig angewendeten Anbringung eines Siegels mit der Legende CONRADVS COMES DE LVCCELLEMBURC. Konrad plante allem Anschein nach, die Reichsabtei St. Maximin, die bisher als Grablege der LUXEMBURGER gedient hatte, aufzugeben und durch die neu gegründete Abtei abzulösen. Hierfür spricht auch die Tatsache, dass im Jahr 1088, zwei Jahre nach seinem Tod im Heiligen Land, Konrads Frau seinen Leichnam zurückholen und in der Münsterabtei bestatten ließ. Dass dies auf den testamentarischen Willen Konrads hin geschah, ist zwar nicht überliefert, zumindest aber sehr wahrscheinlich. Auf dem Epitaph des Grafen Konrad ist die Mitwirkung der gesamten Familie bei der Rückführung und der Bestattung beschrieben: repositus praesente coniuge sua Clementia, per manum filiorum suorum Adelberonis primicerii Metensis, Henrici comitis, Conradique comitis; praesente Rodolpho abbate filio comitis quem ipse provisorrem et ordinatorem huius loci statuerat.
Wie oben bereits angedeutet wurde, sind dem Grafen Konrad keine engeren Verbindungen zum Königtum nachzuweisen.
Der Chronist Bernold von Konstanz, ein Gegner HEINRICHS IV., hat den Grafen Konrad als indefessus fautor, als unermüdlichen Anhänger HEINRICHS bezeichnet, der sich allerdings am Ende seines Lebens von diesem abgewandt habe. Für den zweiten Teil dieser Notiz spricht die Anwesenheit des Bischofs Hermann von Metz bei der Gründung der Altmünster-Abtei, der in dem darüber ausgefertigten Privileg an exponierter Stelle unmittelbar nach Konrads Söhnen und seiner Gemahlin als vicarius apostolice sedis genannt wird. Auch Konrads Pilgerreise nach Jerusalem darf als bestätigendes Indiz für die Richtigkeit von Bernolds Nachricht gewertet werden. Vielleicht wird man nämlich als ein zusätzliches Motiv für diese Büßerwallfahrt Konrads annehmen können, dass er sich damit den Querelen entziehen wollte, die sich nach der gleich noch zu berücksichtigenden Wahl seines jüngeren Bruders HERMANN zum König (August 1081) fast zwangsläufig ergeben haben müssen. Für den ersten Teil von Bernolds Aussage findet sich indes in anderen Quellen keine Bestätigung. In die Zeit des Beginns von HEINRICHS IV. selbständiger Regierung fällt sogar ein Ereignis, das von Konrad nur als ein Misserfolg mit nachhaltiger Wirkung angesehen werden konnte. Das nach dem Tod (28. August 1065) von Konrads Oheim, Herzog Friedrich, freigewordene Herzogtum Nieder-Lothringen wurde noch im Oktober desselben Jahres an Gottfried den Bärtigen verliehen, was nach den voraufgegangenen Auseinandersetzungen um das Kloster Malmedy auf Konrad nur als ein Affront gewirkt haben kann.
Kurz vor dem Tod Herzog Friedrichs hatte sich Erzbischof Anno II. von Köln von dem damals noch unter seiner Kuratel stehenden König die Abtei Malmedy konzedieren lassen, die bis dahin zusammen mit Stablo unter dem Abt Dietrich gestanden hatte, der im übrigen auch noch Abt des unter luxemburgischer Vogtei stehenden St. Maximin war. Abt Dietrich fand Unterstützung beim Vogt der Doppelabtei, Herzog Friedrich von Nieder-Lothringen, dem eben genannten Oheim des Grafen Konrad. Als Konrad nach dem Tod Friedrichs von Anno mit der Vogtei über Malmedy betraut wurde, stieß der LUXEMBURGER auf die Konkurrenz Gottfrieds des Bärtigen, dem auf einem Hoftag in Goslar die Nachfolge von Herzog Friedrich für das Herzogtum Nieder-Lothringen und die Vogtei Stablo zugesprochen wurde. Der Verfasser des 'Triumphus S. Remacli', einer polemischen Schrift gegen Anno von Köln und seine Helfer, hat gemeint, Konrad habe sich durch die Übernahme der Vogtei von Malmedy an Abt Dietrich rächen wollen. Diese Notiz wird sich vermutlich auf die Auseinandersetzungen beziehen, die aus der Tätigkeit Konrads als Vogt von St. Maximin resultierten. Daneben hatte Konrad aber sicherlich auch andere Gründe, sich auf Annos Angebot einzulassen, denn dieses bot dem LUXEMBURGER die Aussicht, seine Herrschafts- und Einflusszone nach Norden hin auszudehnen. Erzbischof Anno von Köln und sein Helfer von der Luxemburg sind aber schließlich an dem Widerstand des Abtes Dietrich gescheitert. Der von dem Kölner protegierte Abt Tegeno von Malmedy konnte seine Stellung ebensowenig behaupten wie Graf Konrad, der in dieser Angelegenheit einen erheblichen Rückschlag hinnehmen musste.
Die Affäre um Malmedy kann somit kaum dazu beigetragen haben, den Grafen Konrad für HEINRICH IV. zu gewinnen. Für die von Bernold unterstellte enge Bindung des Grafen an den König wird man auch nicht die von Renn als wahrscheinlich erwiesene Verwandtschaft von Konrads erster und wohl schon früh verstorbener Gemahlin Ermesinde mit HEINRICHS IV. Mutter Agnes von Poitou als Indiz heranziehen können. Sehr eindeutig und drastisch haben nach Konrads Tod seine zweite Gemahlin und seine drei Söhne ihre politische Haltung bekundet, als sie die Nachricht über die Heimführung von Konrads sterblichen Überresten auf der in den Sarkophag deponierten Bleitafel mit dem Datum versehen ließen: Facta sunt haec regnante permissu Dei Henrico tyranno damnato ac piae memoriae Gregorio Pontifice romano. Ob Konrad selbst in seinen letzten Lebensjahren eine so dezidierte Haltung gegenüber dem SALIER eingenommen hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Wallfahrt nach Jerusalem spricht, wie schon angedeutet, eher dagegen. Denn im August 1081 war Konrads jüngerer Bruder HERMANN in Ochsenfurt zum König gewählt worden und Konrads Reise in den Orient stellt im Grunde das einzige Indiz für die Haltung dar, die der LUXEMBURGER in dieser schwierigen Situation bezogen haben könnte: Er scheint einer eindeutigen Parteinahme ausgewichen zu sein.