Reindel Kurt:
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"Die bayerischen Luitpoldinger von 893-989"

930 Mai
Der Edle Diotmar übergibt in Gegenwart herzoglicher missi dem Erzbischof Odalbert von Salzburg im Tausch einen Ort, den er einst von Herzog Arnulf erhalten hatte.
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Der Edle Diotmar erhielt vom Salzburger Erzbischof für seine, seiner Gemahlin und seiner Kinder Lebenszeit Erharting, Tüßling, Burg(kirchen), Teising, zwei Kirchen zu Reischach mit dem Zehnten und Buchbach mit dem Zehnten von Rott. Er gab dafür den westlich Altötting gelegenen Ort Teising, den er einst zum Teil von dem Priester Winipold, in der Hauptsache aber von Herzog Arnulf erhalten hatte. - Auch diese Urkunde vermag wieder die engen Beziehungen der LUITPOLDINGER zum Erzbischof Odalbert und seiner früheren Familie zu erhellen. Ausdrücklich ist angegeben, dass Diotmar ein Sohn des Erzbischofs ist. Zugleich wissen wir, dass er der Sohn der edlen Frau Rihni war und noch zwei Brüder Bernhard und Otakar hatte. So konnte bereits Egger zu der Überzeugung kommen, dass Rihni und Adalbert vor dem Eintritt des letzteren in den geistlichen Stand verheiratet gewesen waren. Eine Zugehörigkeit der Rihni zur Familie der LUITPOLDINGER wurde bereits oben vermutet. Damals musste ihr der Erzbischof auf Befehl des Herzogs und in Gegenwart herzoglicher missi eine große Schenkung machen. Als jetzt ihr Sohn Diotmar mit dem Erzbischof tauschte, waren wieder herzogliche missi anwesend, von denen der Graf Orendil mit seiner Grafschaft nach Erben in der Gegend der unteren Vils zu suchen ist. Auch dass Herzog Arnulf dem edlen Diotmar einst den hier von ihm vertauschten Ort Teising schenkte, lässt die Sorge des Herzogs für die Familie der Rihni erkennen.

931 Juni 27
Graf Albrih schließt einen Tauschvertrag mit dem Erzbischof Odalbert von Salzburg ab.
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Ein Graf Albrih begegnete uns bereits zweimal bei Handlungen, die in Tirol vollzogen wurden. Durch den Nachsatz dieser Tauschurkunde erhalten wir einen höchst wünschenswerten Aufschluss über seine Person. Danach könnte es scheinen, als hieße er sonst noch Herolt und sei der Sohn eines Oheims von Herzog Arnulf, eines Bruders Luitpolds also, von dessen Existenz sonst gar nichts bekannt ist. Auf Grund der Tatsache, dass Albrih auch den Namen Herolt führen sollte und in unserer Urkunde das Prädikat venerabilis erhielt, setzte man ihn schon früh mit Herolt, dem späteren Erzbischof von Salzburg gleich. Dieser Annahme schlossen sich auch Erben, Lüttich und Pirchegger an. Doch lässt dieser höchst eigenartige Nachsatz auch noch eine andere Deutung zu, die meines Wissens zuerst Breßlau vorschlug und die mir mehr Wahrscheinlichkeit zu haben scheint. Nach ihm ist ein Doppelname Herolt-Albrih ganz ungebräuchlich. Vielmehr sei Herolt nuncupatus auf den patruelis Herzog Arnulfs zu beziehen, und das grammatisch richtige nuncupatus sei nur eine ungenaue Ausdrucksweise. Nimmt man diese Deutung an, so kann Herolt natürlich nicht mehr mit dem späteren Erzbischof von Salzburg gleichgesetzt werden, doch ist dadurch wenigstens der Name in der Familie der LUITPOLDINGER bezeugt. Eine andere Frage ist die des Beiwortes venerabilis, das Alberih hier erhielt, und das auch Hauthaler veranlasste, in ihm einen Kleriker zu sehen. Doch bewies Erben an einem Beispiel aus dem Codex Odalberti, dass es hier auch für weltliche Personen gebraucht wurde. Breßlau führte auch die zum 9. April 930 behandelte Urkunde HEINRICHS I. an, in der Herzog Arnulf dieses Beiwort erhielt und schließlich erhielt auch Luitpold einmal dieses Prädikat. So wäre dies der dritte Fall, in dem ein Angehöriger der Familie der LUITPOLDINGER venerabilis genannt wurde. Auf Grund des Reichenauer Verbrüderungsbuches wollte Mitis erkennen, dass eine Hemma das Band zwischen Herolt und Albrih herstellte. - Dieser Graf Albrih erscheint in der uns vorliegenden Tauschurkunde in der Ober-Steiermark begütert. Er übergab dem Erzbischof eine Hufe bei Gamanaron mit dem Eisengebläse Aruzi, nach Hauthaler der Erzberg südöstlich von St. Leonhard im Lavanttal. Dass seine Verwandten dieses vertauschte Gut später wieder zurücknahmen oder zurückerhielten, suchte Kleibel daraus zu beweisen, dass dieser ganze Lavanttaler Besitz, der durch Kaiser HEINRICH II., den Enkel der bayerischen Herzogin Judith, an Bamberg gelangt war, in einer Salzburger Fälschung des Jahres 977 ausdrücklich wieder genannt wurde. Als Gegengabe erhielt Graf Albrih vom Erzbischof eine Salzkochstelle bei Admont, die er bisher zu Lehen hatte, zu freien Eigen.

933-934
Herzog Arnulf unternimmt einen Heereszug nach Verona, um für seinen Sohn Eberhard die langobardische Königskrone zu erwerben.
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Nach dem böhmischen Feldzug des Jahres 922 war dieser Zug nach Italien das, jedenfalls soweit unsere Kenntnis reicht, zweite selbständige Unternehmen, mit dem Herzog Arnulf über die Grenzen seines Landes hinausgriff. Diesmal galt es aber nicht mehr eine Mark zu sichern oder einen widerspenstigen Vasallen zur Botmäßigkeit zu bringen, sondern es ging um nichts Geringeres als die langobardische Königskrone. - Im Jahre 922 war König Rudolf II. von Hoch-Burgund von Gegnern des Kaisers BERENGAR zum König der Langobarden gewählt worden. Doch auch als BERENGAR zwei Jahre später ermordet worden war, blieb Rudolf nicht im ungeschmälerten Besitz seiner neuen Krone, denn seine Gegner wandten sich an den Markgrafen Hugo von der Provence, den mächtigsten Herren im Königreich Nieder-Burgund. Dieser war schon durch die Lage seines Landes für das neue Amt besonders geeignet, und er zögerte auch nicht, es anzunehmen: 926 wurde er in Pavia zum König erhoben. Hugo konzentrierte nun sein ganzes Interesse auf Italien und erreichte, dass Rudolf auf ein Eingreifen in Ober-Italien verzichtete, dadurch, dass er ihm die Herrschaftsansprüche in der Provence abtrat. Doch abermals gab es Unzufriedene im Land und diese wandten sich an den mächtigen Herzog Arnulf von Bayern, dessen Land im Süden auch an Italien grenzte. - Dies ist in kurzen Zügen die zum Verständnis des Folgenden notwendige Vorgeschichte von Arnulfs italienischen Unternehmen. Zunächst wird einmal zu fragen sein, wer nun eigentlich Arnulf nach Italien rief. Luidprand von Cremona überlieferte uns zwei Namen, den des Bischofs Rather von Verona und den eines Grafen Milo. Der Belgier Rather, ehedem Mönch in Lobbes, mit feiner Bildung aber auch durch unruhigen politischen Ehrgeiz ausgezeichnet, begleitete 926 seinen Abt Hilduin nach Italien, wo ihn dessen Vetter Hugo 931 zum Bischof von Verona machte. Bald aber entzweite er sich mit seinem Wohltäter, wohl nicht ohne seine eigene Schuld, wie er selbst in einem Brief eingestand. Graf Milo, der nach fränkischem Recht lebte, wurde später Graf von Verona. Er war ein treuer Anhänger Kaiser BERENGARS gewesen. Im allgemeinen hielt man sich an die Nachricht bei Luidprand und nahm an, dass die Einladung an Arnulf, nach Italien zu kommen, von dem Bischof und dem Grafen ausgegangen sei. Doch betonte Weigle die Unsicherheit dieser Vermutung und meinte, bestimmt wüssten wir nur, dass sich Rather und Milo dem Bayern-Herzog später gerne angeschlossen hätten. So rückt auch die Angabe bei Staindel, Arnulf sei ab exulibus Italis factiosis gerufen worden, in ein merkwürdiges Licht. Ob ihm wohl noch andere Quellen vorlagen? Vielleicht trifft so Breßlaus Vermutung zu, dass die Einladung an Arnulf von den gleichen italienischen Großen ausging, die sich 933 noch vergeblich an Rudolf von Hoch-Burgund gewandt hatten. Diese Einladung an Rudolf und der darauf folgende Vertrag zwischen Hugo und Rudolf, worin der Hoch-Burgunder seine Ansprüche auf Italien gegen die Abtretung von Hugos Rechten in der Provence aufgab, ist in  seiner zeitlichen Einordnung sehr umstritten. Doch kann man ihn nach den Untersuchungen von Holtzmann mit großer Wahrscheinlichkeit in das Jahr 933 setzen. Dass sich die italienische Partei gerade an Arnulf von Bayern wandte und dass sich dieser auf das Unternehmen einließ, wird seinen Hauptgrund in den landschaftlichen und völkischen Beziehungen zwischen Bayern und Ober-Italien haben. Neuerdings stellte Tyroller einen anderen Gedanken zur Lösung dieser Frage zur Diskussion. Er nahm an, dass die Gattin Herzog Arnulfs Judith hieß und die Tochter des UNRUOCHINGERS Eberhard war, der 888 als Graf im Sülichgau erschien In diese Familie gehörte auch der spätere Kaiser BERENGAR, der ein Großonkel Judiths war. Als dieser ermordet worden war ohne einen Sohn hinterlassen zu haben, schien die Nachkommenschaft seines Bruders Unruoch zur Nachfolge in Italien berufen zu sein. Zu dieser gehörte durch Judith auch Herzog Arnulf von Bayern. Immerhin wäre aber meines Erachtens dabei zu bedenken, ob es noch die alte Partei Kaiser BERENGARS war, die den bayerischen Herzog nach Italien rief.
Die Datierung des Vertrages zwischen Rudolf und Hugo ins Jahr 933 ist besonders wichtig für die zeitliche Festlegung von Arnulfs Unternehmen. Dieser, in den Quellen zu verschiedenen Jahren überlieferte Italienzug, war zeitlich auch dadurch schwer einzureihen, dass er mit dem Tode des Erzbischofs Odalbert von Salzburg verknüpft wurde. Waitz stellte ihn in das Jahr 935, Büdinger und Breßlau zu 934, während Vogel sich mit zwei oder noch mehr Zügen zu helfen suchte, die er auf die Jahre 934 und 935 verteilte. Erzbischof Odalbert von Salzburg, der uns bereits mehrfach bei Tauschverträgen in Verbindung mit den Herzögen Arnulf und Berthold begegnete, nahm an diesem Zug nach Italien teil. Nach Erben geschah das nicht nur wegen seines guten Verhältnisses zu den Bayern-Herzögen, sondern auch im Interesse seiner in Tirol begüterten Kirche. Nun ist in den zwei bayerischen Annalen aus Garsten und St. Rupert in Salzburg der Bericht über seine Expedition nach Italien und über seinen Tod so zusammengezogen, dass es aussehen kann, als ob er gleich nach der Rückkehr vom Italienunternehmen gestorben sei. Beide Ereignisse sind zu 935 gestellt. Aus nekrologischen Notizen ist zu entnehmen, dass der Erzbischof tatsächlich am 14. November starb, sodass man auch das Unternehmen Arnulfs in dieses Jahr stellte. Diese Verwirrung löste sich, als die alten Salzburger Annalen gefunden waren, in denen Arnulfs Italienzug zu 934 und der Tod des Erzbischofs zu 935 aufgezeichnet waren. Die Annalen aus Garsten, St. Rupert und Admonts hatten diese Nachricht ihrer Vorlage in ein Jahr zusammengezogen. Stand so der Datierung des Italienzuges Herzog Arnulfs zu 934 nichts mehr im Wege, so gelang es Weigle zu einer genaueren zeitlichen Einreihung zu kommen. Aus einem Brief Rathers von Verona konnte er den 3. Februar 934 als den Termin ermitteln, an dem der Bischof von König Hugo abgesetzt worden war. Zu diesem Zeitpunkt musste also das Unternehmen Herzog Arnulfs bereits zusammengebrochen sein. Er kam zu dem Schluss, dass der Zug Arnulfs wahrscheinlich schon im Herbst oder Winter 933 begann und Anfang Februar 934 sein Ende fand. Holtzmann brachte noch den Hinweis darauf, dass der verbleibende eine Monat des Jahres 934 für die Wahl Eberhards und den Kriegszug Arnulfs zu kurz gewesen sei, und er ist der Ansicht, dass das Jahr 934 versehentlich durch die Salzburger Annalen für 933 geschrieben worden ist. Dieser zeitliche Ansatz ist auch sonst sehr gut bezeugt, denn Erzbischof Odalbert ist in Salzburger Urkunden zuletzt am 13. September 933 und dann wieder am 1. Mai 9234 belegt.
Wir können nun im Folgenden versuchen, den Verlauf des Zuges, den Herzog Arnulf nach Italien unternahm, zu rekonstruieren. Gegen Ende des Jahres 933 wandten sich italienische Verbannte, Gegner Hugos von der Provence, als sie von König Rudolf von Hoch-Burgund eine Absage erhalten hatten, an den bayerischen Herzog. Ob Herzog Arnulf selbst zu Gunsten seines ältesten Sohnes verzichtete, oder ob die italienischen Großen diesen von vornherein nominierten, ist nach Breßlau nicht mehr mit Sicherheit zu entscheiden. Jedenfalls steht fest, dass die Italiener Eberhard huldigten. Noch im gleichen Jahre brach das bayerische Heer, bei dem sich auch Erzbischof Odalbert von Salzburg befand, über Trient nach Verona auf, wo es von dem Bischof Rather und dem Grafen Milo empfangen wurde. Auf die Kunde davon stieß Hugo von der Provence, der sich gerade auf einem Kriegszug gegen Rom befand, gegen die Stadt vor. Bereits das erste Zusammentreffen mit der bayerischen Besatzung des Kastells Gauseningo, das mit einer Niederlage für die Bayern endete, brachte die Entscheidung. Wollte man bisher in dem Gauseningo Luidprands den Ort Gossolengo südlich von Piacenza an der Trebbia sehen, so hielt Weigle dem entgegen, dass aus Luidprands Darstellung nirgends hervorginge, dass Arnulf wesentlich über Verona nach Süden vorgedrungen sei. Er entschied sich daher für Bussolengo am Etschknie oberhalb von Verona, einem Ort, für den auch manche sachliche Gründe sprechen. Als Brückenkopf auf dem etwas höheren südlichen Etschufer gelegen, am Sammelpunkt mehrerer von Süden kommender Straßen, die nördlich des Flusses vereinigt geradlinig auf die Etschklause zuführten, war Bussolengo ein strategischer Punkt erster Ordnung. Setzte Hugo hier über den Fluss, so stand er zwischen den Engpässen der Etsch und dem in Verona liegenden Hauptheer des Bayern und hatte diesem den Rückzug und Nachschub abgeschnitten. So ist es verständlich, dass Arnulf gleich nach der Kunde von der Niederlage seiner Besatzung am Brückenkopf in Eilmärschen nach Norden zog, um sein Heer vor der drohenden Abschnürung zu retten. - Vor dem Abzug des bayerischen Heeres aus Verona kam es hier nach dem Bericht Luidprands noch zu einem großen Tumult und schließlich zu offenem Kampf zwischen den bislang Verbündeten. Graf Milo selbst, in der Befürchtung, von Arnulf als Geisel nach Bayern mitgenommen zu werden, ging zu König Hugo über. Sein Bruder aber verteidigte die Burg der Stadt gegen den Bayern-Herzog, wurde aber schließlich doch überwältigt und zusammen mit seinen Leuten weggeführt. Durch eine glückliche Entdeckung Weigles fällt sogar ein noch etwas helleres Licht auf diese letzten Tage des bayerischen Heeres in Verona. Durch die genaue Untersuchung eines Briefes, den Bischof Rather zwischen August 936 und März 937 aus seinem Exil in Como an den Kleriker Ursus in Verona schrieb, konnte er zahlreiche Anspielungen auf das Verhalten der Bayern in den letzten Tagen ihres Aufenthaltes feststellen. Dabei ist natürlich zu beachten, dass alles von der Sicht Rathers aus, der sich verteidigen und sein Verhalten entschuldigen wollte, dargestellt ist. Danach hatten die Bayern, als nach der Niederlage bei Bussolengo ihre Lage hoffnungslos geworden war, einen für die Veroneser Bürger kompromittierenden Absage- und Schmähbrief an König Hugo erpresst. Nach Rathers Darstellung war der Verfasser dieses Briefes ein nicht genannter Archidiakon aus der Stadt, der auf diese Weise sich sowie den weltlichen und geistlichen Adel der Stadt bei den Bayern von dem Verdacht der Konspiration mit König Hugo retten wollte und musste. Der Schreiber dieses Absagebriefes war Ursus, der Adressat dieses Rather-Briefes. Diese beiden aber bezichtigten später Rather Hugo gegenüber als den Urheber des verhängnisvollen Schreibens, und der wurde daraufhin vom König verbannt. Dass aber die Bayern mit diesem Brief als Faustpfand gegen die Veroneser noch nicht genug hatten, sondern sich bei ihrem Abzug aus der Stadt auch noch Tumulte und Plünderungen zuschulden kommen ließen, wies wieder sehr glücklich Weigele nach, indem er die gens effera et barbara nicht auf den Burgunder Hugo, wie es bisher geschah, sondern auf die abziehenden Bayern deutete. Wie Weigele bemerkte, wäre es doch unverständlich, wenn Rather aus der Gefangenschaft heraus einem König, vor dem er sich rechtfertigen wollte, sowie seinen Kriegern vorgeworfen hätte, sie seien ein rohes und barbarisches Volk.
Das Unternehmen war vollständig zusammengebrochen. Doch lässt der Bericht Luidprands erkennen, dass der bayerische Herzog gewillt war, mit einem neuen Heer das gleiche Unternehmen noch einmal in Angriff zu nehmen. Auch dass er den Grafen Milo als Geisel mitnehmen wollte, lässt darauf schließen, dass er seine italienischen Pläne noch nicht aufgegeben hatte. Wohl nur sein bald darauf erfolgter Tod hat eine Wiederholung des Zuges vereitelt. Doch allein aus der Tatsache, dass der bayerische Herzog derartiges überhaupt planen und unternehmen konnte, ergeben sich weitreichende Folgerungen. Dieses völlig selbständige Unternehmen Arnulfs, dessen Gelingen Bayern wohl beinahe zwangsläufig aus dem Verband des jungen deutschen Reiches hätte hinauswachsen lassen, war eigentlich die letzte Konsequenz der Zugeständnisse, die König HEINRICH I. 921 vor Regensburg dem Bayern-Herzog hatte machen müssen. Der König hat auch in diesem Falle in keiner Weise Herzog Arnulf gehindert, solche Pläne zu verfolgen, wohl um die mühsam erkaufte Eintracht nicht zu gefährden. Dass ihm aber durch die selbständige Italienpolitik der beiden süddeutschen Herzogtümer und besonders durch diesen Zug Herzog Arnulfs die Notwendigkeit eines eigenen Italienzuges nach Italien, von dem Widukind erzählte, vor Augen geführt wurde, ist schon wiederholt ausgesprochen worden. Holtzmann hat nun wahrscheinlich gemacht, dass auch der Erwerb der heiligen Lanze durch den deutschen König mit diesen seinen Plänen zusammenhing. Auf friedlichem Wege und durch Drohungen versuchte er dieses kostbare Symbol, dessen Besitz ihm wichtig für sein Unternehmen schien, von Rudolf von Hoch-Burgund zu erlangen und kam nach Holtzmann tatsächlich im Juni 935 bei seiner Zusammenkunft mit dem französischen König Raoul und Rudolf von Hoch-Burgund am Chiers an das Ziel seiner Wünsche. Dadurch, ferner durch seine Freundschaft zu dem Hoch-Burgunder, die ebenfalls aus dem Jahre 935 rührte und durch einen Vertrag mit Hugo von der Provence, dem Herrn Ober-Italiens, hatte er sich die Grundlagen für sein Eingreifen in Italien geschaffen. Auf diese Weise wollte wohl der deutsche König den gefährlichen Plänen des Bayern-Herzogs in Bezug auf dieses Land begegnen. Doch die beiden Männer starben, ehe sie an die Verwirklichung dieser Pläne gehen konnten.