Regino von
Prüm: Seite 70
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"Chronik."
Das Jahr 880.
König Karlomann schloß
seinen letzten Tag am 22. März, indem eine Lähmung der
Glieder die Auflösung herbeiführte und wurde mit
gebührenden Ehren in Baiern an dem Orte, der Hodingas heißt
begraben. Dieser sehr vortreffliche König war aber in den
Wissenschaften wohlunterrichtet, der christlichen Religion
ergeben, gerecht, friedliebend und mit aller Ehrbarkeit der Sitten
geziert; die Schönheit seines Körpers war
außerordentlich und auch seine Manneskraft bewundernswert, dieser
aber entsprach seine Geistesgröße. Denn sehr viele Kriege
führte er mit seinem Vater und noch mehr ohne ihn in den Reichen
der Slaven und stets trug er den Triumph des Sieges davon; die Grenzen
seines Reiches mehrte und erweiterte er mit dem Schwert; den
Seinigen erschien er mild, den Feinden furchtbar; im Gespräch
leutselig, mit Demuth geschmückt, in der Ordnung der
Reichsangelegenheiten von ungemeiner Thätigkeit beseelt, zeigte er
sich in jeder Hinsicht so, daß ihm nichts zu fehlen schien, was
königlicher Majestät geziemt.
Aus rechtmäßiger Ehe wurde ihm wegen der Unfruchtbarkeit
seiner Gemahlin kein Sprößling geboren, mit einer vornehmen Frau [1 Sie hieß Liutswinda.] jedoch erzeugte er
einen Sohn von glänzender Schönheit, den er Arnolf nennen
ließ zur Erinnerung an den hochehrwürdigen Arnolf, den Bischof der Metzer Kirche, von
dessen heiligem Stamme sein und der übrigen
Franken-Könige Geschlecht entsprossen war; dies scheint nicht
durch Zufall geschehen, sondern in einer gewissen Vorahnung und
Hindeutung auf die zukünftigen Dinge vollbracht worden zu sein.
Denn von jenem an begann das Königshaus im Verlauf der Zeit nach
göttlicher Vorsehung in glücklichem Wachsthum zuzunehmen, bis
es unter dem großen Karl den höchsten Gipfel des
Kaiserthums nicht nur für die Franken, sondern auch über alle
die verschiedenen Stämme und Reiche erreichte. Nach seinem Ableben
fing durch den Wechsel des Glückes ihres Reiches Herrlichkeit, die
über alle Wünsche zugeströmt war, in derselben Weise,
in welcher sie angewachsen, allmählich wieder an zu
zerrinnen, bis bei dem Hinschwinden nicht allein der Königreiche,
sondern auch des königlichen Stammes selbst, der theils in
zarter Jugend um's Leben kam, theils durch die Unfruchtbarkeit der
Frauen verdorrte, von einem so zahlreichen Königsgeschlecht dieser
allein tauglich erfunden wurde, um das Scepter des Franken-Reiches zu
übernehmen; dies wird in dem Folgenden an seinem Orte noch klarer
hervortreten.
Als Ludowich
vernahm, daß sein Bruder verschieden sei, zog er nach Baiern und
kam nach Reganasburch, wo alle Großen des Reiches zu ihm
strömten und sich seiner Hoheit unterwarfen. Der König
bewilligte aber dem Arnolf
Karantanum, was sein Vater ihm schon vor langer Zeit bewilligt hatte;
in diesem Lande liegt eine sehr wohlbefestigte Burg, die Mosaburch
genannt wird, weil der von undurchdringlichen Sümpfen umgebene Ort
denen, die hineingehen wollen, den Zugang sehr schwierig macht.