Spindler Max: Seite
223,230,301,346
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"Handbuch der bayerischen
Geschichte.
Erster Band Das alte Bayern. Das Stammesherzogtum bis zum Ausgang des
12.
Jahrhunderts."
Die Gründe für Heinrichs
Rebellion bleiben im Dunkel. Vielleicht fühlte er sich bei der
Vergabung des schwäbischen Herzogtums übergangen; vielleicht
aber empfand er auch eine Bedrohung durch die wachsende Machtstellung
der beiden babenbergischen
Brüder Berthold und Luitpold
auf dem Nordgau und in der Ostmark, da OTTO II. die
BABENBERGER wohl zur
Schwächung der bayerischen Herzogsgewalt bewußt stützte
[3 Zu Berthold: Guttenberg,
Territorenbildung 57ff. und Kimpen, Zur Genealogie der bayerischen
Herzöge von 908-1070 (Jahrbuch für fränkische
Landesforschung 13) 1953, Seite 64ff.; zu Luitpold: Lechner (siehe oben 222
Anm. 6) 250f., der aber im Gegensatz zu Riezler I 2, 557 der Ansicht
ist, daß Luitpolds
Einsetzung in der Ostmark die Folge und nicht die Ursache von Heinrichs
Empörung war.].
Seit 976 waren die BABENBERGER
[8 Ant. Meiller, Regesten zur
Geschichte der Markgrafen und Herzöge Österreichs aus dem
Hause Babenberg 2 Bände, 1850; UB zur Geschichte der Babenberger
in Österreich I; Die Siegelurkunden der Babenberger bis 1215,
bearbeitet von Fichtenau-Zöllner, 1950; Juritsch; Karl Lechner,
Die Babenberger und Österreich (Der Bindenschild 6) 1947;
Fichtenau, Mark; Alois Zauner, Oberösterreich zur Babenbergerzeit
(Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 7) 1960,
207-251.] in der Mar an der Donau tätig, ein Geschlecht, dessen
ostfränkische Abkunft gesichert ist, dessen genaue
verwandtschaftliche Eingliederung man jedoch bis heute nicht hat
erforschen können [1
Wolfgang Metz, Babenberger und Rupertiner in Ostfranken (Jahrbuch
für fränkische Landesforschung 18) 1958, 295-304; Ders.,
Problem (siehe oben 223f. Anm. 6); Geldner (siehe oben 223f. Anm. 6);
Lechner, Genealogie (siehe oben 222 Anm. 6.]. Wärend der wohl zum
Zeichen seiner "übergräflichen" Würde marchiocomes
genannte Berthold von Schweinfurt [2 Bosl, Markengründungen
besonders 191f.] auf dem bayerischen Nordgau zurückblieb, erhielt sein Bruder Luitpold die Mark im
Osten, vielleicht um dadurch an den Rändern des bayerischen
Herzogtums Gegengewichte gegen die Anhänger des 974 durch OTTO II. abgesetzten Herzogs Heinrich II. zu schaffen [3 Fichtenau, Mark 5f.; Vancsa I 197
vermutet sogar, daß Luitpold
sich die ihm verliehene Mark von den Anhängern der bayerischen
Partei und des gestürzten Markgrafen
Burchard erkämpfen mußte.].
Dagegen war die zentrale Bündelung der Herrschaftsrechte in der
Hand des Herzogs seit Kaiser OTTO DEM GROSSEN weitgehend gelockert worden.
Für den unmündigen Herzog Heinrich II. führte die Arnulf-Tochter
Judith mit Bischof Abraham
von Freising die vormundschaftliche Regierung. Die
Burggrafschaft von Regensburg und die Markgrafschaft im Osten
besaß Burchard, der Schwager Judiths. Der schwäbische Herzog Burchard († 973) war der Gemahl der Judith-Tochter Hadewig; Augsburger Bischof war der Sohn des Markgrafen Burchard, Heinrich, Kaiser OTTO
II. löste diese familiäre Verklammerung der
süddeutschen Herzogtümer durch die Einsetzung seines Neffen Otto zum Schwaben-Herzog,
ferner durch die Übergabe der Regensburger Burggrafschaft an den Grafen Pabo, und der Ostmark an Luitpold aus dem Haus der jüngeren BABENBERGER VON
SCHWEINFURT (um 973). Dessen
Bruder Berthold hatte schon 939 bei der Absetzung Eberhards zu den fränkischen
Grafschaften im Volkfeld und Radenzgau noch den durch Landesausbau sich
immer stärker ausweitenden Niordgau erhalten, der aber im Verband
des Stammesherzogtums verblieb. Mit der Erweiterung der babenbergischen Herrschaft durch
Grafschaftsrechte in der südöstlichen Hälfte des
Donaugaus, beiderseits des Stromes bei Regensburg bis zur Isar und im
Rottach- und Schweinachgau, wurde dieses ostfränkische Geschlecht
in Bayern noch einflußreicher.