Schütz Alois: Seite 3
***********
"Die Andechs-Meranier in Franken und ihre Rolle in der
europäischen Politik des Hochmittelalter"
Die Macht und der Reichtum des Hauses waren durch Graf
Berthold, Heinrichs Vater,
begründet worden. Dieser
erhielt
um das Jahr 940 von König OTTO I. Grafschaftsrechte
auf dem bayerischen Nordgau verliehen. Später wurden ihm auch
die
Grafschaften im Radenzgau und im Volkfeldgau übertragen.
Seine
Herrschaft
umfaßte damit die Gegend nördlich der Donau zwischen dem
Böhmerwald
im Osten und den Ufern des Mains bei Schweinfurt un Kitzimgen im
Westen.
Bertholds
Aufgabe als Graf war es, den Herrscher im Gericht zu vertreten. Im
Grafengericht
wurden alle Angelegenheiten verhandelt, die Freiheit und liegendes Gut
betrafen. Auch Kapitalverbrechen kamen hier zur Aburteilung.
Der Königsdienst des SCHWEINFURTERS
erschöpfte
sich allerdings nicht in der Ausübung der Gerichtsbarkeit. Berthold
war,
wie viele seiner Standesgenossen, auch mit fiskalischen und
militärischen
Aufgaben betraut. OTTO I., seit
962
römischer Kaiser, übergab ihm König
Berengar von Italien und dessen
Gemahlin zur Bewachung
in
Bamberg.
Auf die Treue des SCHWEINFURTERS konnte sowohl er als
auch
sein Sohn, OTTO II., zählen,
als
die süddeutschen Herzöge sich in den 70-er Jahren gegen die
Krone
verschworen. Seitdem legte man Berthold in zunehmendem
Maße
den Titel eines Markgrafen bei.
Das Ansehen und die Macht des SCHWEINFURTERS
beruhten
nur zum Teil auf seiner Tätigkeit im Dienst des Herrscherhauses.
Eine
weitere, nicht minder wichtige Stütze seines Einflusses stellte
der
Reichtum des Hauses dar, der es ihm überhaupt erst
ermöglicht
hatte, öffentliche Ämter anzunehmen. Der Besitz der
Markgrafen
von Schweinfurt dürfte sich, was seinen Aufbau betrifft, von dem
anderer
Adelsfamilien der Zeit nicht unterschieden haben. Er bestand aus Allod
und Lehensgut; dazu kam die Verfügungsgewalt über
Eigenkirchen,
die die Familie auf ihren Gütern selbst gegründet hatte oder
die ihr zusammen mit dem Lehensbesitz übertragen worden waren.
Spätestens
die Erben des Hauses übten auch vogteirechtliche Gewalt aus.
Die Hauptmasse des Familienbesitzes scheint um die
namengebende
Burg
Schweinfurt gelegen zu haben. Dazu kamen Güter im Aischtal zu
Höchstadt, Lonnerstadt, Gutenstetten, Wachenroth, Sambach,
Steppach
und Etzelkirchen, Streubesitz zu Retzstadt, Ochsenfurt, Frickhausen und
Heidingsfeld sowie ein Güterkomplex um den Hof "Rounveldt", der
Ursprungssiedlung,
wie es scheint, von Grafenrheinfeld an Main. In den östlichen
Maingegenden
bildeten die Burgen Kronach und Creußen die
Mittelpunkte
größerer Gutsbezirke, denen auch der ansehnliche Streubesitz
in den dazwischenliegenden Gebieten, den späteren Herrschaften
Kulmbach
und Bayreuth, zugeordnet gewesen sein dürfte. Zur Burg auf dem
Banzer
Berg gehörte dagegen der Güterkomplex zwischen Main und Itz
mit
dem großen Lichtenfelser Forst. Ein weiteres Zentrum
Schweinfurter
Besitzes lag auf der gegenüberliegenden Seite des Mains, aus dem
später
die Herrschaft Lichtenfels-Giech hervorging. Weiter südlich, im
Jura,
besaß die Familie Güter um Pottenstein und
Tüchersfeld.
Möglicherweise gehörte Thurnau gleichfalls zum Hausgut. Auch
in den altbayerischen Gegenden links der Donau, auf dem Nordgau,
faßten
die SCHWEINFURTER Fuß. Hier gehörten ihnen die Burgen
Ammerthal bei Amberg und Hersbruck an der Pegnitz sowie
Besitz
um Nahburg und Cham. Außerdem besaßen sie in Regensburg, am
Sitz des bayerischen Herzogs, eine Hofstätte.
Nach Bertholds Tod im Jahr 980 übernahm
sein
Sohn, Markgraf Heinrich von Schweinfurt, den Besitz und die
öffentlichen
Ämter des Hauses.