Das Jahr 1056.
[Pfalzgraf Dedo, ein trefflicher Mann, wurde von einem Bremer Priester erschlagen, welchen er von seinem Bruder, dem Erzbischofe Adalbert, bekommen hatte, um ihn wegen der ihm vorgeworfenen Verbrechen in die Verbannung zu bringen, und auf Befehl des Kaisers wurde er in Goslar begraben], und in der Grafschaft folgte ihm sein Bruder Friderich nach. Er hat eine Probstei an dem Orte, der Sulza heißt, gestiftet und sein Sohn war der Pfalzgraf Friderich, welchen Graf Lodowich von Thüringen mit Hinterlist ermorden ließ; aber seine Witwe, des Markgrafen Udo Schwester, nahm er zur Ehe. Der Pfalzgraf aber hatte von ihr einen Sohn Namens Friderich, der, als der Vater getödtet wurde, noch nicht geboren war; doch lebte noch der Großvater. Dessen Schwestersohn Friderich von Sumersenburg erwarb die Pfalzgrafschaft und sein Vater Adalbert wurde Scucco genannt.
[Die Christen erlitten eine große Niederlage von den Barbaren, welche Liutizen heißen; einige kamen durchs Schwert um, andere auf der Flucht im Wasser und unter diesen wird der Markgraf der Nordmark Willehelm getödtet] nicht weit von der Burg, die Prizlava heißt und am Ufer des Flusses Albis liegt, da wo derselbe den Fluß Habola in sich aufnimmt. Daselbst also in der Mitte zwischen den beiden Flüssen wurde der fromme Fürst von den Heiden heimtückisch umzingelt und erlag mit Vielen. Sein von den Barbaren mit tausend Wunden durchbohrter und zerfleischter Leib wurde, wie man sagt, von den Seinen nicht mehr aufgefunden. Dieser Markgraf Willehelm und sein Bruder Otto waren durch sehr nahe Blutsverwandtschaft mit den Brüdern Willehelm und Otto verbunden, den Söhnen jenes großen Willehelm von Wimmare, welche Einer nach dem Andern nach dem Tode des Markgrafen Ekkehard II die Mark desselben gehabt haben; doch sind die Namen und der Gang dieser Verwandtschaft nicht genauer bekannt. Mit jenem wurde der Graf Theoderich von Katalanburg getödtet, der Sohn des Udo, welcher mit seinem Bruder Heinrich und einigen Andern nach dem Tode des Kaisers Otto III den Markgrafen Ekkihard in Palithi erschlagen hat. Dieser Udo hatte eine Frau aus Schwaben, Namens Bertrada, welche ihm diesen Theoderich gebar. Auch dieser hatte ebenfalls eine Bertrada zur Frau, die Schwester der Gräfin Suanehild von der Burg Lon in Hasbanien, deren Sohn der Mainzer Burggraf, Graf Arnold war, und sie gebar ihm einen Sohn, der ebenfalls Theoderich genannt wurde, und eine Tochter, welche Othilhild hieß und Konrad, den Bruder des Markgrafen Dedo, heirathete. Dieser Theoderich nahm Gertrud zur Frau, die Tochter des Markgrafen Ekbert des Aelteren, die Mutter der Kaiserin Richenza, und zeugte mit ihr wieder einen Theoderich, der ohne Kinder starb. - Dem Markgrafen Willehelm folgte aber Graf Udo von Stadhen, ein thätiger und edler Mann. Denn Graf Heinrich der Kahle von Stadhen, welcher zur Zeit Otto's I lebte, ein Verwandter dieses Kaisers, hatte zur Frau Juditha, eine Schwester des Herzoge Udo, der mit vielen in Calabrien fiel, als Kaiser Otto der Rothe mit den Sarracenen kämpfte. Diese gebar ihm die Söhne Heinrich, Udo und Sigefrid. Dieser Sigefrid bekam, da sein Bruder Heinrich gestorben war, seines Vaters Grafschaft vom Kaiser Heinrich, dem Gründer der Babenberger Kirche. Zur Frau hatte er Adhela, eine Tochter des Grafen Gero von Alesleve, den Kaiser Otto der Rothe auf einer Insel bei Magedaburg enthaupten ließ. Sie gebar ihm den Grafen Ludiger, welcher meistentheils Udo genannt wurde, und dessen Gattin hieß Adelheid, eine Mutterschwester des Königs Rodolf; mit ihr zeugte er diesen Udo, der nach dem Tode Willehelms als der Erste aus diesem Geschlechte die Nordmark erwarb. -
Nach dem Tode des Kaisers Heinrich
III erhielt die Regierung des Reichs sein Sohn Heinrich,
dieses Namens der Vierte, durch dessen
Uebermuth in der ganzen Welt viel Jammers wurde: mit Mord, Raub, Brand
und Frevel wurden fast alle Theile des römischen Kaiserreiches und
besonders die sächsische Erde besudelt und eine Blutschuld kommt
nach der andern, wie der Prophet sagt. Endlich hat ihn, der das Schwert
der weltlichen Gewalt über alles Maß mißbrauchte, Gregor
oder Hildebrand mit dem Schwerte des heiligen Petrus getroffen und
vom Leibe Christi und der Mutter, der Kirche,
wie ein unnützes Glied abgehauen und ihn auf ewig
in die unlösliche Fessel des Anathems gethan. Da er hernach viele
Jahre hindurch bald die Sanftmuth eines Lammes mit erheuchelter Demuth
zur Schau trug, bald mit offener Grausamkeit die Wuth eines Wolfes zeigte,
hat er nach Gottes gerechtem Gerichte so verschiedene Schicksale erlebt,
indem bald Unglück, bald scheinbares Glück wechselten, daß
mit Recht auf ihn jenes bezogen werden zu müssen scheint, was irgendwo
gesagt wird:
Wohl und Wehe verhängt nach Laune die göttliche Allmacht;
Kaum hat's sicheren Bestand jetzige Stunde hindurch.
Das Jahr 1082.
In diesem Jahre wurde das Münster des heiligen Johannes
des Täufers in der Vorstadt der Stadt Magedaburg vom Erzbischofe Hartwig
und den Bischöfen Godescalc und Gifrod geweiht. Der sächsische
Markgraf Udo der Aeltere starb am 4. Mai. Seine Gattin hieß Oda und
ihre Herkunft war folgende. Graf Rodolf, gebürtig aus einem Orte Westfalens,
der Werla heißt, der Kaiserin Gisla Bruder,
zeugte einen Sohn Namens Herimann, welcher eine Frau Namens Richenza heirathete
und mit ihr die erwähnte Oda zeugte. Diese gebar dem genannten Udo
Heinrich, Udo, Sigifrid, Rodulf und eine Tochter, die Adelheid geheißen
wurde und welche der Pfalzgraf Friderich von Putelenthorp heirathete
und, als er starb, Graf Lodowich der Aeltere von Thüringen.
Die Mutter der eben genannten Oda aber hatte nach dem Tode des Grafen Herimann
der vormalige Herzog von Northeim zur Frau genommen und er zeugte mit ihr
treffliche Männer, den Grafen Heinrich den Dicken, den Vater der Kaiserin
Richinza und der Pfalzgräfin Gertrud, ferner den Grafen
Sifrid von Boumeneburg, den Grafen Kono von Bichlinge und drei Töchter,
von denen eine Namens Ethilinde der Herzog Welph von Baiern heimführte
und als er sie verstieß, heirathete sie Graf Herimann von Kalverla
und sie gebar ihm den Grafen Herimann. Die dritte aber führte Graf
Konrad von Arnesberg heim und zeugte mit ihr den Grafen Friderich. Als
nun der ältere Udo gestorben war, folgte ihm sein Sohn Markgraf Heinrich.
Dieser hatte eine Frau Eupraccia, des
Königs von Ruscien Tochter, die in unserer Sprache Adelheid
genannt wurde und welche nachher Kaiser
Heinrich heirathete.
Das Jahr 1085.
Weihnachten brachte König
Herimann in Goslar zu, während viele, gleichsam neugierig
auf die neue Herrschaft, an seinen Hof strömten, und Kaiser
Heinrich in Köln. In ähnlicher Weise feierte Papst
Gregor Weihnachten in Salerno und der ihn verdrängt hatte in Rom.
Darnach am 20. Januar [1085] kamen die Großen beider Parteien zur
Erörterung des so unsterblichen Streites in Perkstad, einem Dorfe
Thüringens, zusammen, - von der einen Seite die Erzbischöfe Otto
von Ostia, von seinem Gebehard von Konstanz sich trennend, Hartwig von
Magedaburg und Gebehard von Juvavum, der Christi Schmach den Schätzen
der Aegypter vorzog; die Bischöfe Udo von Hildinisheim, Burchard oder
Bucco von Halberstadt, Hartwich von Verden, Guerner von Merseburg, Gunter
von Eiz, Benno von Misne und Heinrich von Patherbrunn, der zwar ernannt,
aber damals erst Subdiakon war; - von der andern Seite der Bremer Liemar
und diejenigen, welche vom Papste dieser Partei das Pallium erhalten hatten,
der Mainzer, der Kölner und der Trierer und von ihren Suffraganen,
so viele ihnen anhingen. Die Vertheidigung der Sache unternahmen auf dieser
Seite der Salzburger Erzbischof Gebehard, auf der andern Seite der Mainzer
mit Lesen und der Utrechter mit Sprechen. Da standen verschiedene weltliche
Personen wie mit gespitzten Ohren bei einer Sache der sehr stürmischen
Zeit, welche gleichsam durch das Gericht der Engel erörtert werden
sollte. Der Salzburger begann und sprach: "Wir sind gekommen, um, wie es
ausgemacht worden ist, zu beweisen, daß es uns nicht erlaubt sei,
mit denjenigen Gemeinschaft zu machen, welche als aus der Gemeinschaft
ausgeschlossen uns
angemeldet sind und besonders mit solchen, welche der
Papst, als er ohne Widerspruch sich im Besitze des apostolischen Stuhles
befand, auf öffentlicher Synode ausgeschlossen hat, und von denen
er uns brieflich mitgetheilt hat, daß sie von ihm gebannt worden,
nebst dem Grunde des Bannes und daß wir
keine Gemeinschaft mit ihnen haben sollen." Indem er
dieses sagt, zeigt er als Beweise desselbigen Auftrags, um seinen Worten
Glauben zu verschaffen, mehrere besiegelte Briefe des Papstes vor und beweist
mit der Autorität der Evangelien, der Apostel, der Dekretalen des
apostolischen Stuhles und mehrerer kanonischen Sätze, daß
man seinen Befehlen gehorchen und keine Gemeinschaft mit denen haben müsse,
welche als gebannt angemeldet werden. Dagegen sagt der Utrechter: "Keiner
von uns wird wider Euere Meinung sein; aber wir sagen, unser Herr, dessen
Sache hier erörtert wird, ist nicht gebannt worden, weil der Papst
ungerecht an ihm gehandelt hat, da er den bannte, welchen er nicht bannen
durfte." Schon wollte der Mainzer diese Rede durch Vorlesen beweisen, als
der Salzburger,
die Antwort nicht verschiebend, bemerkt, daß nach
den Gesetzen des Gelasius und der Synoden von Nicäa und Sardica man
mit keinem wenn auch ungerecht Gebannten Gemeinschaft machen dürfe
vor einer gerechten Prüfung beider Parteien und bevor er von dem,
welcher ihn gebannt, wieder aufgenommen worden. Und siehe da, der Mainzer,
der erwarteten Stille sich bemächtigend, hatte ein Kapitel gelesen.
"daß kein seines Vermögens Beraubter vor die Synode gerufen,
gerichtet, verdammt werden könne, und indem er dies den Laien auseinandersetzte,
rief er sie als Zeugen an, daß der Papst ihren Herrn nicht bannen
gekonnt habe, da derselbe eines großen Theils des Reiches beraubt
gewesen, nachdem die Sachsen und einige von den Schwaben von ihm abgefallen
waren." Auf dieses sagt der Salzburger:
"Daß dieses Kapitel nicht für alle Fälle
wahr ist und daß durch seine Autorität derjenige, von dem ihr
handelt, nicht gegen die päpstliche Exkommunikation geschützt
wird, könnten wir leicht beweisen; aber wir würden unsere Stellung
gefährden, wenn wir die Gesetze der Päpste Gelasius, Nikolaus
und vieler anderen und die Urtheile des apostolischen Stuhles nachprüfen
wollten, da es dessen Recht ist, die ganze Kirche zu richten, niemandes
Recht aber ihn zu richten. Und deshalb haben wir, sobald der Tag dieses
Gespräches angesagt worden, die Verhandlung mit Rücksicht auf
folgenden Vorbehalt beschränkt, daß wir uns nicht verpflichten,
Euch über irgend eine andere Sache zu antworten, außer daß
wir durch das katholische Gesetz gezwungen seien, keine Gemeinschaft mit
denen zu haben, in Betreff derer der Bischof des apostolischen Stuhles
uns durch zuverlässige Botschaft angezeigt hat, sowohl daß sie
von ihm gebannt sind, als auch daß wir keine Gemeinschaft mit ihnen
haben sollen. Daß wir unter dieser und keiner andern Bedingung zu
dieser Zusammenkunft veranlaßt wurden, dafür
rufen wir Euren Vermittler dieses Gespräches als
Zeugen auf."
Indem diese also die Gesetze der Väter nicht übertreten
wollten, jene aber forderten, daß dasjenige, was zu Rom entschieden
sein mußte, auf der Straße und vor einem untergeordneten Richter
widerrufen würde, geht man unverrichteter Sache auseinander.
Am folgenden Tage kamen ferner die Sachsen und Thüringer zusammen,
um zu wissen, wer bei ihnen bis aufs Blut beharren und wer von ihnen abfallen
wollte. Angeklagt werden Udo der Bischof von Hildinsheim und sein Bruder
Konrad und Graf Theoderich, daß sie mit
Heinrich ihrem feindlichsten Feinde übereingekommen seien
und daß sie ihm Landesverrath versprochen hätten. Weil sie aber
bei ihrer Gegenrede sagten, daß sie Heinrich
noch keine Unterwerfung versprochen hätten, aber nicht leugneten,
daß sie mit ihm gesprochen, so werden von ihnen Geiseln gefordert,
um die Landsleute über die gelobte Treue sicher zu stellen. Da jene
sich sträubten, das sei nicht ihrer angeborenen Würde angemessen,
daß sie zum Schutze des Vaterlandes, dessen Fürsten und Vertheidiger
sie selbst bisher gewesen, von denen genöthigt würden, welche
das weniger anginge, so wird Theoderich, ein Graf von ausgezeichnetem Range,
von einigen in hastigem Angriffe getödtet, der Bischof und sein Bruder
und deren Genossen fortgejagt. Ohne Verzug ging der Bischof Udo, um diese
Beleidigung zu rächen, zu Heinrich,
welcher ihm in Fritislar entgegenkam, und versprach ihm seine Unterwerfung.
Und damit er die Sachsen beeinflussen und für den Abfall von König
Herimann sprechen könnte, empfing er von Heinrich
den Eid: wenn die Sachsen zu ihm umkehren und ihn die Herrschaft
des Vaters genießen lassen würden, würde er ihnen niemals
jenes Recht verkümmern, welches sie seit der Zeit ihres Eroberers
Karl für das geeignetste und herrlichste
gehalten hatten; so daß wenn einer der Seinigen mit einem der Sachsen
gegen das Gesetz verfahren würde, er selbst es innerhalb sechs
Wochen vom Tage der ihm gemachten Anzeige an mit geziemender Entschädigung
beilegen wolle. Andere Große desselben, Bischöfe und Weltliche,
schwuren, ihm keine Stütze gegen Sachsen zu sein, falls Heinrich jenes
Statut jemals aus den Augen setzen würde. Als der Bischof darnach
in sein Land zurückkehrte, gewann er dadurch, daß er den Landsleuten
versprach, was ihm zugeschworen war, viele für die Partei, zu
der er selbst getreten war. Um es bei einer für ihn so erwünschten
Gelegenheit nicht an sich fehlen zu lassen, wollte Heinrich
eine Heerfahrt ansagen und Sachsen angreifen.
Herimann wollte ihm mit den bei ihm Zurückgebliebenen entgegenziehen,
aber beide Versammlungen hinderte die bevorstehende Fastenzeit, in der
wegen des bis auf den Sonntag nach Pfingsten beschworenen Gottesfriedens
nicht einmal Waffen zu tragen gestattet war. Zwei von denen der eine schon
seit sieben, der andere seit vier Jahren ernannt war, Sigefrid von Augsburg
und Nortbert von Chur, wurden am Tage der Reinigung der heiligen Maria
von jenem Mainzer in Mainz zu Bischöfen geweiht, während noch
einen großen Theil des Augsburger Bisthums Guigo inne hatte, welchen
Erzbischof Sigefrid unter König Rodolf
in Goslar geweiht hatte. In dieser Zeit würde man Sachsens Aussehen
unwiderruflich verändert gefunden haben. Denn diejenigen, welche zuvor
betheuert hatten, daß sie allein zum Schutze des apostolischen Stuhles
sich Heinrich widersetzten, welche
keine Gemeinschaft mit ihm machen zu wollen geschworen hatten, wenn er
nicht von dem, der ihn gebannt, nämlich durch den Papst Gregor
wieder aufgenommen wäre, diese vergessen, daß derselbe Papst
gewaltsam vertrieben und König Herimann unmenschlich
hintergangen worden, und machen nicht allein mit Heinrich
durch häufige Gesandtschaften Gemeinschaft, sondern nennen
ihn auch Kaiser, obwohl er von einem Gebannten geweiht worden ist,
indem Einer dem Andern um sein Wohlwollen zu gewinnen zuvorzukommen sucht,
und jeder sich selbst zu schaden meint, wenn er den Heinrich,
welcher sich jetzt Sachsens und des ganzen deutschen Reiches bemächtigen
werde, bei seiner Wiedereinsetzung sich nicht verpflichte. Fast ganz Sachsen
also fordert auf Verabredung den Gebannten mit eben so großem Eifer,
als der war, mit dem es früher den noch nicht Gebannten vertrieb.
Die Erzbischöfe und Bischöfe reden wohl dagegen, aber "den Tauben
wird ein Märchen erzählt", da nach dem Tode derjenigen,
welche reiferen Alters und Geistes waren, nämlich Otto's, welcher
Herzog von Baiern gewesen war, des Markgrafen Udo und des Grafen Theoderich
die sächsischen Fürstenthümer der schwankenden Jugend zugefallen
waren. Von vielen Versprechungen Heinrichs
verlockt, einigen sie sich zu der Meinung, daß niemand von ihnen
dabei einen Vortheil habe, wenn Heinrich
von ihnen des angestammten Königthums beraubt werde, da er selbst
gebessert sei, nachdem er die Kraft der Sachsen erprobt und sie in Betreff
der Aufrechthaltung ihrer heimischen Gesetze sicherstellen wolle; es sei
auch kein Grund zum Kriege mehr vorhanden, nachdem das erkämpft worden,
weshalb sie gekämpft. In solchen friedlichen Unterhandlungen wird
das Ende des geschlossenen Friedens erwartet, nämlich die Mitte des
Sommers. - -
Godescalc, Abt von Sankt Alban, wird abgesetzt und an seiner statt Adalmann ernannt. Abt Volkmar von Nienburg starb und ihm folgte Erembert. Kaiser Heinrich, welcher ein großes Heer zusammengebracht hatte, drang in Sachsen ein und verwüstete es, während Markgraf Ekbert gegen ihn stritt. Unüberlegt handelnd setzte der Kaiser in Sachsen einige Leute als Bischöfe ein, die es allein dem Namen nach waren. Dem vertriebenen Halberstädter Bischofe Bucco, einem kirchlichen Manne, wird Hamezo, dem verjagten Magdaburger Bischofe Hartwig der Hervelder Abt Hartwig zum Nachfolger gegeben. Als auch der Mindener Bischof Reinhard nach einem regelrechten Gelübde in das Helmwarder Kloster getreten war, gewann sein Nebenbuhler Volkmar das Bisthum. Aber nicht lange darnach kehrte derselbe Reinhard wieder in sein Bisthum zurück. In der Sommerszeit aber, als Heinrich sein Lager auf den grünen Wiesen bei Magadaburg aufgeschlagen hatte, ging er mit seinen Großen in die Stadt und wurde daselbst wie ein König empfangen. Weil aber aus Furcht vor seiner Ankunft Erzbischof Hartwig mit dem Halberstädter Bischofe und dem Könige Herimann sich zu den Dänen entfernt hatte, setzte er diejenigen, welche wir oben genannt haben, als Bischöfe ein, nämlich in Magedaburg den Abt Hartwig von Herfeld und in Halberstadt einen Kanonikus selbiger Kirche, Hamezo, den Oheim des Grafen Lodowich von Thüringen. Nachdem dies also geschehen und jener fortgegangen war, kehrten die Bischöfe aus Dänemark zurück und Heinrich selbst wurde bald mit jenen Eingeschobenen aus dem Vaterlande verjagt.
Der Havelberger Bischof Godescalc starb.
Das Jahr 1110.
[Am 7. März wird in der Kirche des Laterans
eine großartige Synode unter dem Vorsitze des Herrn Papstes Paschalis]
und in Gegenwart sehr vieler Aebte und Bischöfe abgehalten und daselbst
wurden unter einmüthiger Zustimmung Aller folgende Bestimmungen getroffen:
"In den Regeln der Apostel ist bestimmt, daß der Bischof die Sorge
für alle kirchlichen Angelegenheiten haben und diese gleichsam vor
Gottes Angesicht versehen solle. Ferner auf dem Concil zu Antiochia ist
bestimmt worden, daß das Eigenthum der Kirche mit aller Sorgsamkeit,
mit gutem Gewissen und nach dem Vertrauen, welches man auf Gott setzt,
erhalten werde, auch daß dasjenige, was ausgegeben werden solle,
nach dem Urtheile und der Gewalt des Bischofs, dem das Volk und die Seelen,
welche in der Kirche sich versammeln, anvertraut sind, ausgegeben werde.
Ferner schreibt der Märtyrer Stephan: Mögen Laien
noch so sehr fromm sein, so wird doch nirgends gelesen,
daß Einem jemals das Recht beigelegt worden ist, über das Kirchenvermögen
zu verfügen, und wir erlauben es auch nicht, sondern untersagen und
verbieten es durchaus. Wenn also jemand von den Fürsten oder anderen
Laien sich über kirchliche Güter oder Besitzungen Verfügungs-
oder Schenkungsrecht beilegen sollte, so soll er wie ein Kirchenräuber
beurtheilt werden. Geistliche aber und Mönche, welche dergleichen
mittelst der Macht derselben übernehmen werden, sollen dem Banne
unterliegen. Wer schiffbrüchiger Leute Habe raubt, soll als Räuber
und Brudermörder von der Kirche ausgeschlossen werden." Auch wurde
jenes wiederholt und bestätigt, was aus dem Concil zu Troyes bezüglich
der Investitur bestätigt worden war und welches also anhebt: "Den
Satzungen der Väter nachfolgend" u. s. w. - [Die Slaven brechen in
die Elbländer ein und kehren heim, nachdem sie viele getödtet
und gefangen]. Erschlagen wird dabei Graf Godefrid von Hammaburg.
In diesem Jahre starb Markgräfin Oda, die Stieftochter
des Herzogs Otto, die Gattin des Markgrafen Udo des Aeltern von Stadhen,
die Mutter der Markgrafen Heinrich, Udo des Jüngern und Rodolfs. Ihre
Tochter Adelheid hatte Graf Friderich von Puteledorp zur Frau und
nach seinem Tode nahm sie Lodowich der Altere von Thüringen.
Die Propstei in Hildesleve wurde in eine Abtei verwandelt, und zum ersten
Abte dort wird Alverich geweiht.
Das Jahr 1116.
Herzog Liuder belagert
die herrliche und feste Stadt Binitheim und verbrennt sie nach der Einnahme.
Heinrich mit dem Kopfe von Meissen wird von den Söhnen der Grafen
Lodowich und Wikbert, welche vom Kaiser gefangen gehalten wurden, gefangen.
Um das Fest des heiligen Apostels Petrus lagern sich die oft genannten
vom Kaiser abtrünnigen Fürsten in Schlachtordnung auf den Feldern
von Worms. In der Stadt aber stehen der Schwabenherzog Friderich, des Kaisers
Vetter, Pfalzgraf Godefrid und mehrere Große von den Freunden des
Kaisers mit einer ziemlichen Schaar. Und als die Fürsten von beiden
Parteien zusammengekommen waren, um das zum Frieden Gehörige zu verhandeln,
da brechen ohne Wissen der Führer die Städter unbedacht hervor,
um mit den Feinden zu kämpfen, als plötzlich die Gegner herbeistürzen,
mehrere von ihnen in die Flucht schlagen, verwunden und tödten, und
so gelangten die Städter, mit großen Verlusten besiegt, kaum
in die Stadt zurück. Betrübter geworden, bitten am nächsten
Tage die Freunde des Kaisers von freien Stücken um den Frieden, der
ihnen am Tage zuvor angeboten und von ihnen zurückgewiesen war; man
gelobt einmüthig auf das Fest des heiligen Michael eine Sprache zu
Frankonevort. Und die vorgenannten Fürsten kommen zwar zur verabredeten
Sprache, aber die Fürsten Baierns kommen nicht, abgehalten durch die
Umtriebe des Herzogs Friderich von Schwaben, der auf jede Weise dahin wirkte,
daß nicht etwas dem Kaiser Feindliches auf dieser Sprache festgesetzt
werden möchte. Ja sogar besetzt er eine Abtei Lintburg und plündert
die benachbarten Oerter. Als nun die genannten Fürsten zu Frankonevort
zusammengekommen waren und einige Tage dort mit Warten verbracht hatten,
kehren der Magedaburger Erzbischof Adelgot, der Pfalzgraf Friderich und
der Markgraf Rodolf wieder zurück. Die Bischöfe aber von Mainz,
Köln, Utrecht, Halberstadt und Paderbrunn, der Abt von Corbeja, Herzog
Liuder und Graf Herimann gehen über den Rhein. Zu
Mainz im Kloster des heiligen Alban wird nach dem Rathe der anwesenden
Bischöfe Thietmar zum Bischöfe für Verden vom Kölner
Erzbischofe Friderich geweiht. Als dies geschehen war, zieht der Paderbrunner
Bischof heim. Die anderen Fürsten aber belagern mit geringer Mannschaft
die Freunde des Kaisers in der erwähnten Abtei Lintburg. Gegen diese
kommt Herzog Friderich von Schwaben, der alles Volk des Elsasses aufgeboten
hatte, mit ungeheurer Mannschaft zum Streite, und als diejenigen, welche
Lintburg schon drei Wochen lang einschlossen, sahen, daß die Feinde
an Zahl stärker sein würden, gehen sie mit
umgekehrten Waffen auseinander und über den Rhein;
ihr einziger Ruhm war, daß sie zurückkehrten ohne daß
einer der Ihrigen verwundet oder verloren worden, und dies um so mehr,
da die Feinde bald im Fliehen bald im Nachsetzen so nahe waren, daß
man mit einander sogar sprach. Die Mainzer
nehmen dem Abte von Corbeja all sein Gut mit Gewalt;
kaum ist er selbst mit den Seinigen entronnen. Eben diese Mainzer vertreiben
den Erzbischof Adalbert, aber die Freude über diese That dauert nicht
lange und sie büßen dafür. Denn des Erzbischofs Freunde
greifen nicht lange darnach die Unberathenen an, tödten alle Angesehenen
und nehmen die Uebrigen gefangen. Als dies geschehen war, ist der Erzbischof
wieder Herr in der Stadt. - Herzogin Gertrudis, die Großmutter des
Herzogs
Liuder, starb. Die
Grafen Wikbert und Lodowich wurden freigelassen.
Das Jahr 1123.
Am Tage nach Weihnachten bauten einige Leute von der Partei
des Halberstädter Bischofs Heimenburg wieder auf, zum Schaden des
Herzogs Liuder, der damals das nicht
fern gelegene Schloß Blankenburg inne hatte. Da rafft plötzlich
der Herzog eine Schaar zusammen und umschließt die erwähnte
Burg. Ohne Verzug kommen einmüthig zusammen, um mit dem Herzoge
Liuder zu streiten,
der Halberstädter Bischof, Markgraf Heinrich von
Stade, Markgraf Heinrich von Ilburg, von dem man sagte, er sei der untergeschobene
und nicht wahre Sohn des Markgrafen Heinrich von Ilburg, Graf Lodowich
von Thüringen und Graf Rotholf. Diesen zieht der Herzog furchtlos
entgegen. Endlich wird mit Rath des Mainzer Erzbischofs, welcher dem Herzoge
zu Hülfe gekommen war, die Burg in die Gewalt des Herzogs gebracht
und verbrannt. Der Herzog kehrt als Sieger heim. - Kono, nur dem Namen
nach Bischof von Straßburg, wird, weil er für die Tödtung
des Herzogs Bertold gestimmt hat, vom Bisthum entsetzt und Bruno, ein Kanonikus
der Babenberger Kirche, wird daselbst als Bischof
eingesetzt. Der ehrwürdige Bischof der Halberstädter
Kirche, Reinhard, starb am 27. Februar; ihm folgte Oddo, ein Kanonikus
der Magedaburger Kirche. Es starben Graf Lodowich von Thüringen,
der Mönch geworden, und Graf Otto von Ballestad; auch kam Markgraf
Heinrich von Ilburg durch
Gift um. Zu Pfingsten kam der Kaiser in die Gebiete des
Westens; er belagerte Skulenberch zum Schaden des Utrechter Bischofs Godebald.
Aber Herzog Liuder und Bischof Theoderich
von Münster ziehen mit eilig aufgebotener Mannschaft gegen den Kaiser,
um die erwähnte Burg von der Belagerung
zu befreien, und schlagen nicht weit von ihm ihr Lager
auf. Ein dazwischenliegender Sumpf hielt sie vom Beginne des Kampfes zurück.
Endlich hebt Herzog Liuder das Lager
auf und fällt über Daventre her, in der Hoffnung, daß der
Kaiser deshalb von der Belagerung ablassen und daß so eine Gelegenheit
zum Kampfe sich bieten werde. Einige Leute aber von dem Haufen des Münsterischen
Bischofs, welche die erwähnte Stadt der Beute wegen angreifen,
übersteigen den Wall und zerstören einen großen Theil der
Vertheidigungswerke. Die Städter aber jagen diese in tapferem Widerstande,
zu welchem die Lage drängte, wieder zurück, und diese lagern
sich, nachdem sie also einige Leute verloren hatten, auf dem nächsten
Felde. Als der Kaiser dies hörte, giebt er die Burg auf und zieht
ab, um Daventre Hülfe zu bringen. Die Burgleute werden von der
Belagerung befreit. Der Herzog aber
verstärkt die Kraft der Burgleute und füllt
die Burg selbst wieder mit Lebensmitteln an. Als dies geschehen war, zieht
er heim, da seine Absicht gelungen war. [Erzbischof Adalbero von Bremen,
welcher] nach Friderich, der am 30. Januar gestorben war, [kanonisch
erwählt worden war, geht nach Rom um die Würde des Palliums zurückzufordern.
Daselbst wird er vom Herrn Papste Kalixtus ehrenvoll empfangen
und von ihm zum Erzbischofe geweiht, und auf einer Synode erlangte er nach
Urtheil und Recht das Pallium, welches durch die Nachlässigkeit seiner
beiden Vorgänger eingebüßt und auf die Dänen übertragen
war]. Denn jene alte und edle Bremer Kirche hatte nach Metropolitanrecht
den Prinzipat über Dänen und Suethen und Norweger und Skridevingen.
Auch fügte
der Herr Papst folgendes Recht hinzu, daß der Bischof
der erwähnten Kirche unbeschränkte Erlaubniß zur Predigt
habe, so weit das Land in jenen Gebieten sich am Ocean hinstreckt. Als
dieses also geschehen war, erwies der Herr Papst ihm noch darin eine Ehre,
daß er einen Geistlichen von gutem
Wandel, der mit ihm nach Rom gekommen war, zum Bischof
der Suethen weihte. Darnach kehrt er in die Heimat zurück, nachdem
ihm ein Kardinal, ein frommer Mann beigegeben worden war, welcher nach
dem Befehle des Herrn Papstes allen Bischöfen Daciens befehlen sollte,
ihm als ihrem Metropolitan zu gehorchen. Stattlich vom Kaiser aufgenommen
kam er nach Bremen, wo ihn die zahlreich versammelten Konvente dieser ganzen
Provinz feierlich empfingen.
Der Kaiser übergiebt die Mark in Misne an Wikbert.
Herzog Liuder beginnt in Gemeinschaft
mit anderen Fürsten, welche darüber unwillig waren, Krieg und
führt in diese Mark Konrad von Witin, den er dort einsetzt. Als dies
geschehen, geht er mit Adelbert, dem Sohne des Otto von Ballenstide, bis
Ilburg vor und mit ihrer Zustimmung übernehmen in beiden Marken die
Großen die Regierung jeder Mark für sich. [In diesen Tagen haben
Herzog Wladizlaus von Böhmen und Otto, welche auf Befehl des Kaisers
sowohl aus Böhmen als aus Mähren ein Heer zusammengebracht hatten,
den Wald
durchziehend bis über die Burg Guozdec hinaus
dem Herzoge Liuder gegenüber ihr
Lager aufgeschlagen. Der Bischof von Mainz aber und Graf Wikbert standen
mit einer Menge Bewaffneter am Flusse Milda. Jedoch die Sachsen, welche
in der Mitte sich befanden, hielten sie auseinander und ließen es
nicht zu, daß ihre Gegner sich vereinigten]. Wikbert jedoch
kehrte wie ein Flüchtling zurück; der Herzog von Böhmen
aber zog, nachdem er viele Leute verloren, in sein Land fort. Der Herzog
Liuder aber belagert Libuze, und nachdem er den Sohn Heinrichs
mit dem Kopfe, welcher die Burg befehligte, als Geisel empfangen
hatte, zog er heim - siegreich, wie er immer gewohnt war. Bischof Godebald
von Utrecht gewinnt des Kaisers Gnade durch die Vermittlung der Kaiserin
und die Fürbitte der Fürsten. Skulenberch wird verbrannt. Hugo
von Dagesburg stirbt, der in seiner Schönheit jenen
Trojaner Alexander, in Tapferkeit aber den Hektor darstellte.
- Gräfin Adela starb. Die Probstei in Ballenstide wird in eine Abtei
verwandelt, in der Johannes zum ersten Abte geweiht wird. - In diesem Jahre
war sowohl Herbst als Frühjahr fruchtbar, außer daß an
mehreren Orten Hagel den Saaten Schaden that. Der Winter war sehr streng
und reich an Schnee.
Das Jahr 1130.
[Weihnachten feierte der König mit einem zahlreichen
Gefolge von Fürsten im Zeltlager vor der Stadt Speier. Als die Speierischen
die Ausdauer des Königs sahen, übergaben sie endlich, überdies
vom Hunger und Kampf gezwungen, sich und ihre Stadt dem Könige am
Tage der heiligen unschuldigen Kindlein.] Die Gemahlin des Herzogs
Friderich, welche vom Herzoge zur Ermuthigung der Bürger in der Stadt
zurückgelassen worden war, von Hunger und Blöße schwer
geplagt, wird vom Könige Lothar
mit königlichen Geschenken großmüthig ausgestattet und
zieht mit den Ihrigen ab. Der König aber zog mit den Seinen hinein
und feierte gekrönt in der Stadt die Erscheinung des Herrn. Der Erzbischof
von Trier, welcher dem Könige feindselig gesinnt war, geht ohne zu
fragen nach Rom, um der Sache des Königs bei dem Herrn Papste Abbruch
zu thun. Aber nach Gottes wunderbarem Gerichte wird er auf eben dieser
Reise von dem Gegner des Königs, Konrad, dem er anhing, gefangen genommen,
in den Kerker geworfen und stirbt dort in der Gefangenschaft. [Papst
Honorius starb und ihm folgte Innocenz]. Als einige Tage nach
seiner Einsetzung verstrichen waren, wird ein gewisser Petrus oder
Anaclet, der Sohn des Petrus Leonis, der seit langer Zeit das Papstthum
erstrebt hatte, von einem Haufen Krieger zum Papste eingesetzt, indem einige
Kardinäle mehr aus Furcht als freiwillig mitwirkten.
Der König feierte Ostern in Goslar, Pfingsten in
Quidelingeburg, woselbst einige unter sich entzweite Fürsten sich
vertragen. Der König empfing die Unterwerfung der sehr stark befestigten
Stadt Nurenberg, welche er im vorigen Jahre belagert hatte.
Bischof Bertold von Hildinisheim starb und für ihn
wird Bernhard, ein Kanonikus selbiger Kirche, eingesetzt. Graf Udo von
Frekenleve, der Sohn des Markgrafen Rodolf, wurde am 15. März bei
Ascherleve von den Leuten des Markgrafen Adalbert erschlagen und mehrere
von seiner Partei wurden gefangen und verwundet. Ebenso wurde Konrad von
Eikstide nebst vielen Anderen zu Halle von den Bürgern derselben Stadt
elendiglich erschlagen. Der war ein vornehmer Mann. Nämlich Graf Esik
von Ballenstide heirathete Machtild, die Schwester der Kaiserin
Gisla, und hatte von ihr den ältern Grafen Adalbert, den
Vater Otto's, und eine Tochter Namens Adelheid, welche ein Edler
Thiemmo, genannt von Skropponlo zur Frau nahm, und sie gebar ihm Esik den
Aeltern und dessen
Bruder Ekkihard. Esik der Aeltere zeugte Esik den Jüngern
von Burnstide und sein Bruder Ekkihard zeugte diesen Konrad und Ekkihard
von Eikstide. Ferner starb Heinrich Raspo, der Bruder des Grafen
Lodowich von Thüringen, des Königs Bannerträger, eines
frühen Todes, heimlich durchbohrt. Burchard von Luckenheim, des Königs
Freund, Graf der Friesen, wurde auf einem Friedhofe von den Rittern seines
Herrn, des Grafen Herimann von Winzenburg, weil es dessen Wille war, hinterlistig
umzingelt und treulos ermordet. In nicht geringer Betrübniß
des Herzens, sowohl über den Untergang des Freundes, als auch über
das verübte Verbrechen, belagerte König
Liuder Schloß Winzenburg, verbrannte die Umgegend mit
Feuer und gab die Grafschaft desselben dem obenerwähnten Lodowich
von Thüringen. Auch wurde die Nordmark, welche Heinrich, Udo's
Sohn, gehabt hatte, an Konrad, den Sohn des Grafen Helperich von Ploceke,
übergeben.
Im Monat Oktober wird vom Könige in Wirceburg ein
Concil von sechzehn Bischöfen versammelt, bei welchem der Erzbischof
von Ravenna als Legat des apostolischen Stuhles zugegen war, und hier wird
Gregorius oder Innocentius, welcher bei der Wahl über
Petrus Leonis die Oberhand erhalten, vom König
Lothar und allen daselbst versammelten erwählt und bestätigt.