Annalen von Hildesheim
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Jahre 1112-1114.
 

1112 feiert der Kaiser Weihnachten in Goslar. Zwietracht Liutgers und des Markgrafen Roudolf mit dem Kaiser, weswegen beide nach Spruch der Fürsten verurtheilt werden. Das Herzogthum wird an Otto von Ballenstädt überlassen, die Mark an Elperich. Der Kaiser belagert Saltwideli; sie selbst warten um mit dem Kaiser zu kämpfen nicht weit von dort mit ihrem  Heere. Nachdem aber endlich die Kriegslust verraucht, wenden die genannten Fürsten sich an die Gnade des Kaisers. Adelbert, der Erwählte von Mainz, geräth in die Gefangenschaft des Kaisers.

1113 werden Reinhard, der Bischof von Halverstadt, und Wikbert zum zweiten Male vor dem Kaiser der Untreue bezichtigt. Während der Bischof abwesend war, kommt der Kaiser nach Halverstadt und belagert Horneburg. Der Bischof aber und Pfalzgraf Sifrid, Wikbert und Graf Ludwig [2 Lothowicus. Es ist Graf Ludwig (der Springer) von Thüringen.], welche mit dem Kaiser kämpfen wollten, bleiben in ihrem Lager, welches nicht weit davon aufgeschlagen war; nachdem die Stadt sich aber ergeben, und dem Bischofe selbst ein Tag bestimmt war, um sich, wenn er es vermöchte, über die Anschuldigungen zu verantworten, hörte jener Kriegslärm auf. Der Kaiser aber zog zum Rheine. Während dies geschah, wird Wikbert von Freunden des Kaisers gefangen, Pfalzgraf Sifrid getödtet, was dem Kaiser nicht geringe Freude verursachte. Ostern feiert der Kaiser in Worms. Dorthin wird der Bischof von Mainz gebracht; Triveles wird dem Kaiser übergeben; jener aber wird aufs neue in Haft genommen. Nach Ostern kommt der Kaiser nach Goslar zurück; Bischof Reinhard erlangt auf Verwendung  der Fürsten die Gnade des Kaisers; Horneburg wird verbrannt.

1114 feiert der Kaiser Weihnachten in Bavenberg. Als sich am Tage nach Epiphanien die Fürsten des ganzen Reichs versammelt, vollzieht er seine Vermählung mit der Tochter des englischen Königs in ungeheurer Pracht, wie vor ihm kein König seit langer Zeit veranstaltet. Daselbst wird Ludwig, der  da glaubte gut in des Kaisers Gnade zu stehen, auf Befehl desselben ergriffen und in Haft genommen, eine Sache, welche viele der Fürsten gegen den König erbitterte. Bischof Udo von Hildesheim starb.