Auffallend ist, dass Matthaeus
I. mit einer Nichte des
neuen Königs vermählt war. Vom Datum dieser Vermählung ist
leider nur noch festzustellen, dass es vor dem 25. März 1139 gelegen
haben muß. Es ist durchaus möglich, dass nach dem Tode LOTHARS
III. Herzog Simon eine Annäherung an das staufische
Haus für notwendig gehalten hat, und dass er selbst noch diese Familienverbindung
seines Sohnes betrieben hat. Jedenfalls finden wir Herzog
Matthaeus schon bald nach dem Tode seines Vaters in Verbindung
zu KONRAD III., er hat dessen Reichstag
zu Straßburg im Mai 1139 besucht und dort die Huldigung für
sein Herzogtum geleistet. Ob er dem damaligen Beschluß der Fürsten,
den König auf seinem Zuge gegen die Sachsen zu unterstützen,
gefolgt ist, läßt sich nicht ersehen.
Vielleicht wurde der Herzog durch seine Verwandtschaft
zum König dazu ermutigt, die Politik seines Vaters gegenüber
den Kirchengütern im wesentlichen fortzusetzen. So brachte auf einem
Hoftage des Königs Ende März 1141 in Straßburg wiederum
die Abtei Remiremont Beschwerden vor, die sich, wie ehedem gegen Simon,
jetzt gegen seinen Sohn Matthaeus richteten.
Dieser war auf dem Hoftag anwesend. Indes hat der König die Entscheidung
über die Klage verschoben. Inzwischen hatte Papst Innocenz II. bereits
über ihn die Exkommunikation ausgesprochen und über das Herzogtum
das Interdikt verhängt. Der König ging anschließend an
den Straßburger Tag nach Metz, wobei Herzog
Matthaeus in seiner Begleitung blieb. Hier kam ein Vergleich
zwischen dem Herzog und der Abtei zustande. Matthaeus gab in den
von ihr beanstandeten Punkten nach. Da indes die Bedrückung der Abtei
von seiten des Herzogs weiter anhielten, begab sich die Äbtissin Judith
nach Rom und trug dort ihre Beschwerden vor. Am 4. Juni 1144 wurden in
St. Die auf Weisung von Papst Lucius II. die Angelegenheit unter großen
Schwierigkeiten gelöst, so dass die Exkommunikation Herzog
Matthaeus und das Interdikt aufgehoben werden konnten. Es ist
möglich, dass das Ganze Ursache einer Verstimmung zwischen König
und Herzog gewesen ist, denn Matthaeus
läßt
sich von nun an nicht mehr am Hofe feststellen. Er ist in dieser Zeit auch
in Auseinandersetzungen mit Bischof Stephan von Metz geraten, zu dem sein
Verhältnis anfangs gut gewesen war. Die Unstimmigkeiten kamen durch
Absichten des Herzogs auf die Stadt Epinal, die als Enklave im Gebiet des
Herzogtums lag. Wir erfahren noch, dass der Bischof ihn militärisch
besiegen konnte und in der Burg Preny belagerte. Dann aber habe
des Bischofs Bruder, Graf Rainald von Bar, zugunsten Matthaeus
eingegriffen. Über die Motive Rainalds hierfür und über
dadurch erfolgte Regelung ist nichts bekannt. In der Folge finden wir Herzog
und Bischof miteinander verbündet.
Im Mai 1147 wurde Herzog Matthaeus
wegen Übergriffen gegen die Abtei Remiremont und offensichtlich wegen
seines Vorgehens im Bistum Toul erneut exkommuniziert. Vermutlich nach
der Exkommunikation durch den Papst wegen der Abte Remiremmont hat Herzog
Matthaeus gegenüber dem Bischof von Toul guten Willen gezeigt.
Er scheint ihm versprochen zu haben, nach seinem Auszug zum Kreuzzug Bistum
und Stadt Toul zu schützen. Offensichtlich aber gleich nach dem Aufbruch
des Bischofs begann er mit dem Bau der geplanten Burg in Gondreville. Da
sich der Klerus an den Papst wandte, wurde der Herzog erneut exkommuniziert
und das Land mit dem Interdikt belegt. Eine Übereinkunft mit der Abtei
Remiremont im Jahre 1151 machte die Exkommunikation wegen der Vorgänge
um Remiremont zunichte, während sich eine Lösung mit dem Bistum
Toul bis ins Jahr 1155 hinzog.
Zu Ende der Regierungszeit KONRADS
III. schienen die Anzeichen eines Aufstiegs des Herzogshauses
von Ober-Lothringen, wie sie sich durch die verwandtschaftlichen Beziehungen
mit den SUPPLINBURGERN und den STAUFERN
ergeben
hatte, wieder zu schwinden. Die Eigeninteressen der Herzöge hatten
sich offensichtlich nicht mit denen des Reichs vereinbaren lassen. Auch
nach der Rückkehr
KONRADS III.
vom Kreuzzug ist Herzog Matthaeus nicht
mehr am Hof nachzuweisen. Das änderte sich unter FRIEDRICH
I., in dessen Umgebung der Herzog sofort auftaucht. Er ist auch
sehr wahrscheinlich bei der Wahl am 5. März zugegen gewesen. Der König
hat nach seiner Wahl nur einige wenige, ihm geneigt erscheinende Persönlichkeiten
mit nach Aachen zur Krönung genommen. Es ist möglich, dass dazu
Herzog
Matthaeus gehörte, denn er ist in Aachen selbst sicher
nachweisbar. Zu FRIEDRICH stand er
außerdem in enger Verwandtschaftsbindung, denn seine Gemahlin war
dessen Schwester Bertha. Ob er nach der Krönung dem Hof noch
weiter gefolgt ist, läßt sich nicht sagen. Wir finden ihn dann
am 25. August 1152 in Speyer beim König und etwa einen Monat später,
am 17. Oktober, wieder in Würzburg. Als FRIEDRICH
das
Weihnachtsfest in Trier feierte, trat Matthaeus
auch zum ersten Male in einer politischen Funktion hervor.
Damals war nämlich Graf Dietrich von Flandernerschienen,
der am deutschen Hofe ein großes Ansehen besaß. Er hatte die
Absicht, sich durch den König die Lehensoberhoheit über das Bistum
Cambrai zu verschaffen und fand dabei Unterstützung bei seinem Neffen,
dem Herzog Matthaeus. Es gelang ihm,
die Übertragung beim König und den weltlichen Fürsten zu
erhalten, und, seiner Bitte folgend, ließ Herzog
Matthaeus durch einen Schreiber
die entsprechende Urkunde aufstellen, damit sie noch vor der Abreise des
Grafen unterschrieben würde. Jetzt aber erschien auch der Bischof
von Cambrai, der sich nach der Kunde von dem, was vorging, mit heftigen
Klagen an die geistlichen Fürsten wandte, die sich ihrerseits sofort
zum König begaben. Als dort Herzog Matthaeusmit
der ausgestellten Urkunde erschien und die Besiegelung forderte, protestierte
der Bischof, wobei sich die geistlichen Fürsten anschlossen. Nach
scharfen Diskussionen zwischen weltlichen und geistlichen Fürsten
gab der König nach und zog die dem Grafen von Flandern zugesprochene
Gewährung zurück. Jedenfalls läßt sich hier Herzog
Matthaeus in einer ganz bestimmten politischen Rolle feststellen,
die zeigt, dass er Einfluß beim König gewann. Von Trier aus
ist er ihm auch nach Metz gefolgt und ist im Januar 1154 wieder in Speyer
am Hofe festzustellen. Er hat allerdings am Italienzuge nicht teilgenommen.
Nach der Rückkehr FRIEDRICHS weilte
er Ende Januar 1156 wieder in Straßburg am Hofe.
In diesem Zusammenhang muß wohl auch wenigstens
zum Teil die neue Eheschließung FRIEDRICHS
I. mit Beatrix, der Erbin
der Freigrafschaft Burgund, gesehen werden. Sie war die Tochter von Matthaeus'Schwester
Agathe, die den Grafen Rainald III. von der Freigrafschaft geheiratet hatte.
Auf diesem Wege verstärkte sich also noch das bereits bestehende Verwandtschaftsband
zum Kaiser. Über die Verhandlungen, die zur Eheschließung geführt
haben, sind wir nicht weiter unterrichtet, man hat die Anwesenheit des
Erzbischofs von Besancon auf dem Hoftage in Straßburg Ende Januar
1156 mit ihnen in Verbindung gebracht, und dann wird wohl der ebenfalls
anwesende Herzog von Ober-Lothringen auch eine Rolle gespielt haben. Von
Straßburg aus hat Matthaeus
den Kaiser nach Frankfurt begleitet, ist ihm jedoch weiter nach
Norden vermutlich nicht gefolgt, denn wir finden seinen Namen nicht mehr
in den Urkunden, doch war er im Juli 1156 wieder in Würzburg am Hofe
anwesend. Hier fand die Hochzeit des Kaisers mit der Nichte des Herzogs
statt.
Nach den Würzburger Feierlichkeiten ging FRIEDRICH
nach
Nürnberg. Es läßt sich nicht erkennen, ob Herzog
Matthaeus ihn begleitete, doch ist er Mitte August wieder in
Colmar am Hofe. Jedenfalls dürfte aus den durch die Urkunden festgehaltenen
Fakten zu ersehen sein, dass er die neu gewonnene Verwandtschaft zum Kaiser
zu nutzen trachtete. So ist er Anfang Januar 1157 wieder am Hof in Trier.
Sobald FRIEDRICH
jeweils in den westlichen
Gebieten des Reichs weilte, tauchte auch der Herzog wieder auf, so in Worms
im April 1157. Schließlich hat er den Kaiser auch auf dessen längerer
Reise nach Besancon zu Ende des Jahres 1157 begleitet. Dagegen ist er ihm
nicht auf dem Italienzug gefolgt. Das bedeutete jedoch nicht etwa eine
Unterbrechung der Beziehungen zum kaiserlichen Hofe. Die Tatsache, dass
FRIEDRICH
ihm im Jahre 1162 eigens eine Aufforderung zuschickte, im August zu der
Besprechung mit dem französischen König über die Frage der
Kirchenspaltung zu kommen, ist ein Zeichen für das besondere Vertrauensverhältnis
zwischen beide.
Als FRIEDRICH I.
Ende des Jahres 1164 wieder nach Deutschland kam und sich daran machte,
seine Anhängerschaft neu zu organisieren, finden wir auch Herzog
Matthaeus Ende Dezember 1164 wieder in seiner Umgebung, als
er in Straßburg weilte. Indessen hat er an dem für die Kirchenspaltung
so bedeutsamen Würzburger Tage im Mai 1165 nicht teilgenommen, wir
wissen auch nicht, wie er zu dem damals auf den kaiserlichen Gegenpapst
geforderten Eid gestanden hat. Da sein Name in diesem Zusammenhang nicht
aufscheint, wird er sich wahrscheinlich dem Eid gefügt haben, das
Gegenteil wäre sicherlich vermeldet worden. Allerdings finden wir
ihn wiederum nicht am Hofe, als der Kaiser nach einem Aufenthalt in Bayern
und Österreich Ende September 1165 in Worms weilte. Immerhin könnte
der Eindruck entstehen, dass sich Matthaeus in
dieser Zeit etwas zurückgehalten hat, zumal er auch nicht bei der
prunkvollen Heiligsprechung
KARLS DES GROSSEN
in Aachen erschient.
Im Juli 1166 weilte er dann aber wieder in der Umgebung
des Kaisers. Vermutlich dürfte er sich mit ihm in Frankfurt, wo Ende
Mai Hof gehalten wurde, angeschlossen und ihn nach Burgund begleitete haben,
wo er in Besancon am Hofe nachzuweisen ist. Erst im Februar 1171 finden
wir ihn wieder in der Umgebung des Kaisers, jetzt allerdings in einer besonderen
Vertrauensstellung. Bei der Besprechung zwischen FRIEDRICH
I. und dem französischen König bei Vaucouleurs im
Februar 1171 beschwor er als Garant für den Kaiser die dort getroffenen
Abmachungen.
Jedoch ist eine volle Klarheit in seinen Ansichten in
dieser Zeit nicht zu erhalten, seine Stellungnahme im Streit zwischen Kaiser
FRIEDRICH und Papst Alexander bleibt undeutlich, er hat sich
nicht in erster Reihe engagiert und sich mitunter sogar ausgesprochen zurückgehalten.
Indes ist in der Zeit nach Vaucouleurs festzustellen, dass er jetzt auch
direkte Vorteile aus seiner Anhängerschaft an den Kaiser ziehen konnte.
Indessen war der neue Metzer Bischof Dietrich doch ein
Anhänger Papst Alexanders, und das hat sich schließlich dahin
ausgewirkt, dass er aus Metz weichen mußte. An seiner Stelle wurde
Herzog Matthaeus Sohn Dietrich eingesetzt. Der Herzog hat
in dieser Zeit offensichtlich die Verbindung zum Kaiser besonders gepflegt,
denn er reiste sogar bis Basel, um ihn dort am 4. März 1173 zu treffen.
Ob er ihn auch noch weiter nach Worms begleitet hat, läßt sich
nicht sagen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass bereits in Basel über
die Neubesetzung des Metzer Bischofsstuhles verhandelt wurde. Noch im Jahre
1173 weilte Dietrich als Elekt von Metz am Hofe in Kaiserslautern.
Der Herzog scheint über diesen Erfolg seines Sohnes sehr angetan gewesen
zu sein, denn er schenkte dem neuen Bischof die Burg Sierck und
gab ihm die Vogtei über Epinal zurück. Der Herzog hat weiterhin
gute Beziehungen zum Kaiser gepflegt. Am 23. Mai 1174 weilte er wieder
am Hofe in Kaiserslautern. Als
FRIEDRICH
schließlich,
zum Aufbrauch nach Italien bereit, Anfang 1174 nach Basel kam, war auch
Herzog
Matthaeus wieder zugegen.
Über seine letzte Lebenszeit läßt sich
nichts mehr erkennen, er ist am 13. Mai 1176 gestorben.